Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob Stakeholding als unternehmenspolitische Konzeption notwendig ist, um das Überleben eines Unternehmens zu sichern, oder ob es als sozialromantische "Verirrung" eingestuft werden muss. Dazu werden Shareholder Value-Ansatz und Stakeholder-Ansatz als zwei idealtypische unternehmenspolitische Konzepte gegenübergestellt, um aus den Mängeln der Shareholder Value-Denkweise potentielle Notwendigkeiten des Stakeholder-Konzepts herzuleiten. Diese Notwendigkeit wird sodann durch theoretische Überlegungen (Institutionentheorie, Systemtheorie und Unternehmensethik) und deren Gültigkeit im Lichte empirischer Forschung weiter fundiert. Hierbei kann unter Bezugsnahme auf die aktuelle Corporate-Governance-Debatte, Tendenzen der Kapitalmarktentwicklung sowie durch Auswertung der DAX-100 Geschäftsberichte gezeigt werden, dass der Stakeholder-Ansatz auch in der unternehmerischen Praxis mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.
Inhaltsverzeichnis
A. GEGENSTAND UND AUFBAU DER UNTERSUCHUNG
B. GRUNDLAGEN DER UNTERNEHMENSPOLITIK
I. GEGENSTAND VON UNTERNEHMEN
1. Begriff und Wesen der Unternehmung
2. Unternehmensziele
a) Umweltabhängigkeit
b) Priotitätenverschiebung im Lebenszyklus
II. ANSÄTZE DER UNTERNEHMENSPOLITIK
1. Stakeholder-Ansatz
a) Grundlagen des Stakeholder-Ansatzes
aa) Ausformungen und Ziele
bb) Umsetzung
b) Kritik des Stakeholder-Ansatzes
2. Shareholder Value-Orientierung
a) Grundlagen des Shareholder Value-Prinzips
aa) Ziel
bb) Umsetzung
b) Kritik des Shareholder Value-Ansatzes
C. REVISIONSBEDARF UNTERNEHMERISCHEN DENKENS UND HANDELNS
I. NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN ALS NEUE GESTALTUNGSANFORDERUNG
1. Unsichtbarkeit der ‘Invisible Hand’
2. Zunehmende Gesellschaftliche Komplexität
II. STAKEHOLDER-ANSATZ VERSUS SHAREHOLDER VALUE-ORIENTIERUNG
D. THEORETISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE DES STAKEHOLDING
I. KOGNITIVE ANSÄTZE
1. Institutionentheorie
a) Beschreibung der Theorie
aa) Begriff, Entstehung und Entwicklung von Institutionen
bb) Stabilität von Institutionen
b) Implikationen für die Unternehmung
2. Systemtheorie
a) Funktional-strukturelle Systemtheorie
aa) Systembegriff
bb) Komplexitätsreduktion als Herausforderung
cc) Implikationen für die Unternehmung
b) Evolutionstheorie
aa) Beschreibung der Theorie
bb) Implikationen für die Unternehmung
c) Ökologische Theorie
3. Zusammenfassung
II. NORMATIVE ANSÄTZE AM BEISPIEL DER UNTERNEHMENSETHIK
1. Die Sinnfrage
2. Die Legitimationsfrage
a) Teleologischer Ansatz
b) Deontologischer Ansatz
3. Zusammenfassung
E. STAKEHOLDER-ORIENTIERUNG IN DER PRAXIS
I. EMPIRISCHE GRÜNDE FÜR STAKEHOLDER-ORIENTIERUNG
1. Effizienz des Stakeholder-Ansatzes
a) Stakeholder Management
b) Social Issue Management
c) Corporate Social Performance
2. Sustainability als Anspruch moderner Corporate Governance
a) Stand der aktuellen Diskussion
b) Kapitalmarktperspektive
II. BEDEUTUNG VON STAKEHOLDING IN DEUTSCHEN GROßUNTERNEHMEN
1. Analyse der DAX100-Geschäftsberichte
2. Ergebnis
a) Stellenwert von Stakeholdern
b) Gesellschaftliche Verantwortung
c) Zusammenfassung
F. PERSPEKTIVEN NACHHALTIGEN WIRTSCHAFTENS
I. GRÜNDE FÜR EINE STAKEHOLDER-ORIENTIERUNG
II. UNTERNEHMERISCHE VERANTWORTUNG GESELLSCHAFTLICHER VERANTWORTUNG
III. VEREINBARKEIT VON SHAREHOLDER VALUE UND STAKEHOLDING
IV. ZUSAMMENFASSUNG
G. AUSBLICK
Zielsetzung und Themen
Diese Diplomarbeit untersucht die Eignung unternehmenspolitischer Konzepte, insbesondere den Stakeholder-Ansatz im Vergleich zur Shareholder Value-Orientierung, um Unternehmen in einem Umfeld zunehmender Komplexität langfristig überlebensfähig zu machen und den Anforderungen an ein nachhaltiges Wirtschaften gerecht zu werden.
- Kritische Analyse des Stakeholder-Ansatzes aus Unternehmenssicht.
- Theoretische Fundierung durch Institutionen- und Systemtheorie.
- Empirische Untersuchung der Stakeholder-Orientierung in deutschen DAX100-Unternehmen.
- Gegenüberstellung von Shareholder Value und Stakeholder-Ansatz als Leitbilder der Unternehmensführung.
- Diskussion über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im Kontext nachhaltigen Wirtschaftens.
Auszug aus dem Buch
D. THEORETISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE DES STAKEHOLDING
Im Rahmen dieses Kapitels wird auf die theoretische Fundierung des Stakeholder-Ansatzes eingegangen. Wie bereits aufgezeigt wurde, kann er grundsätzlich kognitiv (‘instrumentelle Ansätze’) oder normativ begründet werden. Ein den Stakeholder-Ansatz zum normativen Prinzip erhebendes Verständnis basiert auf der Prämisse, dieser sei ‘gut’. Aus kognitiver Perspektive hingegen wird die Berücksichtigung von Anspruchsgruppen als kausal für das Erreichen angestrebter Ziele erachtet.
Die Notwendigkeit einer Stakeholder-Orientierung wurde in der Forschung erstmals Ende der 1920er Jahre im Rahmen der Hawthorne-Studien herausgestellt. Sie führten zu der Erkenntnis, daß auch psychosoziale Zusammenhänge von Arbeitsprozessen einen wesentlichen Einfluß auf die Produktivität eines Unternehmens haben. Entgegen der in TAYLORs Scientific Management, WEBERs Bürokratiemodell und FAYOLs Administrationslehre verkörperten klassischen Vorstellung eines rein auf die Vermittlung zwischen Zweck und Mitteln abstellbaren ‘Apparates’ wurde die Unternehmung von nun an als soziales System verstanden, in welchem es nicht mehr allein Eigentümerinteressen, sondern auch die Interessen der (Mit!)arbeiter zu berücksichtigen gelte.
Damit war der Grundstein für die Human-Relations-Bewegung gelegt. Auf die ihr entspringenden verhaltenswissenschaftlichen Ansätze, die bereits eine Stakeholder-Orientierung in Hinsicht auf die Mitarbeiter zu erklären vermögen, soll hier nicht im Detail eingegangen werden. Die nachfolgende Betrachtung beschränkt sich vielmehr auf Ansätze, die hinsichtlich eventuell zu berücksichtigender Stakeholder einen über Programm- und Personalprobleme hinausgehenden Horizont aufweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. GEGENSTAND UND AUFBAU DER UNTERSUCHUNG: Einführung in die Problematik des Abwägens zwischen Shareholder- und Stakeholder-Orientierung und Festlegung des Ziels, die Eignung dieser Konzepte für ein langfristiges Überleben kritisch zu analysieren.
B. GRUNDLAGEN DER UNTERNEHMENSPOLITIK: Erläuterung der Grundbegriffe des Unternehmenswesens, der Zielsetzungen im Lebenszyklus sowie Einführung in die konträren Konzepte des Stakeholder-Ansatzes und der Shareholder Value-Orientierung.
C. REVISIONSBEDARF UNTERNEHMERISCHEN DENKENS UND HANDELNS: Diskussion der Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften als Antwort auf gesellschaftliche Komplexität und die Grenzen klassischer Marktmechanismen.
D. THEORETISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE DES STAKEHOLDING: Fundierung des Stakeholder-Ansatzes durch institutionentheoretische und systemtheoretische Modelle, wobei die Notwendigkeit zur Umweltanpassung hervorgehoben wird.
E. STAKEHOLDER-ORIENTIERUNG IN DER PRAXIS: Analyse der empirischen Wirksamkeit des Stakeholder-Ansatzes sowie explorative Untersuchung der DAX100-Geschäftsberichte hinsichtlich deren gelebter Stakeholder-Orientierung.
F. PERSPEKTIVEN NACHHALTIGEN WIRTSCHAFTENS: Synthese der Ergebnisse: Plädoyer für eine komplementäre Nutzung von Shareholder Value und Stakeholder-Ansatz zur Sicherung des langfristigen Bestands.
G. AUSBLICK: Aufzeigen von weiterem Forschungsbedarf hinsichtlich branchenspezifischer Kriterien für Stakeholder-Management und einer Überprüfung der Effizienzthesen auf breiterer Basis.
Schlüsselwörter
Stakeholder-Ansatz, Shareholder Value, Nachhaltigkeit, Corporate Governance, Unternehmensethik, Systemtheorie, Institutionentheorie, Unternehmensziele, Gesellschaftliche Verantwortung, Gewinnmaximierung, Strategisches Management, DAX100, Kapitalmarkt, Langfristiges Überleben, Stakeholder Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Unternehmen in einem komplexen Umfeld langfristig überleben können und ob der Stakeholder-Ansatz eine sinnvollere Orientierung als der klassische Shareholder Value-Ansatz bietet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf Unternehmenspolitik, Managementtheorien, Nachhaltigkeit, Unternehmensethik und der praktischen Umsetzung dieser Konzepte in deutschen Großunternehmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Analyse, ob und wie der Stakeholder-Ansatz Unternehmen dabei unterstützt, durch Anpassung an komplexe Umwelten ihre langfristige Existenz zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Fundierung durch Institutionen- und Systemtheorie sowie eine explorative, empirische Analyse der Geschäftsberichte von DAX100-Unternehmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erklärungsansätze (kognitiv/normativ), die Diskussion über nachhaltiges Wirtschaften und eine detaillierte Auswertung der Praxisrelevanz von Stakeholder-Konzepten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Stakeholder-Orientierung, Shareholder Value, Nachhaltigkeit, Unternehmensethik, Systemtheorie, Institutionentheorie und Corporate Governance sind die zentralen Begriffe.
Warum wird der Shareholder Value-Ansatz in der Arbeit kritisiert?
Er wird vor allem wegen seiner Tendenz zur kurzfristigen Gewinnmaximierung und der Vernachlässigung komplexer Umweltbedingungen kritisiert, was langfristige Ertragschancen gefährden könne.
Welche Rolle spielt die DAX100-Analyse für die Schlussfolgerung des Autors?
Die Analyse zeigt, dass deutsche Großunternehmen den Stakeholder-Ansatz zwar praktisch verfolgen, aber primär zur Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit und nicht unbedingt als rein altruistischen Akt.
Ist der Stakeholder-Ansatz aus Sicht des Autors eine "Sozialromantik"?
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Stakeholder-Ansatz ein realitätsbezogenes Instrument ist, um auf wachsende Komplexität und gesellschaftliche Anforderungen zu reagieren.
- Arbeit zitieren
- Christian Nübling (Autor:in), 2002, Stakeholding - falsifizierte Sozialromantik oder kategorischer Imperativ nachhaltigen Wirtschaftens?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185737