Am 12.01.2000 titelte die Süddeutsche Zeitung in Anspielung auf eine Werbekampagne mit Boris Becker: „Wir sind schon drin“ und schrieb in die Unterzeile: „Digitale Offenbarung: Die virtuelle Welt wird die wirkliche.“ Anlass dazu war die Bekanntgabe der Fusion des größten Internet-Service-Providers der Welt, AOL, mit dem damals weltweit umsatzstärksten Medienkonzern, Time Warner. Es war zwar nicht das erste Mal, dass ein Internet- Unternehmen seinen hohen Börsenwert nutzte, um ein anderes Unternehmen mittels Aktientausch zu übernehmen. Bis dahin waren es jedoch nur Objekte, die so „virtuell“ waren wie das übernehmende Unternehmen selbst, und es blieb bei einem Geschäft innerhalb der Internet-Ökonomie.
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Doch die Informations- und Kommunikationstechnologie sowie die Existenz des Internets ist nur ein Grund dafür, dass es seit einiger Zeit immer häufiger zur Gründung solcher Virtuellen Unternehmen kommt. Zu den weiteren wichtigen Einflussfaktoren zählen unter anderem die veränderten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie die Marktglobalisierung sowie ein Wandel in den Unternehmen selbst.
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Nach der Einleitung im ersten Teil der vorliegenden Arbeit, soll im zweiten Teil ein Verständnis für Virtuelle Unternehmen (VU) geschaffen werden. Wie definieren sich VU und wie grenzen sie sich von anderen Organisationsformen ab? Was sind die Stärken und Schwächen von VU und welche Auswirkungen haben sie auf die Arbeitsbeziehungen? Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den verwendeten Informations- und Kommunikationstechnologien, welche die Basis eines gut funktionierenden Virtuellen Unternehmens sind.
Der dritte Teil gibt einen aktuellen Überblick über die Medienlandschaft. Hier werden unter anderem Typen von Medienunternehmen und von Medienmärkten wie zum Beispiel die Printmärkte, die TV- und Radiomärkte sowie die Internet- und Multimediamärkte erklärt sowie die Ziele von Medienunternehmen und die Eigenheiten von Medieprodukten erörtert.
Der vierte Teil schließlich identifiziert real existierende Virtuelle Unternehmen in der Medienwirtschaft. Exemplarisch werden die Virtuellen Unternehmen missing.link, UGW Newmedia, die Virtuelle Medien AG, K1010 Entertainment sowie TWG The Webworker Group vorgestellt und anhand der vorangehenden Kapitel untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Virtualität und Unternehmen
2.1 Definitionen der Virtuellen Unternehmung
2.1.1 Definitonsversuch von Hopland
2.1.2 Definitionsversuch von Nagel
2.1.3 Definitionsversuch von Davidow und Malone
2.1.4 Definitionsversuch von Mertens und Olbrich
2.1.5 Definitionsversuch von Byrne
2.1.6 Virtualität und Virtuelle Unternehmung
2.1.6.1 Virtualität
2.1.6.2 Virtuelle Unternehmung
2.2 Netzwerkkonzepte
2.2.1 Unternehmungsnetzwerk
2.2.2 Strategisches Netzwerk
2.2.3 Keiretsu
2.2.4 Hollow Organization
2.2.5 Sonstige Konzepte
2.3 Virtuelle Stärken und Schwächen
2.3.1 Stärken
2.3.2 Schwächen
2.4 Informations- und Kommunikationstechnologie
2.4.1 Differenzierung
2.4.2 Eignung und Bewertung von IuK
2.4.2.1 Unterstützungsverfahren
2.4.2.2 Übertragungswege
2.4.2.3 Bewertung
2.4.3 Anforderungen eines IuK-Systems in VU
2.4.4 Softwareunterstützung in Virtuellen Unternehmen
2.5 Erfolgsfaktor Vertrauen
2.5.1 Vertrauenskultur
2.5.2 Vertrauen versus Vertrag
2.6 Auswirkungen auf Arbeitsbeziehungen
3. Medienwirtschaft
3.1 Medienunternehmen
3.1.1 Massenmedien
3.1.2 Typen von Medienunternehmen
3.2 Medienmärkte
3.2.1 Charakteristika der Medienmärkte
3.2.2 Regulierung der Medienmärkte
3.3 Ziele von Medienunternehmen
3.4 Eigenheiten von Medienprodukten
3.5 Wertschöpfung in Medienunternehmen
4. Beispiele Virtueller Unternehmen
4.1 missing.link GmbH
4.2 UGW Newmedia GmbH
4.3 Virtuelle Medien AG
4.4 K1010 Entertainment GmbH
4.5 TWG The Webworker Group
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der virtuellen Unternehmung vor dem Hintergrund der zunehmenden Globalisierung und Flexibilisierung in der Medienwirtschaft. Ziel ist es, ein Verständnis für Organisationsformen virtueller Unternehmen zu schaffen, deren Stärken und Schwächen zu analysieren sowie die Rolle der Informations- und Kommunikationstechnologie als Basis für den Erfolg solcher Netzwerke zu beleuchten.
