Das Phänomen spekulativer rationaler Seifenblasen ist in der Literatur sehr umstritten. Die folgende Arbeit stellt die gegensätzlichen Positionen dar und gibt einen Einblick in
die gegenwärtige Seifenblasendiskussion. Spekulative Blasen werden nach Aschinger als von den Fundamentalwerten abweichende Preisbildungen definiert. Der Umfang, den die Diskussion eingenommen hat, läßt sich zum einen durch die realen Auswirkungen exzessiver Vermögenspreisabweichungen auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die Inflation und die Beschäftigung erklären. Wird als Ursache für diese Abweichungen ein rationales spekulatives Verhalten der Individuen und damit die Existenz rationaler spekulativer Blasen anerkannt, so sind letztere in dem Entscheidungskalkül eines Investors oder des staatlichen Planers mit zu berücksichtigen. Der staatliche Planer beispielsweise beachtet dann, daß eine Seifenblase Einfluß auf die Investitions- oder Sparentscheidungen der Akteure hat. Zum anderen ist das Interesse an
der Diskussion deshalb so groß, weil die Existenz rationaler spekulativer Blasen einer Effizienzhypothese für die Finanzmärkte entgegenstehen würde. Die Effizienzhypothese besagt, daß im Vermögenspreis alle verfügbaren Informationen enthalten sind. Dieser
verändert sich nur dann, wenn die Individuen neue Informationen über die Entwicklung der Fundamentalwerte erhalten. Dagegen wird der Vermögenspreis durch eine rationale Blase verzerrt. Das spekulative Verhalten steigert nicht die Effizienz der Finanzmärkte, sondern führt nun von ihr weg.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das elementare monetaristische Wechselkursmodell
1. Die Gültigkeit der Kaufkraft- sowie Zinsparität
a) Kaufkraftparität
b) Zinsparität
2. Das monetaristische Wechselkursmodell unter vollkommener Voraussicht
a) Monetaristisches Wechselkursmodell mit flexiblen Preisen
b) Monetaristisches Wechselkursmodell mit kurzfristig rigiden Preisen
III. Seifenblasen im monetaristischen Wechselkursmodell
1. Rationale spekulative Seifenblasen im deterministischen Modell mit flexiblen Preisen
2. Rationale spekulative Seifenblasen im deterministischen Modell mit rigiden Preisen
3. Rationale spekulative Seifenblasen im stochastischen Kontext
a) Der Einfluß stochastischer Störvariablen bei echten rationalen Erwartungen
b) Von den Fundamentalfaktoren unabhängige rationale Seifenblasen
c) Von den Fundamentalfaktoren abhängige rationale Seifenblasen
4. Erwartungsbildung im Kontext spekulativer rationaler Blasen
a) Wechselkursspekulation und Erwartungsbildung
b) Erwartungsbildungen basierend auf einem falschen Wechselkursmodell
c) Heterogene Erwartungen
d) Adaptive Erwartungsbildung lernender Individuen
IV. Empirische Wechselkursausschläge
V. Schlußbetrachtung
VI. Anhang: Mathematische Lösung von Differenzengleichungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das umstrittene Phänomen rationaler spekulativer Seifenblasen auf Finanzmärkten, insbesondere auf dem Devisenmarkt. Dabei steht die Forschungsfrage im Zentrum, ob sich exzessive Wechselkursbewegungen theoretisch als rationale Seifenblasen modellieren lassen und inwieweit diese mit rationalen Erwartungen der Marktteilnehmer kompatibel sind.
