Im Vergleich zu Fehlern ist Fehlerkorrektur nicht Gegenstand vieler Untersuchungen
in letzter Zeit gewesen. Kleppin & Königs (1993) konzentrieren sich auf Fehlerkorrektur
in verschiedenen Kontexten. Die Autoren beziehen sich auf verschiedene empirische
Untersuchungen von mündlicher Fehlerkorrektur: detaillierte Analysen von
Fremdsprachenkursen in deutschen höheren Schulen; Beobachtungen und Befragungen
in einem brasiliansichen Fremdsprachenunterricht; Beobachtungen und offene
Befragungen an einer deutschen, einer chinesischen und einer marokkanischen Universität.
Das Ziel des vorliegenden Beitrages ist es, Licht auf die Lernerbeurteilungen
von Fehlerkorrekturen und den möglichen Einfluß von kulturgebundenen Lerntraditionen
auf diese Beurteilungen zu werfen. Die Resultate dieser Untersuchung zeigen,
daß einige den Beurteilungen zugrundeliegenden Normen selbst in unterschiedlichen
kulturellen Kontexten gültig sind. Die Autoren kommen zu dem Schluß, daß sich die
Lerner öfter bezüglich der Menge ihrer Beurteilungen von einem Kontext zum anderen
und weniger hinsichtlich der Qualität ihrer Beurteilungen unterscheiden. Soweit dies auf der Basis der verfügbaren Resultate beurteilt werden kann, ist die Einstellung
der Lerner gegenüber dem Phänomen von mündlicher Fehlerkorrektur eher eine globale,
mit gewissen kulturgebundenen Unterschieden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die von Kleppin & Königs (1993) durchgeführten Untersuchungen zur Fehlerkorrektur: Die Untersuchungsdesigns
3. Situierung der Untersuchung
3.1. Bei dem oben kurz beschriebenen Design des Tertiärsprachenprojektes handelte es sich um eine Untersuchung zum Italienisch- und Spanischunterricht an verschiedenen Schulen in Nordrhein-Westfalen. Das Projekt wurde in den Klassen
3.2. Bei der Befragung von Bochumer Studenten handelte es sich um Romanistikstudenten. Auch sie haben ihre Vorerfahrungen an deutschen Schulen mit eher kommunikativ orientiertem Fremdsprachenunterricht gemacht. An dieser Stelle erscheint der Hinweis notwendig, daß diese und die folgenden Befragungen ganz allgemein Einstellungen zu Fehlerkorrekturen abfragen und daß sich diese Erfahrungen durchaus auch auf vorhergehenden Fremdsprachenunterricht beziehen können.
3.3. Die befragten chinesischen Studenten waren Germanistikstudenten der Tongji-Universität und der Fremdsprachenschule Schanghai. Die dort beobachtbaren und vertretenen Methodenkonzeptionen sind vergleichsweise traditionell (Grammatik-Übersetzungsmethode). Auswendiglernen ist in China ein Verfahren, welches von den Studenten selbst gern angewendet wird. Kommunikative Verfahren wurden vom Ausland „importiert“ (vor allem auch von den dort tätigen Lektoren, die selbst in Anbetracht der Größe des Landes doch eine wesentlich größere Zahl ausmachen als in vielen anderen sogenannten Dritte-Welt-Ländern). Das Rollenverständnis zwischen Lehrer und Lernern ist stärker asymmetrisch. Die Lehrerrolle ist demzufolge mit großer Autorität behaftet.
