Das Freizeitsystem der BRD am Beispiel von Gerhard Schulzes Erlebnisgesellschaft


Referat (Ausarbeitung), 2003

40 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1 Forschungsfragen

2 Definitionen von Freizeit

3 Die Erlebnisgesellschaft nach Gerhard Schulze
3.1 Von der Knappheits- zur Erlebnisgesellschaft
3.2 Milieubildung durch soziale Wahrnehmung
3.2.1 Zeichen sozialer Wahrnehmung
3.2.2 Dimensionen des (Freizeit)stils

4 Die Erlebnismilieus

5 Zusammenfassung und Kritik
5.1 Zusammenfassung
5.2 Kritik

6 Empirische Untersuchung
6.1 Ergebnisse bezüglich des Freizeitbegriffs
6.2 Ergebnisse bezüglich Schulzes Modell

7 Anhang: Tabellen, Abbildungen, Fragebogen und Auswertungsdaten
Freizeit-Fragebogen
Auswertungsergebnisse
Beispiele für Nennungen zum Freizeitbegriff
Ergebnisse: Unterhaltungsmilieu
Ergebnisse: Selbstverwirklichungsmilieu
Ergebnisse: Schüler
Ergebnisse: Studierende
Ergebnisse: Männer
Ergebnisse: Frauen

8 Literatur

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Alltagsästhetische Schemata und soziale Milieus (Quelle: nach Hartmann, 1999, S. 117)

Abbildung 2: Die fünf sozialen Milieus mit Berücksichtigung von Unschärfen (Quelle: nach Schulze, 1992, S. 279)

Abbildung 3: Frage „Was drückt für dich der Begriff „Freizeit aus“?

Abbildung 4: Ergebnisse, die Schulzes Modell stützen I

Abbildung 5: Ergebnisse, die Schulzes Modell stützen II

Abbildung 6: Ergebnisse, die Schulzes Modell widersprechen

Abbildung 7: Durchschnittliche Anzahl an Sportarten nach Milieu und Ausbildungsort

Abbildung 8: Sonstige interessante Ergebnisse bezüglich Schulzes Modell

Abbildung 9: Milieus nach Vorstellung vom „schönen Leben“ ((Quelle: Wenzel, 1999)

Tabelle 1: Der Wandel zur Erlebnisgesellschaft (Quelle: nach Schulze, 1992, S. 33ff)

Tabelle 2: Alltagsästhetische Schemata (Quelle: nach Schulze, 1992, S. 163)

Tabelle 3: Soziale Milieus und deren Nähe bzw. Distanz zu den alltagsästhetischen Schemata (Quelle: nach Schulze, 1992 / Band, 1994)

Tabelle 4: Soziale Milieus nach Schulze (Quelle: nach Schulze, 1992 / Band, 1994)

1 Forschungsfragen

Das Thema dieser Arbeit sind die Strukturen der Freizeitbeschäftigungsformen in der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland. Um sich jedoch wissenschaftlich mit diesem Thema beschäftigen zu können, muss zunächst einmal der zu Grunde liegende Begriff der Freizeit geklärt und definiert werden. Die Forschungsfragen für diese Arbeit lauten demgemäß:

(1) Was ist Freizeit? (2) Welches System bzw. welche Strukturen von Freizeitbeschäftigungsformen finden sich in der Bevölkerung der BRD?

2 Definitionen von Freizeit

So einfach und geläufig der Begriff der Freizeit auf den ersten Blick erscheint, so schwierig erweist sich eine Begriffsbestimmung bei einer genaueren Untersuchung der verschiedenen Bedeutungsdimensionen. Fragt man Menschen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen nach ihrer Definition von Freizeit, erhält man viele unterschiedliche Antworten (vgl. hierzu auch Abb. 3 in Kap. 6.1). Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Autofahrens oder Kochens, zwei Beschäftigungen, die von vielen Menschen als nötiges Übel, von anderen wiederum als reines Vergnügen wahrgenommen werden. Einige der geläufigsten Definitionen – sowohl im Alltag als auch in der Literatur – sollen hier kurz aufgeführt werden[1]:

