Medienprodukt Leistungssport

Die sozioökologischen und wirtschaftlichen Effekte der FIFA Fußball-WM 2006™ in Deutschland


Hausarbeit, 2011
23 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft™ in Deutschland 2006
1.1 Einleitung
1.2 Geschichte
1.3 Bedeutung einer Weltmeisterschaft
1.4 Daten und Fakten
1.5 Austragungsorte und Stadien
1.6 Public Viewing

2. Sozioökologische Effekte der WM 2006
2.1 Ökologische Effekte
2.2 Soziologische und Image-Effekte

3. Wirtschaftliche Effekte der WM 2006
3.1 Tourismus und Infrastruktur
3.2 Modernisierung der Stadien

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Gastgeber und Sieger aller Weltmeisterschaften

Abb. 2: Austragungsorte der FIFA Fußball-WM 2006

Abb. 3: Offizielles FIFA Fan-Fest in Berlin vor dem Brandenburger Tor

1. Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft™ in Deutschland 2006

1.1 Einleitung

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft ist ein einzigartiges, sportliches Großevent, welches viele Sportbegeisterte auf der ganzen Welt in seinen Bann zieht. Eine Studie aus dem Jahre 2004 von Sportfive, einem internationalen Sportrechtevermarkter, macht die Bedeutung des Fußballs deutlich. Laut der Studie interessieren sich 50 Millionen Deutsche für Fußball, für 36 Millionen Deutsche gilt Fußball als der wichtigste Sport im Fernsehen und 39 Prozent aller Deutschen geben an, dass Fußball nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken sei.[1]

Deutschland war als Exportweltmeister bisher für besondere herausragende Technologien und Innovationen bekannt. Außerdem gilt Deutschland als ein Land, welches Veranstaltungen perfekt organisieren kann. Jedoch galt Deutschland nicht als besonders gastfreundlich und ausgelassene Feste könnten die deutschen auch nicht feiern. Deshalb wurde der Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden!“ für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006™ ausgewählt und Deutschland versuchte sich als besonders freundlicher Gastgeber zu präsentieren.[2]

Fußball gilt als die Sportart, die national und international das größte Zuschauerpotenzial verbuchen kann und am weitesten kommerzialisiert ist. Aus diesen Gründen werden wirtschaftliche Interessen der Beteiligten einer Fußball-WM ein immer entscheidenderer Faktor. Diese Faktoren sind nicht nur für die Fußballfans vorteilhaft sondern auch für die Austragungsländer, da bereits vor der Austragung der Weltmeisterschaft in die Infrastruktur, den Ausbau von Stadien sowie den Tourismusbereich investiert wird.[3] In dieser Arbeit sollen die Folgen der Investitionen vor einer Weltmeisterschaft auf das Austragungsland betrachtet werden.

1.2 Geschichte

Im Jahre 1930 fand die erste Fußball-Weltmeisterschaft in Uruguay statt. Seit dem folgten weitere 18 Weltmeisterschaften. Im Zeitraum zwischen 1938 und 1950 fanden aufgrund des zweiten Weltkrieges keine Weltmiesterschaften statt. Aus internationaler Ächtung war es Deutschland und Ungarn untersagt an der Weltmeisterschaft 1950 in Brasilien teilzunehmen.[4] Es gelang bisher nur acht verschiedenen Nationen die Weltmeisterschaft zu gewinnen, während bisher 76 verschiedene Nationen an der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft teilnahmen.[5]

Aus der Abbildung 1 wird deutlich, dass bisher sechs verschiedene Nationen den Heimvorteil der Austragung einer WM im eigenen Land nutzen konnten und im eigenen Land Weltmeister wurden. Dazu gehören Uruguay (1930), Italien (1934), England (1966),

