Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien


Diplomarbeit, 2005
103 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
Freie wissenschaftliche Arbeit
für die
Diplomprüfung für Volkswirte oder Kaufleute
an der
Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät
der
Eberhard-Karls-Universität
T ü b i n g e n
Eingereicht bei:
Professor Dr. Starbatty
Eingereicht von:
Dusan Vesenjak
Bregenz (Österreich)
Abgabetermin: 03. Januar 2005

Erklärung
,,Ich versichere an Eides statt, dass ich die Arbeit selbständig ohne unerlaubte fremde
Hilfe und ohne Benutzung anderer als der angegebenen Hilfsmittel angefertigt habe.
Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus Veröffentlichungen oder aus anderweiti-
gen fremden Äußerungen entnommen worden sind, habe ich als solche einzeln kennt-
lich gemacht."
Tübingen, den 03. Januar 2005
Dusan Vesenjak
©
Dusan Vesenjak, Tübingen 2005

III
Inhaltsverzeichnis
Erklärung...II
Inhaltsverzeichnis... III
Abbildungsverzeichnis...V
Tabellenverzeichnis...VII
Abkürzungsverzeichnis ... VIII
1
Problemstellung ...1
2
Theorie der Direktinvestitionen, Einflussgrößen und Wirkungen...6
2.1 Definitorische Begriffsabgrenzung... 6
2.2 Erscheinungsformen und Arten von Direktinvestitionen ... 9
2.3 Voraussetzungen und Motive von Direktinvestitionen ... 10
2.4 Ökonomische Partialtheorien... 13
2.4.1 Entscheidungsbegründende Ansätze... 13
2.4.2 Standorttheoretische Ansätze... 15
2.5 Eklektischer Ansatz nach Dunning... 18
2.6 Einflussgrößen und Wirkungen von Direktinvestitionen ... 19
2.6.1 Determinanten des Entscheidungsprozesses... 19
2.6.1.1 Politische, rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen ... 19
2.6.1.2 Infrastruktur, Privatisierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen ... 22
2.6.1.3 Fiskalische Stabilität und steuerliche Rahmenbedingungen ... 24
2.6.1.4 Marktgröße und Marktwachstum ... 26
2.6.1.5 Arbeitskosten und Humankapital ... 27
2.6.1.6 Außenhandelspolitik und wirtschaftspolitische Anreize... 29
2.6.2 Grundsätzliche Wirkungen auf das Zielland ... 30
2.6.3 Grundsätzliche Wirkungen auf die Geberländer ... 31
3
Wirtschaftsstruktur und ADI in Slowenien...32
3.1 Ausgangssituation und Wirtschaftstruktur ... 32
3.2 Direktinvestitionsströme in Slowenien... 37
3.2.1 Sektorale Analyse ... 39
3.2.2 Regionale Analyse ... 43
4
Analyse der Einflussgrößen und ihrer Wirkungen in Slowenien ...47
4.1 Politische, rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen... 47
4.2 Infrastruktur, Privatisierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen... 53
4.3 Fiskalische Stabilität und steuerliche Rahmenbedingungen... 58

IV
4.4 Marktgröße und Marktwachstum ... 63
4.5 Arbeitskosten und Humankapital ... 66
4.6 Außenhandelspolitik und wirtschaftspolitische Anreize ... 72
5
Resumee ...74
5.1 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen... 74
5.2 Ausblick... 79
Literaturverzeichnis...81
Internetverzeichnis...90

