Als Sprach-Handlungs-Theorie analysiert die Pragmatik die Regeln der Form und Interpretation von sprachlichen Äußerungen im Kontext. Die Analyse eines Diskurses, der, laut Brown/Yule im Gegensatz zum Text, einem Prozess unterzogen und situationsgebunden ist, kann also nicht nur anhand linguistischer Regeln erfolgen, sondern muss ebenso die Formen berücksichtigen, die die Sprache im Gebrauch hervorbringt.
Im Diskurs verankert sind die Informations- und Intonationsstruktur, genauer gesagt definiert sich nach Michael Halliday die Informationsstruktur a)durch die einzelnen Informationseinheiten und b)deren Korrelation zur intonatorischen Phrasierung. Die Informationsstruktur ist weder mit der syntaktischen noch der grammatischen Struktur gleichzusetzen, sie stellt vielmehr den Aufbau eines Satzes in der Frage nach dem Gegenstand und der Aussage dar.
Die Gliederung eines Satzes bzw. einer Äußerung erfolgte in der Prager Schule (z.B. Beneš)nach „Topik“ und „Fokus“ - die Termini „Thema“/„Rhema“ wurden eingeführt, die später dann von Halliday übernommen wurden. Die Differenzierung von Thema und Rhema gründet in der Unterscheidung alter versus neuer bzw. bekannter versus nicht bekannter Information und dem Blick auf die Intonationsstruktur des Satzes.
Als zweiter Aspekt spielt in der Thema-Rhema-Gliederung (TRG) der Intonationsverlauf eine in den Theorien mehr oder weniger respektierte Rolle. Janet Pierrehumbert und Julia Hirschberg befassten sich eingehend mit einer „Intonationskontur zur Diskursinterpretation“ , die sie an Hand von einem differenzierten System von Tönen und Akzenten verfassten. In Kapitel II.2. wird dieses kurz zusammengefasst und als Grundlage für die Beschreibung der intonatorischen Untersuchung des Beispieltextes verwendet.
Die Wechselbeziehung zwischen Informations- und Intonationsstruktur kann man zunächst grob in folgender allgemeiner Tendenz benennen: Der Fokus des Satzes liegt auf neuer Information, die intonatorisch hervorgehoben wird und als Rhema bezeichnet werden kann. Die Grundlage der Mitteilung beinhaltet meist alte Information und ist als Thema weniger betont.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
I. Die Thema-Rhema-Struktur
Funktionale und konfigurationelle Theorie
1. Die TRG in der Prager Schule
1.1 Thema und Theatisierung
1.2 Rhema und Rhematisierung
2. Thema und Rhema nach Halliday
II. Praktischer Teil
1. Eigene Annahmen zur Thema-Rhema-Struktur
1.1 Textbeispiel – semantische Analyse
2. Die Intonationsstruktur nach Pierrehumbert und Hirschberg
2.1. Textbeispiel – die intonatorische Analyse und die TRG
III. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Informations- und Intonationsstruktur von Diskursen durch eine Gegenüberstellung der theoretischen Ansätze von Michael Halliday und der Prager Schule. Das Ziel besteht darin, diese linguistischen Modelle zu erläutern und ihre Anwendbarkeit anhand einer praktischen Analyse eines literarischen Textfragments zu evaluieren.
- Grundlagen der Thema-Rhema-Gliederung (TRG) in der Prager Schule
- Hallidays Modell der Informations- und Intonationsstruktur
- Methodik der semantischen und intonatorischen Textanalyse
- Wechselbeziehung zwischen Satzstruktur, Betonung und Diskursinterpretation
Auszug aus dem Buch
1.1. Textbeispiel – Semantische Analyse
Wie bereits angekündigt, werden die Sätze zunächst nach ihrer syntaktischen Struktur zerlegt, d.h. Haupt- und Neben-/Relativsätze getrennt. Die weitere Zerlegung wie sie bei den Sätzen 1, 4 und 5 im folgenden Schaubild zu sehen ist, wurde im Zusammenhang mit der Lesart des Sprechers bei der intonatorischen Untersuchung vorgenommen, die noch gesondert besprochen werden wird.
