Aufgrund der enthusiastischen Erwartungen, die an das Internet und die „New Economy“ geknüpft waren, wurde das baldige Ende traditioneller Geschäftsmodelle prophezeit. Inzwischen zeichnet sich ein eher gespaltenes Bild ab. Einerseits werden die technische Voraussetzungen zur Automatisierung und Realisierung immer komplexerer Transaktionen über das Netz geschaffen. Andererseits stehen zahlreiche Kunden der elektronischen Geschäftsabwicklung zunehmend skeptisch gegenüber. Zwar steigt die Zahl der Internet-Zugänge nach wie vor stark an, doch rückläufige eCommerce-Umsätze in den USA zeigen, dass immer weniger Kunden auch sofort im Netz handeln wollen.
Die Gründe für diese Entwicklung sind ebenso vielfältig wie komplex. Zu den wichtigsten Faktoren zählen jedoch Sicherheitsbedenken gegenüber dem Übertragungsmedium Internet und Unsicherheit in Bezug auf den Umgang mit Personendaten. Besonders wenig Vertrauen haben Kunden dabei in reine Web-Anbieter. Lange Ladezeiten oder mangelnde Verfügbarkeit reichen bereits aus, um sich gegen ein Online-Angebot zu entscheiden. Dies gilt besonders dann, wenn eine komplizierte Bedienung oder zu lange Lieferzeiten von Produkten den Kunden frustrieren. Solche Faktoren bewerten letztlich die Qualität eines Internet-Angebots und der Web Site als der Plattform für den elektronischen Geschäftsverkehr. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach einer systematischen Evaluierung und Sicherung der Qualität von Web Sites an Bedeutung.
Das vielleicht wichtigste Instrument zur Qualitätssicherung ist der systematische Test der Web Site. Im Rahmen der Diskussion um eine strukturierte Entwicklung von Web Sites wird der Test-Aspekt daher neuerdings verstärkt beachtet. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Notwendigkeiten und spezifischen Probleme eines Tests von Web Sites aufzuzeigen und den Stand der aktuellen Diskussion zu untersuchen. Darüber hinaus sollen die bislang diskutierten Testmethoden vorgestellt und ein Ansatz zur Systematisierung versucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Gegenstand, Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen und Abgrenzung zentraler Begriffe
2.1 Web Site
2.1.1 Allgemeine Definitionen und Modelle
2.1.2 Eine Arbeitsdefinition
2.1.3 Besonderheiten gegenüber traditioneller Software
2.2 Software-Qualität und Software-Test
2.2.1 Qualität und Qualitätssicherung
2.2.2 Grundsätzliches zum Test von Software
2.2.3 Testarten und Testmethoden
2.2.4 Testphasen und Testobjekte
3 Test von Web Sites: Eine Bestandsaufnahme
3.1 Träger und Schwerpunkte der Diskussion
3.1.1 Allgemeine Quellenlage
3.1.2 Schwerpunkte der Untersuchung
3.2 Notwendigkeit eines Tests von Web Sites
3.3 Qualität und Qualitätskriterien von Web Sites
3.4 Konzepte und Vorgehensmodelle
3.5 Testbereiche einer Web Site
4 Wichtige Methoden zum Test von Web Sites
4.1 Zur Systematisierung der Methoden
4.2 Design und Kompatibilität
4.2.1 Risikorelevanz und Abgrenzung
4.2.2 Testobjekte und Fragestellungen
4.2.3 Vorgehen beim Design- und Kompatibilitätstest
4.3 Funktionalität
4.3.1 Risikorelevanz und Abgrenzung
4.3.2 Testobjekte und Fragestellungen
4.3.3 Vorgehen beim Funktionstest
4.4 Zuverlässigkeit (Reliablity)
4.4.1 Risikorelevanz und Abgrenzung
4.4.2 Testobjekte und Fragestellungen
4.5 Systemleistung: Performance, Kapazität und Belastung
4.5.1 Risikorelevanz und Abgrenzung
4.5.2 Testobjekte und Fragestellungen
4.5.3 Vorgehen beim Leistungstest
4.6 Sicherheit
