Die dritte Stufe der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion steht mit ihrem inzwischen nahezu unwiderruflichen Start spätestens am 01. Januar 1999 unmittelbar bevor. Je näher dieser Termin rückt, desto zahlreicher werden jedoch auch die Stimmen, die diesen Termin für verfrüht oder gar die ganze Wirtschafts- und Währungsunion für überflüssig halten.
Nahezu kein Tag vergeht, an dem die Medien nicht über neue Beschlüsse, Termine oder Szenarien der Wirtschafts- und Währungsunion berichten. Trotzdem - oder gerade deswegen - sind viele Bürger und Unternehmen, vor allem wegen der bevorste-henden Einführung einer gemeinsamen Währung, die mit dem Beginn der dritten Stufe verbunden ist, verunsichert und wegen der Stabilität der D-Mark besorgt. Ge-genüber den von den Befürwortern vorgetragenen, sicherlich auch ausreichend vor-handenen ökonomischen und politischen Vorteilen stehen jedoch auch etliche Nachteile, die gegen die Errichtung einer Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und der damit verbundenen Einführung einer gemeinsamen Währung sprechen.
Ziel dieser Diplomarbeit ist es daher, sowohl einen neutralen Überblick über die Er-eignisse, Daten und Fakten als auch über die im Vorfeld diskutierten Spekulationen zur Entwicklung einer Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion zu geben. Im Vordergrund der Betrachtung soll dabei vor allem die historische, gegenwärtige und zukünftige Entwicklung einer Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion mit dem Ziel der Einführung des Euro als gemeinsame europäische Währungseinheit stehen.
Diese Arbeit unterteilt sich daher in fünf Hauptkapitel, die aufgrund der Komplexität dieses Themas jedoch nur angeschnitten werden können:
1. Einen Überblick über das Gebilde der Europäischen Union, der ihre geschichtliche Entstehung, ihre Organe und ihre wichtigsten Ziele umfaßt.
2. Den Weg der EU zu einer gemeinsamen Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion mit den wichtigsten diesbezüglichen Regelungen.
3. Die Bestimmungen und Regelungen zu den mit der Errichtung der Währungsunion befaßten geldpolitischen Entscheidungsträger.
4. Die bisherige Europäische Währungseinheit ECU und deren Übergang zum Euro.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. DIE EUROPÄISCHE UNION
1. Die Geschichte der Europäischen Union
1.1 Die EGKS oder Montanunion
1.2 Die EWG
1.3 Die EURATOM oder EAG
2. Die Länder der Europäischen Union
3. Die Institutionen der Europäischen Union
3.1 Der Rat der Europäischen Union
3.2 Das Europäische Parlament
3.3 Die Europäische Kommission
3.4 Der Europäische Gerichtshof
3.5 Der Europäische Rechnungshof
4. Die wichtigsten Ziele der Europäischen Union
Exkurs: Der »Cecchini-Bericht«:
II. DER WEG ZUR WIRTSCHAFTS- UND WÄHRUNGSUNION
1. Die Geschichte der Wirtschafts- und Währungsunion
1.1 Der »Werner-Plan«
1.2 Das EWS
1.3 Der »Delors-Plan«
2. Der »Vertrag über die Europäische Union«
3. Die Grundlagen zur Wirtschafts- und Währungsunion
4. Die Stufen der Wirtschafts- und Währungsunion
4.1 Die erste Stufe
4.2 Die zweite Stufe
4.2.1 Das Regelwerk der Konvergenzkriterien
4.2.2 Die inhaltlichen Anforderungen der Konvergenzkriterien
4.2.3 Die Einhaltung der Konvergenzkriterien
4.3 Die dritte Stufe
5. Die Teilnehmer und Szenarien der Wirtschafts- und Währungsunion
III. DIE GELDPOLITISCHEN ENTSCHEIDUNGSTRÄGER
1. Das Europäische Währungsinstitut
1.1 Der finanzielle Rahmen des EWI
1.2 Die Aufgaben und Funktionen des EWI
1.3 Die Organe des EWI
2. Das Europäische System der Zentralbanken
2.1 Die Unabhängigkeit des ESZB
2.2 Die Aufgaben und Ziele des ESZB
2.3 Die Geldpolitik und die Instrumente des ESZB
3. Die Europäische Zentralbank
3.1 Der finanzielle Rahmen der EZB
3.2 Der Aufbau und die Organe der EZB
4. Die nationalen Notenbanken
IV. DIE EUROPÄISCHE WÄHRUNGSEINHEIT
1. Die ECU
1.1 Die Zusammensetzung der ECU
1.2 Die »offizielle ECU«
1.3 Die »private ECU«
2. Der Übergang zur einheitlichen Währung
2.1 Die Phase A: Das Ingangsetzen der WWU
2.2 Die Phase B: Der tatsächliche Beginn der WWU
2.3 Die Phase C: Die endgültige Umstellung auf den Euro
3. Der Euro
3.1 Die Euro-Banknoten und Münzen
3.2 Die Umrechnung beim Übergang zum Euro
3.3 Die Auswirkungen des Euro
3.4 Die Chancen und Risiken des Euro
3.4.1 Die Vorteile des Euro
3.4.2 Die Nachteile des Euro
Schlußbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen neutralen Überblick über die historische, gegenwärtige und zukünftige Entwicklung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion zu geben, wobei der Fokus insbesondere auf der Einführung des Euro als gemeinsamer europäischer Währungseinheit liegt.
