Im Zuge der Liberalisierung und Deregulierung der deutschen Energie-branche im Gesamtkontext eines EU-weiten Energiebinnenmarktes kom-men vielfältige strategische Neuanforderungen auf die Elektrizitäts- und Gaswirtschaft zu, die im Rahmen einer Neuorientierung kontinuierlichen Veränderungen unterliegen. Die Öffnung der nationalen Energiemärkte und Zulassung eines freien Wettbewerbs unter den Energieversorgungsunternehmen beinhalten in verstärktem Maße einen grenzüberschreitenden Substitutionswettbewerb zwischen Gas sowie zwischen alternativen Energieträgern im Gefolge der Energierechtsnovelle.
Der Kernpunkt der Strom- und Gasrichtlinie, freien Wettbewerb auf dem Energiesektor zu erreichen, stellt alle Energieversorgungsunternehmen vor eine ernstzunehmende Herausforderung. Die veränderten Rahmenbe-dingungen erfordern Anstrengungen insbesondere im Hinblick auf ein gesteigertes Kostenbewußtsein und eine straffe Organisation zur Unterstützung langfristiger Rahmenvorgaben durch geeignete Handlungsparameter und -richtlinien, die in diesem Beitrag in Teilbereichen erarbeitet werden sollen. Dabei erfolgt zuerst eine einführende Darstellung der Energiewirt-schaft mit den für Energieversorgungsunternehmen relevanten Rahmen-daten. Anschließend werden die zentralen Aspekte der Energierechtsnovelle und den sich daraus ergebenden Konsequenzen für das Controlling aufgeführt, um schließlich Veränderungsvorschläge am Beispiel eines bedeutenden Gasversorgungsunternehmens abzuleiten.
Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt hierbei auf die Erhaltung und Entwicklung von Erfolgsfaktoren mit dem Ziel der Existenzsicherung als zentrale Zwecksetzung des strategisch orientierten Controllingsystems unter besonderer Berücksichtigung der zur Sicherung der Existenz erforderli-chen Strategieerarbeitung. Die hierbei im Zusammenhang mit diesem Bei-trag genannten Fachtermini werden im Anhang erläutert. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Die rechtlichen Rahmenbedingungen der leitungsgebundenen Energiewirtschaft
1.3 Die GASAG als bedeutender kommunaler Energieversorger
2 Liberalisierung der Energiemärkte in der Europäischen Union
2.1 Liberalisierung und Deregulierung der leitungsgebundenen Energiewirtschaft
2.2 Auswirkungen der Marktöffnungen am Beispiel Großbritanniens
2.3 Ableitung der Konsequenzen für den deutschen Energiemarkt
2.3.1 Veränderte Rahmenbedingungen im Gasbereich
2.3.2 Unmittelbare Folgen des Liberalisierungsprozesses für die GASAG
3 Die Controllingkonzeption der GASAG
3.1 Managementsystemorientiertes Controlling
3.2 Führungsunterstützungsfunktion des Controllings
4 Veränderte Rahmenbedingungen für das strategische Controlling
4.1 Strategisches Controlling und Umweltorientierung
4.1.1 Strategisches Controlling
4.1.2 Abgrenzung zum operativen Controlling
4.1.3 Konsequenzen aus der veränderten Unternehmungsumwelt
4.1.4 Anforderungen an das strategische Controlling
4.1.5 Dynamikorientiertes Controlling
4.2 Wahrnehmung strategischer Aufgaben im Rahmen der Existenzsicherung
4.2.1 Strategische Planung
4.2.2 Phasen der strategischen Planung
4.2.2.1 Analyse der strategischen Ausgangssituation
4.2.2.2 Strategieentwicklung
4.2.2.3 Umsetzung der Strategie
4.2.3 Strategische Kontrolle
4.2.4 Schaffen und Erhalten von Erfolgspotentialen
4.2.5 Der Beitrag des Controllings bei der Strategieerarbeitung
5 Risikomanagement aus der Sicht einer managementsystemorientierten Controllingkonzeption
5.1 Risikomanagement als Instrument des strategischen Controllings
5.2 Instrumente des Risikomanagements
5.3 Hedging zur Absicherung gegen Preisvolatilitäten
5.4 Hedging-Strategie
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen der Liberalisierung und Deregulierung der europäischen Gasmärkte auf die deutsche Energiewirtschaft. Das primäre Ziel ist die Ableitung von Konsequenzen für das Controlling, insbesondere am Beispiel der GASAG Berlin, um die Existenzsicherung durch strategische Anpassungen und ein dynamikorientiertes Controllingsystem zu gewährleisten.
