Innovationspotenzial praktischer Umweltpolitik

Europäische Ökodesign-Richtlinie vs. Japanisches Top-Runner-Programm


Studienarbeit, 2010

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die europäische Ökodesignrichtlinie
2.1 Gestaltung und Ziele
2.2 Anwendung und Wirkung
2.3 Ergebnisse und Bewertung

3 Dasjapanische Top-Runner-Programm
3.1 Gestaltung und Ziele
3.2 Anwendung und Wirkung
3.3 Ergebnisse und Bewertung

4 Kritischer Vergleich und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Jedes Jahrzehnt entwickelt seine eigenen Trends, meist auf der gesellschaftlichen, sozialen oder kulturellen Ebene. Doch oftmals zeigt auch die ökonomische Welt ein gewisses Trendverhalten, wobei oft auch Wechselwirkungen mit den anderen genannten Bereichen stattfinden: Die Etablierung von Computern und Internet lässt nicht nur Technologie- und IT-Firmen Gewinne einfahren, sie beeinflusst auch stark unser tägliches Verhalten in einer neuen, oftmals hoch technisierten Welt.

Der wohl erste große Trend des 21. Jahrhunderts geht den umgekehrten Weg. Während Umweltschutz, Klimabewusstsein und ökologischer Lebenswandel zuerst auf gesellschaftlicher und später politischer Ebene verbreitet waren, scheint nun auch die ökonomische Bedeutung dieses Trends erkannt zu werden. Immer mehr Firmen erobern die früheren Nischenmärkte ökologischer Prägung, und gehen dabei Wege, die deutlich jenseits der politischen Gesetzgebung oder des sozialen Drucks liegen: Automobilunternehmen entwickeln neue, umweltfreundliche Technologien zur Serienreife, High-Tech-Unternehmen bauen Photozellen für riesige Solaranlagen, und selbst im klassischen „Klima-Konflikt-Sektor“ des Flugzeugbaus wird nach modernen Innovationen gesucht, die aktuellen Umweltstandards genügen. Ökologisches Denken ist also nicht mehr nur ein Trend und eine Randerscheinung, sondern ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor, der sowohl unternehmensintern wie auch marktpolitisch mehr und mehr Gewicht erlangt.

Speziell die marktpolitische Wirkung dieses neuen ökologischen Denkens soll in vorliegender Arbeit behandelt werden, also die Frage, ob und wie ökologische Notwendigkeiten in bestehende Märkte implementiert werden können. Dabei gibt es hinsichtlich der betroffenen Marktteilnehmer (Angebots- vs. Nachfrageseite) und anhand der Gestaltung des Regelkatalogs (Grenzwertsetzung vs. Innovationsförderung) Unterschiede.

Für diese beiden im Ziel analogen, in der Umsetzung allerdings unterschiedlichen Ansätze ökologischer Marktpolitik gibt es zwei ausgeprägte Beispiele: Die europäische Ökodesignrichtlinie auf der einen, und dasjapanische Top-Runner-Programm auf der anderen Seite.

In Kapitel 2, dem ersten Teil dieser Arbeit, wird das Konzept der europäischen Ökodesignrichtlinie vorgestellt. Dieser Ansatz möchte jedes energiegetriebene Produkt über den gesamten Lebenszyklus systematisch auf seine ökologische Relevanz überprüfen und verbessern. Der ökologische Aspekt eines Produkts spielt hier sogar schon vor Beginn des eigentlichen Produktionsprozesses eine große Rolle, und wird das Produkt über den kompletten Entwicklungsprozess bis hin zur ultimativen Nutzung durch den Endverbraucher begleiten.

Als zweiter Teil der Arbeit legt Kapitel 3 die Methodik eines Top-Runner-Programms dar, wie sie insbesondere in Japan angewandt wird. Bei diesem Ansatz werden Standards aus dem Markt heraus definiert, je nach technologischem und innovativem Stand des Marktsegments. Das jeweils beste am Markt befindliche Produkt wird hier zur Benchmark für alle anderen Produkte derselben Produktklasse erhoben, die binnen einer branchenspezifisch gewährten Übergangsfrist erreicht werden muss.

Kapitel 4 beschließt die Arbeit und fasst ihre Ergebnisse zusammen. Die beiden vorgestellten Methoden marktorientierter Umweltpolitik werden kritisch verglichen, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet, und ihre Probleme und Chancen aufgezeigt. Zudem wird ein Ausblick auf ihre weitere Verwendung und andere Alternativmethoden moderner Umweltpolitik geboten.

2 Die Europäische Ökodesignrichtlinie

2.1 Gestaltung und Ziele

In der klassischen Theorie der Produktentwicklung kalkuliert ein Unternehmen den Einsatz von Arbeitskraft, Rohstoffen und Produktionsmitteln hinsichtlich betriebswirtschaftlicher Kriterien wie Sicherheit, Zuverlässigkeit, Marktpotenzial, Kostenstruktur und Wirtschaftlichkeit. Im Sinne des Ökodesign soll nun zusätzlich der Faktor Umwelt in die Produktentwicklung und -gestaltung, und somit auch in das unternehmerische Kalkül mit einfließen.

