Marktwirtschaftliche Systeme werden unter anderem an der Effizienz der Allokation von Res-sourcen (Produktionsfaktoren) und Gütern gemessen. Unter der Voraussetzung der Funktions-fähigkeit eines Marktes dienen Preise als Knappheitsindikatoren, die das Ergebnis des Marktmechanismus darstellen. Marktprozesse selbst werden wiederum über Preise gesteuert (Preismechanismus) und sollen zu einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage führen. In den volkswirtschaftlichen Theorien findet dieser Markt- bzw. Preismechanismus auf allen Märkten, demgemäß auch auf dem Kapitalmarkt, seine Anwendung.
Auf einem funktionsfähigen (vollkommenen) Wettbewerbsmarkt mit vielen Marktteilneh-mern, der in der Theorie oft mit dem sehr restriktiven Modell der vollständigen Konkurrenz beschrieben wird, führen viele Anbieter und Nachfrager Transaktionen (Tausch von Gütern) durch. Sind die einzelnen Akteure des Marktes in Relation zum Gesamtmarkt marktohnmäch-tig und existieren keine Informationsasymmetrien, die geeignet sind, Vorteile einer Marktsei-te auf Basis dieser Informationen zu realisieren, kann von einem effizienten Marktergebnis ausgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG
1.2 ZIELSETZUNG UND VORGEHEN BEI DER UNTERSUCHUNG
2. DIE HYPOTHESE DER EFFIZIENTEN MÄRKTE IM KONTEXT DER KAPITALMARKTEFFIZIENZ
2.1 ABGRENZUNG DES BEGRIFFES DER KAPITALMARKTEFFIZIENZ
2.2 DIE HYPOTHESE DER EFFIZIENTEN MÄRKTE
2.2.1 Die schwache Informationseffizienz
2.2.2 Die halb-strenge Informationseffizienz
2.2.3 Die strenge Informationseffizienz
2.3 KRITIK AN DER HYPOTHESE DER INFORMATIONSEFFIZIENTEN MÄRKTE
2.4 MARKTGLEICHGEWICHT MIT POSITIVEN ERWARTETEN RENDITEN
3 KAPITALMARKTANOMALIEN
3.1 DIE PORTEFEUILLETHEORIE (CAPM)
3.2 DEFINITION DES BEGRIFFES DER KAPITALMARKTANOMALIE
3.3 BEWERTUNGSANOMALIEN (IN VERBINDUNG MIT DEM CAPM)
3.3.1 Der Overreaction-Effekt
3.3.1.1 Möglichkeiten der Überprüfung der Overreaktion-Hypothese
3.3.1.2 Ergebnisse vorliegender Untersuchungen
3.3.1.3 Erklärungsansätze der Overreaction-Hypothese
3.3.1.4 Ergebnisse der Untersuchungen des deutschen Aktienmarktes
3.3.2 Der Klein-Firmen-Effekt
3.3.2.1 Möglichkeiten der Überprüfung des Klein-Firmen-Effektes
3.3.2.2 Ergebnisse vorliegender Untersuchungen
3.3.2.3 Der Klein-Firmen-Effekt in Verbindung mit Renditeprozeßanomalien
3.3.2.4 Erklärungsansätze des Klein-Firmen-Effektes in Verbindung mit Rendite-
3.3.2.5 Ergebnisse der Untersuchungen des deutschen Aktienmarktes
3.3.3 Bubbles auf Kapitalmärkten
3.3.3.1 Stochastische Bubbles
3.3.3.2 Deterministische Bubbles
3.3.3.3 Agencyorientierte Bubbles
3.3.3.4 Irrationale Bubbles
3.3.3.5 Ergebnisse vorliegender Untersuchungen
3.3.3.6 Erklärungsansätze über das Entstehen von Bubbles
3.3.3.7 Ergebnisse der Untersuchungen des deutschen Aktienmarktes
3.3.4 Der Price/Earnings-Effekt
3.4 RENDITEPROZEßANOMALIEN
3.4.1 Der Day-of-the-Week-Effekt
3.4.1.1 Möglichkeiten der Überprüfung des Day-of-the-Week-Effektes
3.4.1.2 Ergebnisse vorliegender Untersuchungen
3.4.1.3 Erklärungsansätze des Day-of-the-Week-Effektes
3.4.1.4 Ergebnisse der Untersuchungen des deutschen Aktienmarktes
3.4.2 Der Turn-of-the-Month-Effekt
3.4.3 Der Turn-of-the-Year-Effekt
4. DIE BEURTEILUNG DER KAPITALMARKTANOMALIEN IM KONTEXT DER
5. SCHLUßBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen von Kapitalmarktanomalien vor dem Hintergrund der Hypothese informationseffizienter Märkte. Ziel ist es, anomales Verhalten von Marktakteuren aufzuzeigen und zu analysieren, insbesondere in Bezug auf den deutschen Aktienmarkt, um festzustellen, inwieweit Kapitalmärkte trotz theoretischer Ideale in der Praxis Effizienzlücken aufweisen.