- Modellierung monetaristischer Wechselkursansätze
- Analyse rationaler Erwartungen bei deterministischen und stochastischen Modellen
- Diskussion der Kompatibilität von Seifenblasen mit dem Rationalitätsbegriff
- Untersuchung von Erwartungsbildungsmechanismen (heterogen, adaptiv, fehlerhaft)
- Empirischer Vergleich historischer spekulativer Blasenepisoden
Auszug aus dem Buch
III. Seifenblasen im monetaristischen Wechselkursmodell
Bisher haben wir im Kontext eines effizienten Devisenmarktes langfristig einen kaufkraftparitätischen Wechselkurs unterstellt, welcher nur in der kurzen Frist von der Kaufkraftparität abwich. Einen exzessiven Wechselkursausschlag über einen längeren Zeitraum hinweg weiterhin mit der modellierten Effizienzhypothese des Devisenmarktes erklären zu wollen, ist jedoch nicht unumstritten. Der Vermögenspreis müßte dann alle relevanten Informationen bezüglich der Fundamentalwerte und deren Entwicklung enthalten, um nur mit diesen allein seine Abweichung rechtfertigen zu können. An dem Punkt, wo es nicht mehr plausibel erscheint, solche Abweichungen allein durch neue Informationen bezüglich der Fundamentalwerte zu erklären, setzt die Seifenblasendiskussion an. Flood und Garber (1980, S. 745) beschreiben das Phänomen einer Blasenbildung folgendermaßen: Es kommt dann zu einer Seifenblasenbildung, wenn der Marktpreis positiv von seiner eigenen erwarteten Änderungsrate abhängt und sich selbsterfüllende Erwartungen, unabhängig von den Fundamentalvariablen, zu aktuellen Vermögenspreisänderungen führen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Problematik spekulativer Seifenblasen und die Zielsetzung der Arbeit unter Berücksichtigung verschiedener theoretischer Positionen.
II. Das elementare monetaristische Wechselkursmodell: Herleitung der Grundlagen der Wechselkursbestimmung unter Kaufkraft- und Zinsparität sowie unter vollkommener Voraussicht.
III. Seifenblasen im monetaristischen Wechselkursmodell: Theoretische Untersuchung, ob und unter welchen Bedingungen rationale Seifenblasen in deterministischen und stochastischen Modellen existieren können.
IV. Empirische Wechselkursausschläge: Analyse historischer Beispiele exzessiver Kursbewegungen, von der Tulpenmanie bis zur Asienkrise, vor dem Hintergrund der theoretischen Modelle.
V. Schlußbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Kompatibilität von Seifenblasen mit rationalen Erwartungen und Empfehlung zur Berücksichtigung modelltheoretischer Schwächen.
VI. Anhang: Mathematische Lösung von Differenzengleichungen: Detaillierte mathematische Herleitung der für die Analyse verwendeten Modelle und Differenzengleichungen.
Schlüsselwörter
Rationale spekulative Seifenblasen, Devisenmarkt, Wechselkurs, monetaristisches Wechselkursmodell, rationale Erwartungen, Effizienzhypothese, fundamentale Faktoren, stochastische Prozesse, Spekulation, Marktvolatilität, Finanzkrisen, Transversalitätsbedingung, Erwartungsbildung, Kursausschläge, Preisbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die theoretische Fundierung und empirische Relevanz von rationalen spekulativen Seifenblasen auf Finanzmärkten, insbesondere unter Anwendung des monetaristischen Wechselkursmodells.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Effizienzhypothese von Finanzmärkten, die Modellierung von Wechselkursen, das Verhalten von Marktteilnehmern unter Unsicherheit und die Rolle von Erwartungsbildungen bei Vermögenspreisblasen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob rationale Seifenblasen theoretisch mit dem Verhalten rational agierender Individuen vereinbar sind und ob beobachtbare exzessive Wechselkursbewegungen als solche Blasen interpretiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt überwiegend mathematische Modellierungen durch Differenzengleichungen und den Vergleich theoretischer Konzepte mit empirischen Fallbeispielen und existierender Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des monetaristischen Standardmodells, die Erweiterung um Seifenblasenterme, die Analyse verschiedener Erwartungshypothesen sowie die empirische Überprüfung historischer Marktcrashs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind rationale spekulative Seifenblasen, monetaristisches Wechselkursmodell, rationale Erwartungen, Finanzmarkteffizienz und Erwartungsbildung.
Inwiefern beeinflusst der Rationalitätsbegriff die Ergebnisse?
Die Arbeit zeigt, dass die Existenz von Seifenblasen stark davon abhängt, wie strikt der Begriff der "rationalen Erwartungen" ausgelegt wird. Während bei vollkommener Voraussicht Blasen oft ausgeschlossen werden können, lassen myopische oder fehlerhafte Erwartungsmodelle eine Blasenbildung theoretisch zu.
Welche Rolle spielt die Asienkrise in dieser Arbeit?
Die Asienkrise dient als modernes empirisches Fallbeispiel, um die theoretischen Überlegungen zu exzessiven Kreditvergaben, Vertrauensverlusten der Investoren und dem Platzen spekulativer Blasen in der Praxis zu veranschaulichen.
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- Wolf-Andreas Riechert (Author), 1998, Gibt es rationale spekulative Seifenblasen auf den Finanzmärkten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185366