So ist Ökodesign „ein systematischer und umfassender Betrachtungs- und Gestaltungsansatz für Produkte, welcher das Ziel verfolgt, die Umweltgestaltungen über den gesamten Lebenszyklus durch verbessertes Produktdesign zu mindern. [...] Die umweltverträgliche Gestaltung von Produkten erfordert quantitative und qualitative Bewertungsmaßstäbe und unterstützende Instrumente.“1 Ökodesign beschreibt also die systematische Vorgehensweise, den Produktlebenszyklus möglichst frühzeitig schon mit ökologischen Aspekten anzureichern. Der Faktor Umwelt ist dadurch den bisherigen Entscheidungskriterien wie Sicherheit, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit gleichgestellt.

So sollen Produkte entwickelt und gefördert werden, die nach wie vor ein hohes Maß an Benutzbarkeit und Funktionalität aufweisen, dabei aber nur ein Minimum an Energie verbrauchen und den Anteil an Schadstoffen auf ein essentielles Mindestmaß beschränken. So werden sowohl im Produktplanungs-, Produktentwicklungs-, als auch Produktgestaltungsprozess Abfälle und Emissionen stark vermindert.

Im Endeffekt lässt sich damit auch die vielzitierte Einheit von Ökologie und Ökonomie erreichen, da die oftmals problematischen nachsorgenden Umweltschutzmaßnahmen in Form von externen Effekten auftreten, die betriebswirtschaftlich unbeachtet bleiben. Eine vorsorgende und umweltorientierte Produktgestaltung hingegen erreicht die betriebswirtschaftliche Internalisierung dieser Effekte, und so ihre Rationalisierung.

Die wirtschaftsrechtliche Umsetzung in Europa erfolgt durch die 2005 eingeführte und 2009 modifizierte „Ökodesignrichtlinie“ (Richtlinie 2005/32/EG bzw. 2009/125/EG), die Mindesteffizienzanforderungen für verschiedenste Produktgruppen definiert.2 So sollen besonders ineffiziente, d.h. umweltbelastende, Produkte vom europäischen Markt ausgeschlossen werden, was die Erreichung der EU-weiten Klimaschutzziele wesentlich unterstützen soll. Die Richtlinie bildet dabei das Rahmenwerk für einheitliche Vorgaben für das klimaschonende Design energiebetriebener Geräte auf den europäischen Märkten.3

Die Implementierung dieser Standards erfolgt dabei auf zweierlei Wegen: Einerseits besteht die Möglichkeit der industriellen Selbstverpflichtung zur Einhaltung dieser Mindesteffizienzstandards, andererseits wurden die Effizienzziele in Form von EG-Verordnungen und nationaler Gesetzgebung als allgemeinverpflichtend festgelegt.

Ziel all dieser Maßnahmen ist neben dem reinen Umweltschutz durch Reduktion von Schadstoffen, Abfallvermeidung und Emissionsminimierung auch die wirtschaftlich verträgliche Harmonisierung mit klassischer Unternehmens- und Marktpolitik. Um den Effekt der immanenten Handelshemmnisse zwischen den nationalen Märkten aufgrund der unterschiedlichen Gesetzgebung zu vermeiden, werden klimapolitische Ziele und Vorschriften auf EU-Ebene koordiniert. Die gleichwertige Umsetzung dieser Vorschriften in den jeweiligen Nationen sichert so auch das Funktionieren des europäischen Binnenmarktes und seines freien Warenverkehrs, und ermöglicht eine allgemein erhöhte Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft.

Nicht zuletzt werden so auch Innovationen gefordert und gefördert, da Unternehmen ihre Standards durch die freiwillige Selbstverpflichtung an ihre eigenen umweltpolitischen Ziele anpassen können, und andererseits durch die rechtliche Bindung der Klimaschutzgesetze zu ökologisch sinnvollen Maßnahmen gezwungen werden.4

2.2 Anwendung und Wirkung

Die Ökodesignrichtlinie als solche ist nur eine Rahmenrichtlinie ohne spezifisches Anforderungsprofil. Dieses wird von der EU-Kommission nach und nach entwickelt. Es lässt sich in zwei Bereiche aufteilen:5 Allgemeine Ökodesign-Anforderungen betreffen die generelle Umweltverträglichkeit eines Produkts und ihre Verbesserung. Dabei werden jedoch keine expliziten Grenzwerte festgelegt, da es hier zunächst die Analyse der Umweltaspekte, die Produktbeschaffenheit (Rohmaterial, Abfallstoffe etc.) und die Nutzerinformation im Vordergrund stehen.

Spezifische Ökodesign-Anforderungen hingegen sollen ausgewählte Umweltaspekte des Produkts verbessern. Gemeint ist u.a. die Verwendung bestimmter energieverbrauchender Materialien in sämtlichen Stadien des Produktlebenszyklus, von der Herstellung über die Verwendung bis zur Entsorgung des jeweiligen Produktes.

