Ziel dieser Arbeit ist die Ermittlung und Beschreibung unterschiedlicher Textsorten
innerhalb einer Fernsehnachrichtensendung. Die Klassifizierung orientiert sich dabei
zunächst an den verschiedenen journalistischen Darstellungsformen, da diese leicht
zu voneinander unterscheidende Einheiten bilden. Diese Einheiten, deren
Bezeichnungen zum Teil dem journalistische Sprachgebrauch entnommen sind,
werden jedoch in einem weiteren Schritt der Analyse präzisiert und differenziert,
wobei vor allem der unspezifizierte Terminus „Nachricht“ vermieden wird, der eher
eine Gattungsbezeichnung darstellt als eine einzelne Textsorte. Der hier
vorgenommenen Analyse liegen als Material eine Videoaufzeichnung sowie die
Transkription der Sendung „tagesthemen“ (ARD) vom 13. November 2000
zugrunde.1 Ausgehend von allgemeinen Merkmalen, welche sich auf alle
Textexemplare innerhalb des Nachrichtenjournals bzw. auf dieses als eine
übergeordnete komplexere Einheit beziehen, sollen anhand je eines Textexemplars
die Charakteristika der verschiedenen Textsorten ermittelt und mit Beispielen belegt
werden. Besonderes Interesse gilt dabei den jeweiligen Makrostrukturen, v.a. der
Kombination (audio-) visueller Elemente, die in ihrer spezifischen Anordnung und
Abfolge zu einer weitgehend eindeutigen Zuordnung der einzelnen Textexemplare
führen und eben nicht bloß Illustration der sprachlichen Botschaft2, sondern
distinktive Merkmale in Hinblick auf die untersuchten Textsorten sind. Wo es zur
Differenzierung und Klassifizierung beiträgt, soll auf syntaktische sowie lexikalische
Eigenheiten hingewiesen werden, ohne jedoch diesbezüglich eine vollständige oder
umfassende Analyse zu leisten. Da die Unterscheidung von gesprochener und
geschriebener Sprache bei Nachrichtensendungen im allgemeinen und insbesondere
in Hinblick auf die Fragestellung dieser Arbeit eine eher sekundäre Rolle spielt – bis
auf einige Ausnahmen handelt es sich bei den „Nachrichten“ um schriftlich
formulierte und dann verlesene Äußerungen (vgl. Kapitel 2) – bleiben auch
suprasegmentale Merkmale weitgehend unberücksichtigt. Entsprechend handelt es
sich bei der die Materialgrundlage bildende Abschrift der analysierten Sendung um
eine orthographische, nicht um eine phonetische Transkription.
1 Die Transkription ist der Arbeit als Anhang ab Seite 21 beigefügt.
2 vgl. Mast, Kapitel VI/2 + 3
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Nachrichtenjournal
3. Beispielanalysen
3.1 Bericht
3.2 Kommentar
3.3 Kurzinterview
3.4 Meldung
3.5 Wetterbericht
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Textsorten innerhalb einer Fernsehnachrichtensendung, um deren spezifische Makrostrukturen, insbesondere die Kombination audio-visueller Elemente, zu ermitteln und gegeneinander abzugrenzen.
- Analyse journalistischer Darstellungsformen im Nachrichtenjournal
- Untersuchung der Makrostrukturen von Moderator- und Filmbeiträgen
- Differenzierung zwischen informations- und meinungsorientierten Textsorten
- Bedeutung optischer Präsenz für die Klassifizierung von Textsortenvarianten
- Verhältnis von Teiltexten zur übergeordneten komplexen Einheit der Sendung
Auszug aus dem Buch
3.1 Bericht
Gemeinsames und damit konstituierendes Merkmal der Textsorte „Bericht“ ist ein zweiteiliger Aufbau, bestehend aus der Abfolge von einem Moderatorbeitrag sowie einem Filmbeitrag, wobei beiden Textteilen eine jeweils eigene Funktion zukommt. Während der Moderatorbeitrag die Eingangs- oder Grundinformation liefert und in das behandelte Thema einführt, präsentiert der Filmbeitrag (meist in Form des Korrespondentenberichts) Hintergründe und Zusammenhänge sowie mögliche Folgen des Ereignisses. Im hier analysierten Beispiel ordnet die Moderatorin die Verurteilung des Bundesverkehrsministers Reinhard Klimmt zunächst in eine Reihe ähnlicher Delikte anderer Politiker ein, bevor sie den Grund für die Vorstrafe (Scheinverträge) nennt. Gegenstand des folgenden Filmbeitrags sind nach einer kurzen Einschätzung der zuständigen Richterin die Umstände und Hintergründe der illegalen Verträge sowie die Reaktionen auf das Gerichtsurteil seitens der Politik (Regierung und Opposition). Moderator- und Filmbeitrag sind als Textteile zudem formal durch ihre Darstellungsform sowie ihre Makrostrukturen deutlich voneinander abzugrenzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die darin besteht, Textsorten in Fernsehnachrichten anhand ihrer Makrostrukturen zu beschreiben.