Deutschland (1974), Argentinien (1978) und Frankreich (1998). Es gelang bisher nur Italien (1934 und 1938) sowie Brasilien (1958 und 1962) den Weltmeistertitel erfolgreich zu verteidigen. Im Jahre 2002 wurde das erste Mal eine Fußball-Weltmeisterschaft auf asiatischem Boden (Japan und Südkorea) und im Jahr 2010 das erste Mal auf dem afrikanischen Kontinent (Südafrika) ausgetragen. Bisher wurden in Italien (1934 und 1990), Frankreich (1938 und 1998), Mexiko (1970 und 1986) und Deutschland (1974 und 2006) jeweils zwei Weltmeisterschaften ausgetragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Darstellung alles Gastgeber und Sieger der bisherigen Weltmeisterschaften

1.3 Bedeutung einer Weltmeisterschaft (Quelle: Fussball-WM to<al ^Km^terechaften«.

Eine Weltmeisterschaft rückt das Gastgeberland in den Fokus der Öffentlichkeit, sodass das Gastgeberland die Möglichkeit erhält, sich der Welt zu präsentieren. Des Öfteren wird die Weltmeisterschaft von der FIFA an Länder, in denen der Fußball weniger populär ist, vergeben, um weitere Menschen am Fußball zu begeistern. Entsprechende Beispiele hierfür sind die WM 1994 in den USA, die WM 2002 in Japan und Südkorea sowie die WM 2010 in Südafrika. Die Vergabe der Weltmeisterschaft nach Russland 2018, welche eine große Zunahme der Fangemeinde durch die hohe Bevölkerungszahl Russlands verspricht und die Weltmeisterschaft 2022 in Katar kann die Erhöhung der Popularität des Fußballs im nahen Osten ermöglichen. Heutzutage spielen in den nationalen Ligen Spieler vieler verschiedener Nationen, welches den Identifikationsfaktor der Nationalmannschaften unter den Fans der nationalen Ligen erhöht. Aus wirtschaftlicher Sicht wird eine erfolgreiche Nationalmannschaft zur Vermarktung der nationalen Liga und den dazugehörigen Vereinen als entscheidende Voraussetzung gesehen.

Die weitbesten Mannschaften zeigen bei den internationalen Turnieren den modernen Spitzenfußball, welcher als Inspiration für die nationalen Mannschaft gilt und zur Verbesserung der Spielweisen und -systeme führt. Folglich führt dieses zur Verbesserung der Qualität des Fußballs im Allgemeinen, was wiederum dazu führt, dass die Fangemeinde des Fußballs größer wird.[6]

1.4 Daten und Fakten

Am 6. Juli 2000 wurde vom F/FÆ-Exekutivkomitee in Zürich die FIFA Fußball­Weltmeisterschaft 2006™ an Deutschland vergeben. Die Konkurrenten Deutschlands für die Austragung der Weltmeisterschaft 2006 waren Ägypten, Brasilien, England, Ghana, Marokko, Nigeria und Südafrika. Es wurde nach drei Wahldurchgängen letztendlich zwischen Südafrika und Deutschland entschieden, wobei Deutschland im letzten Wahldurchgang zwölf Stimmen und Südafrika nur elf Stimmer erhielt. Somit war die Austragung der 18. Weltmeisterschaft in Deutschland beschlossen.

Am 10. Dezember 2005 wurde die Endrunde der 32 qualifizierten Mannschaften ausgelost. Es wurden acht Gruppen mit je vier Mannschaften gebildet. Das Gastgeberland bestritt das erste Spiel und folglich wurde Deutschland in der Gruppe A eingeordnet. Von den 32 qualifizierten Teilnehmer stammten 14 aus Europa, fünf aus Afrika, vier aus Südamerika, vier weitere aus Nord- und Mittelamerika, vier aus Asien und ein Teilnehmer aus Ozeanien.[7]

Die Weltmeisterschaft dauerte vom 9. Juni bis zum 9. Juli 2006 an. Es wurden insgesamt 64 Spiele in zwölf verschiedenen Städten ausgetragen. Die Weltmeisterschaft in Deutschland war die erste, bei der es keine feste Zuordnung zwischen Mannschaft und Spielort in der Vorrunde gab. Das bedeutet, dass keine Mannschaft zwei mal im gleichen Stadion ein Vorrundenspiel bestritten hat. Diese Neuerung sorgte für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, da die Anhänger der Mannschaften zu mehreren Spielorten reisen mussten, um alle Spiele ihrer Mannschaft verfolgen zu können.

