Die Entwicklung der Insolvenzen hat zur Jahreswende 1996/97 zum fünften Mal infolge einen Höhepunkt erreicht, für das Jahr 1997 wird allgemein mit einem neuen Rekord gerechnet. Da die Ursachen für Unternehmenszusammenbrüche in der Regel drei bis vier Jahre zurückreichen, kann diese Entwicklung als eine Spätfolge der Rezession nach dem Auslaufen des vereinigungsbedingten Booms zu Beginn der 90er Jahre bezeichnet werden.
Ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken Unternehmenspleiten schlaglichtartig meist dann, wenn große Unternehmen betroffen sind; der Mittelstand mit seiner hohen Ausstrahlungskraft auf Wachstum und Arbeitsmarkt steht eher im Schatten. Dabei sind mit jedem Konkurs volks- und betriebswirtschaftliche Kosten verbunden, die von Forderungsausfällen der Kreditgeber - Banken und Lieferanten - über die Entwertung der eingesetzten Faktoren inklusive des betriebsspezifischen Humankapitals, bis hin zu Suchkosten entlassener Arbeitskräfte und einer dauerhaften existentiellen Belastung der gescheiterten Unternehmer reichen.
Diese Arbeit erhebt keinen Anspruch eine umfassende Darstellung aller Gründe, Ursachen und Strategien zur Vermeidung von Insolvenzen zu bieten. Sie soll nur eine Einführung in die überaus komplexe Thematik sein und die Hauptgründe und Möglichkeiten aufzeigen. Aufgrund der hier gebotenen Kürze ließ sich leider nur ein allgemeiner Abriß erstellen, der jedoch nach Möglichkeit alle Teilgebiete streift und zumindest ansatzweise behandelt.
Inhaltsverzeichnis
I. Vorbemerkung
Ziel und Aufbau der Untersuchung
Gang der Untersuchung
Zu den Quellen
II. Insolvenzentwicklung in Deutschland
2.1 Entwicklung der Insolvenzzahlen
2.2 Insolvenzschadensentwicklung
2.3 Insolvenz und Arbeitsplatzverluste
2.4 Insolvenzen nach Wirtschaftsbereichen
III. Analyse der Insolvenzgründe
3.1 Unternehmensentwicklung
3.1.1 Die Phasen des Unternehmenslebenszyklus
3.1.2 Kritische Wachstumsschwellen
3.2 Insolvenzanalyse
3.2.1 Kredit und Insolvenz
3.2.2 Theorie der Insolvenz
V. Vermeidungsstrategien für Unternehmen
4.1 Insolvenzrechtsreform
4.2 Einlagen- und Beteiligungsfinanzierung
4.3 Kreditfinanzierung
4.4 Leasing
4.5 Finanzierung aus Gewinn (Selbstfinanzierung)
4.6 Finanzierung aus Vermögensumschichtung
4.7 Neue Finanzdienstleistungsangebote für KMU
Schlußfolgerungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit analysiert die Insolvenzentwicklung in Deutschland, identifiziert typische Ursachen für Unternehmenszusammenbrüche und diskutiert verschiedene Vermeidungsstrategien sowie Finanzierungsmethoden für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Kontext der neuen Insolvenzrechtsreform.
- Analyse der Insolvenzentwicklung und ihrer Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
- Theoretische Fundierung von Insolvenzursachen und Unternehmenslebenszyklen
- Untersuchung von Finanzierungsoptionen zur Krisenvermeidung bei KMU
- Bewertung der neuen Insolvenzordnung (InsO) als Instrument zur Sanierung
- Rolle von Finanzdienstleistern bei der Krisenprophylaxe
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Phasen des Unternehmenslebenszyklus
Ein Unternehmen und die daraus resultierenden unternehmerischen Erfordernisse in den unterschiedlichen Funktionsbereichen (Finanzierung, Strategie, Marketing etc.) unterliegen im Zeitablauf Veränderungen, für deren Beschreibung sich das Muster des Unternehmenslebenszyklus herausgebildet hat. Dabei ist ein "echtes" Muster gemeint und kein Gesetz, das eine Prognose darüber zuließe, wann bestimmte Ereignisse im Leben eines Unternehmens zeitpunktgenau zu erwarten sind. Dieser Unterscheidung liegt die Einsicht zugrunde, daß "die konkreten Umstände, von denen die individuellen Ereignisse abhängen, in der Regel so zahlreich sind, daß wir sie praktisch nie alle ermitteln können und daß folglich das Ideal "Voraussage und Kontrolle" weitgehend unerreichbar ist, sondern auch die Hoffnung, wir könnten durch Beobachtung regelmäßige Beziehungen zwischen den individuellen Ereignissen entdecken, illusorisch bleibt.
