Die Arbeit befaßt sich eingehend mit den Grundlagen der neueren Systemtheorie Luhmann'scher Prägung und schlägt anschließend die Brücke zur praktischen Umsetzung in der Beratungsbranche und zeigt hierbei Chancen, Risiken und Besonderheiten des ...
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG: ENTWICKLUNG DER BERATUNGSBRANCHE UND ZIELSETZUNG
2 SYSTEMTHEORETISCHE GRUNDLAGEN
2.1 KONSTRUKTIVISMUS UND KYBERNETIK 2. ORDNUNG
2.1.1 Konstruktivismus
2.1.1.1 Das Maschinenmodell
2.1.1.2 Beobachtungen
2.1.2 Kybernetik 2. Ordnung
2.2 AUTOPOIESE, OPERATIONALE GESCHLOSSENHEIT UND SELBSTREFERENZ
2.2.1 Autopoiese
2.2.2 Operationale Geschlossenheit und Selbstreferenz
2.3 (SOZIALE) SYSTEME
2.3.1 System/ Umwelt Differenz und Komplexität
2.3.2 Funktionale Differenzierung
2.3.3 Systemebenen
2.4 KOMMUNIKATION, ENTSCHEIDUNG UND ENTSCHEIDUNGSPRÄMISSEN
2.4.1 Kommunikation
2.4.2 Entscheidung
2.4.3 Entscheidungsprämissen
2.4.4 Unsicherheitsabsorption
2.5 ZUSAMMENFASSUNG
3 ABGRENZUNG DER SYSTEMISCHEN BERATUNG
3.1 KLASSIFIKATIONSANSÄTZE VON BERATUNGSFORMEN
3.2 INTERNE VS. EXTERNE BERATUNG
3.3 EXPERTENBERATUNG
3.4 PROZESSBERATUNG
3.5 MECHANISTISCHES UND SYSTEMISCHES BERATUNGSVERSTÄNDNIS
3.6 ZUSAMMENFASSUNG
4 SYSTEMISCHE THERAPIE
4.1 DIE SYSTEMISCHE (FAMILIEN-) THERAPIE
4.2 VORGEHENSWEISE
4.2.1 Hypothesenbildung
4.2.2 Intervention
4.3 AUSGEWÄHLTE METHODEN
4.3.1 Paradoxe Intervention
4.3.2 Exkurs: double-bind
4.3.3 Zirkuläres Fragen
4.4 ZUSAMMENFASSUNG
5 SYSTEMISCHE BERATUNG
5.1 DAS KLIENTENSYSTEM
5.2 DAS BERATERSYSTEM
5.3 DAS BERATUNGSSYSTEM
5.3.1 Eingrenzung
5.3.2 Die Paradoxie der Intervention
5.3.3 Interventionschancen
5.4 ZUSAMMENFASSUNG
5.5 EIN- BLICK IN DIE PRAXIS
5.5.1 Institutionen
5.5.2 Systemische Intervention in der Praxis
5.5.2.1 Interventionsarchitektur
5.5.2.2 Interventionsdesign
5.5.2.3 Interventionstechnik
5.5.3 Zusammenfassung
5.6 EXKURS: DIE VERSTEHENSPROBLEMATIK DER SYSTEMTHEORIE
6 ABSCHLIEßENDE BEURTEILUNG UND PERSPEKTIVEN
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die systemische Organisationsberatung auf Basis ihrer theoretischen Grundlagen fundiert darzustellen, kritisch zu beurteilen und mit ihrer praktischen Anwendung zu vergleichen. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie Organisationen als nicht-triviale, autopoietische Systeme verstanden werden können und welche Konsequenzen dies für die beraterische Praxis hat.
- Systemtheoretische Grundlagen (Konstruktivismus, Autopoiese, soziale Systeme)
- Abgrenzung der systemischen Beratung zu klassischen Experten- und Prozessberatungsansätzen
- Methodische Einflüsse der systemischen Familientherapie auf die Organisationsberatung
- Analyse des Beratungssystems (Interaktion zwischen Berater- und Klientensystem)
- Praxisanwendung: Interventionsarchitektur, -design und -techniken
Auszug aus dem Buch
2.1.1.1 Das Maschinenmodell
Um dies zu verdeutlichen sei auf die - ebenfalls auf Heinz v. Foerster (1993: 244ff.) zurückgehende - Unterscheidung von trivialen und nicht-trivialen Maschinen hingewiesen (vgl. Abbildung 3).
Während triviale Maschinen durch klare Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gekennzeichnet sind (Abbildung 3a), ein bestimmter Input (x) also zu einem genau berechenbaren Output (y) transformiert (f) wird, folgen nicht-triviale Maschinen ihrer eigenen Funktionslogik. Ein einfaches Beispiel einer trivialen Maschine ist ein Auto, das durch den Druck auf das Gaspedal (Input), was u.a. eine Erhöhung der Motorleistung (Transformationsfunktion) bewirkt, als Ergebnis eine beschleunigte Geschwindigkeit (Output) zur Folge hat, also ein linearer Ursache-Wirkungs-Zusammenhang vorliegt. Auch das traditionelle betriebswirtschaftliche Organisationsverständnis betrachtet Unternehmen letztlich als Trivialsysteme, die Ressourcen in einem deterministischen Transformationsprozess in Erzeugnisse umwandeln (vgl. Picot/Dietl/Franck 1999: 29, Wöhe 2000: 73f., Kieserling 1993: 72ff.). In einem Trivialsystem führt also ein bestimmter Input bzw. eine bestimmte Intervention von außen zu einem genau bestimmbaren Ergebnis bzw. einer genau bestimmbaren Wirkung. Das System kann damit analytisch eindeutig bestimmt werden.
