Professionelles Handeln und Deprofessionalisierung

Fakt oder Fiktion? Eine Beweisführung!


Seminararbeit, 2011
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Versuch einer Definition

3. Professionelles Handeln
3.1 Michael Meuser
3.2 Harald Mieg
3.3 Ulrich Oevermann
3.4 Kai-Olaf Maiwald
3.5 Vergleich

4. Deprofessionalisierung

5. Schlussbetrachtungen

6. Anhang

1. Einleitung

Raubtiere denken nie anders als professionell.

Billy, 2011

Da wir Menschen uns selber zu schreiben, die am weitesten und höchsten entwickelte Spezies auf diesem Planeten zu sein, müsste dieses Zitat folglich auch für uns gelten, denn das Raubtier in uns haben wir überwunden und folglich sollten wir zu mehr in der Lage sein, schon allein auf der Grundlage unserer Intelligenz und dem damit verbundenen logisch, strategischen Denken. Jedoch ist das weit gefehlt, wenn man sich alleine die schiere Bandbreite der Professionssoziologie anschaut und ihre Mannigfaltigkeit an Themen und Spezifizierungen.[1] Ein hoch diskutables Thema was den unvermeidlichen Schluss nahe legt, das Professionalität und dementsprechend auch professionelles Handeln, in der humanen Welt deutlich abstraktere Formen annimmt, an Voraussetzungen einiges verlangt und definitiv keinen allgemeinen Schluss zulässt.

So bleibt die Frage akut, was denn nun wirklich professionelles Handeln ausmacht. Wann ist man überhaupt professionell? Was für Kriterien, die wir uns scheinbar selber auferlegt haben, gilt es zu erfüllen um als Professioneller zu gelten? Was charakterisiert professionelles Handeln und was passiert eigentlich wenn Professionen, sofern sie denn existieren, ihren Status „professionell zu sein“, verteidigen und legitimieren müssen?

Eine Hand voll Fragen, die es in dieser Ausarbeitung zu klären gilt, sofern solch adäquate Rückschlüsse/Antworten denn möglich sind. Dass man diesem Anspruch nämlich nicht vollends gerecht werden kann, zeigt schon der erste Teil, indem es darum gehen soll eine zutreffende Definition zu finden.

Wie es die Teilüberschrift schon sagt, geht es lediglich um den Versuch einer Definition, bei einer solch differenzierten Quellenlage. Daran anschließend und aufbauend soll geklärt werden, was unterschiedliche Autoren zum Thema professionelles Handeln sagen. Der Querschnitt durch dieses Thema soll versuchen eine annehmbare Basis zu schaffen, jedoch auch Unterschiede aufzeigen, die wiederum belegen sollen, wie ausdifferenziert diese Angelegenheit doch ist. Nachdem aufgezeigt wurde was professionelles Handeln denn ist oder auch nicht ist, soll der zweite vertiefende Schwerpunkt auf die Deprofessionalisierung gelegt werden. Dazu werden zwei Autoren angeführt, die bereits zuvor Einzug gefunden haben, nicht nur um aufzuzeigen das der Stand der Professionen Legitimationsprobleme hat, sondern auch das sich die Soziologen dieser Tatsache bewusst sind und diese nicht totschweigen oder gar für nichtig abtun. Abgerundet wird das Ganze durch das Fazit.

Zu nächst jedoch, wie bereits beschrieben, der Versuch einer Definition des professionellen Handelns.

2. Versuch einer Definition

Um diesen Versuch einer Definition so adäquat wie möglich vorzunehmen, bediene ich mich der Vorgehensweise von Pfadenhauer (2005), die sich wiederum an Alfred Schütz (1971) anlehnt. So ist das professionelle Handeln eben darum als solches zu bezeichnen, weil alle Handlungen von Akteuren die wir als Professionelle bezeichnen genau das sind, nämlich professionelles Handeln und es gilt zunächst zu klären was Professionelle sind und was eine Profession kennzeichnet, um somit auf das professionelle Handeln schließen zu können.

