Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit der Problematik, daß gleiche wirtschaftliche Sachverhalte bei den verschiedenen Unternehmensrechtsformen steuerlich unterschiedlich behandelt werden. Die dadurch voneinander abweichende Steuerbelastung führt zu einer extremen Abhängigkeit der Besteuerung von der Rechtsform eines Unternehmens. Daher soll die Frage geklärt werden, welche Rechtsform in bestimmten wirtschaftlichen Situationen aus ertrag- steuerlicher Sicht die günstigste ist.
Hierfür werden zunächst die Besteuerungsmethoden und die Einflußfaktoren der Steuerbelastungsdifferenzen näher beleuchtet. Um diese Belastungsdifferenzen zu quantifizieren, wird dann eine einperiodige Veranlagungssimulation mit Hilfe des Tabellenkalkulationsprogrammes Excel 97 entwickelt. Hierdurch wird es ermöglicht, bei verschiedenen wirtschaftlichen Situationen allgemeingültige Vorteilhaftigkeiten der Rechtsformen zu erarbeiten. Diese können dann als erste Orientierung bei der Beratung von Mandanten verwendet werden, wobei durch das Kalkulationsprogramm für den konkreten Einzelfall eigene Berechnungen durchgeführt werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkungen
1.1. Ertragsbesteuerung als Entscheidungskriterium bei der Rechtsformwahl
1.2. Zielsetzung und Aufbau der Untersuchung
2. Grundlagen der Ertragsbesteuerung von Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften
2.1. Kapitalgesellschaften
2.1.1. Ertragsteuerliche Grundsätze der Besteuerung
2.1.2. Ertragsteuern auf der Ebene der Gesellschaft
2.1.3 Ertragsteuern auf der Ebene der Gesellschafter
2.2. Personenunternehmen
2.2.1. Ertragsteuerliche Grundsätze der Besteuerung
2.2.2 Ertragsteuern auf der Ebene der Gesellschaft
2.2.3. Ertragsteuern auf der Ebene der Gesellschafter
3. Ursachen und Einflußfaktoren der rechtsformabhängigen Belastungsdifferenzen
3.1. Rechtliche Strukturmerkmale der Unternehmensformen
3.2. Unterschiede bei der Gewerbesteuer
3.2.1. Steuerpflicht
3.2.2. Höhe des steuerpflichtigen Ertrages
3.2.3 Freibetrag und Staffelung der Steuermeßzahl
3.3. Unterschiede bei der Einkommen- und Körperschaftsteuer
3.3.1 Pauschaler und definitiver Körperschaftsteuerabzug bei Gewinnthesaurierung gegenüber Einkommensbesteuerung bei Personenunternehmern
3.3.2 Halbeinkünfteverfahren bei Gewinnausschüttung gegenüber Einkommensbesteuerung bei Personenunternehmern
3.3.3. Frei- und Pauschbeträge im Zusammenhang mit den Einkunftsarten
3.3.4. Abzugsfähigkeit der Gewerbesteuer von der Einkommensteuer
3.4. Wirkung der Wechselbeziehungen zwischen den Steuerarten
4. Erarbeitung einer Beratungsgrundlage zur Wahl der Unternehmensrechtsform
4.1 Darstellung der entwickelten Veranlagungssimulation und der Kalkulationsprogramme
4.1.1. Entscheidungsgrundlagen für die Wahl des Verfahrens zur Durchführung eines Steuerbelastungsvergleiches
4.1.2. Herstellung vergleichbarer Daten
4.1.3. Aufbau der rechtsformvergleichenden Veranlagungssimulation
4.1.4. Variation verschiedener Ausgangsgrößen mit Hilfe von Kalkulationsprogrammen
4.2. Erarbeitung von allgemeingültigen Aussagen über die Vorteilhaftigkeiten der Rechtsformen
4.2.1. Grunddaten der Untersuchung
4.2.2. Vergleich bei variierendem Ausschüttungsverhalten ohne die Einbeziehung schuldrechtlicher Verträge
4.2.3. Einfluß von schuldrechtlichen Verträgen
5. Zusammenfassende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist die Erarbeitung einer fundierten Beratungsgrundlage zur Wahl der steuerlich günstigsten Unternehmensrechtsform für mittelständische Unternehmen unter Berücksichtigung der Unternehmenssteuerreform. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung eines Simulationsmodells zur Quantifizierung von Belastungsdifferenzen.
