Interkulturelle Managementansätze: Alexander Thomas - Kulturbegriff und Kulturstandards


Seminararbeit, 2010
19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person Alexander Thomas
2.1. Thematik und Einordnung seiner Forschungsarbeit

3. Thomas Kulturbegriff und das Konzept der Kulturstandards
3.1. Kultur
3.2. Das Konzept der Kulturstandards
3.2.1. Sozialisation
3.2.2 Kulturstandards in kritischen interkulturellenhÜberschneidungssituationen
3.3. Identifikation von Kulturstandards

4. Interkulturelle Trainings
4.1. Bezug zur interkulturellen Managementforschung und Ökonomie

5. Kritik

6. Fazit

7.Quellenangabe
7.1. Literatur
7.2. Internet

1) Einleitung

Ein zentrales Merkmal unserer heutigen modernen Gesellschaft ist die zunehmende Verflechtung verschiedener Lebensbereiche auf globaler Ebene.

Vor allem im wirtschaftlichen Bereich nehmen im Zuge der Internationalisierung die Kontakte zu Menschen aus anderen Kulturen zu.

Um in solchen interkulturellen Begegnungen erfolgreich handeln und die gewünschten Ziele erreichen zu können, ist eine Sensibilisierung für die fremde Kultur unerlässlich.

Alexander Thomas, ein bedeutender Vertreter der interkulturellen Managementforschung, hat Trainingsmethoden entwickelt, die durch die Vermittlung interkultureller Kommunikations- und Handlungskompetenzen die Interaktion zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen verbessern sollen.

Dabei geht Thomas davon aus, dass Menschen, die in unterschiedlichen Kulturen aufwachsen, sich nach unterschiedlichen Kulturstandards richten und deshalb interkulturelle Begegnungssituationen oft kritisch verlaufen.

Im Folgenden möchte ich kurz die Person Alexander Thomas vorstellen, seine Thematik in unseren Zusammenhang von „ Kultur und Management“ einnorden und einen Überblick geben über sein Verständnis von Kultur und seinem Konzept der Kulturstandards.

Anschließend gehe ich auf die Methode ein, mit der Thomas die Kulturstandards identifiziert, welche letztlich die Grundlage für die Konzeption der interkulturellen Trainings bilden.

Zum Schluss möchte ich noch einen Bezug zur Ökonomie herstellen und eine kritische Stellungnahme abgeben.

2) Zur Person Alexander Thomas

Alexander Thomas ist ein deutscher Psychologe mit den Forschungsschwerpunkten Handlungspsychologie, Organisationspsychologie und vor allem der interkulturellen Psychologie.

Er wurde 1939 in Köln geboren und studierte Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaften in Köln, Bonn und Münster. 1970 promovierte er in Psychologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und wurde 1973 an der Freien Universität Berlin zum Professor ernannt. 1979 wechselte er an die Universität Regensburg, wo er im Mai 2005 emeritiert wurde. An der Universität Regensburg war er Mitbegründer des Zusatzstudienganges „ Interkulturelle Handlungskompetenz“, der Studenten aller Fächer auf internationale Kooperationen im Berufsleben vorbereiten soll.

Hierfür bekam er 2003 den Sonderpreis des Bayrischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Im Jahr 2004 erhielt Alexander Thomas den Deutschen Psychologie-Preis für seine wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der interkulturellen Psychologie.

2.1) Thematik und Einordnung

Wie ich schon eingangs erwähnt hatte, findet im Zuge von Globalisierung und Internationalisierung in unserer heutigen modernen Welt eine zunehmende Vernetzung von weiten Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens statt, wodurch interkulturelle Begegnungen zunehmen. Dieser Prozess der Vernetzung wird beschleunigt durch hochmoderne technologische Entwicklungen und stellt neue Anforderungen an uns Menschen dar, denen wir laut Thomas psychisch noch nicht gewachsen sind.

Unsere psychische Entwicklung hinkt der gesellschaftlichen quasi noch hinterher.

Ein Beweis dieser Diskrepanz zwischen den äußeren Anforderungen und unserer mangelnden Fähigkeit, diese zu bewältigen, sieht Thomas in kritisch verlaufenden interkulturellen Interaktionssituationen, die uns laut Thomas psychisch überfordern.

