Die kritische Auseinandersetzung mit der BILD-Zeitung hat in Deutschland eine lange Tradition. In den 1950er Jahren war es die Kulturkritik, ein Jahrzehnt später vor allem Studenten und linkspolitische Bewegungen, die BILD einer kritischen Analyse unterzogen. Es gab literarische Annäherungen, wie jene Heinrich Bölls mit der Erzählung ‚Die verlorene Ehre der Katharina Blum’, und sehr persönliche, wie die publizierten Enthüllungen Günter Wallraffs als verdeckter BILD-Journalist. Die Kritiker wurden schließlich selbst unter die Lupe genommen - von Hans Magnus Enzensberger, der zu dem Ergebnis kam, dass die Kritik an der Zeitung eine vergebliche sein müsse. Nichtsdestotrotz setzte sich die Tradition der BILD-Kritik fort. In den 90er und 00er Jahren haben sich u.a. Benjamin von Stuckrad-Barre, Gerhard Henschel und Max Goldt kritisch mit dem Springer-Blatt auseinandergesetzt.
Die BILD-kritischen Arbeiten des Letztgenannten sind Gegenstand der vorliegenden Hausarbeit. Im Hauptteil sollen die Texte ‚Die Verachtung’, ‚Die beispiellose Misserfolgsgeschichte von ‚Bild’’ und ‚Mein Nachbar und der Zynismus’ auf ihren BILD-kritischen Inhalt hin analysiert werden. Zu untersuchen sein wird dabei, was Goldt an der Zeitung kritisiert, wie er es kritisiert und ob sich Bezüge zu anderen BILD-kritischen Texten finden lassen. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Text ‚Die Verachtung’, der in seiner Gesamtheit betrachtet werden soll, auch um die Art und Weise, wie Goldt in seinen Texten arbeitet, deutlich zu machen. Bei den beiden anderen Texten liegt der Fokus ganz auf ihrem BILD-kritischen Inhalt und auf der Fragestellung, ob sich Unterschiede diesbezüglich zwischen den Texten ausmachen lassen. Vorangestellt wird ein Abriss zur Geschichte der BILD-Kritik, in der ausgewählte Kritiker und Texte vorgestellt werden, um die oben bereits vorgenommene chronologische Einordnung von Goldts Arbeit im letzten Kapitel spezifizieren zu können: Wo lassen sich seine Texte inhaltlich im Kontext anderer Auseinandersetzungen mit der BILD einordnen? Führt er bereits vorhandene Denkansätze weiter aus?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick: Die BILD-Zeitung und ihre Kritik in Deutschland
2.1 Studenten vs. BILD
2.2 Böll vs. BILD
2.3 Günter Wallraff oder Mit BILD gegen BILD
2.4 Die Gegenkritik
3. BILD-Kritik in ausgewählten Texten Max Goldts
3.1 Max Goldt: Werdegang und literarischer Stil
3.2 ‚Die Verachtung’
3.2.1 Inhalt und Aussage
3.2.2 Die BILD-Zeitung als Symptom
3.3 Goldts Beitrag zur BILDblog-Aktion
3.4 ‚Mein Nachbar und der Zynismus’
4. Inhaltliche Einordnung/ Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die BILD-kritischen Aspekte in ausgewählten Texten des Autors Max Goldt. Dabei wird analysiert, wie Goldt die Zeitung sowie die damit verbundene gesellschaftliche Gelassenheit thematisiert, welche methodischen Ansätze er verfolgt und wie sich seine Arbeit in die historische Tradition der BILD-Kritik in Deutschland einordnet.
- Historischer Abriss der BILD-Kritik in Deutschland
- Stilistische Analyse der Texte von Max Goldt
- Untersuchung von ‚Die Verachtung‘, ‚Die beispiellose Misserfolgsgeschichte von ‚Bild’’ und ‚Mein Nachbar und der Zynismus’
- Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen von Medienkritik
- Abgrenzung von Goldts ironischem Schreibstil zu anderen BILD-Kritikern
Auszug aus dem Buch
Die BILD-Zeitung als Symptom
Goldt kritisiert/verachtet in ‚Die Verachtung’ dreierlei Dinge. Goldts vermeintliche Kritik an der BILD umfasst, der Kürze seiner meisten Texte entsprechend, nicht mehr als drei Seiten und ist damit im Vergleich zu anderen bereits erwähnten BILD-kritischen Texten sehr kurz. Die Kritik ist keine direkte an der BILD-Zeitung – weder an ihren Methoden noch an ihrem journalistischen Niveau. Das wird schon dadurch deutlich, dass BILD nicht der eigentliche inhaltliche Kern des Textes ist. Vielmehr betrifft Goldts Kritik eine seiner Meinung nach allseits um sich greifende, unangebrachte und zur Schau getragene Gelassenheit, welche er als ein Massenphänomen ausgemacht hat („das Land“, „die halbe Welt“). Die BILD-Zeitung ist hierbei weniger die Ursache als ein Symptom, da ihre erfolgreiche Existenz das Ausmaß an praktizierter Gelassenheit verdeutlicht. Schließlich ist bekannt, wie die Zeitung arbeitet, und trotzdem wird sie gelesen.