Der wohl simpelste Schritt zum Beginnen, ist der des lexikalen Ansatzes. So steht dort einerseits geschrieben, dass eine Profession gleichzusetzen ist mit einem Beruf, einer Berufsgruppe, einem Gewerbe oder Stand, aber andererseits auch, dass eine Profession ein „für die Gesellschaft relevanter Dienstleistungsberuf mit hohem Prestige und Einkommen, der hochgradig spezialisiertes und systematisiertes, nur im Laufe langer Ausbildung erwerbbares technisches und/oder institutionelles Wissen relativ autonom und kollektivitätsorientiert anwendet (z.B. Arzt, Richter)“ (Fuchs-Heinritz, et. al., 2007, S. 514) ist. An dieser Stelle kristallisiert sich bereits heraus, dass zu den klassischen Professionen die der Ärzte und Richter gezählt werden.

Das Ganze lässt sich noch erweitern, indem man sagt, dass sich Professionen anhand ganz bestimmter Merkmale von anderen Berufen unterscheiden lassen. Unklar bzw. trennungsunscharf ist dabei, worin diese Merkmalsunterschiede eigentlich bestehen. Dieser Sachverhalt bleibt diffus, was jedoch unstrittiger ist, ist die Tatsache dass bei der Gestaltung und Regelung von berufsinternen Angelegenheiten, Professionen weitestgehend Autonomie genießen (vgl. Pfadenhauer, 2005, S. 9f).

Den gleichen Tenor, dass Professionen sich von den „normalen“ Berufen abheben, findet man auch bei Oevermann (1999). Er tituliert sie als einer besonderen Kategorie zugehörig, in der sich Handlungsprobleme anhäufen, die dazu führen, dass eine „spezifische Strukturlogik beruflicher Praxis“ (Oevermann, 1999, S. 70) ausgebildet wird. Klassisch Professionssoziologisch ausgedrückt heißt das folgendermaßen: „Die spezifischen Leistungen von Professionen lassen sich weder durch den Markt noch administrativ kontrollieren; sie erfordern eine kollegiale, auf die Verinnerlichung professionsethischer Ideale angewiesene Selbstkontrolle.“ (Oevermann, 1999, S. 70). Ob dieses zutiefst diskutable Zitat wirklich zutreffend ist, soll im späteren Verlauf im Teil der Deprofessionalisierung noch einmal aufgegriffen werden.

Ein letzter Ansatz von Mieg, die Professionen betreffend, bleibt noch zu klären. Er geht ebenso davon aus, dass Definitionen eher schwieriger Natur sind und deswegen Rahmenbedingungen nennt, anhand derer künftige Professionen eingegrenzt/eingegliedert werden können. Vier Bedingungen werden genannt, die nachfolgend kurz aufgeführt und erläutert werden sollen:

1. Es existiert ein Problembereich (mit gesellschaftlicher Relevanz) und entsprechend dazugehöriges Handlungs- und Erklärungswissen. Beispielhaft ist hier die Medizin zu nennen, wo ein kranker Teil der Gesellschaft (Patient) anhand von medizinischem Wissen des Arztes wieder gesundet (vgl. Mieg, 2003, S. 15f).
2. Es ist der Bezug zu einem gesellschaftlichen Zentralwert vorhanden. Auch hier greift wieder der Bezug zur Medizin. Diese fokussiert sich auf den allgemeinen zentralen Wert der Gesundheit, obgleich es nun die Wiederherstellung derselben oder reine Prophylaxe ist (vgl. ebd.)
3. Es besteht eine Ausbildung die weitestgehend akademisiert ist. Um dem Beispiel treu zu bleiben, sei auch hier angeführt das Medizin und Jura ein jahrelanges Studium erfordern, um diese Profession zertifiziert ausüben zu dürfen. Der Sinn in solch einem Studium wird in der Vermittlung von abstraktem Wissen gesehen, dass langlebiger ist als spezialisiertes Verfahrenswissen (vgl. ebd.).[2]
4. Ein Berufsverband bzw. eine entsprechende Vertretung des Berufsstandes ist vorhanden. Ohne diesen Umstand wäre eine wirtschaftsregulierende Tätigkeit als Verbund nach außen hin nicht möglich und gerade das ist von Wichtigkeit, unter dem Aspekt das eine Profession, die legitim auch als Verband angesehen werden kann, nach dem Monopol strebt in eben jenem Gebiet in dem sie agiert. (vgl. Mieg, 2003, S. 15f; Dröge, 2003, S. 249)

Als letzter Punkt sei die Begrifflichkeit ‚professionell‘ aufgeführt, die hauptsächlich verwendet wird, um berufliche und wirtschaftliche Zusammenhänge bezüglich des Handelns zu verdeutlichen (vgl. Pfadenhauer, 2005, S. 255).

