Textsorten und ihre Makrostrukturen in der Fernsehsendung "Tagesthemen"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Nachrichtenjournal

3. Beispielanalysen
3.1 Bericht
3.2 Kommentar
3.3 Kurzinterview
3.4 Meldung
3.5 Wetterbericht

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist die Ermittlung und Beschreibung unterschiedlicher Textsorten innerhalb einer Fernsehnachrichtensendung. Die Klassifizierung orientiert sich dabei zunächst an den verschiedenen journalistischen Darstellungsformen, da diese leicht zu voneinander unterscheidende Einheiten bilden. Diese Einheiten, deren Bezeichnungen zum Teil dem journalistische Sprachgebrauch entnommen sind, werden jedoch in einem weiteren Schritt der Analyse präzisiert und differenziert, wobei vor allem der unspezifizierte Terminus „Nachricht“ vermieden wird, der eher eine Gattungsbezeichnung darstellt als eine einzelne Textsorte. Der hier vorgenommenen Analyse liegen als Material eine Videoaufzeichnung sowie die Transkription der Sendung „tagesthemen“ (ARD) vom 13. November 2000 zugrunde.[1] Ausgehend von allgemeinen Merkmalen, welche sich auf alle Textexemplare innerhalb des Nachrichtenjournals bzw. auf dieses als eine übergeordnete komplexere Einheit beziehen, sollen anhand je eines Textexemplars die Charakteristika der verschiedenen Textsorten ermittelt und mit Beispielen belegt werden. Besonderes Interesse gilt dabei den jeweiligen Makrostrukturen, v.a. der Kombination (audio-) visueller Elemente, die in ihrer spezifischen Anordnung und Abfolge zu einer weitgehend eindeutigen Zuordnung der einzelnen Textexemplare führen und eben nicht bloß Illustration der sprachlichen Botschaft[2], sondern distinktive Merkmale in Hinblick auf die untersuchten Textsorten sind. Wo es zur Differenzierung und Klassifizierung beiträgt, soll auf syntaktische sowie lexikalische Eigenheiten hingewiesen werden, ohne jedoch diesbezüglich eine vollständige oder umfassende Analyse zu leisten. Da die Unterscheidung von gesprochener und geschriebener Sprache bei Nachrichtensendungen im allgemeinen und insbesondere in Hinblick auf die Fragestellung dieser Arbeit eine eher sekundäre Rolle spielt – bis auf einige Ausnahmen handelt es sich bei den „Nachrichten“ um schriftlich formulierte und dann verlesene Äußerungen (vgl. Kapitel 2) – bleiben auch suprasegmentale Merkmale weitgehend unberücksichtigt. Entsprechend handelt es sich bei der die Materialgrundlage bildende Abschrift der analysierten Sendung um eine orthographische, nicht um eine phonetische Transkription.

2. Das Nachrichtenjournal

Aus der Wahl des Mediums (Fernsehen) sowie des Sendeformats (Nachrichtenjournals), welche die Sendung in den Kontext der öffentlichen Kommunikation sowie der Informationstexte einordnet, ergeben sich neben einer spezifischen Konstellation externer Merkmale (eine vom Sprecher ausgehende monologische Kommunikationsrichtung, akustischer und optischer Kontakt zwischen Sprecher und Zuschauer, dabei zeitlich unmittelbar bzw. flüchtig und räumlich getrennt, sowie gesprochene und geschriebene Sprache)[3] auch gewisse Restriktionen hinsichtlich der möglichen (oder üblichen) Textsorten. Diese Einschränkungen beziehen sich vor allem auf die kommunikative Funktion der einzelnen Texte, die überwiegend informationsorientierten Charakter haben, wobei gerade im Nachrichtenjournal auch deutlich meinungsorientierte Elemente vorkommen. Aus journalistischer Perspektive gliedert sich das Nachrichtenjournal in eine begrenzte Anzahl von Schwerpunktthemen sowie einen Nachrichtenblock, und ist zudem angereichert mit Filmsequenzen und anderem Bildmaterial. Eine erste Berichterstattung durch andere Medien oder Sendungen (nicht zuletzt aufgrund der relativ späten Sendezeit nach 21 Uhr) als gegeben voraussetzend, werden im Nachrichtenjournal vor allem Hintergrundwissen, Zusammenhänge und Zusatzinformationen vermittelt. Dieser Funktion entsprechend gestaltet sich die Wahl der journalistischen Darstellungsformen und letztlich auch der Textsorten.

Während sich die Informationsvermittlung bei anderen Nachrichtensendungen, etwa den Kurz- oder Hauptnachrichtensendung wie „Tagesschau“ und „heute“, auf aktuelle Ereignisse und Fakten konzentriert und diese hauptsächlich in Form von Meldungen und Kurzmeldungen präsentiert, überwiegt beim Nachrichtenjournal mit dessen Konzentration auf Schwerpunktthemen die Form des Berichts. Neben dem Bericht und der Meldung lassen sich bei der analysierten Sendung auch die Textsorten Kommentar, Kurzinterview und Wetterbericht unterscheiden, denen jeweils ein oder mehrere Textexemplare zuzuordnen sind. Die Abgrenzung zwischen den einzelnen Textexemplaren erfolgt dabei im Wesentlichen durch Sprecher- und Themenwechsel, durch die Präsentationsform sowie audio-visuelle Elemente (Bildwechsel, Veränderung der Kameraeinstellung etc.). Der Präsenz eines Moderators kommt im Rahmen des Nachrichtenjournals eine besondere Bedeutung zu. Seine Beiträge sind zum einen Bestandteil einzelner Textexemplare und distinktives Merkmal der ermittelten Textsorten, zum anderen aber auch eine Verbindung zwischen den verschiedenen Textexemplaren und damit charakteristisch für das Nachrichtenjournal als übergeordnete komplexe Einheit.