1. Freizeit als Regeneration von der Arbeit bzw. für die Arbeit
2. Freizeit als „Nicht-Arbeitszeit“
3. Freizeit als alles, was man nicht tun muss
4. Freizeit als alles, was Spaß macht bzw. alles, was einen erfüllt

Keine dieser Definitionen kann als deutliche Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung bezeichnet werden. Allen diesen Definitionsversuchen ist außerdem gemeinsam, dass sie bestimmte, wichtige Aspekte des Freizeitbegriffs vernachlässigen oder nicht trennscharf abgrenzen. Wird beispielsweise Freizeit nur über die Abgrenzung zur Arbeit definiert, haben Rentner und Arbeitslose streng genommen keine Freizeit (Definition 1) oder ausschließlich Freizeit (Definition 2).

Nötige Pflichten wie Einkaufen, Wäsche waschen u.ä. lassen sich weder als Freizeit noch als Arbeitszeit bezeichnen und müssen deshalb bei einer Definition der Freizeit unbedingt ausgeschlossen werden (Definition 3 und 4). Aber auch diese Definitionen greifen zu kurz. Demnach würden beispielsweise einerseits freiwillige Überstunden (Definition 3) und andererseits erfüllende berufliche Tätigkeiten ebenfalls unter den Freizeitbegriff fallen. Zur eindeutigen und allgemeinen Definition des Freizeitbegriff bietet sich also eine Synthese aus den obigen Definitionsversuchen an. Hierbei ergeben sich zwei wesentliche Kriterien des Freizeitbegriffs: zum einen die „relative Wahlfreiheit“ (d.h. keine Verpflichtung von außen), zum anderen die „intrinsische Befriedigung“ (d.h. der Spaß an der Sache bzw. die innere Erfüllung). Sind beide Kriterien erfüllt, kann eine Beschäftigung als Freizeitbeschäftigung gelten. Diese Begriffsbestimmung ist v.a. für die quantitative Freizeitforschung bzw. Freizeitmessung äußerst sinnvoll und wichtig. Sie ermöglicht zudem die Unterteilung des Tagesablaufs in die drei eindeutig voneinander abgrenzbaren Bereiche

- Arbeitszeit (berufliche Beschäftigung),
- Obligationszeit (Verpflichtungen außerhalb des Berufs) und
- Freizeit.

Im Folgenden wird deshalb der Begriff der Freizeit im Sinne der obigen Definition verwendet als Tätigkeiten, die unter relativer Wahlfreiheit ergriffen wurden und mit einer intrinsischen Befriedigung verbunden sind (erste Forschungsfrage).

3 Die Erlebnisgesellschaft nach Gerhard Schulze

Zur Beantwortung der zweiten Forschungsfrage eignet sich das Modell der Erlebnisgesellschaft nach Gerhard Schulze. Gerhard Schulze (Jahrgang 1944) ist seit 1978 Professor für Methoden der empirischen Sozialforschung an der Universität Bamberg. 1985 führte er eine Milieu-Studie im Raum Nürnberg durch, in deren Rahmen 1014 Personen zu ihrem Lebensstil (u.a. Freizeitverhalten, Mediennutzung) befragt wurden. 1992 wurden die Ergebnisse der Studie im Buch „Die Erlebnisgesellschaft“ veröffentlicht.

3.1 Von der Knappheits- zur Erlebnisgesellschaft

Schulze behandelt in seinem Buch „Die Erlebnisgesellschaft“ den Wandel der Knappheitsgesellschaft der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zur Mitte der 80er Jahre und die damit verbundenen Auswirkungen auf Klassen- oder Schichttheorien der Soziologie. Er kommt zu dem Schluss, dass die (west)deutsche Gesellschaft der 80er Jahre am besten als „Erlebnisgesellschaft“ beschrieben werden kann, die Gruppenstrukturen am besten als soziale Milieus. Die Gegenüberstellung von Knappheits- und Erlebnisgesellschaft lässt sich wie in Tabelle 1 dargestellt zusammenfassen (im Folgenden nach Schulze[2] ).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Der Wandel zur Erlebnisgesellschaft (Quelle: nach Schulze, 1992, S. 33ff)