4.6.1 Risikorelevanz und Abgrenzung
4.6.2 Testobjekte und Fragestellungen
4.6.3 Vorgehen beim Sicherheits-Test
4.7 Integration
4.8 Benutzbarkeit (Usability)
4.8.1 Risikorelevanz und Abgrenzung
4.8.2 Testobjekte und Fragestellungen
4.8.3 Vorgehen beim Usability-Test
4.9 Regressionstests und Monitoring
4.10 Automatisierung von Tests
5 Ein Ansatz zur Systematisierung des Tests von Web Sites
5.1 Strategische und taktische Testdimensionen
5.2 Erweiterung der Testperspektive
5.2.1 Inhaltliche Testaspekte
5.2.2 Organisatorische und prozessorientierte Testaspekte
5.3 Rahmenbedingungen von Testprozessen
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Notwendigkeit sowie die spezifischen Problemfelder beim Testen von Web Sites systematisch aufzuzeigen. Dabei wird der Stand der aktuellen Diskussion analysiert, existierende Testmethoden werden vorgestellt und ein neuer Ansatz zur Systematisierung dieser Testprozesse erarbeitet.
- Grundlagen zur Abgrenzung des Testobjekts "Web Site"
- Analyse der Qualität und Qualitätskriterien für Webauftritte
- Systematische Untersuchung wichtiger Testmethoden (Funktionalität, Sicherheit, Performance, Usability)
- Diskussion von Prozessmodellen und Strategien für einen systematischen Testansatz
- Automatisierung von Tests und deren Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Grundsätzliches zum Test von Software
Testen ist der „Prozess des Planens, der Vorbereitung und der Messung, mit dem Ziel, die Eigenschaften eines IT-Systems festzustellen und den Unterschied zwischen dem tatsächlichen und dem erforderlichen Zustand aufzuzeigen." Der „erforderliche Zustand“ ergibt sich aus der funktionalen Spezifikation und den Leistungsanforderungen. Ziele des Testprozesses sind die Verbesserung der Qualität, die Steigerung der Anwenderzufriedenheit und die Senkung von Wartungskosten. Treibende Kraft ebenso wie begrenzender Faktor sind dabei wirtschaftliche Überlegungen. Testen ist kein Selbstzweck, sondern dient der Verminderung von wirtschaftlichen Risiken.
Ein Softwarefehler oder -defekt ist eine Abweichung entweder von den Produkt-Spezifikationen oder von den Kundenerwartungen. Abweichung bedeutet entweder die Implementierung eines falschen Elements (wrong), das Fehlen eines benötigten Elements (missing) oder der Einbau eines überflüssigen Elements (extra). Ein Defekt, der einen Anwender beeinträchtigt, wird auch als Versagen (failure) bezeichnet. Defekte müssen nicht zwangsläufig zu einem Versagen führen, umgekehrt kann ein einzelner Defekt millionenfaches Versagen hervorrufen. Risikorelevant sind letztlich nur die Defekte, die ein Versagen auslösen.
Dem systematischen Test von Software liegt die Hypothese zugrunde, dass ein Software-Produkt niemals fehlerfrei ist. Testen ist ein destruktiver Prozess zur Aufdeckung dieser Fehler, erfolgreich ist demnach der Testlauf, der Fehler findet. Ein Programm kann niemals vollständig getestet und Fehlerfreiheit somit niemals nachgewiesen werden. Die Testprozesse können nur möglichst hart gestaltet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Gegenstand, Ziel und Aufbau der Arbeit: Einführung in die Relevanz des Testens von Web Sites aufgrund von hohen Qualitätsanforderungen der Nutzer und Definition des Arbeitsziels.
2 Grundlagen und Abgrenzung zentraler Begriffe: Abgrenzung der Web Site als komplexes Anwendungssystem sowie Erläuterung der Software-Qualitätskriterien und der Prinzipien der analytischen Qualitätssicherung.