3.4. Da die obigen Untersuchungsbedingungen schon an anderer Stelle näher beschrieben wurden (Kleppin & Königs (1991)) möchten die Autoren hier und auch an den unten folgenden Beispielen auf die marokkanische und die brasilianische Unterrichtssituation etwas genauer eingehen. Obgleich die Lehrbuchsituation für die neueren Fremdsprachen recht differenzierte Methodenkonzeptionen suggerieren, so wird realiter doch noch ein sehr lehrerzentrierter Unterricht durchgeführt. Die Studenten der Germanistik beschreiben ihren Unterricht als am Vorbild der Koranschulen orientiert. Es wird sehr viel auswendig gelernt, der Lehrer mit dem Buch in der Hand vor der Klasse, der korrekte Antworten wünscht und ein autoritäres Lehrer-Schülerverhältnis sind eher die Regel. Wie
3.5. Die Schüler des Colégio Visconde de Porto Seguro de Sao Paulo besuchen eine Schule, auf der Deutsch traditionell die erste und wichtigste Fremdsprache darstellt; 3500 von insgesamt 5000 Schülern lernen Deutsch. Für den Unterricht stehen 35 Deutschlehrer zur Verfügung, die zum größten Teil einheimische Lehrkräfte sind und von daher keine fundierte methodisch-didaktische Ausbildung erhalten haben. Der Deutschunterricht verfolgt das Ziel, die Schüler bis zum kleinen oder sogar großen Deutschen Sprachdiplom zu führen. In den siebten Klassen, die Gegenstand der Untersuchung waren, und auch noch im folgenden Schuljahr wird mit eigenen Unterrichtsmaterialien gearbeitet, nachdem zuvor die Lehrwerke Komm bitte und Wer ? Wie ? Was ? verwendet wurden; ab der neunten Klasse wird zum Zeitpunkt der Untersuchung mit Themen gearbeitet. Insgesamt gilt auch während freierer Unterrichtsphasen eine relativ starke Ausrichtung auf ein formorientiertes, grammatisches Lernziel. Folglich tritt kommunikativer Unterricht zugunsten traditionellerer Übungsphasen zurück. Dies schließt gleichzeitig einen stärker lehrerorientierten Unterricht ein.
4. Ergebnisse bezüglich Lernererfahrungen mit und Lernereinstellungen zu Korrekturen
4.1. Generell spricht sich die überwiegende Mehrheit der Lerner für Korrekturen überhaupt aus.
4.2. Die Fehlerart, die sowohl in Kleppin & Königs (1993) Daten zum Tertiärsprachenunterricht als auch an der brasilianischen Schule am häufigsten vorkommt und auch relativ am häufigsten korrigiert wird, ist der morpho-syntaktische Fehler.
4.3. Zum Zeitpunkt der Korrektur liegen den Autoren keine eindeutigen Ergebnisse vor.
4.4. Was die Korrekturart angeht, so sind die den Autoren vorliegenden Ergebnisse durchaus disparat.
4.5. Das als wünschenswert artikulierte Korrekturverhalten scheint auch von den Studenten als am effektivsten eingeschätzt zu werden.
4.6. Auch die beiden folgenden offenen Fragen waren nur an die Studentengruppe gerichtet.
4.7. Affektiv positive Korrekturen scheinen sich bei den chinesischen und marokkanischen Studenten besonders stark im Gedächtnis eingeprägt zu haben.
5. Schlußbemerkungen
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Erleben und die Beurteilung mündlicher Fehlerkorrekturen durch Sprachlernende in verschiedenen kulturellen Kontexten, um den Einfluss traditioneller Lehr- und Lerntraditionen auf das Korrekturverhalten und dessen Wahrnehmung zu analysieren.
- Analyse von Lernererfahrungen mit Korrekturmaßnahmen in unterschiedlichen Ländern (China, Deutschland, Marokko, Brasilien).
- Untersuchung von Präferenzen hinsichtlich Zeitpunkt und Art der Fehlerkorrektur.
- Erforschung des Zusammenhangs zwischen Lehrer-Schüler-Verhältnissen und der Akzeptanz von Korrekturtechniken.
- Reflexion über die affektiven Auswirkungen von Korrekturen auf den Lernprozess.
- Diskussion über die Integration metaunterrichtlicher Elemente zur Verbesserung des Umgangs mit Fehlern.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Lange Zeit stand der Fehler als lernpsychologisch zu interpretierendes Produkt im Zentrum unterrichtlich ausgerichteter Forschung. Nachdem seine Bedeutung als wichtiges Erklärungsinstrument für unterschiedliche Prozesse beim Lernvorgang erkannt worden war, sah man ihn weniger als lästiges Übel, das es zu vermeiden galt, sondern vielmehr als hilfreiches Diagnoseinstrument für den Lehrer. Konkrete Fehleranalysen anhand von Lerneräußerungen sind zahlreich. Forschungen zur Fehlerkorrektur schließen sich Mitte der siebziger Jahre an. Diese Arbeiten hatten vor allem den wichtigen Effekt, für die Problematik überhaupt zu sensibilisieren und Forschungsrichtungen aufzuzeigen. Konkrete, empirisch abgesicherte Beobachtungen darüber, wie Lehrer dem Fehler im Unterricht tatsächlich begegnen, existieren allerdings kaum. Soweit Empfehlungen zur Fehlerbehandlung gegeben werden, scheinen sie zum großen Teil auf Erfahrungen von Unterrichtspraktiken zu beruhen. Auch in Fremdsprachenvermittlungsmethoden lassen sie sich meist eher auf lernpsychologische Gesamtkonzepte zurückführen als auf konkrete Beobachtungen, wie sich ein spezifisches Korrekturverhalten (Zeitpunkt, Art und Weise der Korrektur etc.) im Unterricht tatsächlich auswirkt und wie Lerner darauf reagieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Thema Fehlerkorrektur in der wissenschaftlichen Forschung und begründet das Ziel der Untersuchung, die subjektiven Lernerurteile über das Korrekturverhalten von Lehrern zu beleuchten.