- Historische Entstehung und institutioneller Aufbau der Europäischen Union.
- Entwicklungsschritte und Regelungen auf dem Weg zur Wirtschafts- und Währungsunion.
- Rolle und Unabhängigkeit der geldpolitischen Entscheidungsträger (EWI, ESZB, EZB).
- Funktionsweise und Übergang der ECU zum Euro sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken.
Auszug aus dem Buch
3. Die Institutionen der Europäischen Union
Um die Aufgaben der Europäischen Gemeinschaften effizient und rechtlich verbindlich verwalten zu können, wurden mit dem Fusionsvertrag von 1965, der 1967 in Kraft trat, der EG bzw. der heutigen EU fünf institutionelle Einrichtungen unterstellt. Dies sind: der Rat der Europäischen Union, das Europäische Parlament, die Europäische Kommission, der Europäische Gerichtshof sowie der Europäische Rechnungshof. Ebenfalls an dieser Stelle zu nennen ist ferner das Europäische Währungsinstitut, das durch die zukünftige Europäische Zentralbank ersetzt werden soll, sowie das Europäische System der Zentralbanken, die jedoch lt. den Regelungen des Maastricht-Vertrages keine offiziellen Organe der Union darstellen.
Eine besondere Stellung nimmt der Europäische Rat ein, bei dem sich mind. zweimal jährlich die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten sowie der Präsident der Europäischen Kommission treffen, um über die allgemeinen politischen Fragen der Union zu beraten. Der Europäische Rat darf daher nicht mit dem Rat der Europäischen Union (auch EG- oder EU-Ministerrat) verwechselt werden. Weiterhin gibt es sog. »Hilfsorgane« wie die Europäische Investitionsbank, den Wirtschafts- und Sozialausschuß und den Ausschuß der Regionen sowie weitere zahlreiche Agenturen, Institute und Stiftungen, auf die hier jedoch nicht näher eingegangen werden soll.
Zusammenfassung der Kapitel
I. DIE EUROPÄISCHE UNION: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entstehung, die Institutionen und die wesentlichen politischen Ziele der Europäischen Union.
II. DER WEG ZUR WIRTSCHAFTS- UND WÄHRUNGSUNION: Hier werden die historischen Meilensteine, der Vertrag über die Europäische Union und der dreistufige Plan zur Verwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion inklusive der Konvergenzkriterien detailliert beschrieben.
III. DIE GELDPOLITISCHEN ENTSCHEIDUNGSTRÄGER: Dieses Kapitel analysiert die Aufgaben, Organe und Unabhängigkeit des Europäischen Währungsinstituts, des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank.
IV. DIE EUROPÄISCHE WÄHRUNGSEINHEIT: Hier erfolgt eine Analyse der ECU, des Übergangsszenarios zum Euro sowie der Chancen und Risiken der neuen gemeinsamen Währung für die Wirtschaftssubjekte.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Wirtschafts- und Währungsunion, Euro, Europäische Zentralbank, Konvergenzkriterien, Währungsstabilität, Maastricht-Vertrag, Währungspolitik, Finanzmarkt, Geldmenge, Stabilitätspakt, Wechselkurs, Integration, Binnenmarkt, ECU.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit primär?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) und bewertet die Zukunftsaussichten für die Einführung des Euro als gemeinsame Währung.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der EU, den institutionellen Rahmen der Währungsintegration, die spezifischen geldpolitischen Anforderungen sowie eine Gegenüberstellung der Chancen und Risiken des Euro.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen neutralen Überblick über die Fakten, Daten und Spekulationen rund um die EWWU zu liefern, um den Prozess der Währungsumstellung transparent zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer deskriptiven Auswertung der relevanten EU-Verträge und ökonomischen Konzepte zur Währungsintegration.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der EU-Struktur, den Weg zur Währungsunion inklusive der drei Stufen, die Analyse der geldpolitischen Entscheidungsträger (EWI/EZB) und eine vertiefende Betrachtung der Währungseinheit Euro.
Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis zentral?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die Konvergenzkriterien, die Unabhängigkeit der EZB, der Stabilitätspakt für Europa und der Drei-Stufen-Plan zur Errichtung der Währungsunion.
Wie unterscheidet sich die Rolle des EWI von der der künftigen EZB?
Das EWI fungierte als Übergangsinstitution zur technischen und organisatorischen Vorbereitung, während die EZB nach der Errichtung die alleinige geldpolitische Verantwortung für den Euro übernimmt.
Welche Bedeutung hat der Stabilitätspakt für das Funktionieren des Euro?
Der Stabilitätspakt dient der langfristigen Sicherung der Preisstabilität durch die Festlegung von Defizitgrenzen und Sanktionsmechanismen bei finanzpolitischem Fehlverhalten der Mitgliedstaaten.
- Quote paper
- Oliver Schäfer (Author), 1997, Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion: Eine Analyse der Entwicklung bis heute und der Zukunftsaussichten für den weiteren Fortgang, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185114