3 Test von Web Sites: Eine Bestandsaufnahme: Analyse der aktuellen Diskussion, der Quellenlage und der Notwendigkeit eines systematischen Tests vor dem Hintergrund geringer Fehlertoleranz der Internet-Nutzer.
4 Wichtige Methoden zum Test von Web Sites: Detaillierte Darstellung der einzelnen Testbereiche wie Design, Funktionalität, Zuverlässigkeit, Sicherheit, Performance und Usability inklusive ihrer spezifischen Vorgehensweisen.
5 Ein Ansatz zur Systematisierung des Tests von Web Sites: Entwicklung eines systematischen Modells unter Einbeziehung strategischer und taktischer Dimensionen sowie Erweiterung der Testperspektive um inhaltliche und organisatorische Aspekte.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee über die Defizite in der aktuellen Testpraxis und Ausblick auf die Notwendigkeit einer stärkeren Integration von Nutzer- und Prozessperspektiven.
Schlüsselwörter
Web Site Engineering, Software-Test, Qualitätssicherung, Usability-Test, Performance-Test, Sicherheit, Funktionalität, Testmethoden, Teststrategie, Anforderungsermittlung, Systemintegration, E-Business, Regressionstests, Fehlertoleranz, Monitoring.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die systematische Qualitätssicherung von Web Sites und analysiert, warum und wie Web-Anwendungen getestet werden sollten, um den hohen Anforderungen kommerzieller Nutzer gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definition des Testobjekts Web Site, die Identifikation relevanter Qualitätskriterien, Methoden für spezielle Testbereiche wie Usability und Sicherheit sowie Ansätze zur Prozessoptimierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Notwendigkeiten eines Web-Tests aufzuzeigen, den Stand der wissenschaftlichen und praktischen Diskussion zu untersuchen und einen Ansatz zur Systematisierung dieser Prozesse zu entwickeln.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Konzepte und kombiniert diese mit betriebswirtschaftlichen und informatikorientierten Qualitätsmodellen, um eine strategische Test-Matrix zu erstellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Testdiskussion, die detaillierte Vorstellung spezifischer Testmethoden (z. B. Lasttests, Usability, Sicherheits-Checks) und einen konzeptionellen Entwurf zur Systematisierung des Web-Tests.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Web Engineering, Software-Qualität, Risikorelevanz, Benutzerorientierung, Testobjekte und der gesamte Lebenszyklus einer Web-Anwendung.
Wie unterscheidet sich der Test von Web Sites von traditionellen Softwaretests?
Web Sites weisen eine höhere Komplexität, einen unbekannten Nutzerkreis und kürzere Entwicklungszyklen auf; zudem ist die Fehlertoleranz der Kunden im Netz deutlich geringer, was eine stärker nutzer- und prozessorientierte Teststrategie erfordert.
Warum ist Usability für Web Sites so entscheidend?
Da Internet-Nutzer bei Schwierigkeiten die Konkurrenz ohne Wechselkosten sofort ansteuern können, ist die subjektiv wahrgenommene Qualität ein kritischer Erfolgsfaktor, der über den wirtschaftlichen Erfolg entscheidet.
Welche Rolle spielt die Automatisierung beim Testen von Web Sites?
Automatisierung ist aufgrund des hohen Volumens an Testfällen und der Notwendigkeit für kontinuierliche Regressionstests unerlässlich, erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und hohe Investitionen in Tools und Schulung.
Wie wirkt sich die "Instant-Mentalität" der Kunden auf den Test aus?
Die Anforderung an Performance und Geschwindigkeit erfordert, dass neben funktionalen Tests auch Performance- und Kapazitätstests zur Sicherstellung der Systemstabilität unter Spitzenbelastungen einen hohen Stellenwert einnehmen.
- Arbeit zitieren
- Ellen Pfeiffer (Autor:in), 2001, Test von Web Sites. Problemstellung, Stand, Entwicklungstendenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185715