Die Stadt Pegau und der Einfluss des Klosters St. Jakob auf ihre Gründungsgeschichte


Hausarbeit, 2009
15 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Hauptteil:
2.1 Graf Wiprecht II
2.2 Entwicklungen der Stadt und des Klosters
2.3 Der Weg zur Reformation

3. Schlussbetrachtungen

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei meinen Nachforschungen über die Stadt Pegau, zu ihrer Gründungszeit und ihren Gründer Graf Wiprecht II. bezieh ich mich Hauptsächlich auf die veröffentlichten Werke des aktuellen Pegauer Stadthistoriker Herrn Tylo Peter. Seine Aufsätze sind hauptsächlich in kleinere Heimatblätter wie „Heimatblätter des Bornaer Landes“ und „Pegauer Heimatblatt“ aber auch in Aufsatzsammlungen wie zum Beispiel das im Sax-Verlag erschienene Buch „Wiprecht – Beiträge zur Geschichte des Osterlandes im Hochmittelalter“ veröffentlicht worden. Herr Peter besitzt keinen akademischen Grad aber durch seine Leidenschaft zur Geschichte von Pegau vertrau ich seinem Wissen und bin davon überzeugt, dass seine Veröffentlichungen mit Sorgfalt vorbereitet worden sind.

Besonders verstärkte Publikation erfuhr die Geschichte von Pegau anlässlich zur 900 Jahrfeier im Jahr 1996. Schwerpunkte wurden gelegt auf das Kloster St. Jakob zu Pegau, die Stadtgeschichte, die Reformation und vor allem auf Graf Wiprecht den II. Eine weitere Quelle meiner Forschungsarbeit ist die am 13. Januar 1998 eingereichte Magisterarbeit von Daniela Allner im Fach Germanistik an der Universität Leipzig. Bezogen auf Urkunden befasst sie sich von der Gründung der Stadt Pegau bis zur Säkularisierung des Pegauer Klosters im Jahr 1539, welche bei ihr Teil der Einleitung ist.

Über den Stifter des Pegauer Klosters Graf Wiprecht II. wurden zahlreiche Schriften verfasst. Vor allem der Begründer, ein Mönch des Klosters zu Pegau, der Annales Pegaviensis bezog sich auf den Grafen. Es entstanden wunderliche Geschichten die ich in meiner Hausarbeit näher deuten möchte. Vorweggenommen werden kann, dass die niedergeschrieben Texte so nicht ganz der Wahrheit entsprechen konnten. So erscheint es, dass die in den Pegauer Annalen beschriebene Pilgerreise Wiprechts II. zum spanischen Santiago de Compostela, nicht der Wahrheit entsprechen kann. Die Gründe werden im weiteren Verlauf der Hausarbeit erläutert.

Über Wiprecht sind zahlreiche Werke veröffentlicht worden, auch aufgrund seines Bekanntheitsgrades. Denn er war einer der ersten die im Osterland ein Kloster errichten ließen.

2. Hauptteil

2.1 Graf Wiprecht II.

Um die Geschichte der Stadt Pegau erforschen zu können ist es essentiell wichtig das Leben des Klostervaters Graf Wiprecht II. näher zu hinterfragen. Unstrittig ist sein Einfluss nicht nur auf die Stadt Pegau, welche damals nur ein kleines unbedeutendes Dorf war, sondern auch auf das umliegende Gebiet. Das Gebiet des Bistum Merseburg wird zur damaligen Wirkungszeit von Wiprecht im Osten begrenzt vom Bistum Meißen, im Westen vom Erzbistum Mainz, im Süden vom Bistum Zeitz und im Norden vom Erzbistum Magdeburg.

Der Graf tauschte seine Besitztümer mit seinem Ziehvater Udo II. von Stade. Nach dem Tod des leiblichen Vaters von Wiprecht nahm sich Udo II. seiner an.

