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Widerstand gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR 1952-1961

Title: Widerstand gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR 1952-1961

Examination Thesis , 1999 , 78 Pages , Grade: 1.7

Autor:in: Stefan Finger (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Staatsexamensarbeit befasst sich im Schwerpunkt mit dem Widerstand, welcher von Teilen der Landbevölkerung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gegen die Kollektivierungsmaßnahmen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in den Jahren 1952 bis 1961 geleistet wurde. Es handelte sich dabei um eine weitverbreitete Gegenwehr, die sich gegen den von der zweiten Parteikonferenz der SED im Juni 1952 beschlossenen „Aufbau des Sozialismus“ auf dem Lande und der damit einhergehenden „Vergenossenschaftlichung“ aller Produktionsmittel richtete. Schließlich sollte nach dem Willen der Partei- und Staatsführung der gesamte bäuerliche Grund und Boden unter „Wahrung der unbedingten Freiwilligkeit“ in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG / LPGen) zusammengeführt und somit „vergenossenschaftlicht“ werden.

Außerdem sollten die Bauern und Landarbeiter jenen LPGen beitreten. Nicht eben wenige Landwirte folgten diesem Aufruf, gründeten freiwillig Produktionsgenossenschaften und arbeiteten fortan als linientreue Genossenschaftsbauern. Ein Großteil der Landbevölkerung jedoch setzte sich gegen die geforderte Sozialisierung auf vielfältige Art und Weise zur Wehr. Diese Gegenwehr ist es, die im Mittelpunkt der Betrachtungen der vorliegenden Staatsexamensarbeit stehen soll.

Das genaue Ziel der Untersuchungen liegt dabei in der Analyse, Typologisierung und Darstellung jenes widerständigen Verhaltens, obgleich politischer Widerstand weder genau definiert, noch absolut gemessen werden kann und allenfalls relativ und prozessual einzuschätzen ist. Dennoch ist beabsichtigt, die Analyse des widerständigen Verhaltens in der Gliederung umzusetzen, da die Unterteilung und die Abfolge der einzelnen Darstellungen zwangsläufig von der Typologisierung der unterschiedlichen Widerstandsarten abhängig ist. Die zentrale Fragestellung der Examensarbeit lautet also: Auf welche Art und Weise hat die Landbevölkerung der DDR auf die von Partei und Staat aufoktroyierte „Sozialisierung“ ihres Eigentums reagiert und inwieweit lässt sich das jeweilige Verhalten als Widerstand deuten bzw. typisieren?

Excerpt


Gliederung

I. Einleitung

II. Von der Industrialisierung zur Zwangskollektivierung: Ein historischer Überblick

1. Die geistigen Väter des Sozialismus und ihre Vorstellungen von der genossenschaftlichen Produktion

2. Die Einführung des „stalinistischen Systems“ in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands

3. Die „antifaschistisch-demokratische Bodenreform“ in der Sowjetzone

4. Der systematische Machtausbau der SED und ihre Reorganisation zur „Partei neuen Typus“

5. Der „Klassenkampf“ gegen die Großbauern

6. Die II. Parteikonferenz der SED und ihr Beschluß zum „Aufbau des Sozialismus“ auf dem Lande

7. Die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften

8. Die Interdependenz von Fluchtbewegung, Wirtschaftskrise, Normerhöhungen und Volksaufstand

9. Der „Neue Kurs“: Eine kurze „Atempause“ auf dem Weg zur Vollkollektivierung

10. Die Zwangskollektivierung: Exodus und Exitus des freien Bauerntums der Deutschen Demokratischen Republik

11. Der Bau der Berliner Mauer: Die Fluchtbewegung hat ein Ende

III. Der Widerstand der Landbevölkerung gegen die Kollektivierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft

1. Vorüberlegungen zum Widerstandsbegriff

2. Die Kirche als letzter „legaler Träger“ von Opposition im totalitären Staat

3. Die verschiedenen Formen des widerständigen Verhaltens der Landbevölkerung gegen die Kollektivierung

3.1 Forderungen, Meinungsäußerungen und offener Protest: Der verbale Widerstand als Mindestmaß der Gegenwehr

3.2 Nonkonformes Verhalten, ziviler Ungehorsam und offene Resistenz

3.3 Solidarischer Widerstand auf dem Lande: Die „Klasse der Bauern“ hält zusammen

3.4 Handgreifliche Verweigerung und kämpferische Abwehr von Übergriffen: Die Landbevölkerung demonstriert Entschlossenheit