Die Hauptgründe für die Entwicklung zur Erlebnisgesellschaft bestehen für Schulze in der „Vermehrung der Möglichkeiten“[3] durch einen Zuwachs an Geld, Zeit und Bildung oder – anders formuliert ‑ die parallele Expansion von Angebot und Nachfrage. Nicht mehr die (soziale) Situation, sondern allein das Subjekt entscheidet über die Existenzform. Dies drückt sich auch in der nun freien Beziehungswahl aus, die die Beziehungsvorgabe durch verwandtschaftliche, sozioökonomische oder lokale Zusammengehörigkeit abgelöst hat. Da die Grundbedürfnisse mittlerweile von fast jedem in der Gesellschaft problemlos befriedigt werden können, geht es statt dessen um die Suche nach Lebensqualität: „Erlebe Dein Leben!“[4] ist der neue Imperativ bzw. die „normale existentielle Problemdefinition“[5], wie Schulze es formuliert. Die Lebensauffassung ist nicht mehr länger außen-, sondern innenorientiert. Gemeint ist damit „der epochentypische Wunsch, sich ‚seine’ Welt zu wählen, statt sich an einer ‚gegebenen’ Welt abzuarbeiten“[6]. An die Stelle von Existenzangst treten nun andere Probleme. Da man sich nicht mehr allein am zum Überleben Notwendigen orientieren kann, entsteht Unsicherheit angesichts der vielen neuen Möglichkeiten und Freiheiten. Gleichzeitig kommt es häufiger zu Enttäuschungen, da die Fähigkeit, sich am reinen Gebrauchswert zu erfreuen, immer mehr in den Hintergrund tritt[7]. Wichtig erscheinen demgegenüber jetzt Erlebnisaspekte, die häufig von der Werbung vorgegeben werden, sich schnell wieder ändern können und auf keinen Fall dauerhaft garantiert sind. „In der Wahrnehmung treten die Nebenaspekte vor die Hauptsache.“[8] Die Veränderungen lassen sich nach Schulze am besten mit dem Beispiel von Konsumverhalten und Werbung illustrieren. Denn bei jedem Einkauf sind wir mittlerweile mit einer Reihe von Produkten konfrontiert, die offensichtlich den gleichen Nutzwert besitzen. Gekauft wird dann jenes Produkt, dessen Werbung den höchsten Erlebniswert verspricht.

Wie kommt es nun aber trotz der – durch die Veränderung der äußeren Umstände bewirkten – Individualisierungstendenz zur Bildung gesellschaftlicher Großgruppen? Grund hierfür ist die oben bereits erwähnte – neue – Unsicherheit. Diese lässt die Menschen nach neuen Ordnungen suchen, die die verlorengegangenen alten Ordnungsstrukturen ersetzen können. Dadurch bilden sich Gruppen bzw. soziale Milieus.

3.2 Milieubildung durch soziale Wahrnehmung

Milieus werden in der Literatur mit teilweise sehr unterschiedlichen Bedeutungen versehen. Schulze definiert sie „als Personengruppen, die sich durch gruppenspezifische Existenzformen und erhöhte Binnenkommunikation voneinander abheben“[9].

3.2.1 Zeichen sozialer Wahrnehmung

Milieus sind wie oben definiert also Gruppen von Menschen, die sich in vielen situativen und sozialen Aspekten ähnlich sind. Die Mitglieder einer Gruppe haben untereinander mehr Kontakt als zu Mitgliedern anderer Gruppen. Bei der Milieubildung sind aufgrund der freien Beziehungswahl evidente, d.h. leicht interpretierbare, und signifikante, d.h. Zeichen, die verlässliche Aussagen über einen anderen Menschen zulassen, von besonderer Bedeutung. Als Zeichen kommen prinzipiell viele Kriterien in Frage, ausreichend evident und signifikant sind nach Schulze jedoch nur die drei Zeichen Alter, Bildung und (alltagsästhetischer) Stil[10]. Das Alter erfüllt ohne Einschränkungen beide Kriterien. Die Bildung ist zwar nicht direkt durch Äußerlichkeiten ablesbar, kann aber trotzdem beim ersten Kontakt schnell in Erfahrung gebracht werden. Der Stil schließlich kann einerseits durch evidente Kriterien wie Kleidung, Sprache und Wohnraumgestaltung ermittelt werden, wird andererseits aber – wie die Bildung – auch von weniger evidenten Merkmalen wie Musikgeschmack, Freizeitverhalten und Medienkonsum (d.h. dem Freizeitstil) bestimmt. Dieser Freizeitstil als Substil des allgemeinen Lebensstils bildet den Anknüpfungspunkt zur zweiten Forschungsfrage dieser Arbeit und wird im Folgenden deshalb genauer untersucht.