Das Finale spielten Italien und Frankreich aus, welches 1:1 nach Verlängerung ausging und Italien im Elfmeterschießen mit 5:3 für sich entscheiden konnte. Das Spiel um Platz drei bestritt Deutschland gegen Portugal. Deutschland konnte sich nach regulärer Spielzeit mit 3:1 durchsetzen.[8]

Es wurde in 64 Spielen 147 Tore erzielt, entsprechend einer durchschnittlichen Torquote von 2,3 Toren pro Spiel und insgesamt verfolgten 3.359 Millionen Zuschauer im Stadion das Spielgeschehen, was einen Durchschnitt von ungefähr 52.500 Zuschauer pro Spiel ergibt.

Als bester Spieler des Turniers wurde der Franzose Zinedine Zidane, als bester Torschütze der Deutsche Miroslav Klose mit fünf Toren im laufenden Turniern, als bester Torhüter der Italiener Gianluigi Buffon und als bester junger Spieler der Deutsche Lukas Podolski ausgezeichnet. Des Weiteren wurde mit Spanien und Brasilien die fairsten Mannschaften ausgezeichnet und die Mannschaft Portugals erhielt die Auszeichnung für das unterhaltsamste Team.[9]

1.5 Austragungsorte und Stadien

In den Städten Berlin, Dortmund, München, Stuttgart, Gelsenkirchen, Hamburg, Kaiserslautern, Nürnberg, Köln, Hannover und Leipzig (s. Abb. 2) wurden die 64 Spiele der Weltmeisterschaft ausgetragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Austragungsorte der FIFA Fußball-WM 2006 (Quelle: Stepmap [Austragungsorte]).

Es hatten sich jedoch außerdem Leverkusen, Bremen, Mönchengladbach und Düsseldorf für die Austragung von Spielen der Weltmeisterschaft beworben. Sie wurden aber durch ein Überangebot der Bewerber im Norden und Westen nicht
berücksichtigt, da besonders eine ausgewogene Verteilung der Austragungsorte auf das gesamte Bundesgebiet gewährleistet werden sollte.[10]

In einem von der FIFA verfassten 150 Seiten langen Pflichtenheft Stadion 2006 wurden entsprechende Standards vorgeschrieben, an die sich das Austragungsland halten musste. In diesem Pflichtenheft werden zehn Kriterien umfassend beschrieben. Diese zehn Kriterien sind das Fassungsvermögen, der Zuschauerkomfort, die technische Einrichtung, die Funktionsräume, die Zutrittskontrolle, die Medien, der Außenbereich, die Umwelt, das Marketing und die regionalen Aspekte.[11]

Nach der Vergabe der FIFA Fußball-WM 2006™ an Deutschland im Juli 2000 wurde an der Modernisierung sowie der Anpassung an den internationalen Standards und teilweise der Neuerrichtung der zwölf Stadien an den ausgewählten Austragungsorten unter Beachtung der von der FIFA vorgegebenen Kriterien gearbeitet.

Zur Verhinderung von hohen Folgekosten sollte die Verwendung der Stadien auch nach der Weltmeisterschaft noch betriebswirtschaftlich gewährleistet sein. Somit ist die Auswahl der Spielorte als wichtigen Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg einer Weltmeisterschaft anzusehen.[12]

Als einziges Stadion ohne Aussicht auf absehbaren Folgebetrieb wurde das Leipziger Zentralstadion errichtet. Da sich die Stadt Leipzig zur Austragung der Olympischen Spiele 2012 bewarb, aber nicht die Zusage bekam und keiner der in Leipzig ansässigen Fußballvereine in der ersten oder zweiten Fußball Bundesliga spielen, finden auch weiterhin keine Erst- oder Zweitliga Bundesligaspiele oder ähnlicher Folgebetrieb im Leipziger Zentralstadion statt. Der Bau des Stadions in Leipzig ist zum Teil auch politisch bedingt gewesen. Es sollte zumindest ein WM-Standort in einem der neuen Bundesländer sein. Das Leipziger Zentralstadion wurde seit der WM 2006 nur für ein Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft und für Konzerte verschiedener Sänger und Gruppen genutzt.[13] Am 24. Juli 2010 wurde das Leipziger Zentralstadion mit einem Freundschaftsspiel des RasenBallsport Leipzig e.V. gegen den FC Schalke 04 e.V. offiziell in Red Bull Arena umbenannt und ist seitdem die Heimspielstätte des in der Regionalliga Nord vertretenen RasenBallsport Leipzigs.[14] Außerdem besteht die