- Analyse der rechtsformabhängigen Ertragsbesteuerung
- Vergleich zwischen Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften
- Entwicklung einer rechnergestützten Veranlagungssimulation
- Einfluss von Gewinnverwendung und schuldrechtlichen Verträgen
Auszug aus dem Buch
1.1. Ertragsbesteuerung als Entscheidungskriterium bei der Rechtsformwahl
Stehen eine oder mehrere Personen vor der Entscheidung, ein neues Unternehmen zu gründen oder ein bereits bestehendes umzuwandeln, so stellt sich ihnen die Frage nach der geeigneten Rechtsform. Grundsätzlich steht es dabei allen Unternehmern frei, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten diejenige Rechtsform zu wählen, die auf die spezifischen Besonderheiten des Unternehmens am besten paßt. Die zur Auswahl stehenden Grundtypen sind in der folgenden Übersicht dargestellt:
Die Wahlmöglichkeit zwischen den bestehenden Rechtsformen wird nur in Ausnahmefällen beeinträchtigt. Zum einen gibt es Begrenzungen im Hinblick auf die Anzahl der beteiligten Personen. Ein einzelner Unternehmer kann z.B. nur die Rechtsform des Einzelunternehmens als Personenunternehmen wählen oder eine Ein-Personen-GmbH bzw. Ein-Personen-AG gründen. Die Wahl einer Personengesellschaft bleibt ihm verwährt, da deren Gründung mindestens zwei Gesellschafter voraussetzt. Eine weitere Einschränkung ergibt sich bei Personengesellschaften aus Art und Umfang der Geschäftsstätigkeit. Betreibt die Gesellschaft ein Gewerbe, dessen Geschäftsumfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, kann nur eine OHG oder KG gegründet werden. Handelt es sich bei der Tätigkeit der Gesellschaft wegen ihres geringen Geschäftsvolumens nicht um ein Handelsgewerbe, liegt eine GbR vor. Einem Zusammenschluß von freiberuflich tätigen Unternehmern verbleibt grundsätzlich nur die Möglichkeit zur Bildung einer GbR oder einer Partnerschaftsgesellschaft. Dagegen kann eine GmbH oder AG zu jedem gesetzlich zugelassenen Zweck gegründet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkungen: Einführung in die Problematik der Rechtsformwahl und Festlegung der Zielsetzung der Untersuchung.
2. Grundlagen der Ertragsbesteuerung von Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften: Darstellung der steuerlichen Rahmenbedingungen für die beiden Rechtsformtypen auf Gesellschafts- und Gesellschafterebene.
3. Ursachen und Einflußfaktoren der rechtsformabhängigen Belastungsdifferenzen: Untersuchung der Faktoren, die zu unterschiedlichen Steuerbelastungen führen, inklusive Gewerbe-, Einkommen- und Körperschaftsteuer.
4. Erarbeitung einer Beratungsgrundlage zur Wahl der Unternehmensrechtsform: Vorstellung des entwickelten Simulationsmodells sowie Analyse der Vorteilhaftigkeit verschiedener Rechtsformen bei variierenden Bedingungen.
5. Zusammenfassende Betrachtung: Zusammenführung der Ergebnisse und Ableitung von Empfehlungen für die steuerliche Beratungspraxis.
Schlüsselwörter
Unternehmensrechtsform, Ertragsbesteuerung, Unternehmenssteuerreform, Personenunternehmen, Kapitalgesellschaft, Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Veranlagungssimulation, Thesaurierung, Ausschüttung, Halbeinkünfteverfahren, Steuerbelastungsvergleich, Rechtsformwahl, Beratungsinstrument.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der steuerlich optimalen Wahl einer Unternehmensrechtsform nach der Unternehmenssteuerreform, wobei sie ein Beratungsinstrument auf Basis einer Veranlagungssimulation entwickelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Vergleich zwischen Personenunternehmen und Kapitalgesellschaften, die Auswirkungen der Ertragsbesteuerung sowie die Modellierung von Steuerbelastungsdifferenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Schaffung einer Beratungsgrundlage, die es ermöglicht, für einen konkreten Einzelfall die steuerlich günstigste Rechtsform zu ermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine einperiodige Veranlagungssimulation mittels eines Tabellenkalkulationsprogramms (Excel 97) durchgeführt, ergänzt durch einen theoretischen Normenvergleich.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtlichen Grundlagen der Besteuerung, die Ursachen für Belastungsdifferenzen und präsentiert das entwickelte Simulationsmodell sowie die Auswirkungen variabler Faktoren wie Gewinn und Ausschüttung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf Themen wie Rechtsformwahl, Steuerbelastungsvergleich, Thesaurierung, Ausschüttungspolitik und die Unternehmenssteuerreform.
Wie wirkt sich die Thesaurierung auf die Steuerlast bei der GmbH aus?
Die Thesaurierung ist bei Kapitalgesellschaften steuerlich vorteilhaft, da die Steuerbelastung auf Ebene der Gesellschaft konstant bleibt und keine zusätzliche Belastung beim Gesellschafter erfolgt.
Welche Rolle spielt die Kirchensteuer bei der Rechtsformwahl?
Die Kirchensteuerpflicht erhöht die Gesamtsteuerbelastung stärker bei Personenunternehmen, da sie den gesamten Gewinn erfasst, während sie bei Kapitalgesellschaften nur auf einen Teil der Erträge wirkt.
- Quote paper
- Andreas Meyer (Author), 2001, Die Ertragsbesteuerung nach der Unternehmenssteuerreform. Erarbeitung eines Beratungsinstrumentes zur Wahl der Unternehmensrechtsform, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185705