Anders verhält es sich bei sogenannten „nicht-trivialen Maschinen“ (vgl. Abbildung 3b). Sie sind um einen inneren Zustand ‚z’ erweitert, der wiederum als Maschine (in der Maschine) aufgefasst werden kann. Der entscheidende Unterschied zur trivialen Maschine liegt darin, dass der Output (y) auch von diesem inneren Zustand der Maschine abhängig ist, der sich mit jeder Operation der Maschine ändert, insofern also - im Gegensatz zu trivialen Maschinen - geschichtsabhängig und nicht vorhersagbar ist. Jeder Input verändert den inneren Zustand, so dass der gleiche Input zu verschiedenen Zeiten einen anderen Output hervorbringen kann. Um bei dem genannten Beispiel zu bleiben, könnte man bei einer nicht-trivialen Auto-Maschine also nicht sicher sein, ob bei einer Betätigung des Gaspedals im Ergebnis auch wirklich eine Beschleunigung des Fahrzeugs erreicht werden würde, weil die innere „Er-Rechnung“ (des Motors) einen determinierten Output von außen verhindert. Auch einige neuere betriebswirtschaftliche Ansätze sehen in Organisationen und Unternehmen nicht-triviale Maschinen um monokausalen Erklärungs- und Beobachtungsmodellen die Betonung der Eigengesetzlichkeit von Organisationen gegenüberzustellen (vgl. Luhmann 2000: 9).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG: ENTWICKLUNG DER BERATUNGSBRANCHE UND ZIELSETZUNG: Einleitende Darstellung des Booms der Beratungsbranche und der Zielsetzung der Arbeit, die systemische Beratung theoretisch und praxisorientiert zu beleuchten.
2 SYSTEMTHEORETISCHE GRUNDLAGEN: Einführung in die zentralen systemtheoretischen Konzepte wie Konstruktivismus, Autopoiese, (soziale) Systeme und Entscheidungslogiken als Basis für die Beratung.
3 ABGRENZUNG DER SYSTEMISCHEN BERATUNG: Verortung der systemischen Beratung durch Abgrenzung zu klassischen Ansätzen wie der Experten- und Prozessberatung sowie mechanistischen Modellen.
4 SYSTEMISCHE THERAPIE: Analyse der Ursprünge systemischer Methoden in der Familientherapie und deren Relevanz als Applikation für die Organisationsberatung.
5 SYSTEMISCHE BERATUNG: Detaillierte Betrachtung des Beratungssystems, der Interventionsproblematik, praktischer Anwendungsbeispiele sowie der Verstehensproblematik.
6 ABSCHLIEßENDE BEURTEILUNG UND PERSPEKTIVEN: Zusammenfassende Würdigung des systemischen Beratungsansatzes, seiner Stärken, Schwächen und Zukunftsaussichten in der Beratungslandschaft.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Organisationsberatung, Konstruktivismus, Autopoiese, systemische Beratung, Interventionsdesign, Klientensystem, Beratersystem, soziale Systeme, Entscheidungsprämissen, Komplexität, Prozessbegleitung, Beobachtung zweiter Ordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Feld der systemtheoretisch begründeten Organisationsberatung und stellt deren theoretische Fundierung sowie praktische Anwendbarkeit dar.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die systemtheoretischen Grundlagen, die Abgrenzung der systemischen Beratung von anderen Beratungsformen, die Übertragung familientherapeutischer Konzepte sowie die Analyse des Beratungssystems an sich.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die systemische Beratung als fundierten Ansatz zu verorten und zu prüfen, inwieweit eine systemtheoretisch fußende Beratungstheorie praxistauglich und fruchtbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit auf Basis der neueren Systemtheorie (insb. nach Niklas Luhmann), ergänzt durch ein Experteninterview zur Praxis der systemischen Beratung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen die spezifischen Beratungsansätze, die therapeutischen Ursprünge und eine differenzierte Analyse des Beratungsprozesses als Interaktionssystem erarbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Systemtheorie, Autopoiese, soziale Systeme, Beobachtung zweiter Ordnung und systemische Intervention charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Familientherapie für die systemische Beratung?
Die Familientherapie dient als Vorbild und Ideengeber, da sie als erste die Konzepte der Systemtheorie auf soziale Systeme anwandte und methodische Vorgehensweisen wie das zirkuläre Fragen oder paradoxe Interventionen entwickelte, die für die Organisationsberatung adaptiert wurden.
Warum wird die Beratung als ein "Interaktionssystem" bezeichnet?
Weil Berater und Klienten für die Dauer der Beratung ein intermediäres, eigenständiges System (BKS) bilden, in dem Kommunikation unter Anwesenden stattfindet, um neue Erkenntnisse und Strukturänderungen zu generieren.
- Arbeit zitieren
- Alexander Jung (Autor:in), 2002, Theorie und Praxis der systemtheoretischen Organisationsberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185995