Wie oben angeführt, konstatierte Hans Magnus Enzensberger bereits in den 1980er Jahren, dass jede Kritik an BILD zwangsläufig zum Scheitern verurteilt sei, da sie die logische Konsequenz unseres modernen Freiheitsverständnisses (in diesem Fall die Pressefreiheit) darstelle. Nichtsdestotrotz lebt Goldts Meinung nach Kultur davon, dass man nicht alles hinnimmt, was einem vorgesetzt wird, sondern von zur Kritik fähigen, mündigen Menschen. Da Kritik an der BILD aber, wie von Enzensberger analysiert, sinnlos verpufft, rät Goldt zu schweigender Verachtung. Diese ist nicht wie z.B. Hass, mit emotionalem Stress verbunden, drückt aber trotzdem auf stilvolle Art und Weise Missbilligung aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Tradition der BILD-Kritik ein und erläutert die Zielsetzung der Hausarbeit sowie die Analyse der ausgewählten Goldt-Texte.
2. Überblick: Die BILD-Zeitung und ihre Kritik in Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über verschiedene Phasen der BILD-Kritik, von den Studentenbewegungen bis hin zur Gegenkritik eines Enzensberger.
3. BILD-Kritik in ausgewählten Texten Max Goldts: Dieser Hauptteil analysiert Max Goldts Werdegang sowie seine spezifische Herangehensweise an das Thema BILD in den drei ausgewählten Werken.
4. Inhaltliche Einordnung/ Zusammenfassung: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt und die Bedeutung von Goldts Arbeit im Kontext anderer zeitgenössischer Kritiker reflektiert.
Schlüsselwörter
Max Goldt, BILD-Zeitung, Medienkritik, Verachtung, Gelassenheit, Hans Magnus Enzensberger, Heinrich Böll, Günter Wallraff, Sprachkritik, Zynismus, Feuilleton, Gesellschaftskritik, Pop-Literatur, Medienanalyse, Journalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung des Autors Max Goldt mit der BILD-Zeitung und verortet seine Texte in der deutschen Medienkritik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Neben der direkten Kritik an der BILD-Zeitung stehen die Themen Sprachkritik, der Verlust von Werten wie Diskretion und Höflichkeit sowie der gesellschaftliche Umgang mit dem Medium Fernsehen im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Goldts Texte auf ihren BILD-kritischen Gehalt zu prüfen und aufzuzeigen, wie er sich durch seinen spezifischen Schreibstil von anderen Kritikern abhebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Inhalt der Texte im Kontext historischer und theoretischer Diskurse zur Medienkritik untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Werdegang Max Goldts und einer detaillierten inhaltlichen Analyse seiner Texte ‚Die Verachtung’, ‚Die beispiellose Misserfolgsgeschichte von ‚Bild’’ sowie ‚Mein Nachbar und der Zynismus’.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Medienkritik, Max Goldt, Sprachkritik, Verachtung, BILD-Zeitung und Gesellschaftskritik charakterisieren.
Warum hält Goldt direkte Kritik an der BILD für oftmals sinnlos?
Goldt teilt die Ansicht, dass die BILD-Zeitung ein Symptom der Gesellschaft ist und Kritik an ihr oft an der Realität der Pressefreiheit und der Gleichgültigkeit der Konsumenten scheitert, weshalb er stattdessen eine Haltung der „schweigenden Verachtung“ empfiehlt.
Wie unterscheidet sich Goldt von anderen BILD-Kritikern wie Wallraff?
Während Wallraff methodisch selbst oft mit subjektiven oder boulevardesken Mitteln gegen BILD agiert, bleibt Goldt seinem literarischen, distanzierten und ironischen Stil treu, ohne sich den Methoden seines Gegners zu bedienen.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Schürmann (Autor:in), 2009, „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht“ - BILD-Kritik in ausgewählten Texten Max Goldts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184905