Angesichts der Ströme weltweiter Direktinvestitionen in Höhe von 644 Mrd. US$ im Jahr 1998 stellt sich allgemein die Frage, warum einige Länder mehr und andere weniger daran teilhaben. Mit dieser Arbeit soll speziell die Frage geklärt werden, welche Markteintrittsbarrieren in der Volksrepublik China für ausländische Unternehmen existieren, d.h. welche Faktoren den Zufluß von Direktinvestitionen dorthin negativ beeinflussen und einem unternehmerischen Engagement in Form von Joint Ventures oder Tochterfirmen dort im Wege stehen könnten.
Dazu soll im ersten Kapitel ein allgemeiner Überblick über die Volksrepublik China gegeben werden, der zum Verständnis vieler Eigenarten notwendig ist. Dieser ist etwas ausführlicher gestaltet, so daß ein detaillierter Einblick in die Entwicklung des chinesischen Wirtschaftssystems erfolgen kann, welche die Grundlage für viele heutige Zustände bildet.
Den Schwerpunkt der Arbeit bilden die Kapitel zwei und drei, die die größten Investitionsbarrieren behandeln. Darin sollen zunächst die allgemeinen Barrieren eines Markteintritts in China untersucht werden, d.h. Barrieren kultureller Art sowie durch reale und monetäre Ordnungspolitik. Dann folgen im dritten Kapitel zuerst die möglichen Formen von Direktinvestitionen, und dann die investitionsspezifischen Barrieren, die u.a. rechtlicher, abgabentechnischer, monetärer und praktischer Art sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Wirtschaftsstandort China: Rahmenbedingungen für den Markteintritt
1.1 Bevölkerung
1.1.1 Bevölkerungszahl
1.1.2 Bevölkerungsgruppen
1.1.3 Einkommen
1.2 Geographie und Klima
1.3 Entwicklung des politischen Systems
1.3.1 Staatsorgane, Verfassung
1.3.2 Kommunistische Partei Chinas (KPCh)
1.3.3 People's Liberation Army (PLA)
1.3.4 Menschenrechte
1.4 Entwicklung des Wirtschaftssystems
1.4.1 1949 – 1957: Aufbauphase
1.4.2 1958 – 1962: Maos "Großer Sprung nach Vorne"
1.4.3 1962 – 1965: Erholung vom "Großen Sprung nach Vorne"
1.4.4 1966 – 1971: Kulturrevolution unter Mao
1.4.5 1972 – 1978: Wiederaufbau
1.4.6 1978 – 1997: Reformen unter Deng Xiaoping
1.4.7 1997 bis heute: Weiterführung der Reformen
1.4.8 Entwicklung des Außenwirtschaftssystems
1.5 Infrastruktur
1.6 Sektorale und regionale Wirtschaftsstruktur
1.6.1 Sektorale Wirtschaftsstruktur
1.6.2 Regionale Wirtschaftsstruktur
1.7 Außenwirtschaftsbeziehungen
2. Allgemeine Markteintrittsbarrieren
2.1 Kulturelle Barrieren
2.1.1 Kultur und Mentalität
2.1.2 Sprach- und Kommunikationsbarrieren
2.1.3 Beziehungen/ guanxi
2.2 Barrieren durch reale Ordnungspolitik
2.2.1 Wirtschaftssystem
2.2.2 rechtlicher Rahmen für die Wirtschaft
2.3 Barrieren durch monetäre Ordnungspolitik
2.3.1 Fiskalpolitik
2.3.2 Bankensystem
2.3.3 ungelöste Probleme im Finanzwesen
2.3.4 Devisenmarkt
2.3.5 Abwertung des RMB
3. Markteintrittsbarrieren gegenüber Direktinvestitionen
3.1 Begriff und Arten der Direktinvestitionen
3.1.1 Equity Joint Venture (EJV)
3.1.2 Cooperative/ Contractual Joint Venture (CJV)