Möglichkeit, dass die Red Bull Arena bei organisatorischen Problemen der EM 2012 in Ukraine und Polen als alternative Spielstätte genutzt werden könnte.[15]

Wäre es nicht zu einem Sponsoring durch Red Bull gekommen, hätte das Leipziger Zentralstadion zu einem FIFA Fußball-WM Museum umgebaut oder zu einem Einkaufszentrum umfunktioniert werden können.[16]

Zehn der weiteren elf Stadien der Weltmeisterschaftsstandorte werden im Jahr 2011 für Bundesligaspiele der ersten Bundesliga genutzt. Lediglich der Eintracht Frankfurt spielt in der nächsten Saison zweitklassig, da es dem Eintracht Frankfurt nicht geglückt ist nach einer guten Vorrunde die entsprechende Form zu halten, um den Klassenerhalt in der ersten Fußball-Bundesliga zu erreichen.

1.6 Public Viewing

Während der Weltmeisterschaft 2006 fand in jedem Austragungsort ein offizielles FIFA Fan-Fest statt, bei welchem alle Spiele der Fußball-WM für eine große Masse an Zuschauern auf Großleinwänden übertragen wurde. Beispielsweise haben wie in Abbildung 3 ersichtlich bis zu Hunderttausende in Berlin vor dem Brandenburger Tor die Weltmeisterschaft miterlebt.[17] In Frankfurt am Main wurde eine Leinwand in die Mitte des Mains aufgestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Offizielles FIFA Fan-Fest in Berlin vor dem Brandenburger Tor (Quelle: Willnow [Zidane]).

[...]


[1] Vgl. Hamacher; Ruzika [Fußball], S. 28.

[2] Vgl. Ruda; Klug [Sport-Sponsoring], S.43.

[3] Vgl. Hamacher; Ruzika [Fußball], S. 25.

[4] Vgl. WM-Geschichte.info [Geschichte].

[5] Vgl. FIFA [Ewige Tabelle].

[6] Vgl. Hamacher; Ruzika [Fußball], S. 29.

[7] Vgl. FIFA [Teilnehmer].

[8] Vgl. FIFA [Ergebnisse].

[9] Vgl. FIFA [Deutschland 2006].

[10] Vgl. Ruda; Klug [Sport-Sponsoring], S. 54.

[11] Vgl. Ruda; Klug [Sport-Sponsoring], S. 55.

[12] Vgl. Ruda; Klug [Sport-Sponsoring], S. 54.

[13] Vgl. Ruda; Klug [Sport-Sponsoring], S. 67. Vgl. Sportforum Leipzig [Red Bull Arena].

[14] Vgl. Stadt Leipzig [Zentralstadion].

[15] Vgl. Ruda; Klug [Sport-Sponsoring], S. 67f.

[16] Vgl. Ruda; Klug [Sport-Sponsoring], S. 55.

[17] Vgl. Ladewig; Vowickel [Ball], S. 105f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Medienprodukt Leistungssport
Untertitel
Die sozioökologischen und wirtschaftlichen Effekte der FIFA Fußball-WM 2006™ in Deutschland
Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg
Note
1.3
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V184897
ISBN (eBook)
9783656100591
ISBN (Buch)
9783656102083
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Lediglich 2 Punkte haben zur Bestnote von 1.0 gefehlt.
Schlagworte
Leistungssport, Medienprodukt, Fußball, FIFA, WM 2006, Weltmeisterschaft 2006, Fußball Weltmeisterschaft 2006, Effekte der Weltmeisterschaft, FIFA World Cup 2006
Arbeit zitieren
Tobias Thormann (Autor), 2011, Medienprodukt Leistungssport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184897

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