3.2.2 Dimensionen des (Freizeit)stils

Der erste Schritt auf der Suche nach Ordnung und Orientierung in der Erlebnisgesellschaft sind also evidente und signifikante Zeichen. Die Deutung von Alter und Bildung ist dabei relativ unproblematisch, schwieriger ist die Deutung des Stils. Wie oben bereits erwähnt, setzt sich der allgemeine Lebensstil eines Individuums aus vielen verschiedenen Substilen zusammen (z.B. Wohnstil, Sprachstil, Freizeitstil). Schulze erhebt in seiner Studie den Anspruch einer Untersuchung und Messung des allgemeinen (alltagsästhetischen) Lebensstils. Zur Beantwortung der Forschungsfrage dieser Arbeit reicht in den folgenden Kapiteln jedoch die Betrachtung des Freizeitstils (z.B. Freizeitbeschäftigungen, Medienkonsum, Reisegewohnheiten).

Um eine systematische Betrachtung des Lebensstils zu ermöglichen, unterscheidet Schulze drei unterschiedliche „alltagsästhetische Schemata“[11]: Trivial-, Spannungs- und Hochkulturschema. Diese können am anschaulichsten als drei Dimensionen des Lebensstils verstanden werden. In Bezug auf den Freizeitstil lassen sich die drei Stildimensionen am besten durch ihre unterschiedlichen Genussmuster abgrenzen[12]. Für das Trivialschema sind nach Schulze Stilzeichen wie deutsche Schlager, Fernsehquiz und Arztroman typisch. Man genießt die Gemütlichkeit und betont das Ideal der Gruppenharmonie gegenüber der Individualität. Im Spannungsschema hingegen gilt Action als Genuss, Konventionelles oder Althergebrachtes wird abgelehnt. Typische Stilzeichen sind Rockmusik, Thriller und Ausgehen (Kneipen, Discos, Kinos usw.). Im Hochkulturschema schließlich wird die Kontemplation als höchster Genuss empfunden, d.h. ein In-sich-Gehen und Nachsinnen, als „besonders tiefe Ich-Erfahrung“ oder sogar „Ich-Überschreitung“[13]. Typischer Ausdruck hierfür sind klassische Musik, ein Museumsbesuch oder die Lektüre guter bzw. wertvoller Literatur[14].

Der Lebensstil im Allgemeinen und damit auch der Freizeitstil im Speziellen bestimmt sich nach Schulze dann durch die Nähe oder Distanz zu diesen drei Dimensionen (vgl. dazu auch Kapitel 4). Jeder Mensch kreiert sich also seinen persönlichen Lebensstil durch eine spezifische Kombination der drei alltagsästhetischen Schemata. (Ein tabellarischer Überblick der drei alltagsästhetischen Schemata mit erläuternden Beispielen zum Freizeitstil findet sich im Anhang in Tabelle 2).

