Die Implementierung der ideengeschichtlichen Grundlagen des Liberalismus beruht letzen
Endes auf der historischen Leistung des schottischen Philosophen und Nationalökonomen
Adam Smith (1723-1790)5, welcher durch seine vernichtende Kritik am Merkantilismus diesen
intellektuell erledigte6 und offen legte, inwieweit eine freien Konkurrenz zu einer, in seinen
Augen vorteilhaften, internationalen Arbeitsteilung führt. Ricardo, der sich erst im fortgeschrittenen
Alter mit wirtschaftspolitischen Fragestellungen auseinandersetzte, befasste sich
mit dem Werk Smith’s7 (The Wealth of Nations, Anm. d. Autors), woraufhin ökonomische
Probleme „zu seiner geistigen Beschäftigung“8 gehörten. Aufbauend auf den Arbeiten Smith’s
beabsichtigte er, zu zeigen, dass Außenhandel imstande sei, den Wohlstand zu steigern, wonach
sein politisches Engagement vor allem der Aufhebung protektionistischer Zollpolitik
galt.9 Seine in dieser Arbeit dargestellte Theorie komparativer Kostenvorteile bildete die Grundlage
für seine Theorie internationaler Arbeitsteilung, die noch heute im Begriff der sogenannten
Ricardo-Güter zur Ausdruck kommt, Güter deren Kostenunterschiede auf die Verfügbarkeit
und die Faktorproduktivität zurückgeführt werden können. Er wies nach, dass die internationale
Spezialisierung den einzelnen Ländern ökonomische Vorteile bringt und die Konsummöglichkeiten
erweitert. Diese Arbeit soll den Kontrast aufzeigen, welcher zwischen der damaligen
und der heutigen Behandlung des Themas besteht. Aus diesem Grunde habe ich die
Behandlung der komparativen Kosten einerseits auf die Ausführungen Ricardos in den Principles
of Political Economy and Taxation, anderseits auf die Präsentation und Weiterentwicklung
seiner Leitgedanken in der zeitnahen Literatur gestützt.
Im Rahmen dieser Arbeit wird Ricardos „Theorem der komparativen Kosten“ in seinen ökonomischen
Kontext gestellt und am Beispiel zweier Regionen erklärt, wobei auch einige progressive
Ansätze aus der aktuellen Literatur, welche teilweise an die Kritik an den Grundsätzen
anknüpfen, in die Arbeit einbezogen werden.
5 Schmidt, S.561
6 Ziegler, S. 94ff.
7 Recktenwald, S.167
8 Recktenwald, S.167
9 © 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Fragestellung und Annahmen
2. Implikation der Bedingungen für Handel
3.. Alternativkosten
4. Gewinne aus dem Außenhandel
5. Anpassungsprozesse
6. Gleichgewicht
7. Absolute versus relative Kosten
8. Eingriffe in den internationalen Handel
9. Zusammenfassung und kritische Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich zum Ziel, David Ricardos Theorem der komparativen Kostenvorteile in seinen historischen und ökonomischen Kontext einzuordnen und seine Bedeutung sowie Relevanz anhand einer mathematischen Modellierung und kritischer Literaturvergleiche zu analysieren.
- Historische Einordnung des Ricardoschen Theorems
- Modellierung komparativer Kostenvorteile mittels Transformationskurven
- Analyse der Wohlfahrtswirkungen internationaler Spezialisierung
- Untersuchung von Handelseingriffen wie Zöllen und Kontingentierungen
- Kritische Reflexion der theoretischen Annahmen im Lichte moderner Ansätze
Auszug aus dem Buch
3. Alternativkosten
Die Bedingung der Gl. 10 lässt sich anhand der Transformationskurve verdeutlichen, welche bezogen auf eine Region offen legt, inwieweit die Handelsbedingungen durch die Justierung der Produktionsmengen von Gut 1 und Gut 2 beeinflusst werden. Die Kurve begrenzt insofern die Produktionsmöglichkeiten der Region, als dass die Ausdehnung der Produktion eines Gutes durch den Faktor Arbeit nur dann möglich ist, wenn gleichzeitig die Produktion von Gut 2 eine Reduktion erfährt.
