Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Germany - National Socialism, World War II

Rolle der Politik der IG Farben AG 1933-1945

Title: Rolle der Politik der IG Farben AG 1933-1945

Examination Thesis , 1997 , 145 Pages , Grade: 2

Autor:in: Torsten Friedrich (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Geschicktheit und der unternehmerischen Machtpolitik von Duisberg und anderen Unternehmern ist es zu verdanken, daß sowohl der Erste als auch der Zweite Weltkrieg unsäglich in die Länge gezogen wurden und vielen Millionen Menschen das Leben kosten sollte. Nicht die Entwicklung von chemischen Waffen und synthetischen Nitraten hat dazu beigetragen, sondern die Entschlossenheit, mit der die IG-Farben ihre Firmenpolitik und ihre Zielsetzungen durchsetzen konnte.

Diese Arbeit, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Rolle und Politik der IG-Farben von 1933 bis 1945 zu analysieren, setzt sich mit einem Konzern auseinander, dessen ökonomische und politische Rolle in der Geschichte des 20. Jahrhunderts von außerordentlicher Bedeutung ist.
Die IG-Farben war seit ihrer Gründung im Jahre 1925 nicht nur das wichtigste deutsche Chemieunternehmen. Ihre Geschichte zeigt deutlich auf, wie sich Macht- und Interessenziele eines Großunternehmens verbinden lassen mit wechselnden politischen Systemen.
Der wesentliche Beitrag dieser Arbeit ist keine Darstellung der Firmengeschichte, sondern sie versucht, die wirtschaftspolitischen Einflüsse auf den Faschismus zu erörtern.
Trotzdem ist es erforderlich, die Entwicklung dieses Großkonzerns bis in das Jahr 1945 nachzuvollziehen. Erstens weil keine wissenschaftlich aufgearbeitete Gesamtdarstellung der IG-Farben existiert und zweitens sich diese Untersuchung an der Firmengeschichte orientiert, um dezidiert an konkreten Vorgängen und Begebenheiten die Mechanismen aufzuzeigen, die es dem Konzern ermöglichten, seine wirtschaftspolitischen Interessen durchzusetzen.
Dabei darf sich der Überblick nicht allein auf die Jahre 1933-1945 beschränken, sondern beginnt im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Gründe für diesen erweiterten Zeitrahmen liegen auf der Hand. Nur eine relativ vollständige Übersicht ermöglicht es, die grundlegenden Zusammenhänge einer kontinuierlichen Interessenverflechtung zwischen politischen Systemen und IG-Farben-Politik darzustellen, die bereits vor der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur bestanden haben. Die Arbeit thematisiert den wirtschaftlichen Konzentrationsprozeß eines Monopolkonzerns und gleichzeitig die Zusammenarbeit von privatwirtschaftlicher Interessenbildung und Staatsführung. Durch diese vorhandene Verwandtschaft und die Korrelation beider Sachverhalte wird die uneingeschränkte Partizipation am Nationalsozialismus erklärlich.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Stellung und Bedeutung der deutschen chemischen Industrie bis zum Ersten Weltkrieg

2. Die Chemieindustrie im Ersten Weltkrieg

2.1. Der Erste Weltkrieg

2.1.1. Der Krieg der Chemiker

2.1.2. „Man kann nicht angenehmer Sterben.”

2.1.3. Die „Interessengemeinschaft der deutschen Teerfabriken” wird gegründet

2.2. Die Nachkriegszeit

2.3. Erste Zwischenbilanz

3. Die IG nach dem Ersten Weltkrieg

3.1. Die Fusion

3.1.1. Die IG Farben nach 1925 - der „Platz an der Sonne” wird wieder zurückerobert

3.1.2. Organisation und Struktur der IG-Farben

3.1.3. Die neuen Projekte der IG-Farben

3.2. Die Beziehungen zur Standard Oil während der Weimarer Republik

3.3. Die Einflußnahme der IG-Farben auf Wirtschaft und Politik in der Weimarer Republik

3.3.1. Der Kalle-Kreis

3.3.2. Andere Aktivitäten

3.3.3. Parteispenden

3.3.4. Pressepolitik

3.3.5. Der Einfluß der IG auf die Regierungen der Weimarer Republik

3.4. Zweite Zwischenbilanz

4. Die IG-Farben und der NS-Staat

4.1. Das Verhältnis der IG zur NSDAP bis 1933

4.1.1. Die erste Kontaktaufnahme zur NSDAP - der Wagemann-Kreis

4.1.2. Das erste Treffen mit Adolf Hitler

4.1.3. Die Fahrt zum „Führer”

4.1.4. „Die letzte Wahl”