2. Das Nachrichtenjournal: Hier wird das Nachrichtenjournal als übergeordnete komplexe Einheit definiert und in den Kontext der öffentlichen Kommunikation sowie der Fernsehkultur eingeordnet.
3. Beispielanalysen: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Untersuchung und Differenzierung der verschiedenen innerhalb der Sendung auftretenden Textsorten.
3.1 Bericht: Der Bericht wird als zweiteilige Struktur aus Moderator- und Filmbeitrag mit spezifischen funktionalen Aufgaben charakterisiert.
3.2 Kommentar: Der Kommentar wird als explizit meinungsorientierte Textsorte definiert, die sich durch eine eigene Moderationsform und visuelle Gestaltung auszeichnet.
3.3 Kurzinterview: Das Kurzinterview dient als Teiltext zur Vermittlung von Zusatzinformationen und zeichnet sich durch eine dialogische Struktur und den Einsatz von Splitscreens aus.
3.4 Meldung: Die Meldung wird als eingliedriges, in Nachrichtenblöcken gruppiertes Textexemplar identifiziert, welches in Sprechermeldungen und Nachrichtenfilme unterteilt werden kann.
3.5 Wetterbericht: Der Wetterbericht wird als eigenständige, hochgradig standardisierte Form mit spezifischen grafischen Darstellungsweisen beschrieben.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die erfolgreiche Ermittlung und Abgrenzung der Textsorten anhand ihrer Makrostrukturen.
Schlüsselwörter
Textsorten, Nachrichtenjournal, Makrostrukturen, Fernsehen, Moderatorbeitrag, Filmbeitrag, Bericht, Kommentar, Kurzinterview, Meldung, Wetterbericht, journalistische Darstellungsformen, Medienlinguistik, Korrespondentenbericht, Splitscreen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und systematischen Beschreibung verschiedener journalistischer Textsorten innerhalb einer Fernsehnachrichtensendung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Berichten, Kommentaren, Interviews, Meldungen und Wetterberichten sowie deren mediale Aufbereitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifizierung textsortenspezifischer Makrostrukturen, die eine klare Differenzierung und Einordnung der einzelnen Beiträge in der Sendung ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine linguistische Textanalyse durchgeführt, die auf der Auswertung einer Videoaufzeichnung sowie der dazugehörigen Transkription basiert.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die formale Gliederung, die visuelle Präsentation (z.B. Kameraeinstellungen, Inserts) und die funktionale Rolle der jeweiligen Beiträge.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?
Textsorten, Nachrichtenjournal, Makrostrukturen, journalistische Darstellungsformen, Medienlinguistik und mediale Präsentation.
Wie wird das Verhältnis zwischen Bericht und Kommentar abgegrenzt?
Während der Bericht primär informationsorientiert ist, bildet der Kommentar die einzige explizit meinungsorientierte Textsorte und hebt sich durch eine spezifische Sprecherpräsenz ab.
Welche besondere Bedeutung hat der Splitscreen im Kontext der Arbeit?
Der Splitscreen wird als distinktives Merkmal der Textsorte Kurzinterview identifiziert, um die dialogische Struktur und den thematischen Bezug zum vorangegangenen Bericht zu unterstreichen.
- Quote paper
- Astrid Lukas (Author), 2003, Textsorten und ihre Makrostrukturen in der Fernsehsendung "Tagesthemen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18549