Als Fugenelement - auch Bindevokal oder linking morpheme - werden Laute oder Lautfolgen
bezeichnet, die an der Nahtstelle zwischen unmittelbaren Konstituenten von
Zusammensetzungen sowie bestimmten Ableitungstypen auftreten.1 Im ersten Fall stehen sie
zwischen Erst- und Zweitglied (Zeitung-s-junge), in letzterem entsprechend zwischen Stamm
und Suffix (greis-en-haft).2
Zwei Drittel der Komposita im Deutschen kommen jedoch ohne ein solches
Verbindungszeichen aus. So werden Kopulativkomposita generell ohne Fugenelement
gebildet. Ebenso verhält es sich bei Determinativkomposita mit nicht flektierbarem
Bestimmungswort wie Adverbien, Präpositionen usw., und auch Zusammensetzungen mit
adjektivischem Erstglied weisen i.d.R. kein Fugenelement auf. Ähnliches gilt für Komposita
des Typs Verb + Substantiv: In den meisten Fällen erfolgt auch hier die Zusammensetzung
nahtlos, wobei die Infinitivendung des Verbs entfällt, und nur bei etwa 10 – 20% tritt
zwischen verbales Erst- und nominales Zweitglied ein Bindevokal (-e-). Ganz anders jedoch
bei Substantivkomposita mit nominalem Determinans. Die große Vielfalt der hier
auftretenden Fugenelemente erinnert an die Formvarianz der Flexion – hat jedoch zumindest
synchron kaum noch etwas mit dieser zu tun und wird offenbar auch durch andere Regeln
gesteuert.
Da das Phänomen des Fugenelements also nur relativ eingeschränkt in Erscheinung tritt und
sich hauptsächlich auf Substantivkomposita bezieht, kann eine allgemeine Funktion der
Fugenelemente für die Komposition als Wortbildungsprozess kaum anzunehmen sein.
Andererseits spricht gerade die nicht willkürliche, sondern regelhaft wirkende Setzung der
Fugenelemente in diesen wenigen Fällen dafür, dass diese Elemente eben nicht funktionslos
sind. Allerdings scheint eine klare und umfassende Systematik bzw. eine eindeutige Funktion
angesichts der unterschiedlichen Kriterien und Regularitäten der Fugenbildung nur schwer
nachweisbar zu sein. [...]
1 Bußmann, S.255
2 Glück, S.222
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Formen
2.1 phonologisch
2.2 morphologisch
3 Funktionen
3.1 phonologisch
3.2 morphologisch
3.3 semantisch / syntaktisch
4 Distribution
4.1 -s-
4.2 -es-
4.3 -e-
4.4 -(e)n-
4.5 -er-
4.6 -(e)ns-
5 Fazit
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der Fugenelemente bei Substantivkomposita im Deutschen. Ziel ist es, die unterschiedlichen Formen und Funktionen dieser Verbindungselemente zu analysieren, um ihre Rolle im Wortbildungsprozess zu klären und den Versuch einer Systematisierung zu unternehmen.
- Phonologische und morphologische Merkmale von Fugenelementen.
- Untersuchung der Distribution einzelner Fugen wie -s-, -es-, -e-, -n-, -er- und -ens-.
- Analyse der semantischen und syntaktischen Funktionen.
- Diskussion über den Status von Fugenelementen als Affixe oder eigenständige Einheiten.
Auszug aus dem Buch
2.1 phonologisch
Die Fugenelemente, die in deutschen Komposita neben der dominierenden Null-Fuge (-ø-) vorkommen, sind -e- (Hundeleine), -s- (Zweifelsfall), -es- (Siegeswille), -n- (Blumenvase), -en- (Heldenmut), -er- (Kindergarten) und -(e)ns- (Herzenswunsch). Die „fremden“ Fugen -al-/ -ial- (Gymnasiallehrer) und -o- (Elektrotechnik) können als adjektivische Formen der Erstglieder interpretiert werden und spielen bei den hier untersuchten Komposita des Typs SBST+SBST keine Rolle. Eine weitere Differenzierung, wie sie Žepi vornimmt, indem er die „negativen“ Morphe -en- und -e- sowie den Tausch -e- gegen -s- als eigenständige Fugen ansieht, ist nicht nötig, wenn man auf einer übergeordneten Ebene annimmt, dass Fugenelemente sowohl additiv als auch subtraktiv und substitutiv auftreten können. Im ersten Fall fügen sich diese an den Stamm bzw. die Wurzel des Erstgliedes an. Von einer subtraktiven Fuge spricht man, wenn das stammauslautende Schwa in der Komposition getilgt wird. In manchen Fällen wird dieses jedoch auch durch ein Fugen-s ersetzt (substitutives Fugeelement).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definition des Begriffs Fugenelement und Abgrenzung der Fragestellung zur Wortbildung bei Substantivkomposita.
2 Formen: Systematische Darstellung der verschiedenen Fugenelemente sowie eine Differenzierung nach phonologischen und morphologischen Aspekten.
3 Funktionen: Untersuchung der phonologischen, morphologischen und semantisch-syntaktischen Wirkungsweisen von Fugenelementen.
4 Distribution: Detaillierte Analyse des Vorkommens einzelner Fugenzeichen (-s-, -es-, -e-, -n-, -er-, -ens-) anhand von konkreten Beispielen.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die zeigt, dass eine allgemeine Systematisierung aufgrund zahlreicher Ausnahmen schwierig bleibt.
6 Literaturverzeichnis: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Fugenelement, Substantivkomposita, Wortbildung, Germanistik, Morphologie, Phonologie, Kompositionsfuge, Determinativkomposita, Bindevokal, Sprachwissenschaft, Flexion, Erstgliedregel, Null-Fuge, Wortbildungsprozess, Fugen-s.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Funktion von sogenannten Fugenelementen (Bindevokalen oder Verbindungselementen) innerhalb von deutschen Substantivkomposita.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit deckt die Kategorisierung der Fugenformen, ihre phonologische Substanz, ihre morphologische Einordnung sowie ihre semantisch-syntaktische Bedeutung ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die Setzung von Fugenelementen regelhaft erfolgt und welche Funktionen sie im Wortbildungsprozess tatsächlich übernehmen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine linguistische Analyse, die auf einer Auswertung bestehender Fachliteratur und der Untersuchung zahlreicher Beispielkomposita basiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Formen, eine Untersuchung der verschiedenen Funktionen sowie eine kleinteilige Betrachtung der Distribution einzelner Fugentypen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fugenelement, Komposition, Wortbildung, morphologische Struktur, Erstgliedregel und Distribution.
Warum wird das Fugen-s als besonders produktiv bezeichnet?
Das Fugen-s tritt bei mehrsilbigen Wörtern häufig als Gliederungsmittel auf und lässt sich zudem bei feminine Erstkonstituenten beobachten, was seine hohe Frequenz und Relevanz erklärt.
Inwiefern beeinflusst die Semantik des Erstgliedes die Fugenwahl?
Die Wahl des Fugenelements korreliert oft mit grammatischen Eigenschaften des Erstglieds, wobei in seltenen Fällen auch das Zweitglied Einfluss auf die Form nimmt, um das Wortverhältnis zu verdeutlichen.
- Quote paper
- Astrid Lukas (Author), 2003, Fugenelemente bei Substantivkomposita mit nominalem Erstglied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18548