In dieser Arbeit wird untersucht, wie die einzelnen Phasen des Marktprozesses im Wertpapierhandel von Direktbörsen und intelligenten Softwareagenten im Internet beeinflusst werden können. Dabei wird anhand der Effizienz von Wertpapierhandelsprozessen und von Transaktionskosten überprüft, welche Vor- und Nachteile bisherige Strukturen und die neuen Ansätze des Wertpapierhandels aufweisen.
Zunächst werden die Grundlagen elektronischer Märkte, der Agententechnologie und des Wertpapierhandels dargestellt. Im Einzelnen werden daraufhin die Informations-, Orderrouting-, Preisfeststellungs- und Abwicklungsphase untersucht. In jedem Kapitel wird im Anschluss an die grundsätzlichen Darstellungen überprüft, welche Transaktionskosteneffekte entstehen können. Aufgrund dieser Effekte kann dann beurteilt werden, welche Konsequenzen sich für den Wertpapierhandel ergeben und inwiefern dadurch die traditionellen Dienstleistungen der Intermediäre, also einerseits der Banken und andererseits der Börsen, in Frage gestellt werden. Am Schluss der Arbeit erfolgt dann eine Zusammenfassung der einzelnen Aspekte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Elektronische Märkte, Wertpapierhandel und Effizienz
2.1 Das Internet als Zugang zu elektronischen Märkten
2.1.1 Internet als technische Plattform elektronischer Märkte
2.2.2 Grundlagen der Agententechnologie
2.2 Grundlagen des Wertpapierhandels
2.2.1 Wertpapierhandel und Börsen
2.2.2 Börsenwettbewerb und Informationstechnologie
2.2.3 Die Phasen des Marktprozesses im Wertpapierhandel
2.3 Effizienz und Transaktionskosten des Wertpapierhandels
2.3.1 Effizienz des Wertpapierhandels
2.3.2 Einteilung von Transaktionskosten
3. Beeinflussung der Informationsphase durch das Internet
3.1 Informationsbeschaffung mit Hilfe des Internet
3.1.1 Informationsquellenerschließung im Internet
3.1.2 Informationsgewinnung aus den Informationsquellen im Internet
3.2 Informationsverarbeitung und -bewertung mit Hilfe des Internet
3.3 Qualität der Informationen aus dem Internet
3.4 Auswirkungen auf die Transaktionskosten in der Informationsphase
3.4.1 Explizite Anbahnungskosten für den Informationszugriff im Internet
3.4.2 Verbesserte Markttransparenz und Informationseffizienz
3.4.3 Erhöhte Risiken in der Informationsphase
3.4.4 Beurteilung der Auswirkungen auf die Anbahnungskosten
4. Beeinflussung der Orderroutingphase durch das Internet
4.1 Orderrouting durch Intermediäre: Verschiedene Wettbewerbskonzepte
4.2 Disintermediation beim Orderrouting: Direktbörsen, komplexe Kaufagenten und agentenbasierte Marktplätze
4.2.1 Disintermediation durch Direktbörsen
4.2.2 Disintermediation durch komplexe Kaufagenten und agentenbasierte Marktplätze
4.3 Auswirkungen auf die Transaktionskosten in der Orderroutingphase
4.3.1 Schnelles Orderrouting durch das Internet
4.3.2 Geringere explizite Abwicklungskosten in der Orderroutingphase
4.3.3 Technische und rechtliche Sicherheitsrisiken beim Orderrouting via Internet
4.3.4 Erhöhte Risiken durch Disintermediation in der Orderroutingphase
4.3.5 Beurteilung der Auswirkungen auf die Abwicklungskosten in der Orderroutingphase
5. Beeinflussung der Preisfeststellungsphase und der Abwicklungsphase durch das Internet
5.1 Einfluß des Internet auf die Preisfeststellung
5.1.1 Einfluß des Internet auf den Grad der Orderbuchtransparenz und die Konsolidierung des Orderflusses
5.1.2 Grundlagen der Preisfeststellung
5.1.3 Preisbildung bei Direktbörsen und beim agentenunterstützten Handel
5.2 Einfluß des Internet auf die Abwicklungsphase
5.3 Auswirkungen auf die Transaktionskosten in der Preisfeststellungsphase und in der Abwicklungsphase
5.3.1 Geringere Vereinbarungskosten an zentralen Handelsplätzen und dezentralen Märkten
5.3.2 Entgegengesetzte Transaktionskosteneffekte durch Disintermediation bei automatisierter Preisfeststellung
5.3.3 Sonstige Transaktionskosteneffekte durch das Internet bei der Preisfeststellung
5.3.4 Auswirkungen auf die Abwicklungs-, Kontroll- und Anpassungskosten durch das Internet
5.3.5 Beurteilung der Auswirkungen auf die Transaktionskosten in der Preisfeststellungs- und Abwicklungsphase
6. Schlußbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Internet und neue technologische Ansätze wie Direktbörsen und intelligente Softwareagenten die traditionellen Phasen des Marktprozesses im Wertpapierhandel beeinflussen, wobei der Fokus auf den Auswirkungen auf die Transaktionskosten und der Effizienz für Privatanleger liegt.