- Informationseffizienz und die Hypothese effizienter Märkte
- Grundlagen der Portefeuilletheorie (CAPM)
- Bewertungsanomalien (Overreaction-Effekt, Klein-Firmen-Effekt, Bubbles, Price/Earnings-Effekt)
- Renditeprozeßanomalien (Day-of-the-Week, Turn-of-the-Month, Turn-of-the-Year)
- Kritische Beurteilung der Markteffizienz und der empirischen Befunde
Auszug aus dem Buch
3.3.1.2 Ergebnisse vorliegender Untersuchungen
Untersuchungen des amerikanischen Aktienmarktes bestätigten mit großer Mehrheit für Perioden zwischen einer Woche und einem Monat die Overreaction-Hypothese und damit den kurzfristigen Overreaction-Effekt. Demnach ist der kurzfristige Overreaction-Effekt vom Size-Effekt unabhängig und aufgrund seiner Signifikanz ökonomisch relevant. Die Gründe für das beobachtete Verhalten sind umstritten, unter anderem wird ein verzögertes Verhalten sowie „lead-lag relationships“ aufgeführt. Lead-lag relationship besagt, daß einige Aktien schneller auf Informationen reagieren als andere Aktien. Aus bestimmten Relationsbeziehungen können dann Renditedifferenzen entstehen, die zu einem späteren Zeitpunkt zu Arbitragegeschäften verwendet werden. Der langfristige Overreaction-Effekt wird für Perioden mit einer Dauer von drei bis fünf Jahren bestätigt und zeigt eine verstärkte Januar-Saisonalität sowie eine höhere Signifikanz bei kleineren Unternehmen. Inwieweit das erfaßte Veralten mit dem Size-Effekt bzw. auf veränderte Erwartungen im Zeitablauf verbunden ist, bleibt offen.
Diese Ergebnisse sind vergleichbar mit Untersuchungen am spanischen, deutschen, kanadischen und japanischen Aktienmarkt. Die Overreaction-Hypothese widerspricht der Anlagestrategie der relativen Stärke, die davon ausgeht, daß Aktien, die den Markt outperformen, auch in zukünftigen Perioden signifikante marktadjustierte Überrenditen erzielen. Interessant ist, daß einige empirische Studien nicht generell die Anlagestrategie der relativen Stärke verwerfen, sondern nur für Perioden bestimmter Länge entweder ein kontinuierliches oder ein gegenläufiges Verhalten der Kursentwicklung im Vergleich zum Markt beobachteter Aktien feststellen. So wurde für Perioden mit drei- bis zwölfmonatiger Dauer übereinstimmend ein Kontinuitätseffekt festgestellt. Der kurzfristige Overreaction-Effekt scheint hiernach durch einen mittelfristigen Kontinuitätseffekt getrennt zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Die Einleitung thematisiert die Bedeutung der Markteffizienz für die Allokation von Ressourcen und leitet die Forschungsfrage sowie das Vorgehen der Untersuchung ab.
2. DIE HYPOTHESE DER EFFIZIENTEN MÄRKTE IM KONTEXT DER KAPITALMARKTEFFIZIENZ: Dieses Kapitel definiert Kapitalmarkteffizienz, stellt die Hypothese der effizienten Märkte nach Fama dar und diskutiert kritische Ansätze sowie das Modell des Marktgleichgewichts.
3 KAPITALMARKTANOMALIEN: Hier werden die theoretischen Grundlagen des CAPM sowie verschiedene Bewertungs- und Renditeprozeßanomalien detailliert vorgestellt und empirisch untersucht.
4. DIE BEURTEILUNG DER KAPITALMARKTANOMALIEN IM KONTEXT DER: Die Ergebnisse der Anomalienuntersuchung werden kritisch hinterfragt, wobei insbesondere das Problem verbundener Hypothesen und die empirische Messbarkeit im Fokus stehen.
5. SCHLUßBETRACHTUNG: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der Kapitalmarkteffizienz in hochentwickelten Volkswirtschaften und dem Fazit, dass Kapitalmärkte trotz temporärer Anomalien als effizient anzusehen sind.
Schlüsselwörter
Kapitalmarkteffizienz, Informationseffizienz, Kapitalmarktanomalien, CAPM, Overreaction-Effekt, Klein-Firmen-Effekt, Preisblasen, Renditeprozeßanomalien, Saisonalitäten, Markteffizienz, Aktienmarkt, Arbitrage, Börse, Finanztheorie, Volatilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept der Kapitalmarkteffizienz und untersucht, ob und inwieweit auf Kapitalmärkten anomale Verhaltensweisen existieren, die dieser Effizienz widersprechen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung informationseffizienter Märkte (Fama), die Portefeuilletheorie (CAPM) sowie eine umfassende Kategorisierung und empirische Analyse diverser Kapitalmarktanomalien.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, anomales Verhalten von Akteuren auf Kapitalmärkten aufzuzeigen, deren Intensität zu prüfen und zu bewerten, inwieweit diese die Hypothese der informationseffizienten Märkte in Frage stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse basiert und empirische Ergebnisse aus bestehenden Pionierarbeiten und Studien (insbesondere für den deutschen und amerikanischen Aktienmarkt) zusammenführt und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Bewertungsanomalien wie der Overreaction-Effekt oder der Klein-Firmen-Effekt sowie Renditeprozeßanomalien wie Kalendereffekte (z.B. Januar-Effekt) im Detail hinsichtlich ihrer Ursachen und empirischen Belege diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Kapitalmarkteffizienz, Informationseffizienz, Kapitalmarktanomalien, CAPM, Saisonalitäten und Markteffizienz beschreiben.
Warum ist das Problem der „verbundenen Hypothesen“ so wichtig für die Analyse?
Das Problem verdeutlicht, dass eine Anomalie nicht eindeutig beweist, dass ein Markt ineffizient ist; es könnte sich ebenso um eine Fehlspezifikation des verwendeten Bewertungsmodells (z.B. CAPM) handeln.
Wie werden „Bubbles“ im Kontext dieser Arbeit definiert?
Bubbles werden als Differenz zwischen dem realen Börsenkurs und dem fundamental gerechtfertigten Kurs (inneren Wert) definiert, die eine Unsicherheit in der Preisbildung widerspiegelt.
- Arbeit zitieren
- Christian Witz (Autor:in), 1998, Die Kapitalmarkteffizienz als Voraussetzung hochentwickelter Volkswirtschaften (Überrenditen am deutschen Aktienmarkt), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185224