Das dies nur der Versuch einer Definition sein kann, wird noch einmal deutlicher bei dem prägnanten Zitat von Ewald Terhart: „Wer will sich auch noch auskennen zwischen Pro-, Über-, Ent-, De-, Durch- und Re-Professionalisierung, zwischen Prä-, Para-, Semi-, Halb-, Pseudo-, Schein- und Exprofessionellen?“ (Terhart, 1990, S. 152, zit. nach Pfadenhauer, 2003, S. 13)

3. Professionelles Handeln

Nachdem nun der Versuch einer Definition unternommen wurde, soll das Professionelle Handeln bei verschiedenen Autoren näher betrachtet werden, um einen Vergleich zu ziehen und eventuelle Unterschiede herauszuarbeiten. Die jeweilige Spezifizierung des professionellen Handelns mag dem Wesen einer Definition gleichkommen, ist jedoch davon strikt losgelöst zu betrachten.

3.1 Michael Meuser

Meuser hat eine Liste erstellt die Merkmale enthält, welche sich als positive Faktoren des professionellen Handelns darstellen lassen. Zudem nennt er am Ende aber auch noch Eigenschaften die charakteristisch für ein Handeln sind, dass als nicht-professionell eingestuft werden kann. Zunächst jedoch zu den positiven Aspekten.

Planung und Kontrolle sind die ersten zentralen Begriffe die Meuser ins Spiel bringt. Es geht ihm darum, dass das Handeln auf Grundlage einer rational durchdachten Informationsbasis geschieht, die sich ständig am aktuellen Stand des Wissens orientiert. Die Aktualität ist damit stets gewährleistet und somit auch das Potenzial fortwährend professionell Handeln zu können. Bestes Beispiel dafür sind die Börsen. Nur der Investmentbanker der sich über sämtliche Vorgänge der Firmen, in die er investieren will informiert, kann Risiken abschätzen und so den größtmöglichen Gewinn einfahren. Dafür eignet sich am besten Expertenwissen[3], was zugleich auch der nächste Punkt ist. Selber Experte sein oder dieses Wissen nutzen, schafft einen höheren Grad an Professionalität. Ein weiterer Punkt den Maiwald anführt ist das systematische und methodische Handeln, dass professionell genannt werden kann, sofern man „nach allen Regeln der Kunst“ (Meuser, 2005, S. 255) vorgeht. Das bedeutet unter anderem auch, dass man die Möglichkeiten der Methodik und Technologie ausschöpft und in letzterem Zusammenhang stets die neueste Software verwendet. Beherzigt man diesen Ratschlag, werden so interne Abläufe von Verwaltung und Geschäftsvorgängen rationalisiert und das ökonomisch rationale Handeln stellt zugleich den letzten angeführten Punkt dar, der ausschlaggebend ist für professionelles Handeln. Der einfache Kostenvergleich der dabei aufgestellt wird, verdeutlicht die Angelegenheit. Demnach sei stets abzuwägen und gegenzurechnen, ob die Beschaffung von Wissen, oder der Verlust auf Grund von Nicht-Wissen teurer ist. Die Wissensaneignung und damit die Gewährleistung des professionellen Handelns, gilt aber stets als ökonomisch rationaler. Ein Beispiel das Maiwald hier anführt sei ebenfalls kurz erwähnt. Wenn er davon spricht, dass die Bundeswehr im Jahr Milliardenbeträge sparen könnte, wenn sie professionell einkaufen würde, kann man ihm nur zustimmen (vgl. Meuser, 2005, S. 255f).