- Begriffsdefinitionen und theoretische Abgrenzung virtueller Unternehmen
- Analyse der Stärken (z.B. Flexibilität) und Schwächen (z.B. Haftungsfragen)
- Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) als Basisinfrastruktur
- Vertrauenskultur als kritischer Erfolgsfaktor in virtuellen Kooperationen
- Branchenspezifische Untersuchung der Medienwirtschaft und Darstellung real existierender Beispiele
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Anforderungen an IuK-Systeme in Virtuellen Unternehmen
An IuK-Systeme für Virtuelle Unternehmen werden besondere Anforderungen gestellt, welche in der engen, aber zeitlich befristeten Zusammenarbeit verschiedener Partner mit bereits existierenden Datenverarbeitungssystemen an unterschiedlichen Standorten begründet liegen. Die besonderen Anforderungen können in drei Punkten zusammengefasst werden:
1. Die Integration von Partnern mit verschiedenen Bindungsintensitäten (lose bis fest) muss möglich sein.
2. Die Integration von Partnern mit unterschiedlichen IT-Erfahrungen und -Fähigkeiten (naiv bis erfahren) muss möglich sein.
3. Es müssen alle für das Virtuelle Unternehmen notwendigen Funktionen bereitgestellt werden – angefangen von der einfachen Datenübertragung über einen unternehmensübergreifenden Datenzugriff bis hin zu gleichzeitiger Zusammenarbeit an unterschiedlichen Standorten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung virtueller Unternehmen als Reaktion auf Globalisierung und Technologisierung, ausgehend von prominenten Marktveränderungen wie der Fusion von AOL und Time Warner.
2. Virtualität und Unternehmen: Dieses Kapitel definiert den Begriff des virtuellen Unternehmens, diskutiert verschiedene theoretische Definitionsansätze, Netzwerkkonzepte und erörtert die Rolle von IuK-Systemen sowie den Erfolgsfaktor Vertrauen.
3. Medienwirtschaft: Es wird ein Überblick über die Besonderheiten der Medienlandschaft gegeben, einschließlich Medientypen, ökonomischer Ziele, der Spezifika von Medienprodukten und der Wertschöpfungsketten in der Branche.
4. Beispiele Virtueller Unternehmen: Dieser Teil identifiziert und analysiert praxisnah fünf konkrete Unternehmen aus der Medienwirtschaft, um die theoretischen Aspekte der virtuellen Kooperation zu illustrieren.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass virtuelle Unternehmen eine zukunftsfähige Organisationsform für die Medienwirtschaft darstellen, sofern die Kernkompetenzen und die technologische Infrastruktur eine effektive Zusammenarbeit ermöglichen.
Schlüsselwörter
Virtuelle Unternehmung, Medienwirtschaft, Netzwerkkonzepte, Kooperation, Informations- und Kommunikationstechnologie, IuK, Vertrauen, Wertschöpfung, Flexibilität, Outsourcing, Medienmärkte, Kernkompetenzen, Prozessorientierung, Globalisierung, Organisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Organisationsform der virtuellen Unternehmung, insbesondere im Kontext der Medienwirtschaft, und wie diese durch moderne Informationstechnologien ermöglicht wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Organisations- und Netzwerkkonzepte, die Rolle der IuK-Systeme, der Erfolgsfaktor Vertrauen in informellen Strukturen sowie die Anwendung dieser Prinzipien in der Medienbranche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis für virtuelle Unternehmen zu schaffen, deren Vorteile und Risiken aufzuzeigen und zu untersuchen, wie diese Unternehmensform den Anforderungen der modernen Medienwirtschaft gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Literaturanalyse zu Organisationsformen und IuK-Systemen, ergänzt durch eine empirische Identifizierung und Untersuchung real existierender Beispiele mittels Fragebögen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Begriffsbestimmung, die Analyse von Stärken, Schwächen und technologischen Anforderungen, eine ökonomische Betrachtung der Medienwirtschaft sowie die Vorstellung realer Fallbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Virtuelle Unternehmung, Medienwirtschaft, Netzwerkkonzepte, IuK-Technologien und Kernkompetenzen charakterisieren.
Was macht das Kapitel über "Vertrauen versus Vertrag" so besonders?
Es verdeutlicht, dass trotz des informellen und flexiblen Charakters virtueller Unternehmen rechtliche Absicherungen (z.B. GbR-Problematik) notwendig sind, um Haftungsrisiken und das unerwartete Ende von Kooperationen zu vermeiden.
Welche Rolle spielt die IuK-Infrastruktur konkret?
Sie bildet das technologische Rückgrat, das standortübergreifende Zusammenarbeit, Datenaustausch und die Integration heterogener IT-Systeme der verschiedenen Kooperationspartner überhaupt erst ermöglicht.
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- Oliver Grunzke (Author), 2003, Virtuelle Unternehmen der Medienwirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18486