- Liberalisierungsprozess der europäischen Energiemärkte
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Energierechtsnovelle
- Controllingkonzeption zur Unterstützung strategischer Führung
- Instrumente des Risikomanagements und Hedging
- Erhaltung und Entwicklung von Erfolgspotentialen
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Abgrenzung zum operativen Controlling
Das strategische Controlling unterstützt das strategische Management bei der nachhaltigen Existenzsicherung der Unternehmung, indem es auf strategischer Ebene führungsrelevante und strategieorientierte Informationen bereitstellt. Als Voraussetzung der existentiellen Sicherung der Unternehmung dient dabei ein ausreichender Gewinn bzw. die Gewinnsicherung als Aufgabe des operativen Controllings.
Der Gewinn stellt per se nicht die Ursache sondern lediglich das Ergebnis eines dauerhaft effizienten wirtschaftlichen Verhaltens als wichtige Existenzbedingung dar.
Hierdurch wird die klare Aufgabentrennung des strategischen zum operativen Controlling zum Ausdruck gebracht. Während das strategische Controlling mehr die qualitative Unternehmungsumwelt ohne grundsätzliche Zeitbeschränkung bewußt im Blickwinkel hat und dafür Sorge trägt, daß zukunftsorientierte Erfolgspotentiale erkannt und erhalten bleiben bzw. erst aufgebaut werden, obliegt es dem operativ ausgerichteten Controlling unter Verwendung der ihm zur Verfügung stehenden Instrumente, beispielsweise der operativen Planung und Budgetierung sowie der ergebnisorientierten Unternehmungsplanung und -kontrolle bzw. unter Anwendung des Rechnungswesens als Dokumentationsrechnung, das Ergebnisziel unter Optimalitätsgesichtspunkten unter Beachtung der Liquiditätssicherung zu erreichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Energiewirtschaft mit relevanten Rahmendaten im Kontext der Liberalisierung und Einführung in die Konsequenzen für das Controlling.
2 Liberalisierung der Energiemärkte in der Europäischen Union: Analyse der Deregulierung leitungsgebundener Energiemärkte, der Erfahrungen aus Großbritannien und der Auswirkungen auf den deutschen Markt sowie die GASAG.
3 Die Controllingkonzeption der GASAG: Erläuterung der systemorientierten Controllingstruktur bei der GASAG und deren Rolle als Unterstützung für das Management.
4 Veränderte Rahmenbedingungen für das strategische Controlling: Detaillierte Untersuchung von Strategie, Planung und Kontrolle im Kontext einer sich wandelnden Umwelt und der Sicherung von Erfolgspotentialen.
5 Risikomanagement aus der Sicht einer managementsystemorientierten Controllingkonzeption: Analyse von Risikomanagementinstrumenten, insbesondere Hedging-Strategien, zur Absicherung von Gasbezugspreisen.
Schlüsselwörter
Liberalisierung, Gasmärkte, GASAG, Controlling, Risikomanagement, Strategisches Controlling, Energierechtsnovelle, Hedging, Existenzsicherung, Erfolgspotentiale, Energiebinnenmarkt, Wettbewerb, Kostenführerschaft, Preisvolatilität, Diversifikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der EU-weiten Liberalisierung der Gasmärkte auf die deutsche Energiewirtschaft und zeigt auf, wie ein strategisch ausgerichtetes Controlling Unternehmen wie die GASAG bei der Existenzsicherung unterstützen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Deregulierung der Energiewirtschaft, die methodische Abgrenzung zwischen strategischem und operativem Controlling, das Risikomanagement durch Hedging sowie die Entwicklung von Erfolgspotentialen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Ableitung von Handlungsempfehlungen für das Controlling, um die Wettbewerbsfähigkeit und Existenz eines Gasversorgers unter veränderten, deregulierten Marktbedingungen langfristig zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender betriebswirtschaftlicher Konzepte und deren Anwendung auf die spezifische Situation der GASAG im Kontext der Energierechtsnovelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Liberalisierung, die Konzeption des strategischen Controllings, Anforderungen an dieses im Wandel, strategische Planung und Kontrolle sowie die Implementierung von Risikomanagementinstrumenten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Liberalisierung, Strategisches Controlling, Erfolgspotentiale, Risikomanagement, Hedging, Energierechtsnovelle und Existenzsicherung.
Welche Rolle spielen die "erfolgversprechenden Erfolgspotentiale" bei der GASAG?
Sie dienen als zentrale Führungs- und Steuerungsgrößen, um auf zukünftige Marktentwicklungen vorbereitet zu sein und langfristig Wettbewerbsvorteile gegenüber neuen Konkurrenten zu generieren.
Warum ist das Risikomanagement für Gasversorger so relevant?
Aufgrund langfristiger Bindungen und hoher Preisvolatilitäten im Gashandel ist ein systematisches Risikomanagement mittels Hedging-Instrumenten notwendig, um eine stabile Gewinnspanne zu gewährleisten.
- Quote paper
- Jeong-Hwan Song (Author), 1998, Folgen des Liberalisierungsprozesses der Gasmärkte in der Europäischen Union und Konsequenzen für das Controlling am Beispiel der Gas AG Berlin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185141