4.1.5. Das Verhältnis Bosch - Hitler: noch gibt es Schwierigkeiten

4.2. Dritte Zwischenbilanz

5. Die Beziehungen der IG-Farben zum NS-Staat nach 1933

5.1. Der Benzin-Pakt

5.2. Neue Aufgaben für die IG-Farben Zentralfinanzverwaltung NW 7

5.3. Die IG rüstet für den Krieg

5.3.1. Der Vierjahresplan und der Aufstieg von Carl Krauch

5.3.2. Hitlers geheime Denkschrift zum Vierjahresplan

5.3.3. 1938 - 1939: die Zeit vor dem Krieg

5.4. Annexion und Ausbeutung vor dem Zweiten Weltkrieg

5.4.1. Österreich

5.4.2. Tschechoslowakei

5.4.3. Die Südosteuropapläne der IG-Farben

5.5. Vierte Zwischenbilanz

6. Die IG-Farben im Zweiten Weltkrieg

6.1. Polen

6.2. „Ja im Wald, da sind die Räuber” - Die Neuordnung Europas aus der Sicht der IG-Farben

6.3. „Diese Judensau könnte auch rascher arbeiten.” - Die IG-Farben und Auschwitz

6.3.1. Die IG und der Lager- und Baustellenbetrieb

6.3.2. Zyklon B und die medizinischen Experimente an Häftlingen

6.4. Das Ende des Zweiten Weltkrieges

7. Das Verhältnis von Großindustrie und Nationalsozialismus als Gegenstand politischer Theorien

7.1. Die Kontingenztheorie

7.2. Die Identitätstheorie

7.3. Die Verselbständigungstheorie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die ökonomische und politische Rolle des IG-Farben-Konzerns in der Zeit von 1933 bis 1945 und untersucht die Mechanismen der Zusammenarbeit zwischen privatwirtschaftlicher Interessenbildung und der NS-Staatsführung. Zentral ist dabei die Frage, wie der Konzern durch seine unternehmerische Macht und Kontinuität in der Interessenverfolgung am Nationalsozialismus partizipierte und diesen durch seine wirtschaftspolitische Einflußnahme stützte.

  • Die Entwicklung und wirtschaftliche Konzentration des IG-Farben-Konzerns
  • Die Rolle der Industrie bei der Zerstörung der Weimarer Republik
  • Die enge Verflechtung von IG-Farben-Interessen und der nationalsozialistischen Aufrüstungs- und Autarkiepolitik
  • Die Beteiligung des Konzerns an Kriegsvorbereitungen, Annexionen und der Ausbeutung von Zwangsarbeit

Auszug aus dem Buch

4.1.3. Die Fahrt zum „Führer”

„Es war ein schöner Sommertag im Juni 1932. Der Reichstag war wieder einmal aufgelöst, und das deutsche Volk befand sich im Wahlkampf. Wir waren am Abend zuvor mit dem Auto in München eingetroffen und warteten an diesem Morgen, wie verabredet, darauf, zum Empfang beim Führer abgeholt zu werden. Es sollte Nachmittag werden. Da erschien gegen drei Uhr der offene Wagen mit der Führerstandarte und brachte uns durch die Straßen von München zur Privatwohnung des Führers am Prinzregentenplatz. Wir traten in ein einfach und schlicht eingerichtetes Arbeitszimmer und warteten dort auf das Eintreffen des Führers. Der Führer hatte am Abend zuvor in einer Wahlversammlung in München gesprochen, war die Nacht durchgefahren, hatte mittags wieder auf einer Jugendgroßkundgebung das Wort ergriffen. Wir wußten, daß der Führer die Nacht nicht geschlafen hatte, und fragten uns während des Wartens mit leisem Bangen, ob es unter diesen Umständen überhaupt möglich sein würde, eine derart schwierige Frage so rasch zu klären.

Um ½ 5 Uhr trat der Führer ein und begrüßte uns. Er wußte sofort, zu welchen Zweck wir gekommen waren und sagte: ‘Meine Herren, gestatten Sie, daß ich stehen bleibe. Sie werden verstehen, daß ich im Augenblick durch den politischen Kampf sehr beansprucht bin. Aber das Treibstoffproblem halte ich für so wichtig, daß ich mich durch das Stehenbleiben zwingen möchte, die natürliche Ermüdigung zu überwinden.’

Dann trug der Führer - klar und überzeugend - seine wirtschaftlichen Ziele vor. Er sagte: ‘Die Wirtschaft in einem Deutschland, das politisch unabhängig bleiben will, ist heute ohne Öl nicht denkbar. Der deutsche Treibstoff muß daher selbst unter Opfern verwirklicht werden. Es besteht für die Kohlehydrierung die zwingende Notwendigkeit, weiter zu arbeiten.’”

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die Stellung und Bedeutung der deutschen chemischen Industrie bis zum Ersten Weltkrieg: Untersuchung der historischen Entwicklung der wichtigsten Chemiekonzerne und ihres Konzentrationsprozesses, der zur marktbeherrschenden Stellung der „Großen Sechs” führte.

2. Die Chemieindustrie im Ersten Weltkrieg: Darstellung der engen Kooperation zwischen Industrie und Militär, insbesondere im Bereich der synthetischen Nitratproduktion und der Entwicklung chemischer Kampfmittel.