Zur Offenlegung der Gütermengenkombinationen gilt es nun, eine Grenzrate der Transformation zu bestimmen, welche angibt, um welche Kohorten die Produktion von Gut 1 reduziert werden muss, wenn die Produktion von Gut 2 um eine zum Grenzwert hin unendlich klein werdende Einheit („infinitesimal kleine Einheit“) zunimmt. Dazu bedient man sich des Verhältnisses der Steigungsmaße, welche die Opportunitätskosten, die aus einer zusätzlichen Einheit des Gutes 2 bestehen, da gleichzeitig ein partieller Verzicht auf die Produktion des Gut 1 notwendig wird, festlegen.
In diesem speziellen Ricardo-Fall, welcher lediglich den Faktor Arbeit impliziert, ist die Grenzrate der Transformation gegeben durch die negative Relation der Arbeitseinsätze pro Produktionseinheit.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in Ricardos Hauptwerk sowie Abgrenzung zu Smith und Darstellung des merkantilistischen Hintergrunds.
1. Fragestellung und Annahmen: Erörterung der theoretischen Prämissen, Produktionsfunktionen und des Arbeitsbestandes.
2. Implikation der Bedingungen für Handel: Analyse der Konkurrenzverhältnisse unter Annahme vollständiger Konkurrenz.
3.. Alternativkosten: Herleitung der Transformationskurve und Definition der Grenzrate der Transformation.
4. Gewinne aus dem Außenhandel: Erläuterung der Wohlfahrtsgewinne durch internationale Spezialisierung anhand der Transformationskurven.
5. Anpassungsprozesse: Darstellung der produktiven und konsumtiven Veränderungen nach Handelsaufnahme.
6. Gleichgewicht: Diskussion der Voraussetzungen für konsistente Handelsrelationen und Preisbildung.
7. Absolute versus relative Kosten: Untersuchung der Wechselkursmechanismen bei bestehenden absoluten Preisvorteilen.
8. Eingriffe in den internationalen Handel: Modellierung der Effekte von Handelsbeschränkungen wie Zöllen und Kontingentierungen.
9. Zusammenfassung und kritische Betrachtung: Kritische Würdigung des Modells im Hinblick auf seine ökonomische Realität und marxistische Einwände.
Schlüsselwörter
Ricardos Theorem, komparative Kostenvorteile, Außenhandel, Transformationskurve, Opportunitätskosten, Spezialisierung, Weltmarktpreis, absolute Kostenvorteile, Wechselkursmechanismus, Wohlfahrtsgewinne, Importzoll, Arbeitsproduktivität, Freihandel, Arbeitswertgesetz, politische Ökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Ricardosche Theorem der komparativen Kostenvorteile und dessen theoretische sowie praktische Implikationen für den internationalen Handel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die mathematische Modellierung von Produktionsmöglichkeiten, die Analyse von Wohlfahrtsgewinnen durch Handel und die Auswirkungen von staatlichen Eingriffen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Kontrast zwischen der ursprünglichen Ricardoschen Behandlung und modernen Interpretationen aufzuzeigen sowie die ökonomischen Konsequenzen der Spezialisierung zu explizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine modelltheoretische Analyse auf Basis von Transformationskurven und Verbrauchskoeffizienten, ergänzt durch einen literaturkritischen Vergleich.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Herleitung der Handelsbedingungen, die Untersuchung von Anpassungsprozessen, das Gleichgewicht bei Im- und Export sowie die Analyse von Zöllen und Kontingenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind u.a. komparative Kostenvorteile, Transformationskurve, Opportunitätskosten, Spezialisierung und internationale Arbeitsteilung.
Wie wirken sich Zölle auf den internationalen Handel im Ricardo-Modell aus?
Zölle führen zu einer Spaltung zwischen Weltmarktpreis und nationalem Preisverhältnis, was die Spezialisierung behindern und das Konsumniveau der Region mindern kann.
Welche Rolle spielen Wechselkurse bei absoluten Kostenvorteilen?
Der Wechselkursmechanismus kann dazu führen, dass komparative Vorteile einer Region in absolute Vorteile transferiert werden, wodurch Handel trotz anfänglicher absoluter Nachteile möglich bleibt.
- Quote paper
- Martin Runkel (Author), 2003, Ricardos Theorem der komparativen Kosten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18526