Also konkret formuliert:

Durch die Internationalisierung finden vermehrt interkulturelle Begegnungen statt, denen wir uns nicht entziehen können .Somit sind wir einem Zwang zur interkulturellen Zusammenarbeit in den unterschiedlichsten Lebensbereichen ausgeliefert.

Diese interkulturellen Begegnungssituationen verlaufen häufig kritisch, weil sich noch keine interkulturelle Handlungskompetenz entwickelt hat, mit der wir die Situation angemessen bewältigen könnten.

Dadurch, dass diese gesellschaftliche Entwicklung der Vernetzung unaufhaltsam ist und niemand hiervon unberührt bleibt, sieht Thomas es als notwendig an, globales Denken und Handeln zu fördern.

Folglich besteht sein Anspruch darin, einen Beitrag zu leisten für die Entwicklung von Fähigkeiten, die einer erfolgreichen interkulturellen Kommunikation und Kooperation förderlich sind. Interkulturelle Begegnungen sollen als Bereicherung erfahren werden.

Thomas wird diesem Anspruch gerecht, in dem er versucht, in seinen Forschungsergebnissen einen Praxisbezug herzustellen und Trainingsmaterialien für interkulturelle Orientierungstrainings auf Grundlage seiner Erkenntnisse zu entwickeln.

Diese Trainings sollen den Teilnehmern Handlungskompetenzen vermitteln, sodass sie interkulturelle Begegnungen künftig erfolgreich meistern können.

Durch diese Anwendungs-bzw. Praxisorientierung stößt Thomas Arbeit auf große Resonanz in der interkulturellen Managementforschung und er gilt als ein repräsentativer Vertreter ebendieser Forschungsrichtung.

Thomas Forschungsansatz darf aber nicht nur der interkulturellen Managementforschung zugeordnet werden, denn er betont, dass für die Entwicklung von Lösungsvorschlägen für eine Verbesserung der kulturellen Begegnung ein Austausch verschiedener Disziplinen wie zum Beispiel der Psychologie, Ethnologie, Soziologie und der Kommunikationswissenschaft nötig ist.

Jedoch rechnet er sich hauptsächlich der interkulturellen Psychologie zu.

Die interkulturelle Psychologie beschäftigt sich mit menschlicher Wahrnehmung und menschlichem Denken, Urteilen, Fühlen und Verhalten in Situationen interkultureller Begegnung und Interaktion. Diese Situationen kennzeichnet Thomas als „Grenz- und Sondersituationen, die dadurch gekennzeichnet sind, dass Menschen aus verschiedenen Kulturen einander begegnen, bedeutsam füreinander werden, miteinander kommunizieren und evtl. sogar miteinander kooperieren“ (Thomas 1996: 113f.).

Thomas sieht eine wichtige Aufgabe der interkulturellen Psychologie, handlungsregulierende Kulturstandards in interkulturellen Begegnungssituationen kulturvergleichend zu identifizieren und zu analysieren, um auf Grundlage der Kulturstandards interkulturelle Trainings zu entwickeln.

Aber was verbirgt sich nun hinter dem Konzept der Kulturstandards?

Im folgenden Abschnitt möchte ich nun ein Verständnis für Thomas Kulturbegriff und sein Konzept der Kulturstandards vermitteln.

3) Thomas´ Kulturbegriff und das Konzept der Kulturstandards

3.1) Kultur

Alexander Thomas räumt ein, dass es viele verschiedene Definitionen von „ Kultur“ gibt und der Begriff „ Kultur“ einen sehr weiten Bereich umfasst.

Aber speziell unter dem Aspekt interkultureller Begegnungssituationen und deren Verbesserung schlägt Thomas folgende Definition von Kultur vor:

„Kultur ist ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation und Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem.

Dieses Orientierungssystem wird aus spezifischen Symbolen gebildet und in der jeweiligen Gesellschaft usw. tradiert.

Es beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller ihrer Mitglieder und definiert somit deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft.