2. Die von Kleppin & Königs (1993) durchgeführten Untersuchungen zur Fehlerkorrektur: Die Untersuchungsdesigns: Hier werden die methodischen Ansätze der verschiedenen Studien, darunter Klassifikationsschemata für Korrektursequenzen und Fragebogenkomponenten, detailliert erläutert.
3. Situierung der Untersuchung: Dieses Kapitel beschreibt die verschiedenen Erhebungskontexte in Deutschland, China, Marokko und Brasilien sowie die dort vorherrschenden Lehr- und Lerntraditionen.
4. Ergebnisse bezüglich Lernererfahrungen mit und Lernereinstellungen zu Korrekturen: Die Autoren präsentieren die Haupttendenzen der Befragungen hinsichtlich Häufigkeit, Fehlerart, Zeitpunkt, Korrekturart und affektiver Wahrnehmung der Korrekturen.
5. Schlußbemerkungen: Zusammenfassend wird festgehalten, dass Korrekturen grundsätzlich akzeptiert werden und kulturelle Unterschiede eher die Ausprägung als die grundlegende Einstellung beeinflussen, wobei ein bewussterer Umgang mit Korrekturen im Unterricht gefordert wird.
6. Bibliographie: Auflistung der im Text referenzierten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Fehlerkorrektur, Fremdsprachenunterricht, Lernerurteil, Interkultureller Vergleich, Korrekturverhalten, Selbstkorrektur, Lehrtraditionen, Fremdsprachenlernen, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Sprachniveau, Kommunikativer Unterricht, Fehleranalyse, Unterrichtsinteraktion, Affektive Faktoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie Sprachlernende in verschiedenen Kulturen das Korrekturverhalten ihrer Lehrer wahrnehmen, bewerten und welche Anforderungen sie an eine effektive Fehlerkorrektur stellen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Einstellungen der Lerner, die Auswirkungen verschiedener Korrekturtechniken sowie die Bedeutung kulturell geprägter Lehr- und Lernkontexte für den Erfolg des Fremdsprachenunterrichts.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, Einsichten in die subjektive Wahrnehmung von Fehlerkorrekturen durch Lerner zu gewinnen und zu prüfen, inwieweit kulturelle Lerntraditionen diese Urteile beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse verschiedener Datensätze, die durch Lernerbefragungen, Lehrerinterviews und Unterrichtstranskriptionen in vier Ländern gewonnen wurden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Vorlieben der Lerner in Bezug auf Zeitpunkt, Häufigkeit und Art der Korrektur sowie die affektiven Folgen, die durch das Korrekturverhalten der Lehrenden entstehen können.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fehlerkorrektur, interkultureller Vergleich, Lernerurteil und kommunikativer Fremdsprachenunterricht definiert.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung von Korrekturen zwischen den untersuchten Kulturen?
Während grundlegende Einstellungen zur Notwendigkeit von Korrekturen kulturell übergreifend ähnlich sind, zeigen sich Unterschiede in der Präferenz der Korrekturart (z.B. direkte Korrektur vs. Selbstkorrektur), die stark vom jeweiligen Rollenverständnis zwischen Lehrer und Schüler abhängen.
Welche Rolle spielen affektive Faktoren bei der Fehlerkorrektur?
Die Studie zeigt, dass negativ wahrgenommene Korrekturen das Vertrauensverhältnis und den Lernerfolg massiv beeinträchtigen können, während positiv erlebte Korrekturen oft dauerhaft im Gedächtnis bleiben und die Lernerbiographie prägen.
- Arbeit zitieren
- Magister Markus Mross (Autor:in), 2003, Der Einfluss von kulturgebundenen Lerntraditionen auf Lernerbeurteilungen von mündlicher Fehlerkorrektur im interkulturellen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185951