Die Struktur des Musters Lebenszyklus taucht seit Ende der 60er Jahre auf und wird in verschiedenen Abhandlungen beschrieben, die jedoch im wesentlichen auf folgende Phasen zurückgeführt werden können: Gründung, Wachstum, Reife, Revitalisierung, Schrumpfung/evtl. Beendigung. Bei stärkerer Orientierung auf die Persönlichkeit des Unternehmers müßte der Gründungsphase noch eine Vorbereitungsphase vorangestellt werden, in der eine Person zum potentiellen Unternehmer heranreift. Die beiden Endpunkte des Zyklus, also Gründung und Beendigung, werden im folgenden in bezug auf die Existenz des Unternehmens interpretiert.
Bestritten wird allerdings zugleich, daß alle Unternehmensentwicklungen diese Phasen in exakt der gleichen Reihenfolge durchlaufen. Beispielsweise kehren Unternehmen nach einer Revitalisierungs-Phase wieder in die Reife-Phase zurück; dies kann sogar mehrmals hintereinander ablaufen. Ein vergleichbarer Vorgang kann zwischen der Schrumpfungs- und der Revitalisierungs-Phase stattfinden. Auch müssen nicht zwangsläufig alle Phasen des Lebenszyklus durchlaufen werden. Es ist möglich, daß Unternehmen bereits in der Gründungsphase wieder vom Markt verschwinden. Die hohen Gewerbeabmelde- und Insolvenzraten innerhalb der ersten Jahre nach Gründung unterstreichen dies.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vorbemerkung: Einleitung in die Thematik der Insolvenzen, Definition der Zielsetzung und Erläuterung des Gangs der Untersuchung.
II. Insolvenzentwicklung in Deutschland: Statistische Bestandsaufnahme der Insolvenzen, ihrer Schadenssummen und der daraus resultierenden Arbeitsplatzverluste.
III. Analyse der Insolvenzgründe: Untersuchung der Ursachen für Insolvenzen anhand von Unternehmenslebenszyklen und kritischen Wachstumsschwellen.
V. Vermeidungsstrategien für Unternehmen: Darstellung von Maßnahmen zur Krisenprävention, inklusive Reformen des Insolvenzrechts und verschiedener Finanzierungsinstrumente.
Schlußfolgerungen: Synthese der Ergebnisse und Bewertung der Möglichkeiten für Unternehmer zur Krisenabwehr.
Schlüsselwörter
Insolvenz, KMU, Krisenprävention, Unternehmenslebenszyklus, Insolvenzrechtsreform, Fremdfinanzierung, Eigenkapital, Finanzierungskonzepte, Wirtschaftswachstum, Liquidation, Sanierung, Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung, Insolvenzschaden, Arbeitsplatzverlust.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die komplexe Thematik der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland, beleuchtet deren Ursachen und zeigt Strategien zur Vermeidung auf.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung deckt die statistische Insolvenzentwicklung, die betriebswirtschaftliche Analyse von Krisengründen und verschiedene Finanzierungsmethoden für Unternehmen ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Hauptgründe für Insolvenzen aufzuzeigen und insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Möglichkeiten der Krisenprävention und Finanzierung zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse sowie der Auswertung amtlicher Statistiken und empirischer Untersuchungen zur Insolvenzentwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Insolvenzzahlen, der Analyse von Insolvenzursachen mittels Lebenszyklusmodellen und der Darstellung konkreter Vermeidungsstrategien durch Finanzierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Kernbegriffe sind Insolvenz, KMU, Krisenprävention, Unternehmensfinanzierung und die neue Insolvenzrechtsreform.
Warum ist das Konzept des Unternehmenslebenszyklus für diese Arbeit relevant?
Es dient dazu, kritische Phasen in der Entwicklung eines Unternehmens zu identifizieren, in denen ein erhöhtes Insolvenzrisiko besteht.
Welche Bedeutung hat die neue Insolvenzrechtsreform für die beschriebenen Strategien?
Die Reform soll durch ein Reorganisationsverfahren die Sanierungschancen notleidender Unternehmen verbessern und die Gläubigerbefriedigung steigern.
- Quote paper
- Paschal Tomaschek (Author), 1998, Insolvenzgründe und Vermeidungsstrategien für mittelständische Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185399