In der Hausarbeit wird zunächst das deutsche Gesundheitssystem in seinen Grundstrukturen dargestellt. Anschließend wird die Entstehung des Begriffs „Kostenexplosion“ erläutert. Wie kam es dazu und warum kann sich der Begriff bis heute halten? Des Weiteren werden verschiedene Gründe für einen Ausgabenanstieg erläutert sowie Mittel und Wege skizziert, die die Regierung bereits eingeschlagen hat, um eine Kostenexplosion zu verhindern. Genauer eingegangen wird auf das Modell der hausarztzentrierten Versorgung. Um einen Überblick zu erhalten wie teuer das deutsche Gesundheitssystem wirklich ist, werden die Gesundheitsausgaben verschiedener Länder, insbesondere der USA und Deutschland, miteinander verglichen. Hier wird sich zeigen, dass das deutsche Gesundheitssystem gar nicht so schlecht und so teuer ist, wie oft behauptet wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Gesundheitssystem in Deutschland
3 Die Kostenexplosion: Wie ein Mythos entstand
4 Gründe
4.1 Schema der GKV-Reformen
4.2 Verteilungseffekte
4.3 „Verschiebebahnhöfe“
4.4 Steigende Gesundheitsausgaben durch Anbieterdominanz
4.5 Demographischer Wandel
5 Maßnahmen und Lösungsansätze
5.1 Wachsende Belastung der Versicherten
5.2 Privatisierung der Gesundheitsausgaben
5.3 Hausarztzentrierte Versorgung
6 Exkurs: Das deutsche Gesundheitssystem – eines der teuersten der Welt?
6.1 Vergleichsmöglichkeiten
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch den in der öffentlichen Debatte häufig verwendeten Begriff der „Kostenexplosion“ im deutschen Gesundheitswesen. Ziel ist es zu analysieren, ob dieser Begriff der Realität entspricht, welche strukturellen und demografischen Faktoren tatsächlich zu steigenden Ausgaben beitragen und inwieweit politische Reformansätze, wie die hausarztzentrierte Versorgung, zur Stabilisierung beitragen können.
- Analyse der Entstehung und Manipulation des Begriffs „Kostenexplosion“
- Untersuchung der Grundstrukturen und Prinzipien des deutschen Gesundheitssystems
- Bewertung von Reformen und Ansätzen zur Kostendämpfung
- Diskussion des demografischen Wandels als zentraler Kostentreiber
- Internationaler Vergleich des deutschen Gesundheitswesens
Auszug aus dem Buch
Die Kostenexplosion: Wie ein Mythos entstand
Der Begriff „Kostenexplosion“ wurde 1974 von Heiner Geißler geprägt. Heiner Geißler, damaliger Sozialminister von Rheinland-Pfalz, veröffentlichte eine Studie über die GKV-Ausgaben, in der er eine dramatische Entwicklung der Ausgaben prognostizierte. In einer Indexreihe legte er als Basisjahr 1960=100 fest. Als Bezugsjahr wählte Geißler 1973, in dem die GKV-Ausgaben nach seiner Berechnung schon 457,4 erreicht hatten. Geißler veröffentlichte die Studie zum richtigen Zeitpunkt. In den 1950er und 1960er Jahren stiegen die durchschnittlichen Krankenkassenbeiträge von 6% im Jahr 1950 auf 9,5% im Jahr 1962. Des Weiteren scheiterten zwei Reformversuche. 1964 wurde von der Bundesregierung eine Sozialenquête-Kommission eingesetzt, die 1966 öffentlich zugab, dass „die Bemessung der Anspruchsniveaus der GKV, durch das zugleich auch die Höhe des Beitragssatzes bestimmt wird“, zum Problem geworden sei.
Hinzu kam ein erneuter Anstieg des Beitragssatzes der Krankenkassen von 8,4% im Jahr 1970 auf 10% im Jahr 1975. Als dann im Mai/Juni 1975 auch noch das Magazin „Der Spiegel“ seine fünfteilige Serie über die Kostenexplosion veröffentlichte, waren sich endgültig alle sicher, dass die Gesundheitsausgaben kurz davor waren zu explodieren.