3.1.3 Wholly Foreign Owned Enterprise (WFOE)
3.1.4 Änderung der Unternehmensform
3.2 Rechtliche Barrieren
3.2.1 Gründung einer Gesellschaft
3.2.2 Einschränkung der Sektoren
3.2.3 Rechtsunsicherheiten
3.2.4 Gesetzesauslegung durch lokale Behörden
3.2.5 Geistiges Eigentum an Technologietransfer
3.2.6 Einschränkung der Eigentumsrechte des Investors
3.3 Abgabentechnische Barrieren
3.3.1 Steuern
3.3.2 Zölle
3.4 Monetäre und finanzielle Barrieren
3.4.1 Finanzierung
3.4.2 Devisenbilanzausgleich
3.4.3 Gewinn- und Kapitaltransfer
3.5 Praktische Barrieren
3.5.1 Partnerfindung
3.5.3 Rohstoffversorgung
3.6 Differenzierung der Barrieren
3.6.1 Differenzierung nach Branchen
3.6.2 Differenzierung nach Regionen und Sonderwirtschaftszonen
4. Besonderheiten des chinesischen Marktes
4.1 Marktpotential
4.1.1 Marktforschung
4.1.2 Kaufkraft
4.2 Anpassungserfordernisse für Produkte
4.3 Vertrieb und Distribution
4.4 Werbung
5. Entwicklung der Direktinvestitionen in China
5.1 Entwicklungsphasen
5.1.1 Anfangsphase 1979-1986
5.3 Sektorale Verteilung
5.5 Investitionsschutzabkommen
6.3.1 Europäische Union (EU)
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die spezifischen Markteintrittsbarrieren für ausländische Unternehmen in der Volksrepublik China. Dabei stehen Faktoren im Fokus, die den Zufluss von Direktinvestitionen hemmen könnten, wobei der Schwerpunkt auf den rechtlichen, abgabentechnischen, monetären und praktischen Hindernissen sowie kulturellen Besonderheiten liegt.
- Kulturelle Barrieren und der Einfluss von "guanxi"
- Rechtlicher Rahmen und dessen Durchsetzung
- Monetäre Hürden wie Bankensystem und Devisenbeschränkungen
- Besonderheiten des chinesischen Marktes (Marktpotential, Distribution)
- Entwicklung und Fördermaßnahmen für Direktinvestitionen
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Beziehungen/ guanxi
Bei einem Investitionsvorhaben in der VR China wird sich ein ausländischer Investor bald Problemen wie Lizenzbeschaffungen, Rohstoffversorgung und ähnlichem gegenübergestellt sehen. In einem Land wie China, das teilweise nur über knappe oder nach Plan verteilte Resourcen verfügt, sind dann gute "guanxi" gefragt.
Guanxi bedeutet wörtlich Beziehungen, es steckt jedoch wesentlich mehr dahinter, eine Art soziales Netzwerk, das Ederer (1996) mit einem einfachen Modell beschreibt. "Werfen wir nun zwei Steine nicht weit voneinander entfernt ins Wasser, überschneiden sich die Kreise. Werfen wir 1,2 Milliarden Steine ins Wasser, dann haben wir Milliarden Berührungspunkte, ein Netz von sich begegnenden Kreisen, haben Milliarden von Beziehungsnetzen. Das ist China."
Guanxi wird dadurch charakterisiert, daß es sich um eine gegenseitige, auf Vertrauen und Langfristigkeit begründete Beziehung handelt, von der beide Seiten in Hinsicht auf persönliche oder geschäftliche Beziehungen profitieren. Luo (1997) bezeichnet guanxi auch als ein "Schmiermittel", um durchs Leben zu kommen; Tang (1995) betrachtet es als eine Art Zukunftsinvestition.