- Analyse der Marktprozessphasen (Information, Orderrouting, Preisfeststellung, Abwicklung).
- Einfluss des Internets auf Transaktionskosten und Markttransparenz.
- Die Rolle von intelligenten Softwareagenten und Agententechnologie.
- Disintermediationspotenziale durch Direktbörsen und komplexe Kaufagenten.
- Vergleich zwischen traditionellen Intermediären (Banken/Börsen) und neuen Handelsansätzen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Informationsbeschaffung mit Hilfe des Internet
Die Informationsbeschaffung läßt sich in zwei Stufen einteilen. Am Anfang steht die Informationsquellenerschließung, d.h. die Frage wo was zu finden ist wird beantwortet. Weil damit aber noch keine Kenntnis über den Inhalt der Informationen verbunden ist, schließt sich die Informationsgewinnung aus der Informationsquelle unmittelbar an die Informationsquellenerschließung an.
Die Erschließung von Informationsquellen im Internet erweist sich oft als schwierig, denn eine Art Inhaltsverzeichnis gibt es aufgrund der dezentralen Struktur des Internet, des sehr großen Umfangs und der Dynamik der erhältlichen Informationen nicht. Jedoch existieren verschiedene Suchwerkzeuge. Browser bzw. Navigatoren ermöglichen das einfache Navigieren in den verschiedenen Räumen des World-Wide-Web (WWW) und Suchkataloge enthalten nach Sachgebieten sortierte Abschnitte mit vorselektierten Hyperlinks. Yahoo ist ein Beispiel für manuell erstellte und verwaltete Suchkataloge. Manche Suchkataloge erweitern ihr Angebot um aktuelle Informationen, E-Mail oder andere Dienstleistungen und gestalten ihre Seite somit als qualifizierte Eingangsseite (Portal-Seite) ins Internet. Aus der Hypertextstruktur des WWW ergibt sich die Möglichkeit, von einer Internetseite zu einer anderen zu verweisen. Viele Informationsanbieter nutzen diese Möglichkeit zur Erstellung von Linklisten, die dem Nutzer das „Surfen“ nach Informationen ermöglichen.
Ein weiteres Konzept zur Informationsquellenerschließung sieht den Einsatz von virtuellen Agenten vor, die die Suche automatisch abwickeln sollen. Die Informationsagenten werden in drei Klassen eingeteilt: Agenten zur Informationssuche und Filterung, Nachrichtenanalysatoren (NewsWatcher) und Assistentensysteme. Zu den Informationsagenten zur Informationssuche und -filterung zählen die einfachen WWW-Suchmaschinen, wie z.B. AltaVista, aber auch Meta-Suchmaschinen. Hinter den Suchmaschinen verbergen sich große Datenbanken, die regelmäßig aktualisiert werden. Dazu wird das Internet entsprechend durchsucht. Meta-Suchmaschinen, wie z.B. MetaGer, besitzen keine eigene Datenbank. Sie erlauben es, mehrere einfache Suchmaschinen gleichzeitig mit der Fahndung nach bestimmten Stichworten zu beauftragen. Pseudo-Meta-Suchmaschinen, wie z.B. CUSI (Configurable Unified Search Engines), bieten dem Benutzer eine Sammlung von einfachen Suchmaschinen an, zwischen denen er je nach Bedarf wählen kann. Lediglich an diese Suchmaschine wird dann der Suchauftrag erteilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Nutzung des Internets im Wertpapiergeschäft und definiert das Ziel der Arbeit, die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf Marktphasen und Transaktionskosten zu untersuchen.
2. Elektronische Märkte, Wertpapierhandel und Effizienz: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen dar, indem es elektronische Märkte, die Agententechnologie und die Struktur des Wertpapierhandels sowie die Bedeutung von Transaktionskosten als Effizienzmaßstab erläutert.
