Wissenschaftliche Positionen zum Thema von Doppelobjektkonstruktionen im Englischen und Französischen


Studienarbeit, 2000
57 Seiten

Leseprobe

1
Wissenschaftliche Positionen zum Thema von
Doppelobjektkonstruktionen im Englischen und Französischen
Inhalt
1. R. K. Larson (1988):
On the double object construction ... 4
1.1. Larsons (1988) Analyse
von Doppelobjektkonstruktionen ... 4
1.2. Die Motivation für die Annahme einer
derivationellen Beziehung zwischen Doppel-
objektkonstruktionen und Dativkonstruktionen ... 5
1.3. Chomskys (1955/1975) revidierte Analyse
der Derivation von Dativkonstruktionen ... 7
1.4. Die Derivation von Doppelobjekt-
konstruktionen nach Larson (1988) ... 8
2.
Spezifische Aspekte von Larsons (1988)
von Doppelobjektkonstruktionen ... 9
2.1. Der Status der Präposition ,,to"
als eigenständiger Kasuszuweiser des IO
in Dativkonstruktionen im Englischen ... 9
2.2. Die Unmöglichkeit der Absorbtion
von obliquem Kasus Dativ bei der
Anwendung von PASSIVE ... 10
2.3. Die zweifache Zuweisung von Objektiv (Akkusativ)
an das interne Argument vom Verb in monotransitiven
Konstruktionen und die zweifache Zuweisung von
Objektiv (Nominativ) an die Verbkomplemente vom
Verb in Doppelobjektkonstruktionen ... 11
2.4. Die Kasuszuweisung und Theta-Rollen-Zuweisung an
das IO und das DO in Doppelobjektkonstruktionen ... 12
2.4.1. Die Kasuszuweisung an das IO und das DO
in Doppelobjektkonstruktionen ... 12
2.4.2. Die Zuweisung von Theta-Rollen an das IO
und das DO in Doppelobjektkonstruktionen ... 13

2
2.5. Die begrenzte Produktivität von
DATIVE SHIFT im Englischen ... 14
2.6. Intralinguale Unterschiede bezüglich der
Verfügbarkeit von DATIVE SHIFT ... 15
3. R. Jackendorff (1990): On Larson´s Treatment
of the Double Object Construction ... 16
3.1.
Jackendorffs (1990) Kritik an
Larsons (1988) Ansatz ... 16
3.2. Larsons (1988) Analyse der D-Struktur von
Doppelobjektkonstruktionen auf der ausschließ-
lichen Basis von asymmetrischem C-Kommando ... 16
3.3. Larsons (1988) Analyse der begrenzten Produktivität
von DATIVE SHIFT im Englischen ... 21
4. R. K. Larson (1990):
Double Objects Revisited: Reply to Jackendoff ... 22
4.1. Larsons (1990) Argumente gegen
Jackendorffs (1990) Kritik ... 22
4.2. Larsons (1988) Analyse der D-Struktur von
Doppelobjektkonstruktionen auf der ausschließ-
lichen Basis von asymmetrischem C-Kommando ... 22
4.3. Larsons (1988) Analyse der begrenzten Produktivität
von DATIVE SHIFT im Englischen ... 28
5. G. Müller (1995):
Dative Movement ... 29
5.1. Müllers (1995) Analyse
von Doppelobjektkonstruktionen ... 29
5.2.
Müllers (1995) Analyse der Phrasenstruktur
von Doppelobjektkonstruktionen in SVO-
Sprachen wie dem Englischen ... 32
5.3. Müllers (1995) Analyse der Derivation
von Doppelobjektkonstruktionen ... 33
5.4. Müllers (1995) Kritik an Larsons (1988) Ansatz ... 33
5.4.1. Die Analyse der Derivation von Doppelobjektkon-
struktionen in Analogie zur Derivation von Passiv-

3
sätzen und die fehlende Einhaltung der starken
Version von UTAH auf der D-Struktur von Doppel-
objektkonstruktionen ... 33
5.4.2. Die begrenzte Produktivität von
DATIVE SHIFT im Englischen ... 35
5.4.3. Weitere Argumente, die nach Müller (1995)
gegen Larsons (1988) Analyse der Derivation
von Doppelobjektkonstruktionen in Analogie
zur Derivation von Passivsätzen sprechen ... 36
6. R. Kayne (1983a): Datives in French and English ... 38
7. Zusätzliche Bemerkungen zu Larsons (1988) und
Müllers (1995) Analyse von Doppelobjektkonstruktionen ... 41
8. Doppelobjekt-Verben im
Englischen und Französischen ... 50
9. Bibliographie ... 57

4
1.
R. K. Larson (1988):
On the double object construction
1.1.
Larsons (1988) Analyse
von Doppelobjektkonstruktionen
- nach Larsons (1988) Analyse besitzen Doppelobjektkonstruktionen (,,double ob-
ject structures") und Dativkonstruktionen (,,standard oblique dative structures"),
letztere analysiert entsprechend Chomskys (1955/1975) revidierter Analyse der
Derivation von Dativkonstruktionen, ein- und dieselbe D-Struktur: das indirekte
Objekt (IO) (,,logical object") steht in der Komplementposition adjazent zum le-
xikalischen Verb, beide sind unter V´ der unteren (regulären) VP angesiedelt und
bilden zusammen einen thematischen Komplex, das direkte Objekt (DO) (,,VP
subject/inner subject/logical subject") steht in der Spezifikatorposition der unte-
ren VP, die untere VP ist in einer VP-Schale eingebettet, der verbale Kopf V° der
VP-Schale ist leer, das Subjekt steht in der Spezifikatorposition der VP-Schale:
(
VP-Schale
(
NP/Subjekt
John) (
e) (
VP
(
NP/DO
a letter) (
(
send) (
NP/IO
to Mary))))
- somit existiert keine transformationelle, aber eine derivationelle Beziehung zwi-
schen Doppelobjektkonstruktionen und Dativkonstruktionen unter dem Gesichts-
punkt einer identischen D-Struktur, es existiert keine transformationelle Beziehung
zwischen den beiden grammatischen Konstruktionen, da Larsons (1988) Analyse
zufolge Doppelobjektkonstruktionen in Analogie zur Derivation von Passivsätzen
deriviert werden, d.h. durch denselben syntaktischen Mechanismus, welcher für
die Derivation von Passivsätzen relevant ist (Burzios Generalisierung: Ein Verb,
das keine externe Theta-Rolle vergibt, weist keinen strukturellen Kasus zu und
umgekehrt, ein Verb, das keinen strukturellen Kasus zuweisen kann, läßt die ex-
terne Argumentposition theta-unmarkiert.), und Dativkonstruktionen gemäß der
von Chomsky (1955/1975) angeführten revidierten Analyse der Derivation von
Dativkonstruktionen deriviert werden, eine transformationelle Beziehung würde
demgegenüber ein- und denselben Mechanismus zur Derivation beider verschie-
dener grammatischer Konstruktionen implizieren

5
1.2.
Die Motivation für die Annahme einer
derivationellen Beziehung zwischen Doppel-
objektkonstruktionen und Dativkonstruktionen
a) Bakers (1985) UTAH (,,Uniformity of Theta Assignment Hypothesis"):
identische thematische Beziehungen werden durch identische strukturelle Bezie-
hungen zwischen den items auf der D-Struktur repräsentiert
in thematischen Paraphrasen (d.h. in Doppelobjektkonstruktionen und Dativkon-
struktionen) werden die vom Verb zugewiesenen Theta-Rollen stets durch ein-
und dieselben Argumente syntaktisch realisiert, d.h. es existiert eine Einheitlich-
keit der Zuweisung von bestimmten Theta-Rollen an unterschiedliche Argumen-
te bzw. eine Einheitlichkeit der syntaktischen Realisierung der vom Verb zuge-
wiesenen unterschiedlichen Theta-Rollen durch bestimmte Argumente (d.h. eine
Einheitlichkeit der ,,Canonical Structural Representation" in unterschiedlichen
grammatischen Konstruktionen), diese Einheitlichkeit (Identität) der thematischen
Beziehungen zwischen einem Verb und seinen Argumenten in Doppelobjektkon-
struktionen und Dativkonstruktionen spiegelt sich in einer einheitlichen (identi-
schen) strukturkonfigurationellen Beziehung zwischen einem Verb und seinen
Argumenten auf der D-Struktur von Doppelobjektkonstruktionen und Dativkon-
struktionen wider, es existiert eine Beziehung zwischen der Position bestimmter
Argumente in der phrasenstrukturellen Hierarchie gegenüber dem Verb und der
Zuweisung von thematischen Rollen, es existiert ein- und dieselbe hierarchische
Anordnung unterschiedlicher Argumente eines Verbes gegenüber dem Verb in
der Phrasenstruktur auf der D-Struktur von Doppelobjektkonstruktionen und Da-
tivkonstruktionen:
John (Agens) (a letter) (Thema) send (to Mary) (Ziel)
b) thematische Hierarchie, nach Larson Agens>Thema>Ziel>Oblique
ein thematische Hierarchie ist eine universalgültige Hierarchie der Zuweisung von
Theta-Rollen seitens eines Verbes an dessen Argumente, Argumente, welche im
Theta-Raster eines Verbes entsprechend einer bestimmten ,,Canonical Structural
Representation" eine bestimmte Theta-Rolle syntaktisch realisieren, werden in der
Phrasenstruktur auf der D-Struktur einer grammatischen Konstruktion gemäß die-
ser Hierarchie projeziert (syntaktisch realisiert), eine thematische Hierarchie stellt

6
ein Prinzip hinsichtlich der Projektion von unterschiedlichen Argumente in unter-
schiedlicher hierarchischer Anordnung in der Phrasenstruktur gegenüber dem
Verb dar und regelt die relative Subordinierung (Unterordnung) von Argumenten
auf der D-Struktur, sie entspricht einer Hierarchie von thematischen Beziehungen,
nach Larson (1988) werden die Theta-Rollen, welche von einem Verb an dessen
Argumente zugewiesen werden, entsprechend der hierarchischen Anordnung der
verschiedenen Argumente eines Verbes im Phrasenstrukturbaum auf der D-Struk-
tur einer grammatischen Konstruktion an bestimmte Argumente zugewiesen bzw.
durch bestimmte Argumente syntaktisch realisiert, die relative Position einer the-
matischen Rolle in der thematischen Hierarchie bestimmt somit die relative struk-
turelle Subordinierung der Argumente eines Verbes auf der D-Struktur einer gram-
matischen Konstruktion, das Argument, welches hierarchisch höchststehend im
Phrasenstrukturbaum angeordnet ist, realisiert die thematisch höchststehende The-
ta-Rolle syntaktisch, das Argument, welches hierarchisch tiefststehend in der Phra-
senstruktur angeordnet ist, realisiert die thematisch tiefststehende Theta-Rolle syn-
taktisch, die identischen thematischen Beziehungen zwischen einem Verb und des-
sen Argumenten auf der D-Struktur in Doppelobjektkonstruktionen und Dativkon-
struktionen und die bereits aus UTAH resultierenden identischen strukturell-hie-
rarchischen Beziehungen zwischen einem Verb und dessen Argumenten auf der
D-Struktur in Doppelobjektkonstruktionen und Dativkonstruktionen werden so-
mit darüberhinausgehend durch die thematische Hierarchie bzw. durch die damit
assoziierte universelle hierarchische Reihenfolge einer relativen Subordinierung
(Unterordnung) von unterschiedlichen Argumenten gegenüber dem Verb im Phra-
senstrukturbaum auf der D-Struktur determiniert
c) eine syntaktische Operation ähnlich der von ,,DATIVE SHIFT" (eigentlich nur
die Anhebung/Verschiebung eines indirekten Objektes durch die Anwendung der
Regel ,,Move Alpha") muß als eine eigenständige transformationelle Operation
(Derivationsschritt) in der Derivation (Ableitung) von Doppelobjektkonstruktio-
nen aus Dativkonstuktionen existieren, dies ist allerdings ein Argument für eine
transformationelle Beziehung zwischen Dativkonstruktionen und Doppelobjekt-
konstruktionen
d) die Derivation von Doppelobjektkonstruktionen auf der Basis der von Chomsky
(1955/1975) angeführten D-Struktur von Dativkonstruktionen in Analogie zur
Derivation von Passivsätzen erzeugt eine phrasenstrukturelle Anordnung des

7
DO´s und des IO´s auf der S-Struktur von Doppelobjektkonstruktionen, welche
das syntaktische Phänomen durch Reinharts (1979) Definition des C-Komman-
dos adäquat erklären kann, daß das IO das DO auf der S-Strktur von Doppelob-
jektkonstruktionen asymmetrisch c-kommandiert bzw. daß das DO in der syn-
taktischen Domäne (Bindungsdomäne) des IO´s steht, aber nicht andersherum,
nach Reinhart (1979) ist der erste verzweigende Knoten relevent als dominie-
render Knoten
Reinharts (1979) Definition des C-Kommando:
ein Knoten Alpha c-kommandiert einen Knoten Beta gdw. (genau dann wenn)
a) weder Alpha Beta noch Beta Alpha dominiert
b) der erste verzweigende Knoten, der Alpha dominiert, auch Beta dominiert
dieses syntaktische Phänomen wurde bereits von Barrs & Lasnik (1986) beobach-
tet, NP
1
c-kommandiert NP
2
asymmetrisch, Existenz einer Komplement-Asymme-
trie zwischen den beiden Objekten in einer Doppelobjektkonstruktion, dieses syn-
taktische Phänomen konnte unter Zugrundelegeung herkömmlicher Phrasenstruk-
turbäume der s-strukturellen Repräsentation von Doppelobjektkonstruktionen
durch den strukturkonfigurationellen Begriff des C-Kommandos (Reinhart (1979))
nicht adäquat erklärt werden, das IO ,,Mary" wird in die Spezifikatorposition der
unteren VP angehoben, das DO ,,a letter" adjungiert an V´ der unteren VP mittels
,,Argument Demotion", der dominierende erstverzweigende Knoten ist der Kno-
ten der unteren VP
1.3.
Chomskys (1955/1975) revidierte Analyse
der Derivation von Dativkonstruktionen
- Verbanhebung aus V° der unteren VP in den leeren verbalen Kopf der VP-Scha-
le, in V° der VP-wird das Verb ,,send" von INFL regiert und hier regiert das Verb
das in der Spezifikatorposition der unteren VP stehende DO ,,a letter", das Verb
,,send" kann dem DO ,, a letter" nun den strukturellen Kasus Objektiv (Akkusa-
tiv) von INFL zuweisen, in V° der VP-Schale kann das Verb ,,send" dem Subjekt
,,John" in der Spezifikatorposition der VP-Schale unter Rektion den strukturellen
Kasus Nominativ von INFL sowie die Theta-Rolle ,,Agens" zuweisen, das IO ,,Ma-
ry" unter V´ der unteren VP bekommt Larsons Analyse zufolge von der Präposi-
tion ,,to" den obliquen Kasus Dativ sowie vom Verb ,,send" die Theta-Rolle ,,Ziel"/

8
,,Benefizient" zugewiesen, das DO ,,a letter" in der Spezifikatorposition der unte-
ren VP bekommt von der Konstituente V´ (,,send to Mary") kompositional die
Theta-Rolle ,,Agens" zugewiesen
1.4.
Die Derivation von Doppelobjekt-
konstruktionen nach Larson (1988)
- D-Struktur: (
VP-Schale
(
NP/Subjekt
John) (
e) (
VP
(
NP/DO
a letter) (
V`
(
send) (
NP/IO
to Mary))))
Passivsätze und Doppelobjektkonstruktionen werden durch ein- und denselben syn-
taktischen Mechanismus, d.h. der Passivierung innerhalb einer VP (Burzios Gene-
ralisierung), deriviert:
a) Entziehung der Kasuszuweisung eines Verbes an eine Objekt-Position (Kasus-
absorbtion/Absorbtion des strukturellen Kasus), den ein Verb seinem internen
Argument, d.h. dem IO in Komplementposition, zuweist und Suspendierung
der Theta-Rollen-Zuweisung des Verbes an sein externes Argument, d.h. an
das ,,inner subject" (DO) in der Spezifikatorposition der VP
b) Dies löst NP-Bewegung des nunmehr kasuslosen internen Argumentes (IO´s)
in eine thematisch unmarkierte Subjektposition zwecks Kasusmarkierung des
IO´s und die optionale syntaktische Realisierung der suspendierten Theta-Rol-
le des internen Argumentes (DO´s) durch die optionale syntaktische Realisie-
rung des DO´s als Adjunktphrase aus
c) vormals standen das externe Argument (DO) in der Spezifikatorposition der VP
und das interne Argument (IO) in der Komplementposition des Verbes inner-
halb der VP in der Beziehung eines logischen Subjektes zu einem logischen
Objekt, nach der Passivierung erhält das DO den syntaktischen Status eines
Objektes, das IO den syntaktischen Status eines Subjektes
- die Theta-Rolle ,,Thema", welche die Konstituente V´ (,,send to Mary") auf der
D-Struktur von Doppelobjektkonstruktionen normalerweise dem DO (externen
Argument) ,,a letter" in der Spezifikatorposition der unteren VP kompositional
zuweisen würde, wird suspendiert, die Spezifikatorposition der unteren VP ist
nun thematisch unmarkiert, besitzt einen nonthematischen Status, ist jedoch wei-
terhin eine A-Position (Argument-Position), die suspendierte Theta-Rolle ,,The-
ma" des DO´s wird nun durch die Anwendung der syntaktischen Transformations-
regel ,,Argument Demotion" (Zurücksetzen eines Argumentes) durch das DO
syntaktisch realisiert, dazu wird das DO ,,a letter" nun rechtsverzweigend an V´

9
adjungiert, das DO in Adjunktposition erhält die Theta-Rolle ,,Thema" nun von
V´ kompositional zugewiesen, ist aber noch kasusunmarkiert
- der oblique Kasus Dativ, den die Präposition ,,to" als eigenständiger Kasuszuweiser
dem IO ,,Mary" in der unteren VP auf der D-Struktur einer Doppelobjektkonstruk-
tion zuweist, wird absorbiert, d.h. die Präposition ,,to" selbst wird absorbiert (getilgt),
nun ist das IO ein kasusloser ,,bare accusative", das IO wird nun zwecks darauffol-
gender Kasuszuweisung durch das angehobene Verb durch NP-Bewegung in die
nunmehr nonthematische Spezifikatorposition der unteren VP angehoben, DATIVE
SHIFT (die Anhebung eines kasusunmarkierten IO´s durch NP-Bewegung in eine
Subjektposition) wird von Larson auch als ,,Argument Promotion" (Beförderung
eines Argumentes) bezeichnet, ist somit A-Bewegung aufgrund von Erfordernissen
der Kasuszuweisung
- dieser syntaktische Transformationsmechanismus, welcher für die Derivation von
sowohl Doppelobjektkonstruktionen als auch von Passivkonstruktionen verantwort-
lich ist (Burzios Generalisierung), bzw. die darin enthaltenen Derivationsschritte be-
zeichnet Larson (1988) als PASSIVE, die Anwendung von PASSIVE bleibt bei der
Derivation von Doppelobjektkonstruktionen auf die untere VP und die äußere VP-
Schale beschränkt, bei der Derivation von Passivkonstruktionen auf die VP und die
IP
2.
Spezifische Aspekte von Larsons (1988)
von Doppelobjektkonstruktionen
2.1.
Der Status der Präposition ,,to"
als eigenständiger Kasuszuweiser des IO
in Dativkonstruktionen im Englischen
- Larsons (1988) Annahme zufolge besitzt die Präposition ,,to" in Dativsätzen im Eng-
lischen den Status eines eigenständigen Kasusmarkierers des IO, allerdings besitzt
die Präposition ,,to" Larsons Annahme zufolge nicht immer ausschließlich den Sta-
tus eines Kasusmarkierers des IO, jedoch wird deren grammatischer Beitrag in be-
stimmten syntaktischen Kontexten, wie etwa in Dativkonstruktionen im Englischen,
auf den alleinigen Status eines Kasusmarkierers des IO reduziert, die Präposition
,,to" weist in Dativkonstruktionen im Englischen dem IO sowohl eine eigene The-
ta-Rolle ,,Ziel" als auch Kasus zu, obwohl Verben in Dativkonstruktionen im Eng-

10
lischen ein IO subkategorisieren können, können sie diesem keinen Kasus zuweisen,
somit kann das IO in einer Dativkonstruktion nur dem Kasusfilter genügen, wenn
ein unabhängiges kasuszuweisendes Elemente wie die Präposition ,,to" zwischen
dem Verb und dem IO steht, das Verb und die Präposition ,,to" weisen dem IO un-
abhängig voneinander jeweils eigene Theta-Rollen zu, ein Verb wie ,,send" weist
die Theta-Rollen ,,Benifizient" und ,,Ziel" an das IO zu, die Präposition ,,to" weist
dem IO nur die Theta-Rolle ,,Ziel" zu, somit fassen die vom Verb an das IO zuge-
wiesenen Theta-Rollen die von der Präposition ,,to" an das IO zugewiesene Theta-
Rolle ,,Ziel" zusammen, so daß der semantische Beitrag der Präposition ,,to" an das
IO redundant ist, somit wird die grammatische Funktion der Präposition ,,to" allei-
nig auf die Zuweisung von Kasus an das IO reduziert, die Analyse der Präposition
,,to" als einem eigenständigen Kasusmarkierer des IO in Dativkonstruktionen gestat-
tet erst die Annahme der Derivation von Doppelobjektkonstruktionen durch PAS-
SIVE in Analogie zur Derivation von Passivkonstruktionen, die Absorbtion des
von der Präposition ,,to" an das IO zugewiesenen Kasus bzw. die Absorbtion (Til-
gung) der Präposition ,,to" als eigenständigem Kasusmarkierer des IO (internen Ar-
gument) in Dativkonstruktionen im Englischen hat ihr transformationelles Pendant
in der Absorbtion des strukturellen Kasus während der Derivation von Passivsät-
zen, den ein Verb seinem Objekt (internen Argument) in Aktivsätzen zuweist, die
Absorbtion der Präposition ,,to" bei der Anwendung von PASSIVE in Dativkon-
struktionen müßte eigentlich die Zuweisung von inhärenten Kasus an das IO ab-
sorbieren, welcher normalerweise vom Verb an sein internes Argument zugewie-
sen wird, in Dativkonstruktionen jedoch von der Präposition ,,to" an das IO zuge-
wiesen wird
2.2.
Die Unmöglichkeit der Absorbtion
von obliquem Kasus Dativ bei der
Anwendung von PASSIVE
- Larsons (1988) Annahme zufolge weist die Präposition dem IO in Dativkonstruk-
tionen den obliquen Kasus Dativ zu, die Absorbtion der Präposition ,,to" bzw. von
Dativ bei der Derivation von Doppelobjektkonstruktionen durch die Anwendung
von PASSIVE entspricht also der Absorbtion von strukturellem Kasus während
der Derivation von Passivsätzen, den das Verb seinem Objekt (internen Argument)
in Aktivsätzen zuweist, allerdings kann der oblique Kasus Dativ bei der Derivation

11
von Passivsätzen nicht absorbiert werden, obliquer Kasus muß immer durch ein
Argument syntaktisch realisiert werden, nach Kayne (1981) weisen Präpositionen
im Englischen nur Objektiv (Akkusativ) zu, jedoch keinen obliquen Kasus, Larson
(1988) nimmt an, daß die Präposition ,,to" in Dativkonstruktionen im Englischen
keinen obliquen Kasus Dativ zuweisen sondern Objektiv (Akkusativ), somit ent-
spricht die Absorbtion der Präposition ,,to" bei der Derivation von Doppelobjekt-
konstruktionen im Englischen exakt der Absorbtion des strukturellen Kasus Ob-
jektiv (Akkusativ) bei der Derivation von Passivsätzen, den ein Verb in Aktivsät-
zen seinem internen Argument (Objekt) zuweist, somit keine Absorbtion des ob-
liquen Kasus Dativ bei der Tilgung der Präposition ,,to" während der Derivation
von Doppelobjektkonstruktionen im Englischen, was zur Ungrammatikalität von
Doppelobjektkonstruktionen füren würde, DATIVE SHIFT ist nur möglich, wenn
die Präposition ,,to" in Dativkonstruktionen im Englischen dem IO den Kasus Ob-
jektiv (Akkusativ) zuweist
2.3.
Die zweifache Zuweisung von Objektiv (Akkusativ)
an das interne Argument vom Verb in monotransitiven
Konstruktionen und die zweifache Zuweisung von
Objektiv (Nominativ) an die Verbkomplemente vom
Verb in Doppelobjektkonstruktionen
- Larsons (1988) Annahme zufolge weist ein Verb seinem internen Argument in mo-
notransitiven Konstruktionen zweimal den Kasus Objektiv (Akkusativ) zu, einen
strukturellen und einen inhärenten, nach Verbanhebung wird das finite Verb von
INFL regiert und regiert seinerseits wiederum das interne Argument, nun kann das
finite Verb unter Rektion von INFL dem internen Argument einmal den von INFL
determinierten strukturellen Kasus Objektiv (Akkusativ) zuweisen, außerdem kann
das Verb als eine lexikalische Kategorie dem internen Argument auch einen inhä-
renten Kasus Objektiv (Akkusativ) zuweisen, in Doppelobjektkonstruktionen wird
dieser vom Verb in einfachen monotransitiven Konstruktionen dem internen Argu-
ment zweifach zugewiesene Kasus Objektiv (Akkusativ) ,,auseinandergezogen"
und an unterschiedliche Argumente, d.h. an das IO un das DO, zugewiesen

12
2.4.
Die Kasuszuweisung und Theta-Rollen-Zuweisung an
das IO und das DO in Doppelobjektkonstruktionen
2.4.1.
Die Kasuszuweisung an das IO und das DO
in Doppelobjektkonstruktionen
- Larsons (1988) Annahme zufolge wird durch die Absorbtion der Präposition ,,to"
in Dativkonstruktionen im Englischen bei der Anwendung von PASSIVE nur der
inhärente Kasus Objektiv (Akkusativ) absorbiert, den ein Verb in einfachen mono-
transitiven Konstruktionen dem internen Argument zuweist, nicht jedoch der struk-
turelle Kasus Objektiv (Akkusativ), nach der Anwendung von PASSIVE wird das
Verb aus V° der unteren VP in der leeren verbalen Kopf V° der VP-Schale ange-
hoben, hier wird es von INFL regiert und hier regiert es seinerseits wiederum das
in die Spezifikatorposition der unteren VP angehobene IO und kann diesem den
von INFL determinierten strukturellen Kasus Objektiv (Akkusativ) zuweisen, die
Kasuszuweisung an das an V´ adjungierte DO wird durch die Operation ,,V´-Rea-
nalysis" gewährleistet, die Konstituente V´, d.h. (
t e), enthält nach der Anwen-
dung von PASSIVE und nach der Verbanhebung nur noch die Spur des angeho-
benen IO´s und die Spur des angehobenen Verbes, das Verb hat die Theta-Rolle
,,Ziel" bereits dem IO in der Spezifikatorposition der unteren VP zugewiesen, so-
mit besitzt das Theta-Raster des Verbes ,,send" bzw. die Konstituente V´ als ba-
sisgenerierte Position des Verbes und somit entsprechend dem Projektionsprinzip
als syntaktische Position, welche auf der D-Struktur und auf der S-Struktur von
Doppelobjektkonstruktionen die thematischen Selektionseigenschaften des Ver-
bes enthält, nur noch eine einzige unvergebene Theta-Rolle, d.h. die Theta-Rolle
,,Thema" des nunmehr an V´ adjungierten DO´s, nun kann die Konstituente V´
Larsons (1988) Annahme zufolge optional syntaktisch als eine komplexe lexika-
lische Kategorie bzw. als ein komplexes transitives Verb V reanalysiert werden,
dieses komplexe transitive Verb erbt vom Kopf (d.h. vom angehobenen Verb) die
Fähigkeit, Kasus zuzuweisen, somit kann dem an V´ adjungierte DO ,,a letter"
jetzt vom komplexen transitiven Verb (
V
t e) unter Rektion den inhärenten Kasus
Objektiv (Akkusativ) zuweisen, den das Verb als eine lexikalische Kategorie zu-
sätzlich besitzt
Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Wissenschaftliche Positionen zum Thema von Doppelobjektkonstruktionen im Englischen und Französischen
Hochschule
Universität Hamburg
Autor
Jahr
2000
Seiten
57
Katalognummer
V185942
ISBN (eBook)
9783867469890
ISBN (Buch)
9783656991809
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wissenschaftliche, positionen, thema, doppelobjektkonstruktionen, englischen, französischen
Arbeit zitieren
Magister Markus Mross (Autor), 2000, Wissenschaftliche Positionen zum Thema von Doppelobjektkonstruktionen im Englischen und Französischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185942

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