Wann der Graf an den Besitz des Burgward Groitzsch gelangt ist, ist dokumentarisch weder durch Urkunden noch durch andere Dokumente festgehalten worden oder sie sind nicht mehr vorhanden, angenommen wird das Ereignis 1070. Es stehen mehrere Theorien zur Diskussion warum Udo II. von Stade, seine Besitztümer an Wiprecht abtrat. Wiprecht war der Sohn des gleichnamigen Vaters Wiprecht I. und Mutter Sigena von Leinungen. Seine Vorfahren waren slawischen Ursprungs und besaßen Besitzungen in der Altmark (an der Havel). Die eine Theorie besagt, dass Udo II. sich Wiprecht II. als Konkurrent fernhalten wollte. Dies widerlegt aber die Tatsache, dass dies Udo II. auch anders hätte bewerkstelligen können wie es Rainer Arnold beschreibt: „[…] Udo II. habe Wiprecht gleichsam verbannen wollen, ist, vom Standpunkt der Zeit her, wenig überzeugend. Denn erstens hätte sich Markgraf Udo eines rebellischen jungen Ritters auf andere Weise entledigen oder ihn anderweitig dämpfen können, wozu das 11./12. Jahrhundert genügend unsentimentale Mittel geboten hätte, als ihn zum Tausch seiner Güter zu nötigen.“ [1]

Eher wahrscheinlicher erschien es, dass Udo II. seine gesamte Aufmerksamkeit auf die Nordmark legen musste und deswegen die Mark Merseburg und die etwa um 970 zum Bistum erhobene Mark Zeitz Graf Wiprecht überließ, da er es hätte nicht halten können.[2]

So kam es, dass Wiprecht Burgherr des Burgward Groitzsch wurde.

Doch dort war er nicht ohne Feinde. Der Burgherr der Burg Teuchern Beterich, Friedrich von Cutze, Hageno von Tubichin waren einige dieser Adligen die ihre Macht in Gefahr sahen.[3] Wiprecht legte es nicht auf Konfrontation an und entwischte dieser unangenehmen Situation für einige Jahre Richtung Böhmen. Dort machte er Bekanntschaft mit dem dortigen Herzog Vratislaw II. von Böhmen. Beide beteiligten sich am Romfeldzug von Kaiser Heinrich IV. Welcher seine Auseinandersetzung mit Papst Gregor VII. im Investiturstreit auf den Höhepunkt trieb. Somit stieg Wiprecht in der Gunst des Kaisers. Ebenfalls stieg Wiprecht in der Gunst bei Vratislaw II. von Böhmen. Dieser wurde unter anderen durch Wiprechts Mithilfe zum König von Böhmen. Durch Gunst des böhmischen Königs konnte Wiprecht seine Frau Judith im Jahr 1085 heiraten. Im gleichen Jahr brachte sie den gemeinsamen Sohn Wiprecht III. zur Welt. Ihr verdankte er, als Mitgift, auch die Gaue Nisan und Budisin.

Im weiteren Verlauf der Jahre, nach der Rückkehr Wiprechts an die Burg Groitzsch, unternahm er zahlreiche Raubzüge in der Gegend um Groitzsch. Vor allem auf seine Feinde Etzelin und Hageno hatte es Wiprecht abgesehen. Der Graf zog in das Dorf Lippen (zwischen Groitzsch und Dorf Kieritzsch) um von dort einen Raubzug auf Zeitz vorzubereiten. Dort angekommen traf er auf seine Todfeine. Ezelin tötete er sofort. Hageno flüchtete in die Basilika St. Jacob. Da er sich nicht freiwillig stellte steckte Wiprecht die Basilika in Brand. Hageno floh aus dem Gotteshaus und Wiprecht blendete ihn und beraubte ihn somit seines Augenlichtes.[4]

Dank seiner erfolgreichen Teilnahme am Italienfeldzug unter Kaiser Heinrich IV. erlangte Wiprecht auch den Orlagau, Allstedt, Dornburg und den Burgward Leißnig.

Der Burgward Groitzsch jedoch blieb die Heimat des Grafen. Ob Wiprecht seine Taten sühnen wollte oder einfach der Umstand es ergab nach einer Grablage für sein Geschlecht zu suchen veranlasste er 1091 den Bau des Klosters Pegau, welches unweit der Burg gelegen war.

In seinen letzten Lebensjahren wechselte Wiprecht die Fronten und stellte sich auf die Seite der Gegner Heinrich V. Wiprecht wurde gefangen genommen und zunächst zum Tode verurteilt. Aufgrund seiner Unentbehrlichkeit saß er jedoch nur ein zweijährige Haft auf der pfälzischen Burg Trifels ab(1113-1115) und wurde nach der Aussöhnung mit dem Kaiser mit der Mark Meißen und der Lausitz belehnt. Somit erhielt er auch den Burgward Groitzsch zurück. Er verbrachte seine letzte Lebenszeit im Kloster Pegau. Dort starb er am 22. Mai 1124.[5]

Etwas mehr als ein Jahrhundert nach dem Tot des Klostervaters Graf Wiprecht chronisierte ein Mönch des Pegauer Klosters im Jahr 1155 dessen Leben. Der Mönch verfasste die Annales Pegaviensis. Ein Teil der Pegauer Annalen ist dem Klostergründer, die vita wiperti gewidmet. Aus den Annalen lässt sich die Loyalität des Mönchs zum Grafen deutlich erkennen. Laut Aufzeichnungen kam es zur Klostergründung nachdem Wiprecht eine Pilgerreise auf dem noch heute berühmten Jakobsweg nach Santiago de Compostela unternahm. Angesichts seiner Taten ersuchte er zunächst sein Seelenheil bei Hertwig von Magdeburg und Wernher. Auf Beraten der beiden zog Wiprecht alsbald zum Papst Urban II. (1088-1099) nach Rom. Nach dieser zweiten Station wurde Wiprecht II. an den Patriarchen von Spanien verwiesen. Dabei sollte er auf den Pfad des heiligen Sankt Jacob wandeln.[6]

Jedoch ist der Wahrheitsgehalt anzuzweifeln, weil zu der Zeit als Wiprecht angeblich den Weg nach Santiago de Compostela beschritt es nicht die Würde eines Patriarchats beanspruchte, nicht einmal des eines Erzbistums. Erst um das Jahr 1120 wurde Santiago zum Erzbistum erhoben. Es ist anzunehmen, dass der Pegauer Mönch die zu seiner Zeit aktuelle Publizität der Wallfahrt ausnutze um den Klostervater in ein rechtes Licht zurücken. Eher wahrscheinlicher ist, dass Wiprecht das Kloster als Hauskloster und dynastische Grablage nutzte.[7] [8]

[...]


[1] Arnold, Rainer; Wiprecht von Groitzsch und die Mark Zeitz; In: Wiprecht, Beiträge zur Geschichte des Osterlandes im Hochmittelalter; Beucha 1998; S. 40.

[2] Arnold, Rainer; Wiprecht von Groitzsch und die Mark Zeitz; In: Wiprecht, Beiträge zur Geschichte des Osterlandes im Hochmittelalter; Beucha 1998; S. 41.

[3] Peter, Tylo; Wiprecht II. – Herrschaftsbildung durch Gewalt; In: Wiprecht, Beiträge zur Geschichte des Osterlandes im Hochmittelalter; Beucha 1998; S. 96-97.

[4] Peter Tylo; Wiprecht von Groitzsch, Das Leben Wiprechts von Groitzsch nach den Jahrbüchern des Klosters Pegau; Rötha (Borna) 1994; S. 24f.

[5] Taddey, Gerhard (hrsg.); Lexikon der deutschen Geschichte: Personen – Ereignisse - Institutionen; von der Zeitwende bis zum Ausgang des 2. Weltkrieges; 1. Aufllage; Stuttgart 1977; S.1315-1316.

[6] Peter, Tylo; Wiprecht II. Der Apostel Jakobus und die Wallfahrt nach Santiago de Compostela; in: Heimatverein des Bornaer Landes e.V.(Hrsg.); Heimatblätter des Bornaer Landes; Leipzig o. Jahresangabe; S. 11.

[7] Peter, Tylo; Wiprecht II. Der Apostel Jakobus und die Wallfahrt nach Santiago de Compostela; in: Heimatverein des Bornaer Landes e.V.(Hrsg.); Heimatblätter des Bornaer Landes; Leipzig o. Jahresangabe; S. 16.

[8] Herbers, K.; Deutsche Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela und Spuren des Jakobskultes Deutschland; in: Santiago de Compostela; Augsburg 1996; S. 302.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Stadt Pegau und der Einfluss des Klosters St. Jakob auf ihre Gründungsgeschichte
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Vergleichende Landesgeschichte
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V184914
ISBN (eBook)
9783656100546
ISBN (Buch)
9783656100256
Dateigröße
367 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stadt, pegau, einfluss, klosters, jakob, gründungsgeschichte
Arbeit zitieren
Toni Krohm (Autor), 2009, Die Stadt Pegau und der Einfluss des Klosters St. Jakob auf ihre Gründungsgeschichte , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184914

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