Am Beispiel der analysierten Sendung lässt sich folgende Gliederung mit einem bestimmtem Ablauf feststellen. Einem Trailer sowie der Begrüßung[4] folgen zunächst vier Berichte[5]. Daran schließen sich ein Kommentar[6] sowie ein weiterer Bericht[7] mit Kurzinterview[8] an. Nach dem Nachrichtenblock[9], der aus mehreren Meldungen sowie einem Börsenbericht[10] besteht, gibt es wiederum zwei Berichte[11] und schließlich einen Wetterbericht[12]. Die Verabschiedung mit Hinweis auf kommende Sendungen sowie der Abspann beenden die Sendung[13].

Trailer und Begrüßung sowie Verabschiedung, Programmhinweis und Abspann bilden dabei einen mehrteiligen allgemeinen Initiator bzw. Terminator, der sich jeweils auf die gesamte Sendung als einer Einheit bezieht. Der Trailer beginnt mit einem Einstiegsbild[14], das die weiterlaufenden Zeit von 22:30:58 bis 22:31:05 in Form von weißen Ziffern vor blauem Hintergrund angibt. Nach einem Gong folgt eine animierte Grafik, bestehend aus einer stilisierten Weltkarte[15], dem Senderlogo der ARD sowie dem darunter angeordneten Schriftzug „Das Erste“. Parallel dazu kündigt eine männliche Sprecherstimme aus dem Off die Sendung an[16]. Mit einer fanfarenähnlichen Musik wird der Schriftzug „tagesthemen“ eingeblendet, und das Bild wechselt von der Grafik zur Studioaufnahme, die in der totalen Kameraeinstellung sowohl die Moderatorin als auch den Nachrichtensprecher (links bzw. rechts an einem Tisch sitzend) vor dem Bluescreen zeigt. Dabei erfolgt ein leichter Zoom in Richtung der Moderatorin. Der allgemeine Initiator endet mit dem Wechsel der Kamera von der Totalen auf eine halbnahe Einstellung der Moderatorin, der Einblendung ihres Namens (im linken unteren Bildbereich neben dem Logo der Sendung) sowie ihrer an die Zuschauer gerichteten Begrüßung[17].

Der allgemeine Terminator ist spiegelbildlich zum beschriebenen Initiator aufgebaut. Zunächst ist wiederum die Moderatorin in einer halbnahen Einstellung sowie das Insert mit ihrem Namen zu sehen, während sie verbal auf die nachfolgende Talksendung sowie die nächste Nachrichtensendung hinweist, deren Name und Sendetermin zudem als Hintergrundbild angezeigt wird.[18] Nach der eigentlichen Verabschiedung[19] wechselt die Kamera von der halbnahen Einstellung in die Totale und zoomt anschließend leicht zurück. Im Abspann erscheint zur einsetzenden Musik (wie im Initator) im unteren linken Bildbereich der Schriftzug „tagesthemen“ sowie darunter in der Form von Schlagzeilen die Themen des „Nachtmagazins“[20] bzw. die Angabe der Internetadresse zur Sendung.[21]

Im Folgenden soll auf die einzelnen Textexemplare, insbesondere auf deren Makrostrukturen und das Verhältnis von Teil und Ganzem näher eingegangen werden.

[...]


[1] Die Transkription ist der Arbeit als Anhang ab Seite 21 beigefügt.

[2] vgl. Mast, Kapitel VI/2 + 3

[3] vgl. Brinker; Wie bereits erwähnt handelt es sich bei den Texten von Nachrichtensendungen überwiegend um schriftlich formulierte und dann verlesene, d.h. keine spontanen Äußerungen. Die Betonung der gesprochenen i.S. mündlicher Sprache in Bezug auf Nachrichtentexte bei Brinker erscheint mir daher nicht sinnvoll.

[4] Beitragsnummer 1 (+2), Anhang S.21/Z.1-4

[5] Beitragsnummer 2+3, 4+5, 6+7 sowie 8+9, Anhang S.21-22

[6] Beitragsnummer 10+11, Anhang S.23

[7] Beitragsnummer 12+13, Anhang S.23

[8] Beitragsnummer 14, Anhang S.23

[9] Beitragsnummer 15-23, Anhang S.24

[10] Beitragsnummer 18+19, Anhang S.24

[11] Beitragsnummer 24+25 und 26+27, Anhang S24-25

[12] Beitragsnummer 28+29, Anhang S.25

[13] Beitragsnummer 30 bzw. 31, Anhang S.25

[14] Da aufgrund technischer Probleme der Beginn der analysierten Sendung auf der Videoaufzeichnung fehlt, sind die Angaben zu den einzelnen Elementen des Trailers einer anderen Sendung entnommen und erscheinen daher nicht in der Transkription im Anhang.

[15] im weiteren Verlauf der Sendung den Hintergrund des Bluescreens bildend

[16] Beitragsnummer 1, Anhang S.21

[17] Anhang, S.21/Z.4

[18] Anhang, S.25/Z.84f.

[19] Anhang, S.25/Z.85

[20] vgl. Anhang, S.25/Z.88-92

[21] vgl. Anhang, S.25/94-98

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Textsorten und ihre Makrostrukturen in der Fernsehsendung "Tagesthemen"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Veranstaltung
Textsorten in Rundfunk und Fernsehen
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V18549
ISBN (eBook)
9783638228756
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textsorten, Makrostrukturen, Fernsehsendung, Tagesthemen, Textsorten, Rundfunk, Fernsehen
Arbeit zitieren
Astrid Lukas (Autor), 2003, Textsorten und ihre Makrostrukturen in der Fernsehsendung "Tagesthemen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18549

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