4 Die Erlebnismilieus

Durch Unsicherheit und Enttäuschung der Menschen – ausgelöst durch den Verlust früherer Gesellschaftsordnungen – kommt es zu einer Suche nach neuen gesellschaftlichen Ordnungsstrukturen. Hierbei helfen die Zeichen. Menschen senden Zeichen – bewusst und unbewusst, freiwillig und unfreiwillig – und deuten die Zeichen anderer. Trotz freier Beziehungswahl werden auf der Suche nach Sicherheit und Bestätigung Kontakte zu Menschen mit ähnlichen Zeichen gewählt. Die so entstehenden Gruppen und Untergruppen verdichten sich zu fünf groben sozialen Milieus bzw. Erlebnismilieus, eine neue „gesamtgesellschaftliche Einfachstruktur“[15] entsteht. Hierunter versteht Schulze „eine Grundeinteilung in wenige, zwar unscharfe und in sich differenzierte, aber doch relativ homogene und deutlich unterscheidbare Großgruppen“[16]. Der Lebensstil bzw. die alltagsästhetischen Schemata spielen dabei gleich in zweifacher Hinsicht eine Rolle[17]. Zum einen bringen sie „durch ihre stilbildende Kraft ähnliche Personen mit höherer Wahrscheinlichkeit zur gegenseitigen Interaktion als unähnliche“[18], zum anderen kommt es aber auch „zum Aufbau von Ähnlichkeiten, insbesondere dann, wenn eine ähnliche Position im Raum der alltagsästhetischen Schemata die Akteure zu einem ähnlichen Umgang mit sozialen Situationen bringt“[19]. Die Schemata müssen hierbei nach Schulze – wie oben bereits erwähnt - jedoch nicht als unvereinbare Gegenpole, sondern als unabhängige Variablen des jeweiligen Milieustils angesehen werden. „Die Menschen behandeln die drei Schemata nicht als Alternativen, sondern als Kombinationsmöglichkeiten, von denen sie auf verschiedene Weise Gebrauch machen, um ihren persönlichen Stil zusammenzubasteln“[20]. Durch diese Sichtweise lassen sich die fünf sozialen Milieus recht anschaulich in einem Venn-Diagramm darstellen, wobei sich die Milieus als Schnittmengen der Schemata ergeben[21] (vgl. Abb. 1).

Im Folgenden werden die fünf sozialen Milieus anhand der Kriterien bzw. Zeichen Alter, Bildung und Stil (d.h. Nähe bzw. Distanz zu den alltagsästhetischen Schemata) kurz erläutert[22]. Die Beschreibungen der Milieus sind als Beschreibungen von Idealtypen oder der Kerne der jeweiligen Milieus zu verstehen, an den Rändern der Milieus kommt es jeweils zu Unschärfen und Überlappungen (vgl. dazu Abb. 2). Eine tabellarische Zusammenfassung dieses Kapitels mit weiteren veranschaulichenden Beispielen typischer Milieuvertreter sowie typischer Freizeitbeschäftigungen und Mediennutzungsformen findet sich im Anhang in Tabelle 4.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Alltagsästhetische Schemata und soziale Milieus (Quelle: nach Hartmann, 1999, S. 117)

Im Unterhaltungsmilieu [1] finden sich v.a. jüngere Personen (bis ca. 40 Jahre) mit geringer bis mittlerer Bildung. Der Stil ist definiert sich v.a. durch die starke Affinität zum Spannungsschema und die deutliche Distanz zum Hochkulturschema. In der Freizeit strebt man nach ständiger Stimulation (Spielhöllen, Diskos, Auto/Motorrad fahren, Boulevardblätter, Actionfilme, Daily Soaps,...). Die Mitglieder des Selbstverwirklichungsmilieus [2] gehören derselben Alterklasse an, zeichnen sich jedoch durch eine mittlere bis hohe Bildung aus. Das Trivialschema wird hier klar abgelehnt, der Freizeitstil wird bestimmt durch eine Mischung aus Hochkultur- und Spannungsschema (Rock-/Jazzkonzerte, Kneipen, Kabarett, Filmkunst, Selbsterfahrung,...). Der Alltag ist – wie der Name des Milieus schon sagt – durch ein Streben nach Selbstverwirklichung in Beruf und Freizeit gekennzeichnet.