3. Beeinflussung der Informationsphase durch das Internet: Hier wird untersucht, wie das Internet die Informationsbeschaffung, -verarbeitung und -qualität verändert und welche Auswirkungen dies auf die Anbahnungskosten von Wertpapiergeschäften hat.
4. Beeinflussung der Orderroutingphase durch das Internet: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Wettbewerbskonzepte beim Orderrouting und untersucht Disintermediationspotenziale durch Direktbörsen und Softwareagenten sowie deren Risiken und Kosteneffekte.
5. Beeinflussung der Preisfeststellungsphase und der Abwicklungsphase durch das Internet: Der Fokus liegt hier auf dem Einfluss des Internets auf die Preisfeststellung (Orderbuchtransparenz) und Abwicklung, unter besonderer Berücksichtigung von Liquidität, Transaktionskosten und automatisierten Handelsmechanismen.
6. Schlußbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen, wonach das Internet insbesondere bei Privatanlegern die Informationslage verbessert und die Transaktionskosten beim Orderrouting senkt, während im Sekundärmarkt noch Risiken durch Disintermediation bestehen.
Schlüsselwörter
Internet, Wertpapierhandel, Transaktionskosten, Elektronische Märkte, Orderrouting, Preisfeststellung, Disintermediation, Softwareagenten, Markttransparenz, Informationseffizienz, Anlegerschutz, Online-Brokerage, Direktbörsen, Wertpapierbörsen, Agententechnologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht, wie das Internet und technologische Entwicklungen wie intelligente Softwareagenten die Phasen des Marktprozesses im Wertpapierhandel beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf die Transaktionskosten hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen elektronische Märkte, Agententechnologie, die verschiedenen Phasen des Wertpapierhandels (Information, Orderrouting, Preisfeststellung, Abwicklung) sowie die ökonomische Effizienz dieser Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Vor- und Nachteile traditioneller Strukturen gegenüber neuen, internetbasierten Handelsansätzen zu identifizieren und die Konsequenzen für Privatanleger und Intermediäre wie Banken und Börsen zu beurteilen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse unter Einbeziehung der Neuen Institutionenökonomik und betrachtet Transaktionskosten als Indikatoren für die Effizienz von Wertpapierhandelsprozessen.
Was wird im Hauptteil detailliert beleuchtet?
Der Hauptteil analysiert schrittweise die Auswirkungen des Internets auf die vier Marktphasen – Informationsphase, Orderroutingphase, Preisfeststellungsphase und Abwicklungsphase – und deren spezifische Transaktionskosteneffekte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Disintermediation, Markttransparenz, Informationseffizienz, Online-Brokerage, Direktbörsen und Softwareagenten geprägt.
Welche Bedeutung haben intelligente Agenten laut Autor?
Intelligente Agenten bieten das Potenzial, Aufgaben autonom zu erledigen, die Suche nach Informationen zu optimieren und Handelsstrategien individuell umzusetzen, bergen jedoch auch Risiken bezüglich Fehlfunktionen und Sicherheit.
Warum stellen Direktbörsen ein Risiko für Privatanleger dar?
Der Autor weist darauf hin, dass bei Direktbörsen das Kontrahentenrisiko steigt, da die bei traditionellen Intermediären übliche strikte Reglementierung und Absicherung (z.B. durch Prospekthaftung oder Bonitätsprüfung) teilweise entfällt.
Welchen Kompromiss sieht der Autor für Privatanleger?
Aufgrund der Risiken neuer Ansätze sieht der Autor Discount-Broker derzeit als den besten Kompromiss, um die Vorteile niedrigerer Kosten und höherer Schnelligkeit des Internets zu nutzen, ohne die Sicherheit traditioneller Marktstrukturen vollständig aufzugeben.
Welche Rolle spielt die Reputation im Internet-Handel?
Da im Internet die persönliche Identität oft unsicher ist, sind Reputationsmechanismen entscheidend für das Vertrauen der Marktteilnehmer. Bisher gibt es jedoch noch keine zufriedenstellende Lösung, die den Schutz durch traditionelle Intermediäre vollständig ersetzen könnte.
- Arbeit zitieren
- André Schönefeldt (Autor:in), 1999, Die Phasen des Marktprozesses im Wertpapierhandel und ihre Beeinflussung durch das Internet. Mögliche Auswirkungen auf die Transaktionskosten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185345