Es gibt verschiedene Grundlagen für guanxi: Einerseits kann guanxi auf einer Gemeinsamkeit begründet sein wie Herkunft aus der gleichen Familie oder dem gleichen Ort, gemeinsamer Schulbesuch o.ä.. Bei Personen ohne die genannten Gemeinsamkeiten können guanxi auch durch Einführung über einen Vermittler geschaffen werden. "The China market is like a pond full of hidden delicious food. A new fish in the pond can starve to death because he doesn't know how to locate the food. Your intermediary is an old fish who knows where every plant and plankton is. He can show you the precise location of this food so you can eat to your heart's satisfaction.". Diese zweite Art von guanxi ist besonders für ausländische Investoren ohne nähere Verbindungen zu China wichtig, da so Tore und Türen geöffnet werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wirtschaftsstandort China: Rahmenbedingungen für den Markteintritt: Ein Überblick über die demografischen, geografischen, politischen und wirtschaftlichen Grundlagen der Volksrepublik China.
2. Allgemeine Markteintrittsbarrieren: Analyse kultureller Hindernisse sowie der Barrieren durch reale und monetäre Ordnungspolitik im chinesischen Kontext.
3. Markteintrittsbarrieren gegenüber Direktinvestitionen: Untersuchung der spezifischen rechtlichen, abgabentechnischen, monetären und praktischen Hürden für Direktinvestitionen.
4. Besonderheiten des chinesischen Marktes: Auseinandersetzung mit Marktpotential, Produktanpassungen, Vertrieb und Werbemaßnahmen.
5. Entwicklung der Direktinvestitionen in China: Dokumentation der historischen Phasen der ausländischen Direktinvestitionen und der Investitionsschutzabkommen.
Schlüsselwörter
Direktinvestitionen, Volksrepublik China, Markteintrittsbarrieren, Joint Venture, WFOE, guanxi, Wirtschaftssystem, Währung, Fiskalpolitik, Rechtssicherheit, Technologietransfer, Sonderwirtschaftszonen, Marktforschung, Kaufkraft, Außenhandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die vielfältigen Barrieren, mit denen sich ausländische Unternehmen bei einem Markteintritt in der Volksrepublik China konfrontiert sehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung umfasst kulturelle Einflüsse, die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen, rechtliche und finanzielle Aspekte sowie praktische Herausforderungen bei der Umsetzung von Investitionsprojekten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die den Zufluss von Direktinvestitionen negativ beeinflussen, um ausländischen Unternehmen ein tieferes Verständnis für die Hindernisse zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine deskriptive und analysierende Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturrecherche, der Auswertung statistischer Daten sowie der Einbeziehung von Praxisberichten und Fallstudien basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung allgemeiner Markteintrittsbarrieren (Kultur, Politik), investitionsspezifische Barrieren (Recht, Finanzen, Steuern) und die Besonderheiten der Marktbearbeitung (Marketing, Distribution).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Direktinvestitionen, guanxi, Joint Venture, Markteintrittsbarrieren, Wirtschaftsreformen und Sonderwirtschaftszonen beschreiben.
Welche Rolle spielen die Sonderwirtschaftszonen für Investoren?
Sonderwirtschaftszonen dienen als kontrollierte Experimentierfelder, die ausländischen Investoren Privilegien einräumen, um so gezielt Investitionen und den Transfer von Technologie und Wissen zu fördern.
Wie bewertet der Autor die Rolle von "guanxi"?
Guanxi werden als essenzielles soziales Netzwerk und "Schmiermittel" bezeichnet, das besonders in der Anfangsphase eines Projekts hilfreich ist, um bürokratische Hürden und Ressourcenknappheit zu überwinden.
Wie beurteilt der Autor die Rechtsunsicherheit in China?
Der Autor stuft die Rechtsunsicherheit aufgrund der häufig mangelnden Durchsetzung von Gesetzen und der Abhängigkeit des Rechts von der Politik als erhebliches Investitionshindernis ein.
Welche Prognose stellt der Autor bezüglich des Engagements deutscher Unternehmen?
Der Autor sieht das deutsche Engagement in China derzeit als unterrepräsentiert an und empfiehlt, durch die verstärkte Nutzung vorhandener Förderinstrumente und Kooperationen das Potenzial besser auszuschöpfen.
- Arbeit zitieren
- Birgit Bromund (Autor:in), 1999, Markteintrittsbarrieren für ausländische Unternehmen in China, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185354