Maiwald bringt diese Punkte auf folgenden Nenner: „Orientierung des Handelns am aktuellen, wissenschaftlich fundierten Wissensstand und am Prinzip der ökonomischen Rationalität.“ (Meuser, 2005, S. 256)[4]

3.2 Harald Mieg

Der direkte Verweis von Mieg auf das professionelle Handeln fällt eher kurz aus, weil er es im Rahmen der zuvor schon geführten Diskussion um die Definitionen, eher als Alternativbegriff sieht zur Profession an sich. Systematisches und effizientes Handeln bestimmen das professionelle Vorgehen. Dabei bleiben Emotionen außen vor, die das Agieren bisweilen stark beeinflussen können (Bsp.: Drohung eines Angeklagten gegenüber des Richters/Staatsanwaltes). Mieg leitet diese Beschreibung aus dem Alltagsgebrauch her und stellt dabei zur Diskussion was Handeln zu einem professionellen qualifiziert (vgl. Mieg, 2003, S. 21f).

[...]


[1] Um nur einige Beispiele an Literatur zu nennen: Combe & Helsper, 1999; Kurtz & Pfadenhauer, 2010; Maiwald, 2004; Mieg & Pfadenhauer, 2003; Pfadenhauer, 2003; Pfadenhauer, 2005; Pfadenhauer & Sander, 2010

[2] Ganz augenscheinlich wird hier ein Aspekt verkannt, der in Miegs Ausführungen anders interpretiert wurde. Mit dem Verweis auf den Punkt drei der Bedingungen für eine Profession, grenzt Mieg Verfahren und Geräte die der Medizin zweckdienlich sind, wie das Messen von Blutdruck mittels eines Blutdruckmessgerätes, ab von dem Umstand ein Mediziner und gleichwohl damit ein Professioneller auf diesem Gebiet zu sein. Das nur auf der Grundlage das eben jenes Wissen um die Geräte (wie es z.B ein medizinischer Ingenieur hat) nur spezialisiert ist und somit ständig Änderungen unterlegen ist, was im Angesicht des technischen Fortschrittes auch nicht zu verurteilen ist. Deswegen jedoch dem Ingenieur die Professionalität abzusprechen nur weil er in einem Gebiet arbeitet, das sich dem technischen Lauf der Zeit anpassen muss und soll, mag nach Mieg rein formal korrekt sein, hat in der heutigen Zeit aber keine Diskussionsgrundlage mehr (vgl. Mieg, 2003, S. 15f) Mieg hebelt seine Argumentation an dieser Stelle selber aus. Betrachtet man den eben angesprochenen Ingenieur, so lässt sich mit Miegs vier Bedingungen belegen, dass dieser einer Profession angehört, obgleich alle vier noch nicht einmal von Nöten wären (siehe Fußnote Mieg, 2003, S. 15). Punkt eins ist erfüllt, denn der kranke Teil der Gesellschaft (Patient) kann untersucht und entsprechend geheilt werden durch medizinisches Gerät das der Ingenieur entwirft und konstruiert. Der gesellschaftliche Zentralwert (Punkt zwei) liegt in der Gesundung der Gesellschaft. Auch Punkt drei ist erfüllt, denn er hat zuvor studiert (Bsp. Maschinenbau) und Punkt vier ist ebenfalls erfüllt, denn es gibt einen Verband und davon nicht nur einen (vgl. VDI – Verband Deutscher Ingenieure. www.vdi.de).

[3] Für nähere Erläuterungen zum Thema Experten und Expertenwissen siehe auch: Mieg, 2003, S. 21; Pfadenhauer, 2005, S. 10, 12f; Maiwald, 2004, S. 28f.

[4] Siehe auch Meuser, 2005, S. 259.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Professionelles Handeln und Deprofessionalisierung
Untertitel
Fakt oder Fiktion? Eine Beweisführung!
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Allgemeine Soziologie )
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V184989
ISBN (eBook)
9783656098119
ISBN (Buch)
9783656097990
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Professionelles Handeln, Profession, Professionalität, Deprofessionalisierung, Harald Mieg, Ulrich Oevermann, Michaela Pfadenhauer, Professionelle, Professionalismus
Arbeit zitieren
Tobias Engfer (Autor), 2011, Professionelles Handeln und Deprofessionalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184989

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