Interessant an diesem Textausschnitt ist sowohl in der Handlung, als auch die TRG der Verlauf der Gedankengänge des Paters, der sich nach dem Gespräch mit der Amme nun seine eigenen Gedanken zu dem „Säugling ohne Geruch“ macht. Unter der Voraussetzung des Vorwissens des grundlegenden kontextuellen Zusammenhanges, gilt der Protagonist des Textausschnittes, der Pater, als bekannt. Obwohl er im Ausschnitt nicht explizit namentlich erwähnt ist, gilt in Satz 1 das Personalpronomen er als Ersatz dafür als gegeben. Über den genauen Inhalt seiner Überlegungen an sich wissen wir allerdings noch nichts, der Hauptsatz enthält nur neue Information darüber, dass er über einen ihm bislang unbekannten Sachverhalt nachdenkt: Er wusste nicht so recht nachzuvollziehen, was die Amme ihm zuvor gesagt hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Der Abschnitt führt in die Pragmatik als Handlungs-Theorie ein und erläutert die Bedeutung der Informations- und Intonationsstruktur für die Diskursanalyse.
I. Die Thema-Rhema-Struktur: Dieses Kapitel stellt die funktionalen Theorien der Prager Schule und die Ansätze von Halliday gegenüber, wobei der Fokus auf der Gliederung von Sätzen in thematische und rhematische Einheiten liegt.
II. Praktischer Teil: Hier erfolgt die Anwendung der theoretischen Modelle auf ein Textfragment aus Patrick Süskinds "Das Parfum", wobei sowohl semantische als auch intonatorische Analysen durchgeführt werden.
III. Zusammenfassung: Das letzte Kapitel resümiert die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der untersuchten linguistischen Ansätze und bewertet die Erkenntnisse aus der praktischen Analyse.
Schlüsselwörter
Thema-Rhema-Struktur, TRG, Informationsstruktur, Intonationsstruktur, Pragmatik, Diskursanalyse, Michael Halliday, Prager Schule, Satzbetonung, Fokus, Phonologie, semantische Analyse, intonatorische Analyse, Diskurssemantik, Sprechakt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Strukturierung von Sprache im Kontext, insbesondere mit der Verbindung zwischen der Informationsverteilung und dem Intonationsverlauf in Äußerungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Thema-Rhema-Gliederung (TRG) nach der Prager Schule, die Informationsstruktur nach Halliday und die intonatorische Analyse nach Pierrehumbert und Hirschberg.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die theoretische Gegenüberstellung zweier linguistischer Ansätze sowie deren praktische Anwendung und Überprüfung an einem literarischen Beispieltext.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kombinierte Methode aus semantischer Satzzerlegung und intonatorischer Analyse angewandt, um die Informationsstruktur theoretisch zu definieren und empirisch am Beispiel zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der Thema-Rhema-Struktur und einen praktischen Teil, in dem ein Textausschnitt aus "Das Parfum" analysiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Thema, Rhema, Intonationskontur, Satzbetonung, Diskurs, Informationsgehalt und pragmatische Faktoren.
Warum wurde ein Ausschnitt aus "Das Parfum" gewählt?
Der Text dient als literarisches Beispiel, um zu untersuchen, wie sich theoretische Konzepte der TRG auf komplexe, stilisierte Erzähltexte übertragen lassen, die im Gegensatz zur Alltagssprache stehen.
Welche Rolle spielt die Intonation in dieser Untersuchung?
Die Intonation wird als ein wesentliches Ausdrucksmittel betrachtet, das Aufschluss über die Informationsstruktur gibt und dazu dient, Fokus und logische Zusammenhänge innerhalb von Diskursen zu verdeutlichen.
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- Iris Baumgärtel (Author), 2002, Diskursstruktur und Intonation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18547