Kultur als Orientierungssystem strukturiert ein für die sich der Gesellschaft zugehörig fühlenden Individuen spezifisches Handlungsfeld und schafft damit die Voraussetzung zur Entwicklung eigenständiger Formen der Umweltbewältigung“ (Thomas 1996B zitiert nach Schlamelcher 2003: 50).

Laut Thomas leben alle Menschen in einer spezifischen Kultur und entwickeln sie weiter (vgl. Thomas 2005: 22). Kultur ist also etwas Veränderliches, das aus den Menschen heraus gebildet, von ihnen weiter entwickelt und an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wird.

Dabei gibt Kultur einen Rahmen vor, innerhalb dessen wir uns bewegen uns unsere Handlungen ausrichten. Kultur als Orientierungssystem schafft uns „Handlungsmöglichkeiten und Handlungsanreize, andererseits aber auch Handlungsbedingungen und setzt Handlungsgrenzen fest“ (Thomas 2005: 22).

Thomas geht davon aus, dass der Mensch ein zentrales Bedürfnis hat, sich in der Welt zurechtzufinden bzw. orientieren zu können. Dies gelingt dem Menschen durch ausreichendes Wissen über seine Umwelt und der Fähigkeit, sich diesem Wissen entsprechend verhalten zu können.

Kultur als Orientierungssystem hilft uns Orientierung zu gewinnen, da sie uns kollektive und sozialverbindliche Normen und Regeln vermittelt. Durch diese Regeln und Normen wiederum sind wir in der Lage, automatisch „den uns umgebenden Dingen, Personen, Gegenständen und Prozessen Bedeutung und Sinn zu verleihen“ (Thomas 2005: 22), sie also zu strukturieren und zu verstehen.

Genau hier knüpft das Konzept der Kulturstandards an.

3.2) Das Konzept der Kulturstandards

In jedem kulturellen Orientierungssystem sind zentrale Merkmale zu finden, die Thomas als sogenannte „ Kulturstandards“ bezeichnet.

Kulturstandards sind für eine Kultur typische Verhaltens- und Bewertungsstandards, die Thomas durch folgende Merkmale definiert:

Kulturstandards sind „alle Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns, die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich persönlich und andere als normal, selbstverständlich, typisch und verbindlich angesehen werden“

folglich liefern Kulturstandards den Mitgliedern einer bestimmten Kultur Orientierung für ihr eigenes Verhalten und entsprechen den geteilten Normen, Werten, Überzeugungen, Regeln und Einstellungen innerhalb einer Kultur Eigenes und fremdes Verhalten wird aufgrund dieser Kulturstandards gesteuert, reguliert und beurteilt Kulturstandards dienen also als Maßstab nicht nur für die Steuerung des eigenen Verhaltens, sondern auch für die Erwartung, Wahrnehmung ,Einschätzung und Beurteilung von Fremdverhalten Kulturstandards besitzen Regulationsfunktion in einem weiten Bereich der Situationsbewältigung und des Umgangs mit Personen werden also in unterschiedlichsten Situationen wirksam und sind nicht nur auf eine spezifische Problemstellung/Handlungsfeld begrenzt. Deshalb gelten diese zentralen und immer wiederkehrenden Kulturstandards als unverwechselbar und charakteristisch für einen bestimmten Kulturraum Kulturstandards können verschiedene Formen annehmen, von allgemeinen Werten hin zu speziellen Verhaltensvorschriften, die in einer spezifischen Situation gelten.

Die individuelle und gruppenspezifische Art und Weise des Umgangs mit Kulturstandards zur Verhaltensregulation kann innerhalb eines gewissen Toleranzbereichs variieren.

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Managementansätze: Alexander Thomas - Kulturbegriff und Kulturstandards
Hochschule
Hochschule Fulda
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V184872
ISBN (eBook)
9783656198956
ISBN (Buch)
9783656200024
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interkulturelle, managementansätze, alexander, thomas, kulturbegriff, kulturstandards
Arbeit zitieren
Sarah Wiggenhauser (Autor), 2010, Interkulturelle Managementansätze: Alexander Thomas - Kulturbegriff und Kulturstandards, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184872

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