3.5 „Stichagitationen“ und tätlicher Widerstand: Die Bauernschaft geht in die Offensive

3.6 Sabotage und „Diversion“: Aktive Gegenwehr im Verborgenen

3.7 Angebliche „Schädlingstätigkeit“ und „fortgesetzte Wirtschaftsverbrechen“: Der Widerstand, der keiner war

3.8 Die Flucht aus der Heimat: Endgültige Verweigerung durch Entzug

3.9 „Eher gehe ich aufs Schafott, als daß ich in die Kolchose eintrete!“ Suizid als Symbol der Ablehnung, der Verweigerung und der Resistenz

3.10 Gebrochener Widerstand und bezwungene Resistenz: Der Eintritt in die LPG

3.11 Erneutes Aufbegehren im „vollsozialistischen Staat“: Austritte und Auflösungen von LPGen

4. Die Gründe des Widerstands der Landbevölkerung

IV. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert das widerständige Verhalten der Landbevölkerung in der DDR im Zeitraum von 1952 bis 1961, als Reaktion auf die durch die SED erzwungene Kollektivierung der Landwirtschaft. Die zentrale Forschungsfrage lautet, auf welche Weise die Landbevölkerung auf die Sozialisierung ihres Eigentums reagierte und wie sich dieses Verhalten typisieren und als Widerstand deuten lässt.

  • Historische Ursprünge der sozialistischen Agrarpolitik und deren Umsetzung in der SBZ/DDR.
  • Typologisierung verschiedener Formen des Widerstands (von verbalem Protest bis zur Flucht).
  • Die Rolle der Kirche als letzter legaler Träger von Opposition im totalitären System.
  • Analyse der staatlichen Repressionsmaßnahmen gegen Bauern und deren Auswirkungen auf die bäuerliche Existenz.
  • Die Verknüpfung von wirtschaftlichem Druck, individueller Resistenz und der politischen Zwangslage der Landbevölkerung.

Auszug aus dem Buch

3.1 Forderungen, Meinungsäußerungen und offener Protest: Der verbale Widerstand als Mindestmaß der Gegenwehr

Die verbreitetste Form des Widerstandes gegen die Agrarpolitik der SED war der offene Widerspruch und das verbale Bekunden von Geringschätzung, Mißfallen und Ablehnung. Dieser verbale Widerstand war Ausdruck von Unzufriedenheit und Unbehagen in bezug auf eine konkrete Situation oder die allgemeinen gesellschaftlichen oder politischen Verhältnisse und stellte somit die „unterste“, also die einfachste Form der Gegenwehr dar. Allerdings verbarg sich hinter dieser Form des Aufbegehrens zumeist nicht einmal die Entschlossenheit, der geäußerten Ablehnung und Verweigerung konsequent Taten folgen zu lassen. Oftmals blieb es bei mehr oder minder lautstarken Unmutsbekundungen der Bauern. Wer sich anschließend der geforderten Vergesellschaftung der Produktionsmittel und dem Eintritt in die LPG fügte, blieb in der Regel von weiterer Verfolgung und fortgesetzten Diffamierungen seitens des Staates verschont.