Der Begriff „Kostenexplosion“ hätte sich unter normalen Umständen gar nicht so in die Köpfe der Leute gebrannt, hätte Heiner Geißler seine Studie nicht entsprechend manipuliert, um die Ausgabensteigerung noch extremer darzustellen. Geißler manipulierte seine Indexreihe mit dem Trick der „dressierten Kurve“. Je nach Bestimmung des Basisjahres einer Indexreihe können Entwicklungen unterschiedlich dargestellt werden. Je kleiner der Ausgangswert und je weiter entfernt das Bezugsjahr, desto größer ist der Steigerungseffekt. Hätte Geißler ein anderes Basisjahr oder ein anderes Bezugsjahr gewählt, hätte er den Begriff „Kostenexplosion“ nie in dem Maße prägen können, da ihm die Grundlage dazu gefehlt hätte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die mediale Darstellung einer drohenden Kostenexplosion im Gesundheitswesen und führt in die zentralen Forschungsfragen der Arbeit ein.
2 Das Gesundheitssystem in Deutschland: Es werden die grundlegenden Prinzipien wie Solidar-, Subsidiaritäts- und Bedarfsdeckungsprinzip erläutert, die das deutsche Gesundheitssystem historisch und funktional prägen.
3 Die Kostenexplosion: Wie ein Mythos entstand: Dieses Kapitel dekonstruiert den Begriff der Kostenexplosion als eine durch manipulative Indexberechnungen und politische Rhetorik in den 1970er Jahren geschaffene Wahrnehmung.
4 Gründe: Es werden verschiedene Faktoren analysiert, die den Ausgabenanstieg beeinflussen, darunter das Schema der GKV-Reformen, Verteilungseffekte, Finanzierungsverschiebungen, Anbieterdominanz und der demografische Wandel.
5 Maßnahmen und Lösungsansätze: Das Kapitel betrachtet Strategien der Bundesregierung zur Kostendämpfung sowie das Modell der hausarztzentrierten Versorgung als Mittel zur Effizienzsteigerung.
6 Exkurs: Das deutsche Gesundheitssystem – eines der teuersten der Welt?: Mittels internationaler Vergleichsindikatoren wie der Gesundheitsquote und Kaufkraftparität wird die tatsächliche Position Deutschlands im globalen Kontext eingeordnet.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Begriff der Kostenexplosion einer wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.
Schlüsselwörter
Kostenexplosion, Gesundheitswesen, Gesetzliche Krankenversicherung, Solidarprinzip, GKV-Reformen, Anbieterdominanz, Demografischer Wandel, Hausarztzentrierte Versorgung, Gesundheitsökonomie, Kostenmanagement, Reformpolitik, Gesundheitsquote, Kaufkraftparität, Leistungskatalog, Kostenkontrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Debatte um die steigenden Gesundheitsausgaben in Deutschland und prüft kritisch, ob von einer unkontrollierbaren „Kostenexplosion“ gesprochen werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die historische Genese des Kostenbegriffs, die Finanzierungsstrukturen der GKV, die Auswirkungen des demografischen Wandels und die Effektivität verschiedener politischer Reformmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Mythos der Kostenexplosion zu entlarven und zu zeigen, dass die Gesundheitsausgaben zwar steigen, dies aber durch strukturelle Faktoren und nicht durch eine unkontrollierte Entwicklung erklärbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse, die politische Dokumente, Studien zur Gesundheitsökonomie und statistische Daten des Bundesamtes auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Ursachen für den Ausgabenanstieg (z.B. Anbieterdominanz, Demografie) und die Analyse von Lösungsansätzen wie der hausarztzentrierten Versorgung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kostenexplosion, gesetzliche Krankenversicherung, Solidarprinzip, Anbieterdominanz und demografischer Wandel charakterisieren.
Wie erklärt die Autorin den Begriff der „dressierten Kurve“?
Der Begriff beschreibt eine statistische Manipulation durch die gezielte Wahl von Basis- und Bezugsjahren in Indexreihen, um Steigerungseffekte dramatischer erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich sind.
Welche Rolle spielt der Hausarzt in diesem Kontext?
Der Hausarzt fungiert als „Lotse“ im komplexen Gesundheitssystem, der durch Koordination der Versorgung Doppeluntersuchungen vermeidet und somit unnötige Kosten reduziert.
- Arbeit zitieren
- Sarah Pinsdorf (Autor:in), 2011, Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184991