Wie auch bei der bereits seit längerem verwendeten Gefahrenanalyse, soll das Produkt vom Hersteller selbst auf verschiedenste Umweltaspekte geprüft und entsprechend der Vorschriften in der Ökodesignrichtlinie angepasst werden. Dabei spielen allerdings Verwendungszweck und Nutzung des Produkts eine wesentliche Rolle, so dass die dafür vorgeschriebenen Effizienzverbesserungen auf realistischen Annahmen beruhen und sinnvoll umgesetzt werden können.

Ein wichtiges Ziel der Ökodesignrichtlinie ist die Einbeziehung des mündigen Verbrauchers in die umweltverträgliche Verwendung und Entsorgung der betroffenen Geräte. So ist neben der technischen Dokumentation in den einzelnen Prozessstufen der Produktentwicklung auch die Endbenutzerinformation eine wichtige Ergänzung der Umsetzung der Richtlinie. So muss auch ein produkttechnisch unerfahrener Benutzer in der Lage sein, das Produkt umweltgerecht benutzen und entsorgen zu können. Auch muss er die Umweltverträglichkeit des Produktes erkennen und mit anderen Produkten hinsichtlich ihrer Umweltaspekte vergleichen können. Dazu wurden nicht zuletzt die sogenannten „Energieeffizienzklassen“ eingeführt, die deutlich sichtbar an Geräten und in Bedienungsanleitungen verzeichnet sind.6

Zusätzlich zu den rechtlichen Vorschriften wird auch die Möglichkeit zur industriellen Selbstverpflichtung gewährt, die entweder an die Stelle der Rechtsnormen tritt oder diese noch ergänzt bzw. erweitert.7 So kann ein Unternehmen von sich aus nicht nur die Umweltziele erfüllen, sondern diese bei den eigenen Produkten sogar noch ausweiten, und damit Wettbewerbs- und Imagevorteile gegenüber Mitbewerbern erreichen, die sich am Ende absatzsteigernd auswirken können. Dies ist neben der Bestimmung der Effizienzklassen ein weiterer Aspekt, der die Verbraucher in die Lage versetzt, über ihr Kaufverhalten einen gewissen Druck auf die Produktpolitik der Unternehmen auszuüben.

Die 2009 in Kraft getretene Novellierung der Ökodesignrichtlinie erweitert ihre Ziele nun auf alle „energieverbrauchsrelevanten“ Produkte, unabhängig von ihrem Einsatzgebiet. Damit sind eben nicht nur mehr Produkte erfasst, die selbst Energie in mehr oder minder sinnvoller Form verbrauchen, sondern all solche, die die Nutzung von Energie aktiv oder passiv determinieren.8 So werden auch Produkte reguliert, die selbst keine Energie verbrauchen, aber in ihrer Nutzung den Energieverbrauch entscheidend beeinflussen. Als Beispiele hierfür seien Produkte wie Dämm-material, Fenster und Armaturen im Sanitärbereich genannt, die die Energiebilanz eines Haushaltes zwar nur auf passive, aber eben dennoch spürbare Art und Weise mitbestimmen.

Die Ökodesignrichtlinie erfasst alle Endgeräte, die mit externer Energie betrieben werden sollen, ganz gleich ob mit Elektrizität aus konventioneller oder ökologischer Stromgewinnung oder durch Verbrauch von Brennstoffen in festem, flüssigem oder gasförmigem Zustand.9 Explizit ausgenommen von dieser Richtlinie sind jedoch Verkehrsfahrzeuge aller Art, deren umweltgerechte Regulierung inzwischen über allerlei andere Instrumente stattfindet. Eine Auflistung der von der Richtlinie bereits betroffenen Bereiche enthält unter anderem:10

:: Kühl- und Gefriergeräte im Haushaltsbereich

:: Elektromotoren und Heizungspumpen

:: Externe und interne Netzteile mit Standby-Verlusten, z.B. in/an Fernsehern

:: Beleuchtung in verschiedenen Bereichen, besonders im tertiären Sektor

[...]


1 Umweltbundesamt

2 vgl. ebd.

3 vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2009-1)

4 vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

5 vgl. ebd.

6 vgl. Bundesverband der deutschen Industrie

7 vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

8 vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

9 vgl. ebd.

10 vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Innovationspotenzial praktischer Umweltpolitik
Untertitel
Europäische Ökodesign-Richtlinie vs. Japanisches Top-Runner-Programm
Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V184902
ISBN (eBook)
9783656096900
ISBN (Buch)
9783656097112
Dateigröße
1255 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umweltpolitik, Innovation, Ökodesign, Top-Runner, Umweltökonomie, Ökologie
Arbeit zitieren
F. U. Schneider (Autor:in), 2010, Innovationspotenzial praktischer Umweltpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184902

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Innovationspotenzial praktischer Umweltpolitik



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden