Methoden zur Erfassung und Messung des Wissenstransfers zwischen Hochschulen und der Wirtschaft


Diplomarbeit, 1999
46 Seiten, Note: 0

Leseprobe

1. Einleitung

Globalisierung, Innovation, Wirtschaftlichkeit. Dies sind zur Zeit die modernen Schlagworte an denen auch die Hochschulen nicht vorbeikommen. Doch was bedeuten diese Schlagworte für die Forschungsanstalten, Hoch- und Fachhochschulen, kurz für das gesamte Bildungs- und Forschungssystem[1] ? Fest steht, das eine Gesellschaft, welche einen so hohen Lebensstandard wie die unsere hat, nur mit einer erfolgreichen Wirtschaft, einem funktionierenden Bildungssystem und einer innovativen Forschung bestehen kann.

Je mehr aber die Wirtschaft dieser Welt zusammenwächst, um so größeren Anforderungen ist das Bildungs- und Forschungssystem unterworfen. Hier treten Forschungsanstalten und Bildungssysteme einzelstaatlicher Volkswirtschaften miteinander in Konkurrenz, um die besten Voraussetzungen für ihre Wirtschaft zu schaffen.

Doch wie hängen nun Wirtschaft auf der einen und Bildungs- und Forschungssysteme auf der anderen Seite zusammen? Und warum sind diese nun so wichtig für die Unternehmen der Wirtschaft und der Volkswirtschaft von morgen? Können Unternehmen nicht selber für Innovationen sorgen? Und: Was bedeutet Innovation?

Leider gibt es in der Literatur keine feststehende Definition von Innovation. Allen Definitionsansätzen gemeinsam ist aber, daß es sich bei dem Begriff Innovation um die Untersuchung der mit technischen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel einhergehenden (komplexen) Neuerungen handelt. Das bedeutet, daß eine Innovation eine Neuheit oder eine Erneuerung eines Objektes oder einer sozialen Handlungsweise darstellen muß und zuerst entdeckt, eingeführt, genutzt, angewandt und institutionalisiert werden muß[2].

Große Unternehmen unterhalten zur Vorbereitung von Innovationen, also zur Entwicklung neuer Produkte oder Verfahrensweisen, zumeist eigene Forschungsabteilungen. Diese können dann unabhängig und alleine für dieses Unternehmen arbeiten. Forschungsergebnisse sind aber heute weltweit schnell im Internet, Fachzeitschriften oder Magazinen nachlesbar. Das selbständige Forschen kleiner oder mittlerer Forschungsabteilungen oder Forschungs- und Bildungsanstalten, egal ob öffentlich gefördert oder privatwirtschaftlich organisiert, kann also unter Umständen nicht mehr ausreichen. Was liegt da näher, als die Zusammenarbeit zwischen Forschungsanstalten untereinander und die Zusammenarbeit zwischen Forschungsanstalten und Unternehmen zu fördern. Dabei muß man zwischen diesen beiden Arten der Zusammenarbeit differenzieren. Erstere dient zur Arbeitsteilung und zum Austausch von Wissen innerhalb des Forschungs- und Bildungssystems. Dieser Austausch ist nicht Gegenstand dieser Arbeit und wird daher vernachlässigt. Vielmehr interessiert hier die Kooperation zwischen Unternehmen und Forschungs- und Bildungseinrichtungen, also zwischen privaten und öffentlich geförderten Forschungsanstalten und –abteilungen oder Unternehmen.

Für viele Unternehmen ist diese Zusammenarbeit eine Notwendigkeit. Sie sind schlicht zu klein, um eine teuere Forschungsabteilung aufrechtzuerhalten oder einzelne Forschungsprojekte sind so aufwendig, daß ein Unternehmen, egal welcher Größe, sie nicht alleine finanzieren kann. Auch existiert Forschung, welche auf den ersten Blick keinen praxisrelevanten Wert hat oder welche erst viel später in innovative Produkte umgesetzt werden kann. Solche Grundlagenforschung ist es, welche oftmals an öffentlich geförderten Forschungs- und Bildungseinrichtungen durchgeführt wird.

Diese Arbeit beschäftigt sich nun damit, wie der Transfer von Wissen, welcher in den Forschungs- und Bildungseinrichtungen erlangt wird, zu den Unternehmen vor sich geht. Wissenstransfer wird an dieser Stelle allgemein als der Transfer von Wissen, das in Forschungs- und Bildungseinrichtungen erworben wird und an die Unternehmen weitergeleitet wird, definiert. Eine genaue Definition erfolgt später in Kapitel 2. Stellvertretend für alle Forschungs- und Bildungseinrichtung werden weiter die Hochschulen behandelt, wobei zu beachten ist, daß die Ergebnisse prinzipiell auch auf andere Forschungs- und Bildungseinrichtungen wie Fachhochschulen, Forschungsinstitute und ähnliches zu übertragen sind.

Ziel dieser Arbeit ist es, eine Bestandsaufnahme und Klassifizierung der Mess- und Erfassungsmethoden des Wissenstransfers von Hochschulen zur Wirtschaft zu erarbeiten. Dafür werden in Kapitel 2 zuerst die notwendigen Begriffe, wie Wissenstransfer und Hochschulen definiert. So soll versucht werden den Begriff Wissenstransfer und die Umgebung, in der er stattfindet, so genau als möglich unter Berücksichtigung der gebotenen Kürze einer solchen Arbeit darzustellen. Nach einer kurzen Begriffsdefinition unter 2.1 und einer Darstellung welche Teilbereiche der Wissenstransfer umfaßt in Kapitel 2.2, werden unter 2.3 die am Wissenstransfer beteiligten Institutionen genauer beleuchtet. Abgeschlossen wird das Kapitel 2 mit einer kurzen Präsentation des ökonomischen Nutzens des Wissenstransfers. Nur wenn dieser zentrale Begriff klar herausgearbeitet ist, kann in Kapitel 3 dazu übergegangen werden, die eigentlichen Methoden des Wissenstransfers zu präsentieren und zu klassifizieren. Vorangestellt ist dem Kapitel unter 3.1. eine kurze Übersicht über die Methoden, damit die Zusammenhänge und Überschneidungen zwischen den Methoden zum Ausdruck kommen. Ein kritischer Vergleich der Methoden untereinander findet unter Kapitel 3.4 statt. Auf diese Weise sollen Gründe für eventuelle Ergebnisunterschiede zwischen den Methoden aufgedeckt werden.

Die Methoden selber sind unterteilt in empirische und deskriptive Methoden. Unter dem ersten Punkt werden alle Methoden zusammengefaßt, welche mittels direkter Befragung oder der Analyse von Daten, statistischer oder sonstiger Art, also mit unmittelbar vergleichbaren Datenmaterial umgehen. Die deskriptiven Methoden stellen hingegen ausschließlich Methoden der reinen Beschreibung dar, welche so das Ziel haben, den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft zu erfassen.

Alle Methoden, ob empirisch oder deskriptiv, werden zuerst beschrieben. Danach wird ein Überblick über Studien und deren Ergebnisse zum Wissenstransfer gegeben, welche diese Methode verwendet haben. Zu jeder Methode folgt eine kritische Würdigung, in der die Relevanz der Methode für die Erfassung und Messung des Wissenstransfers sowie die Gründe für eventuelle Ergebnisunterschiede zwischen den Studien einer Methode bewertet werden sollen. Auch die Funktionalität und Aussagekraft der Methoden wird hier bewertet.

Abschließend folgt eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Ausblick auf die Zukunft des Wissenstransfers und die Möglichkeit diesen zu Erfassen und zu messen in Kapitel 4.

2. Was ist Wissenstransfer ?

2.1. Definition und Eingrenzung

Der Begriff Wissenstransfer ist in der Literatur durchaus umstritten. So tauchen dort die Begriffe Wissenstransfer, Technologietransfer und auch Forschungstransfer auf. Diese Ausdrücke werden in der Literatur zum Teil synonym verwand. Wie sich aber zeigen wird, gibt es zwischen diesen Begriffen signifikante Unterschiede, was in der Sekundärliteratur wiederholt belegt ist. Um den Terminus Wissenstransfer überschneidungsfrei benutzen zu können, soll hier der Versuch unternommen werden, die Begriffe zu trennen und zu definieren. Es wird sich zeigen, daß der Begriff Wissenstransfer als Oberbegriff und die Bezeichnungen Technologie- und Forschungstransfer als Teilmengen des Wissenstransfers zu sehen sind.

Technologie bezeichnet die Gesamtheit von Verfahren zur wirtschaftlichen Durchführung von technischen Aufgaben[3], wobei Technik im Sinne aller Prozesse und Ausrüstungen zu sehen ist, die dazu dienen, die Natur für den Menschen nutzbar zu machen[4]. Technologie kann also kurz auch als technisches Wissen bezeichnet werden und behandelt die Anwendung naturwissenschaftlicher Theorien und Naturgesetze mit dem Ziel, Prozesse mittels technischer Ausrüstungen durchzuführen und zu beherrschen, sowie technische Strukturen und Ausrüstungen zu optimieren[5]. Als Technologiegeber ist dabei derjenige anzusehen, welcher regelmäßig neue Technologien gewinnt. Technologienehmer sind Personen, Unternehmen oder Forschungsanstalten, welche empfangs- und verwertungsbereit sind. Sie müssen also in der Lage sein, die neue Technologie, welche vom Technologiegeber kommt, zu verstehen und anzuwenden. Technologietransfer stellt also die Übertragung vom Technologiegeber zum –nehmer dar[6]. Deutlich wird, das Technologietransfer kein Synonym von Wissenstransfer ist. Der im Begriff Wissenstransfer enthaltene Transfer von erforschten Wissen im Bereiche der Geisteswissenschaften (z.B. der Psychologie, ist im Terminus Technologietransfer nicht enthalten.

Forschungstransfer stellt analog dazu den Wirkungszusammenhang zwischen den im Bildungssystem vorhandenen Forschungseinheiten (Professoren, Institute, Arbeitsgruppen etc.) und den Verwendern von Forschungsergebnissen (wissenschaftlichen Einheiten, staatlichen Trägern, sonstigen Verwendern) in den Anwendungsfeldern in Wirtschaft, Gesellschaft, Verwaltung und Politik, dar[7]. Forschung ist dabei die Suche nach neuen Erkenntnissen unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden und in geplanter Form. Ihr Ziel ist der Erwerb neuer Erkenntnisse[8]. Während der Begriff Technologietransfer also darauf abzielt, welche Art von Kenntnissen transferiert wird, nämlich solche technischer Natur, zielt Forschungstransfer auf die Art von Kenntnissen ab, die transferiert werden sollen. Forschungstransfer beschreibt die Weitergabe von wissenschaftlich erworbenen Kenntnissen von Hochschulen zur Wirtschaft, also von Forschern zu Anwendern. Er beinhaltet dagegen nicht den Transfer von schon erforschten Kenntnissen von Lehrenden zu Studierenden im Bildungssystem. Ebenso vernachlässigt er den Transfer, welcher stattfindet, wenn eben diese Studierenden ihr erlerntes Wissen in der Wirtschaft anwenden[9].

Die Begriffe Universität und Hochschule werden im folgenden synonym verwand und stehen, wie schon im Kapitel 1 erwähnt, stellvertretend auch für andere Institutionen des Forschungs- und Bildungssektors wie zum Beispiel Forschungsinstitute (Max-Planck-Institut, Frauenhofer-Institut) oder auch Fachhochschulen und ähnliches.

Der Terminus Wissenstransfer[10] umfaßt als Sammelbegriff neben dem Technologie- und den Forschungstransfer, auch den Transfer durch eine forschungsnahe Lehre in allen Fächern klassischer Universitäten sowie speziell auch den Personal-[11] und Sachmitteltransfer[12].

Festzuhalten bleibt, das analog zur Herleitung des Technologietransfers Wissens-transfer als Übertragung von Wissen definiert wird. Wissensgeber sind dabei die Universitäten, genauer deren Forscher, Professoren und Lehrende. Wissensnehmer sind Studierende dieser Hochschulen, Unternehmen, staatliche Einrichtungen und Anstalten, sowie die Gesellschaft als ganzes. Auch hier kommt es wiederum darauf an, daß der Wissensnehmer nicht nur bereit ist, das Wissen anzunehmen, d.h. zu erlernen, er muß es auch verwerten können.

Festzuhalten ist ferner, daß Technologietransfer und Forschungstransfer als Subtransferbegriffe des Wissenstransfers angesehen werden müssen. Die Begriffe Technik- oder Wissenschaftstransfer, welche in der Literatur auch kursieren, sollen hier nicht näher erläutert werden, da sie keine neuen Aspekte aufdecken, sondern nur Teilbereiche beleuchten oder sogar nur Synonyme darstellen. Im folgenden wird daher ausschließlich der Begriff Wissenstransfer verwendet werden.

2.2. Definition und Eingrenzung

Nach der definitorischen Eingrenzung des Begriffes Wissenstransfer stellt sich nun die Frage, wo dieser anfängt und aufhört. Oder anders gesagt, welche Komponenten zum Wissenstransfer gehören. Auch das ist durchaus umstritten. Einig ist man sich, daß der Wissenstransfer inner- und außerhalb des Bildungssystems zu unterscheiden ist. Wissenstransfer innerhalb des Bildungssystems findet in der Regel zwischen verschiedenen Ebenen dieses Systems statt. Werden im Rahmen von Lehrveranstaltungen wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse von Lehrenden (in der Regel sind dies, zumindest an der Universität, ja auch Wissenschaftler) an Studenten weitergegeben, hat ein Transfer von Wissen stattgefunden[13]. Wissenstransfer außerhalb des Bildungssystems kommt zustande, wenn Forschungsergebnisse, die einen Anwendungsbezug haben, an Interessenten / Nutznießer außerhalb der Universität weitergegeben werden, damit diese daraus innovative Produkte und Verfahren entwickeln können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1: Darstellung des inner- und außeruniversitären, sowie des horizontalen und vertikalten Wissenstransfers.

Quelle: Eigene Darstellung

Eine erste Einteilung des Wissenstransfers zeigt die Grafik 1. Es lassen sich 4 Arten von Wissenstransfer unterscheiden. Der inneruniversitäre Wissenstransfer (in der Grafik A und B) läßt sich unterscheiden in inneruniversitären vertikalen Wissenstransfer, welcher zwischen Lehrenden und Studierenden abläuft (A), also zwischen mindestens zwei unterschiedlichen Ebenen des Bildungssystems, und dem inneruniversitären horizontalen Wissenstransfer, welcher zwischen den einzelnen gleichberechtigten Ebenen abläuft (B). Als Beispiel für letzteren läßt sich der Austausch zwischen Professoren einer Fachrichtung aber verschiedener Hochschulen zum Beispiel auf Konferenzen nennen.

Der zweite Teil des Wissenstransfers wird vom außeruniversitären Wissenstransfer (in der Grafik C und D) bestimmt. Auch er kann horizontal, also innerhalb einer Ebene oder vertikal also zwischen verschiedenen Ebenen ablaufen. Außeruniversitärer horizontaler Wissenstransfer wäre dann als Austausch von Unternehmen und deren Forschungs- und Entwicklungsabteilungen untereinander zu bezeichnen (D). Vertikaler außeruniversitärer Wissenstransfer stellt last but not least den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen dar (C). Dieser ist es, welcher in dieser Arbeit näher untersucht werden soll, da er eine der wichtigsten Komponenten des Wissenstransfers darstellt[14].

Wissenstransfer kann dabei potentialorientiert oder bedarfsorientiert sein. Beim potentialorientierten Wissenstransfer suchen Universitäten gezielt nach Anwendern für neue wissenschaftliche Erkenntnisse, um sie in der Praxis anwenden zu können. Nur so kann die Praxistauglichkeit einer neuen wissenschaftlichen Erkenntnis oder Erfindung getestet werden. Möglichkeiten zur gezielten Suche bieten sich unter anderem auf Messen, Ausstellungen und Kongressen. Beim bedarfsorientierten Wissenstransfer tritt ein Anwender, also ein Unternehmen, eine einzelne Person oder auch staatliche Institutionen, wie Behörden, die Bundeswehr oder ähnliches, direkt an eine Hochschule heran. Dabei sucht der Anwender meist die Lösung auf ein konkretes praktisches Problem, welches er alleine nicht lösen kann oder will[15].

Prinzipiell stellen Hochschulen zunächst einmal zweckfreien Erkenntniszuwachs in Aussicht. Das heißt, Hochschulen können ohne den Zwang gewinn- oder anwendungsorientiert forschen zu müssen, der Forschung nachgehen. Diese Freiheit der Forschung und auch die Freiheit der Lehre (die zweite Aufgabe der Hochschulen) ist es, welche die große Stärke der Universitäten darstellt. Sie ist durch das Grundgesetzt festgeschrieben und gibt ihnen die Möglichkeit, Grundlagenforschung auf allen Fachgebieten zu betreiben. Durch diesen Freiraum der zweckneutralen Forschung können neue Ansätze und Methoden verfolgt oder unkonventionelle Theorien entwickelt werden. So ist es möglich, zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen vorzustoßen, was durch die zwangsläufig meist kurzfristige Art der betrieblichen Forschung in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen nicht möglich wäre. Oftmals sind diese Theorien und Ansätze so nicht praktisch umsetzbar oder eine Umsetzung in innovatorische Produkte oder Verfahren erfolgt erst mit einer erheblichen zeitlichen Verzögerung. Edwin Mansfield hat so zum Beispiel in mehreren Studien herausgefunden, daß die zeitliche Verzögerung, welche zwischen der Entdeckung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und der daraus folgenden Entwicklung neuer innovatorischer Produkte oder Verfahren, bei etwa 6,4 Jahren liegt[16]. Dieser Time-Lag zeigt, daß die Grundlagenforschung, also die Forschung, welche als Beispiel für anwendungsunabhängige Forschung gelten kann, nicht nur ihre forschungsrelevante Berechtigung hat, sondern daß sie trotz ihrer kurzfristig vielleicht nicht erkennbaren Verwendbarkeit für die Praxis doch einen langfristigen Praxisbezug haben kann.

Zu den Aufgaben der Hochschulen gehört aber nicht nur die Forschung. Die zweite Aufgabe der Hochschulen ist die Lehre, welche dazu dienen soll, Nachwuchs für die Forschung, aber auch für die Wirtschaft auszubilden. Die Lehre an Hochschulen bedient also beide Seiten des Wissenstransfers. Universitäten sollen damit die drohende Praxisferne, die aus einer ausschließlichen Beschäftigung mit einer nicht vorhandenen Praxisrelevanz der Forschung einhergehen würde, überwinden. Durch die Rückmeldungen der Wirtschaft an die Hochschulen als Resonanz auf die ausgebildeten Fachkräfte erfährt die Universität, wo die derzeitigen Anforderungen der Wirtschaft liegen. Die Wirtschaft wiederum muß, wie schon oben gezeigt, nicht nur willig sein neue Forschungsergebnisse aufzunehmen, sondern sie muß auch willens sein diese umzusetzen. Nur qualifizierter Nachwuchs aus den Hochschulen selber kann diese Nachfrage regeln.

Damit ist aber ein Wissenstransfer vollzogen. Ein in der Hochschule ausgebildeter Wissenschaftler wird in einem Unternehmen tätig. Damit erhält das Unternehmen aus erster Hand Zugang zu den neuen Forschungserkenntnissen, welche mittels aktueller Lehre weiter vermittelt wurden. Diese Art von Wissenstransfer wird als Personaltransfer in der Literatur bezeichnet[17].

Im allgemeinen läßt sich zusätzlich zu der oben eingeführten Klassifizierung nach außer- und inneruniversitären sowie horizontalen und vertikalen Wissenstransfer, noch eine Klassifizierung nach Personal-, Informations- und Sachmitteltransfer durchführen. Ergänzt wird der Bereich von der Auftrags- oder Vertragsforschung. Beim Personaltransfer agieren die Hochschulen als „Helfer zur Bewältigung des raschen und intensiven Wandels der technischen und sozialen Umwelt“. Hochschulen sollen danach als „regionale Zentren der wissenschaftlichen und geistigen Auseinandersetzung, der Poduktion neuen Wissens, der Ausbildung der akademischen Führungskräfte von morgen“ dienen[18]. Der Personaltransfer beeinhaltet dabei alle Möglichkeiten des Personaltausches zwischen Hochschulen und der Wirtschaft[19].

[...]


[1] Eine genaue Definition dieser Begriffe erfolgt in Kapitel 2.1.

[2] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, Bd.6, S. 2562, 12. Auflage, Wiesbaden 1988

[3] vgl. Seitzer, D. (1988): Technologietransfer – Methodische Innovation, in: mikroelektronik, Bd. 2, 3/88, S. 100 - 102

[4] vgl. Grochla, E., Wittmann, W. (Hrsg.) (1976): Handwörterbuch der Betriebswirtschaft, Sp. 3853 - 3861

[5] vgl. Grochla, E., Wittmann, W. (Hrsg.) (1976), a.a.O.

[6] Kuttruff, S. (1994): Wissenstransfer zwischen Universität und Wirtschaft – Modellgestützte Analyse der Kooperation und regionale Strukturierung – dargestellt am Beispiel der Stadt Erlangen. Dissertation, S. 10-19

[7] Vgl. Kluge, N., Oehler, C. (1986): Hochschulen und Forschungstransfer, Bedingungen, Konfigurationen und Handlungsmuster, in: Werkstattberichte – Band 17 vom Wissenschaftlichen Zentrum für Berufs- und Hochschulforschung der Gesamthochschule Kassel, S. 11 - 13

[8] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, Bd.2, S. 1873 - 1874, 12. Auflage, Wiesbaden 1988

[9] Für einen Gegenstandpunkt vgl.: Schröter, W. (1990): Forschungstransfer aus einer klassischen Universität, Eine empirische Untersuchung an der Universität Tübingen, S. 13 – 159, in: Wagner, A. (Hrsg.) (1990): Forschungstransfer klassischer Universitäten, Tübinger Wirtschaftswissenschaftliche Abhandlungen, Band 35. Dort wird der Begriff Forschungstransfer als Oberbegriff über Wissens- und Technologietransfer aufgefaßt.

[10] Eine genaue Definition von Wissen unter dem Aspekt moderner Wissenschaftslogik würde dabei den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Für nährere Angaben wird daher auf die Ausführungen in der Dissertation von Silvia Kuttruff, Wissenstransfer zwischen Universität und Wirtschaft – Modellgestützte Analyse der Kooperation und regionale Strukturierung – dargestellt am Beispiel der Stadt Erlangen, Oberndorf/Neckar von 1994 verwiesen. Dort finden sich auf Seite 12 auch weitergehende Quellenangaben.

[11] Vgl. Schröter, W. (1990): Forschungstransfer aus einer klassischen Universität, Eine empirische Untersuchung an der Universität Tübingen, S. 13 – 159, in: Wagner, A. (Hrsg.) (1990): Forschungstransfer klassischer Universitäten, Tübinger Wirtschaftswissenschaftliche Abhandlungen, Band 35

[12] Zur begrifflichen Erklärung von Personal- und Sachmitteltransfer vergleiche die Ausführungen unter 2.2 dieser Arbeit.

[13] Vgl.: Becker, W. (1993): Universitärer Wissenstransfer und seine Bedeutung als regionaler Wirtschafts- bzw. Standortfaktor am Beispiel der Universität Augsburg. In: Volkswirtschaftliche Diskussionsreihe des Institutes für Volkswirtschaftslehre der Universität Augsburg, Beitrag Nr. 98, Seite 1

[14] Zum Komplex außer- und inneruniversitärer Wissenstransfer vgl.: Becker, W. (1993): Universitärer Wissenstransfer und seine Bedeutung als regionaler Wirtschafts- bzw. Standortfaktor am Beispiel der Universität Augsburg. In: Volkswirtschaftliche Diskussionsreihe des Institutes für Volkswirtschaftslehre der Universität Augsburg, Beitrag Nr. 98, Seite 1. Zum Komplex horizontaler und vertikalter Wissenstransfer vgl. Schröder, K., Fuhrmann, F.U., Heering, W. (1991): Wissens- und Technologietransfer, Bedeutung und Perspektive einer regionalen technologischen Stategie am Beispiel Berlins, S. 5-7, in: Volkswirtschaftliche Schriften, Heft 10

[15] Vgl. Kuttruff, S. (1994): a.a.O., S. 10-19

[16] Vgl.: Mansfield, E. (1991): Academic Research and Industrial Innovation, in: Research Policy 20, S. 1 – 12. Und: Mansfield, E. (1992): Academic Research and Industrial Innovation: A Further Note, in: Research Policy 21, S. 295 – 296, sowie: Mansfield, E. (1998): Academic Research and Industrial Innovation: An Update of Empirical Findings, in: Research Policy 26, S. 773 - 776

[17] Vgl. Kuttruff, S. (1994): a.a.O., S. 41ff

[18] Beide Zitate: Vgl. Jepsen, H.M. (1990): Zusammenarbeit von Hochschulen und Wirtschaft, eine Überlebensfrage für das Grenzland, in: Byrisches Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr (Hrsg.), Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im Grenzland, Reihe Tagungsberichte, Band 2, S. 25 - 35

[19] Vgl. Schulte, P., Rüschenschmidt, H. (1988): Technologie- und Wissenstransfer an den deutschen Fachhochschulen, in: Schriftenreihe Studien zu Bildung und Wissenschaft, Bundesminister für Bildung und Wissenschaft (Hrsg.), S. 7

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Methoden zur Erfassung und Messung des Wissenstransfers zwischen Hochschulen und der Wirtschaft
Hochschule
Universität Hamburg
Note
0
Autor
Jahr
1999
Seiten
46
Katalognummer
V185296
ISBN (eBook)
9783656983354
Dateigröße
1308 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
methoden, erfassung, messung, wissenstransfers, hochschulen, wirtschaft
Arbeit zitieren
Frank Löschky (Autor), 1999, Methoden zur Erfassung und Messung des Wissenstransfers zwischen Hochschulen und der Wirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185296

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