3. Die IG nach dem Ersten Weltkrieg: Analyse der Fusion zur IG Farbenindustrie AG im Jahr 1925 und der Etablierung des Konzerns als größtes deutsches Monopolunternehmen zur Absicherung von Macht und Marktanteilen.

4. Die IG-Farben und der NS-Staat: Untersuchung der politisch-strategischen Annäherung der Konzernführung an die NSDAP, um die unternehmerischen Ziele in einer autoritären Staatsform durchzusetzen.

5. Die Beziehungen der IG-Farben zum NS-Staat nach 1933: Erörterung der Integration des Konzerns in die nationalsozialistische Autarkie- und Rüstungspolitik und der Ausbeutung besetzter Gebiete zur Sicherung von Rohstoffen.

6. Die IG-Farben im Zweiten Weltkrieg: Analyse des Konzerns als Teil der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft, inklusive der Rolle von Zwangsarbeit und der Errichtung des Werkes in Auschwitz.

7. Das Verhältnis von Großindustrie und Nationalsozialismus als Gegenstand politischer Theorien: Diskussion wissenschaftlicher Erklärungsansätze zur Verbindung von Industrie und Faschismus, wie der Kontingenz-, Identitäts- und Verselbständigungstheorie.

Schlüsselwörter

IG Farben, Chemieindustrie, Nationalsozialismus, Aufrüstung, Autarkie, Kriegswirtschaft, Konzernpolitik, Zwangsarbeit, Auschwitz, Carl Bosch, Carl Duisberg, Carl Krauch, Unternehmenspolitik, Kapitalismus, Faschismustheorien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die ökonomische und politische Rolle des IG-Farben-Konzerns im Kontext des Nationalsozialismus und dessen Entwicklung von der Weimarer Republik bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Unternehmensgeschichte des IG-Farben-Konzerns, die wirtschaftspolitische Einflußnahme auf den NS-Staat, die Verflechtung von Industrieinteressen und Kriegszielen sowie die Beteiligung an nationalsozialistischen Verbrechen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Mechanismen aufzuzeigen, die es dem Konzern ermöglichten, wirtschaftspolitische Interessen in wechselnden politischen Systemen durchzusetzen und zu erörtern, inwieweit der Konzern den Machterwerb und die Kriegsvorbereitungen des Faschismus stützte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Untersuchung, die auf der Analyse von Firmengeschichte, Dokumenten und der Auseinandersetzung mit verschiedenen politikwissenschaftlichen Theorieansätzen (Kontingenz-, Identitäts- und Verselbständigungstheorie) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Analyse: beginnend bei den Vorläufern der IG im Ersten Weltkrieg, über die Konsolidierung in der Weimarer Republik, bis hin zur direkten Involvierung des Konzerns in die nationalsozialistische Kriegswirtschaft und das System Auschwitz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie IG Farben, Autarkie, Rüstung, Kriegswirtschaft, Zwangsarbeit und das Beziehungsgeflecht zwischen Wirtschaft und Politik charakterisiert.

Welche Rolle spielte das "Haber-Bosch-Verfahren" für den Konzern?

Das Haber-Bosch-Verfahren war technologisch entscheidend, da es die synthetische Herstellung von Ammoniak und damit Nitraten ermöglichte, was sowohl für die Düngemittelproduktion als auch als strategischer Grundstoff für die Munitionsherstellung unerlässlich war.

Was war die Bedeutung der "Vermittlungsstelle NW 7"?

Die NW 7 fungierte als zentrale Stelle für Regierungskontakte und Nachrichtendienst, die nicht nur Lobbyarbeit leistete, sondern auch strategische Informationen über industrielle Ziele im Ausland für die nationalsozialistische Wehrmacht und Luftwaffe sammelte.

Warum war das Projekt in Auschwitz für die IG so bedeutend?

Das Bunawerk in Auschwitz sollte die autarke Versorgung mit synthetischem Kautschuk und Öl sicherstellen. Die IG nutzte das Konzentrationslagersystem, um durch Zwangsarbeit ein billiges "Arbeitskräftereservoir" für das Großprojekt zu erhalten.

Welches Fazit zieht der Autor zur "Verselbständigungstheorie"?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Verselbständigungstheorie zwar Bezugspunkte bietet, die Entwicklung aber eher als ein arbeitsteilig organisiertes Bündnis zwischen dem NS-Staat und dem IG-Farben-Konzern zu begreifen ist, bei dem beide Seiten aus ökonomischen und machtpolitischen Motiven kooperierten.

Excerpt out of 145 pages  - scroll top

Details

Title
Rolle der Politik der IG Farben AG 1933-1945
College
University of Marburg
Grade
2
Author
Torsten Friedrich (Author)
Publication Year
1997
Pages
145
Catalog Number
V185148
ISBN (eBook)
9783656997894
ISBN (Book)
9783867460538
Language
German
Tags
IG Farben
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Torsten Friedrich (Author), 1997, Rolle der Politik der IG Farben AG 1933-1945, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185148
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  145  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint