Ricardos Theorem der komparativen Kosten


Hausarbeit, 2003

30 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1. Fragestellung und Annahmen

2. Implikation der Bedingungen für Handel

3.. Alternativkosten

4. Gewinne aus dem Außenhandel

5. Anpassungsprozesse

6. Gleichgewicht

7. Absolute versus relative Kosten

8. Eingriffe in den internationalen Handel

9. Zusammenfassung und kritische Betrachtung

Quellenverzeichnis

Vorwort

In Jahre 1817 publizierte David Ricardo sein Wert über die Principles of Political Economy and Taxation, in denen er die grundlegenden und abgrenzenden Prinzipien des Tauschwertes behandelte und Gesetzmäßigkeiten nachging, welche in den Kontext der Verteilung des Wohlstandes unter die differenzierten Gruppen der Gesellschaft gestellt werden. Er versuchte Veränderungen im sozialen Leben zu erkennen und die Umstände aufzudecken, von denen die Wohlfahrt der Akteure abhängt.

Im Gegensatz zu Smith und Locke, welche sich in erster Linie mit der Entstehung des Wohlstandes beschäftigten, richtete sich das Interesse Ricardos auf dessen Wert und die Verteilung, wobei er der praktischen Anwendung seiner allgemeinen Grundsätze „wenig Beachtung“[1] schenkte. Seine Absicht lag vielmehr darin, bestimmte fundamentale Annahmen zu berücksichtigen und diese folgerichtig einzuordnen. „Das Zeitalter der Formeln hat begonnen“[2]. Sie erlaubten ihm eine strenge logische Verknüpfung seiner Grundideen. Er befasste sich mit diesen Problemstellungen in einer Zeit, in der die Fragen des Volkswohlstandes, der internationalen Arbeitsteilung und der Beschäftigung in der außenwirtschaftlichen Theorie noch eine untergeordnete Rolle spielten, da vor allem monetaristische Vorstellungen im Vordergrund standen. Sie lassen sich unter dem Begriff des Merkantilismus zusammenfassen. Das merkantilistische Wirtschaftsystem wurde durch den Interventionismus geprägt. Produktion, Handel und Verbrauch wurden durch Steuern, Zölle, Gebote und Verbote reguliert. Durch die Verleihung von Privilegien wurden Monopolrenten geschaffen. Durch Kartelle, vor allem Zunftbeschränkungen, wurde der Marktzugang unterbunden.[3]

Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde der Güterseite eine höhere Bedeutung beigemessen, wobei es vor allem um Fragen der Kostenersparnisse ging, welche aus dem internationalen Handel resultierten und die man zu maximieren beabsichtigte. Die liberalen Ideen waren durchaus anderer Art. Bereits die Scholastiker sahen jenen Preis als gerecht an, welcher durch das freie Spiel der Konkurrenz zustande gekommen war und es mehrten sich auch unter den merkantilistischen Kaufleuten Stimmen, welche die Vorzüge des Freihandels gegenüber dem Protektorismus betonten.[4]

Die Implementierung der ideengeschichtlichen Grundlagen des Liberalismus beruht letzen Endes auf der historischen Leistung des schottischen Philosophen und Nationalökonomen Adam Smith (1723-1790)[5], welcher durch seine vernichtende Kritik am Merkantilismus diesen intellektuell erledigte[6] und offen legte, inwieweit eine freien Konkurrenz zu einer, in seinen Augen vorteilhaften, internationalen Arbeitsteilung führt. Ricardo, der sich erst im fortgeschrittenen Alter mit wirtschaftspolitischen Fragestellungen auseinandersetzte, befasste sich mit dem Werk Smith’s[7] (The Wealth of Nations, Anm. d. Autors), woraufhin ökonomische Probleme „zu seiner geistigen Beschäftigung“[8] gehörten. Aufbauend auf den Arbeiten Smith’s beabsichtigte er, zu zeigen, dass Außenhandel imstande sei, den Wohlstand zu steigern, wonach sein politisches Engagement vor allem der Aufhebung protektionistischer Zollpolitik galt.[9]

Seine in dieser Arbeit dargestellte Theorie komparativer Kostenvorteile bildete die Grundlage für seine Theorie internationaler Arbeitsteilung, die noch heute im Begriff der sogenannten Ricardo-Güter zur Ausdruck kommt, Güter deren Kostenunterschiede auf die Verfügbarkeit und die Faktorproduktivität zurückgeführt werden können. Er wies nach, dass die internationale Spezialisierung den einzelnen Ländern ökonomische Vorteile bringt und die Konsummöglichkeiten erweitert. Diese Arbeit soll den Kontrast aufzeigen, welcher zwischen der damaligen und der heutigen Behandlung des Themas besteht. Aus diesem Grunde habe ich die Behandlung der komparativen Kosten einerseits auf die Ausführungen Ricardos in den Principles of Political Economy and Taxation, anderseits auf die Präsentation und Weiterentwicklung seiner Leitgedanken in der zeitnahen Literatur gestützt.

Im Rahmen dieser Arbeit wird Ricardos „Theorem der komparativen Kosten“ in seinen ökonomischen Kontext gestellt und am Beispiel zweier Regionen erklärt, wobei auch einige progressive Ansätze aus der aktuellen Literatur, welche teilweise an die Kritik an den Grundsätzen anknüpfen, in die Arbeit einbezogen werden.

Worpswede, im Juli 2003 Martin Runkel

1. Fragestellung und Annahmen

Der Engländer Ricardo erkannte bereits im Jahre 1817, dass sich relative Preisvorteile durch komparative Kostenvorteile erklären lassen, und es gelang ihm schließlich, relative Preisvorteile auf Produktionsvorteile zurückzuführen. Im Unterscheid zu heutiger Behandlung ökonomischer Problematiken, beruhten Ricardos Motive nicht auf der Frage, inwieweit „knappe Mittel“ produktiv einzusetzen sind, er konzentrierte sich seiner Zeit gemäß, wie auch Smith, auf die Suche nach Erklärungsansätzen für den volkswirtschaftlichen Wohlstand und dessen Verteilung. In den Annahmen „Über den komparativen Wert von Gold, Getreide und Arbeit in reichen und armen Ländern“ welche Ricardo im 28. Kapitel der Principles of Political Economy and Taxation darlegt, kritisiert er Smith, welcher den natürlichen Preis einer Ware, „d.h. jenen Preis, der zu(r) […] Produktion [einer Ware] notwendig ist und ohne den es [im Falle des Getreides] nicht angebaut werden könnte“,[10] in letzter Instanz über den Marktpreis bestimmt sieht. Ricardo hingegen vertritt die umgekehrte Auffassung: „Es ist [der natürliche Preis], der [den] Marktpreis bestimmt“[11] und der über die Zweckmäßigkeit eines Exportes dieses Produktes ins Ausland entscheidet. Smith hatte am Beispiel Genuas und Hollands dargelegt, dass es bei einer Verringerung des Wohlstandes als Ursache oder Wirkung dessen, zu einer Getreidepreissteigerung kommen muss, welcher dem „Preis einer Hungersnot“[12] gleichkommt. Ricardo hingegen sieht durch die gesunkene Kaufkraft der Genuesen und Holländer sowohl in den exportierenden Ländern als auch in den einführenden, als Folge einer Getreidepreissenkung „unter [den] natürlichen Preis“[13]. Nicht aufgrund eines wirtschaftlichen Niedergangs, sondern nur durch die Vermehrung des Wohlstandes kann der Getreidepreis temporär über den natürlichen Preis ansteigen. Bezogen auf den Außenhandel vertritt Smith die Ansicht, dass importbedingt im Inland notwendigerweise weniger Kapital innerhalb des entsprechenden Sektors aufgewendet werden muss und bei gleich bleibender Nachfrage die Preise dieser (zum Teil importierten) Waren so steigen, dass die Produzenten ebenso höhere Profite erzielen, wie die importierenden Händler. Die Kritik Ricardos an dieser These bezieht sich nicht auf die Frage der internationalen Profitangleichung, sondern vielmehr auf die Profithöhe. Während Smith die Profitangleichung auf eine allgemeine Steigerung der Profite bezieht, vertritt Ricardo die These einer Profitabsenkung auf einen „allgemeinen Stand“[14], da…

1. bei gleichbleibender Nachfrage nicht notwendigerweise weniger Kapital aufgewendet werden muss.
2. bei sinkender Nachfrage der Preis nicht steigt.

Entscheidend ist für Ricardo der Preis, welcher im Inland für die ausländische Ware aufgewendet werden muss im Vergleich zum inländischen Faktoreinsatz zur Produktion desselben Gutes.

Unter vereinfachten Annahmen sind in der heutigen Literatur folgende Prämissen vorgegeben:

- Die Produktionsfunktion[15] wird als linear angesehen.
- Der einzige Produktionsfaktor in zwei Regionen (Region 1 – Inland, Region 2 – Ausland) ist die Arbeit.
- Die Produktionsverfahren der Sektoren i (= Gut 1 und Gut 2) sind in beiden Regionen, bezogen auf ein Gut different, woraus ersichtlich ist, dass die Arbeitsproduktivitäten[16] unterschiedlich sind.
- Die Produktionsfunktionen für Region 1 (Inland) sind unter diesen Prämissen gegeben durch:

(Gl.1)

Produktionsmenge i = [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] * Produktionsfaktor Arbeit i

Beziehungsweise für Region 2 (Ausland, mit * gekennzeichnet):

(Gl.2)

Produktionsmenge i* = [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]* Produktionsfaktor Arbeit i*

Stellt man diese Formeln nach dem Arbeitseinsatz pro Produktionseinheit i um, so erhält man den Verbrauchskoeffizienten:

(Gl.3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Die Produktionsfunktion ist zudem die Umkehrfunktion der Verbrauchsfunktion,

(Gl.4)

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]* Produktionsmenge i

woraus sich auch graphisch (siehe Abb.2) die Arbeitsproduktivität definieren lässt als:

(Gl.5)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Qi Produktionsmenge

Ai Produktionsfaktor Arbeit

ai Arbeitseinsatz pro Produktionseinheit i

- Für den Arbeitsbestand (Faktorausstattung) sei das Szenario angenommen die beiden Regionen haben entweder einen einheitlichen Arbeitsbestand Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten oder einen differierenden Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, wobei in jedem Falle Vollbeschäftigung herrscht:

[...]


[1] Recktenwald, S.175

[2] Recktenwald, S.178

[3] Ziegler, S. 78 ff.

[4] Niehans, S.,21-22

[5] Schmidt, S.561

[6] Ziegler, S. 94ff.

[7] Recktenwald, S.167

[8] Recktenwald, S.167

[9] © 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

[10] Ricardo, Kotheimer, Kurz, S. 319

[11] Ricardo, Kotheimer, Kurz, S. 319

[12] Ricardo, Kotheimer, Kurz, S. 320

[13] Ricardo, Kotheimer, Kurz, S. 320

[14] Ricardo, Kotheimer, Kurz, S. 110

[15] Die Produktionsfunktion drückt, bezogen auf eine bestimmte Produktionstechnik oder –organisation, die funktionalen Beziehungen zwischen den Gütern und den zu ihrer Produktion notwendigen Faktoren aus. Ihre allgemeine Form findet sie in der Gleichung: Produktionsmenge y = F (Kapital, Arbeit, technischer Fortschritt). Erhöht man die Einsatzmengen aller Faktoren im gleichen Verhältnis, kann die Ausstoßmenge linear, über- oder unterlinear zunehmen. (nach Grüske/Recktenwald, S. 498)

[16] Die Arbeitsproduktivität vi drückt das Verhältnis von Ausstoßmenge (Produktionsmenge) zum Arbeitseinsatz (Produktionsfaktor Arbeit) aus. (nach Grüske/Recktenwald, S. 39)

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Ricardos Theorem der komparativen Kosten
Hochschule
Universität Bremen  (Institut für Politikwissenschaften)
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
30
Katalognummer
V18526
ISBN (eBook)
9783638228589
Dateigröße
649 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit versucht die Brücke zwischen der heutigen Behandlung der Thematik und den urspünglichen Ansätzen Ricardos zu schlagen, und zielt darauf ab die Thematik nicht nur für Wirtschaftswissenschaftler, sondern auch für Politologen und interessierte Geisteswissenschaftler interssant und verständich darzulegen.
Schlagworte
Ricardos, Theorem, Kosten
Arbeit zitieren
Martin Runkel (Autor), 2003, Ricardos Theorem der komparativen Kosten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18526

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