Eine Vielzahl von Bauern weigerte sich jedoch, den unrechtmäßigen Forderungen der Agitatoren und Funktionäre Folge zu leisten. So wurde vor allem an jenen Abenden, an denen Gemeindeversammlungen anberaumt waren und Ansprachen von Vertretern der Partei und des Staates erwartet wurden, in vielen Fällen Alkohol konsumiert, um den geschulten Rednern mit dem nötigen Mut entschlossen entgegentreten zu kön-nen.111 Von einer Schar lärmender, pfeifender und trampelnder Bauern übertönt gaben die Redner nicht eben selten ihr Vorhaben auf und brachen den Vortrag ab. Die im Zuge der staatlich forcierten Kollektivierungsmaßnahmen arg bedrängten Einzelbauern forderten bei derartigen Gelegenheiten oftmals die freie Ausreise in den Westen,112 verlangten Freiheit und Marktwirtschaft, prangerten den „russischen Sozialismus an“, wetterten gegen die untauglichen Produktivgenossenschaften oder wagten gar die offene Drohung: „Der Laden bricht sowieso zusammen, dann könnt ihr euch in acht nehmen!“113

Kapitelübersichten

I. Einleitung: Zusammenfassung der Thematik des Widerstands gegen die Kollektivierung in der DDR und Darlegung der zentralen Fragestellung sowie des methodischen Vorgehens.

II. Von der Industrialisierung zur Zwangskollektivierung: Ein historischer Überblick: Darstellung der ideologischen Grundlagen, des Machtausbaus der SED sowie des Verlaufs der Kollektivierung bis zum Mauerbau.

III. Der Widerstand der Landbevölkerung gegen die Kollektivierungsmaßnahmen in der Landwirtschaft: Detaillierte Analyse und Typologisierung der elf verschiedenen Formen des bäuerlichen Widerstands sowie der Gründe hierfür.

IV. Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung der Diskrepanz zwischen dem sozialistischen Anspruch und der bäuerlichen Realität sowie ein Fazit zur gescheiterten Gewinnung der Menschen für das System.

Schlüsselwörter

DDR, Kollektivierung, Landwirtschaft, SED, Widerstand, LPG, Bauern, Zwang, Sozialismus, Fluchtbewegung, Repression, Opposition, Landbevölkerung, Widerständiges Verhalten, DDR-Agrarpolitik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Widerstand der Landbevölkerung gegen die von der SED zwischen 1952 und 1961 in der DDR durchgesetzte Kollektivierung der Landwirtschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese der sozialistischen Agrarpolitik, den spezifischen Formen des Widerstands der Bauern sowie den staatlichen Repressionsmechanismen, die zur Unterdrückung von Opposition eingesetzt wurden.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: Auf welche Art und Weise hat die Landbevölkerung der DDR auf die von Partei und Staat erzwungene „Sozialisierung“ ihres Eigentums reagiert und inwieweit lässt sich das jeweilige Verhalten als Widerstand typisieren?

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf eine Analyse von Quellen wie Eigenberichten staatlicher Stellen, Meldungen von Informationsbüros, Zeitungsartikeln sowie Monographien zur DDR-Geschichte, um widerständiges Verhalten zu typisieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in elf verschiedene Widerstandsformen, darunter verbaler Protest, ziviler Ungehorsam, Solidarität auf dem Lande, tätliche Abwehr von Übergriffen, Sabotage, Flucht und Suizid als radikale Form der Ablehnung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind DDR, Kollektivierung, Widerstand, SED, Bauern, LPG, Zwang und Repression.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Kirche?

Die Kirche wird als der letzte legale Träger von Opposition im totalitären Staat gewertet, da sie trotz staatlicher Isolierungsversuche als Sprachrohr der unterdrückten Landbevölkerung fungierte.

Welche Rolle spielte die "zweite Bodenreform" bei der Fluchtbewegung?

Die als "zweite Bodenreform" empfundene Kollektivierung löste bei vielen Bauern Existenzängste und Vertrauensverlust aus, was zu einer massiven Zunahme der Republikflucht führte, da die Bauern sich nicht zum "Knecht" im eigenen Land machen lassen wollten.

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Details

Title
Widerstand gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR 1952-1961
College
University of Bonn
Grade
1.7
Author
Stefan Finger (Author)
Publication Year
1999
Pages
78
Catalog Number
V185450
ISBN (eBook)
9783656983453
ISBN (Book)
9783867463454
Language
German
Tags
widerstand kollektivierung landwirtschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Finger (Author), 1999, Widerstand gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR 1952-1961, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185450
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