„Die Musikwirtschaft hat ein brennendes Problem.“
Gerd Gebhardt, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft und der deutschen Landesgruppe der IFPI e.V.
Im vergangenen Jahr verzeichnete die Tonträgerindustrie erneut massive Umsatzrückgänge. Zentrale Ursache für diese negative Marktentwicklung ist ein dramatischer Anstieg des CD-Brennens sowie die kostenlose Verfügbarkeit von Musik im Internet. Beide Probleme hängen eng miteinander zusammen. Der kostenlose Tausch urheberrechtlich geschützter Musikstücke über das Internet wäre nicht so gefährlich, würde sich die gestohlene Musik nicht so einfach auf CD-Rohlinge übertragen lassen.
Die Nutzung des Internets, komprimierte Formate für Sounddateien (z.B. MP3), die Erhöhung der Bandbreite bei der Internetverbindung sowie die starke Verbreitung von CD-Brennern stellen die Branche vor erhebliche Herausforderungen. Von den aktuellen technologischen und strukturellen Entwicklungen wird die Tonträgerindustrie besonders stark tangiert.
Die bisherigen Strukturen von Vertrieb, Marketing und Rechteverwertung müssen sich grundlegend ändern. Unternehmen, die sich nicht schnell genug auf die neuen Marktbedingungen einstellen, werden es schwer haben, diesen tief greifenden Strukturwandel zu überstehen.
Musik ist nicht nur ein wichtiger Kulturfaktor, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Das massenhafte Kopieren von Musik stört die Funktionsfähigkeit des Marktes fundamental. Die Piraterie bedroht die Existenzgrundlage von Künstlern ebenso wie von Herstellern, Verlagen und Fachhandel.
Die Unternehmen sind gezwungen, ihre Angebote zu schützen und gegen Piraten vorzugehen. Zur Schaffung von geeigneten Schutz- und Gegenmaßnahmen bedarf es zusätzlicher Bemühungen innerhalb des Marketing-Mixes. Notwendig sind z.B. kommunikationspolitische Kampagnen, die den Kunden über das Problem „Piraterie“ aufklären, produktpolitische Maßnahmen, wie der Einbau von Kopierschutzmaßnahmen und vertriebspolitische Veränderungen, um sich auf die wachsende Bedeutung des Vertriebes von Musik über das Internet einzustellen.
Es besteht akuter Handlungsbedarf und damit die Forderung nach schnellen Lösungen, um die weitere dramatische Talfahrt der deutschen Tonträgerindustrie zu beenden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 ZUR THEMENSTELLUNG
1.2 VORGEHENSWEISE
2 DIE TONTRÄGERINDUSTRIE
2.1 AKTEURE DER MUSIKWIRTSCHAFT
2.1.1 Künstler
2.1.2 Plattenfirma (Label)
2.1.3 Tonträgerhersteller
2.1.4 Musikverlag
2.1.5 Verwertungsgesellschaften
2.1.5.1 Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte
2.1.5.2 Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH
2.1.5.3 Zentralstelle für privates Überspielungsrecht
2.2 DER TONTRÄGERHANDEL
2.2.1 Struktur und Formen des Tonträgerhandels
2.2.1.1 Großbetriebsformen
2.2.1.2 Filialunternehmen, Facheinzelhandel, Verbrauchermarkt
2.2.1.3 Versandhandel und Club
2.2.2 Vertriebsstrukturen im Einzelhandel
2.3 UMSATZ- UND ABSATZENTWICKLUNG DES TONTRÄGERMARKTES
2.3.1 Umsatzentwicklung
2.3.2 Tonträgerabsatz
2.3.3 Käuferreichweite und Kaufintensität
2.3.4 Internationale Umsatz- und Absatzentwicklung
3 TONTRÄGERPIRATERIE
3.1 ARTEN DER TRADITIONELLEN TONTRÄGERPIRATERIE
3.1.1 Bootleg
3.1.2 Raubkopie
3.1.3 Raubkoppelung
3.1.4 Raub-Mix
3.1.5 Identfälschung
3.1.6 Überpressung