Die drei übrigen Milieus zeichnen sich alle durch ein fortgeschritteneres Lebensalter aus (über 40 Jahre), unterscheiden sich jedoch bezüglich Bildung und Stil deutlich. Im Harmoniemilieu [3] finden sich demnach gering gebildete Personen, die ausschließlich und deutlich dem Trivialschema nahe stehen. Spannungs- und Hochkulturschema werden ebenso deutlich abgelehnt. Man strebt v.a. nach Geborgenheit in der Familie und im Eigenheim, was sich auch in den Freizeitbeschäftigungen niederschlägt (zu Hause bleiben, Auto pflegen, Kochen, Saubermachen, Fernsehen, Volksmusik,...). Das Integrationsmilieu [4] verdankt seinen Namen einem Doppelsinn. Integrativ ist nicht nur die Position des Milieus zwischen Harmonie- und Niveaumilieu, sondern auch das Lebensmotto und der Stil der Mitglieder: man strebt nach Konformität und ist keinem der alltagsästhetischen Schemata besonders deutlich zu- oder abgewandt. Eine gewisse Nähe zum Trivial- und Hochkulturschema sowie eine gewisse Distanz zum Spannungsschema ist jedoch auch hier wiederum im Freizeitverhalten feststellbar (Beschäftigung im/mit Eigenheim, Garten, Kirche, Vereine, Kochen, Saubermachen, Theater, Ausstellungen, klassische Konzerte,...). Angehörige des Niveaumilieus [5] schließlich zeichnen sich im Allgemeinen durch eine hohe Bildung und ihre deutliche Distanz zu Trivial- und Spannungsschema aus. Der Freizeitstil wird praktisch nur durch das Hochkulturschema ausgestaltet (Konzert, Theater, Oper, Museum, Ausstellungen, Teure Restaurants mit gehobener Atmosphäre, Tennis- und Golfclubs,...).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die fünf sozialen Milieus mit Berücksichtigung von Unschärfen[23] (Quelle: nach Schulze, 1992, S. 279)

Zur Veranschaulichung der unterschiedlichen Lebensstile in den Milieus findet sich als Abbildung 9 im Anhang eine Zusammenfassung der Milieus anhand ihrer Vorstellungen von einem „schönen Leben“.

[...]


[1] Im Folgenden nach Vester (1988)

[2] Schulze (1992), S. 13-70

[3] Schulze (1992), S. 54ff

[4] Schulze (1992), S. 33

[5] Schulze (1992), S. 67: „eine Grundtendenz individuellen Handelns, die sich in vielen Situationen über die Jahre hinweg wiederholt, inhaltlich bestimmbar als Auffassung über den Sinn des Lebens“

[6] Schulze (2000)

[7] vgl. Schulze (1992), S. 60ff

[8] Schulze (1992), S. 64

[9] Schulze (1992), S. 174

[10] Schulze (1990), S. 415

[11] Schulze (1992), S. 125ff

[12] Auf die Erläuterung der zwei weiteren Abgrenzungskriterien Distinktion und Lebensphilosophie wurde aus Platzgründen verzichtet. Vgl. dazu Schulze S. 105ff

[13] Schulze (1992), S. 145

[14] für eine detailliertere Beschreibung der drei Schemata vgl. Schulze (1992), S. 142ff

[15] Schulze (1992), S. 211

[16] Schulze (1992), S. 211

[17] vgl. Hartmann (1999), S. 116ff

[18] Hartmann (1999), S. 116

[19] Hartmann (1999), S. 116

[20] Schulze (1992), S. 157

[21] Schulze postuliert lediglich die Existenz von fünf der acht theoretisch möglichen Milieus. Die mit [6], [7] und [8] bezeichneten Milieus werden aber teilweise in empirischen Rekonstruktionen aufgegriffen. Vgl dazu Kap. 3.2

[22] für eine detailliertere Beschreibung vgl. Schulze (1992), S. 277ff

[23] vgl. Schulze (1992), S. 213ff, S. 382ff

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Das Freizeitsystem der BRD am Beispiel von Gerhard Schulzes Erlebnisgesellschaft
Hochschule
Universität Hohenheim  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Die Sozialstruktur der Bundesrepublik Deutschland
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
40
Katalognummer
V18553
ISBN (eBook)
9783638228770
ISBN (Buch)
9783638739627
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zuzüglich 2-seitigem Handout
Schlagworte
Freizeitsystem, Beispiel, Gerhard, Schulzes, Erlebnisgesellschaft, Sozialstruktur, Bundesrepublik, Deutschland
Arbeit zitieren
Jan Kercher (Autor), 2003, Das Freizeitsystem der BRD am Beispiel von Gerhard Schulzes Erlebnisgesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18553

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