3.2 NEUE FORMEN DER TONTRÄGERPIRATERIE
3.2.1 Onlinepiraterie
3.2.1.1 Entwicklung und Funktionsweise von MP3
3.2.1.2 Filesharing
3.2.2 Schulhofpiraterie
3.3 UMSATZVERLUSTE DURCH ONLINEPIRATERIE UND PRIVATE VERVIELFÄLTIGUNG
3.4 MOTIVE DER MUSIKPIRATEN
4 SCHUTZ DES GEISTIGEN EIGENTUMS IN DER MUSIKWIRTSCHAFT
4.1 URHEBERRECHTSGESETZ
4.1.1 Urheberpersönlichkeitsrecht
4.1.2 Verwertungsrechte
4.1.2.1 Vervielfältigungsrecht
4.1.2.2 Verbreitungsrecht
4.1.2.3 Wiedergaberecht
4.1.3 Schranken des Urheberrechts
4.1.3.1 Schutzdauer
4.1.3.2 Vervielfältigungen zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch
4.1.4 Leistungsschutzrechte
4.1.4.1 Schutz des ausübenden Künstlers
4.1.4.2 Rechte des Tonträgerherstellers
4.1.5 Rechtsverfolgung
4.1.5.1 Zivilrechtliche Folgen
4.1.5.2 Strafrechtliche Folgen
4.2 PRODUKTPIRATERIEGESETZ
4.3 REVIDIERTE BERNER ÜBEREINKUNFT
4.4 ROM-ABKOMMEN
4.5 TRIPS- ABKOMMEN
5 STRATEGIEN UND INITIATIVEN DER MUSIKWIRTSCHAFT GEGEN DIE TONTRÄGERPIRATERIE
5.1 WIRTSCHAFTLICHE MAßNAHMEN
5.2 RECHTLICHE MAßNAHMEN
5.2.1 Novellierung des Urheberrechts
5.2.2 Anpassung und Einführung neuer Geräteabgaben
5.3 TECHNISCHE MAßNAHMEN
5.3.1 Digital Rights Management
5.3.2 Serial Copy Management System
5.4 STRATEGISCHE MARKETINGMAßNAHMEN
5.4.1 Distributionspolitische Maßnahmen
5.4.2 Produktpolitische Maßnahmen
5.4.3 Preispolitische Maßnahmen
5.4.4 Kommunikationspolitische Maßnahmen
6 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit analysiert umfassend die Auswirkungen der Musikpiraterie auf den Tonträgermarkt, wobei technologische Entwicklungen wie CD-Brenner und MP3-Kompression als zentrale Treiber des Piraterieproblems untersucht werden. Ziel ist es, aus betriebswirtschaftlicher Perspektive Lösungsansätze, Marketingstrategien und rechtliche Schutzmaßnahmen zu entwickeln, um dem massiven Umsatzrückgang in der Musikindustrie entgegenzuwirken.
- Analyse der Akteure und Vertriebsstrukturen der Musikwirtschaft.
- Differenzierung zwischen traditionellen und neuen Formen der Tonträgerpiraterie.
- Untersuchung der ökonomischen Konsequenzen von Onlinepiraterie und privater Vervielfältigung.
- Evaluierung von urheberrechtlichen Rahmenbedingungen und internationalen Abkommen.
- Entwicklung von Strategien und Maßnahmen der Musikindustrie zur Pirateriebekämpfung.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Bootleg
„Bootlegs sind unautorisierte Live-Mitschnitte musikalischer Darbietungen.“ Mit anderen Worten, es werden hier Aufnahmen vermarktet, die gegen den Willen der mitgeschnittenen Künstler entstanden sind. Bootleger im klassischen Sinne ist also, wer ein Konzert oder eine sonstige musikalische Darbietung aufnimmt, u.a. auf einem mitgebrachten Recorder, über Hochleistungsmikrophone im Miniaturformat oder über ein Anzapfen des Mischpultes.
Als Bootlegs werden auch unerlaubte Rundfunkmitschnitte und unautorisierte Veröffentlichungen noch nicht am Markt erschienender Studioaufnahmen bezeichnet.
Interessiert an Bootlegs sind insbesondere Fans, die von ihren Lieblingskünstlern alles verfügbare Material besitzen wollen. Besonders beliebt sind diese Aufnahmen, weil sie auf dem legalen Tonträgermarkt nicht erhältlich sind. Vertrieben werden die Sammler Bootlegs über Szene-Läden, Mailorder, Kleinanzeigen in Fachzeitschriften oder auf Schwarzmärkten.
Die Aufmachung dieser Tonträger unterscheidet sich deutlich von denen der Originalhersteller.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in das Problem der sinkenden Umsätze durch Musikpiraterie ein und legt die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Arbeit fest.
2 DIE TONTRÄGERINDUSTRIE: In diesem Kapitel werden die zentralen Akteure der Musikwirtschaft charakterisiert sowie die Strukturen des traditionellen Tonträgerhandels und die aktuelle Umsatz- und Absatzentwicklung analysiert.
3 TONTRÄGERPIRATERIE: Hier werden die verschiedenen traditionellen und neuen Ausprägungsformen der Piraterie, wie Onlinepiraterie und Schulhofpiraterie, erläutert und deren Auswirkungen auf den Markt quantifiziert.
4 SCHUTZ DES GEISTIGEN EIGENTUMS IN DER MUSIKWIRTSCHAFT: Dieses Kapitel untersucht die gesetzlichen Grundlagen des Urheberrechtsschutzes, die Rechte der Musikschaffenden sowie nationale und internationale Rechtsabkommen zur Bekämpfung von Piraterie.
5 STRATEGIEN UND INITIATIVEN DER MUSIKWIRTSCHAFT GEGEN DIE TONTRÄGERPIRATERIE: Hier werden wirtschaftliche, rechtliche, technische und strategische Marketingmaßnahmen vorgestellt, mit denen die Musikindustrie versucht, der Piraterie zu begegnen.
6 FAZIT: Das Fazit fasst die Bedrohung durch die digitale Piraterie zusammen und betont die Notwendigkeit von technischer und rechtlicher Innovation sowie neuen Geschäftsmodellen für eine zukunftsfähige Musikwirtschaft.
Schlüsselwörter
Tonträgerindustrie, Musikpiraterie, Urheberrecht, CD-Brenner, Onlinepiraterie, MP3, Filesharing, Digital Rights Management, Vertriebsstrukturen, Marketing-Mix, Schulhofpiraterie, Verwertungsgesellschaften, Kopierschutz, Musikwirtschaft, Privatkopie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den ökonomischen und rechtlichen Herausforderungen, vor denen die Musikindustrie durch die Zunahme der Musikpiraterie, insbesondere im digitalen Bereich, steht.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Zentrale Themen sind die Analyse der Marktteilnehmer, die verschiedenen Arten der Piraterie, die gesetzlichen Schutzinstrumente des Urheberrechts sowie Strategien der Musikindustrie zur Abwehr illegaler Kopien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Auswirkungen der Piraterie auf den Tonträgermarkt zu analysieren und betriebswirtschaftlich fundierte Maßnahmen sowie Strategien vorzuschlagen, um die Marktposition der Musikindustrie zu sichern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine tiefgehende Literaturanalyse sowie die Auswertung von Statistiken, Marktforschungsdaten (z.B. GfK) und Branchenberichten, um die Marktsituation und das Nutzerverhalten darzustellen.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung der Tonträgerindustrie, eine detaillierte Aufarbeitung der Piraterieformen, eine Untersuchung der rechtlichen Grundlagen sowie eine Diskussion möglicher Gegenstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Musikpiraterie, Digitalisierung, Urheberrecht, Kopierschutz, Online-Vertrieb und Umsatzentwicklung geprägt.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von MP3 und Filesharing?
MP3 und Filesharing werden als entscheidende technologische Treiber identifiziert, die den traditionellen Musikmarkt durch einfache, kostenlose Kopiermöglichkeiten massiv unter Druck setzen.
Welche Bedeutung kommt dem "Forum der Rechteinhaber" zu?
Das Forum wird als Initiative beschrieben, die verschiedene Organisationen der Buch-, Musik- und Filmbranche vereint, um zielführende Vorschläge für die Novellierung des Urheberrechts zu erarbeiten.
Wie steht die Autorin zum Thema "Kopierschutz"?
Sie beleuchtet den Kopierschutz als notwendige technische Maßnahme, weist jedoch darauf hin, dass diese Systeme oft nur kurzfristig wirksam sind und die Industrie auf eine flankierende rechtliche Unterstützung hofft.
- Quote paper
- Daniela Bräunig (Author), 2003, Marktanalyse der Tonträgerindustrie - Motive und Auswirkungen von Musikpiraterie, Strategien der Pirateriebekämpfung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185848