V
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Transformationskrise und Wirtschaftswachstum in Slowenien ... 3
Abb. 2: Direktinvestitionsströme ausgewählter Jahrgänge ... 11
Abb. 3: Erlösentwicklung im Produktlebenszyklus ... 17
Abb. 4: Grundformen der Privatisierung ... 23
Abb. 5: Zusammenhang zwischen Arbeitskosten und dem Zufluss der ADI... 28
Abb. 6: Anteile der Wirtschaftssektoren an der Bruttowertschöpfung... 33
Abb. 7: Verhältnis zwischen Branchen- und Beschäftigtenanteilen 2003... 34
Abb. 8: Wachstumsraten des realen BIP ... 35
Abb. 9: Sloweniens Leistungsbilanzsaldo... 36
Abb. 10: Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in Slowenien ... 38
Abb. 11: Bestand ausländischer Direktinvestitionen in Slowenien ... 39
Abb. 12: Struktur der Industrieproduktion in Slowenien 2003 ... 40
Abb. 13: Gewinn pro Beschäftigten in den wichtigsten Industriebranchen 2003 ... 41
Abb. 14: Geographische Lage Sloweniens ... 44
Abb. 15: Regionale Verteilung ausländischer Direktinvestitionen in Slowenien ... 46
Abb. 16: EBRD-Infrastrukturindex ausgewählter MOE-Staaten... 54
Abb. 17: EBRD-Privatisierungsindex ausgewählter MOE-Staaten ... 55
Abb. 18: Kombiniertes Modell der slowenischen Privatisierung ... 56
Abb. 19: Inflationsrate Sloweniens ... 58
Abb. 20: Nominale Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften 2003... 61
Abb. 21: Reales Wachstum des BIP im Vergleich... 65
Abb. 22: Produktivität in Relation zum Durchschnittseinkommen ... 67
Abb. 23: Bildungsniveau der slowenischen Bevölkerung ... 69
Abb. 24: Fremdsprachenkenntnisse der slowenischen Bevölkerung ... 71

VI
Abb. 25: Der Investitionsstandort Slowenien im Überblick... 75

VII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Formen des internationalen Markteintritts... 6
Tabelle 2: Motive für Direktinvestitionen... 12
Tabelle 3: Unternehmerische Internationalisierungsentscheidung nach Dunning... 18
Tabelle 4: Kategorien der Länder-Ratings... 22
Tabelle 5: Konvergenzkriterien der EWU... 25
Tabelle 6: Anteile der wichtigsten Handelspartner ... 36
Tabelle 7: Ausländische Direktinvestitionen nach Quellenländern ... 39
Tabelle 8: Sektorale Verteilung des Direktinvestitionskapitals... 42
Tabelle 9: Regionale Verteilung der ausländischen Direktinvestitionen ... 45
Tabelle 10: Länderrisiko ausgewählter MOE-Staaten ... 48
Tabelle 11: Demokratische Regierungen Sloweniens ... 49
Tabelle 12: Die wichtigsten Parteien Sloweniens ... 50
Tabelle 13: Konvergenzdaten Sloweniens... 59
Tabelle 14: Einkommenssteuertarife in Slowenien 2003 ... 62
Tabelle 15: Steuerliche Rahmenbedingungen in der Übersicht... 63
Tabelle 16: Berechnungsgrundlage für Abfindungen... 68
Tabelle 17: Government-FDI-Förderprogramm für 2004 ­ 2005 ... 74
Tabelle 18: Hindernisse und Barrieren für ausländische Investoren in Slowenien... 76
Tabelle 19: Motive ausländischer Investoren in Slowenien ... 77

VIII
Abkürzungsverzeichnis
Abb.
Abbildung
AG
Aktiengesellschaft
ADI
Ausländische Direktinvestitionen, Ausländischen Direktinvestitionen
Bd.
Band
BIP
Bruttoinlandsprodukt
bspw.
beispielsweise
bzw.
beziehungsweise
ca.
circa
CCIS
Chamber of commerce and industry of Slovenia
CEFTA
Central European Free Trade Agreement
CIA
Central Intelligence Agency
DEMOS
Demokratische Opposition Sloweniens
d. h.
das heißt
DIHK
Deutscher Industrie- und Handelskammertag
Diss.
Dissertation
EBRD
European Bank for Reconstruction and Development
ed.
Editor
erg.
ergänzt(e)
erw.
erweitert(e)
et al.
et alii
etc.
et cetera
EURES
Europäisches Portal zur beruflichen Mobilität
EWU
Europäische Währungsunion
f.
folgende
FDI
Foreign Direct Investment
ff.
fortfolgende
H.
Heft
i. d. R.
in der Regel
i. e. S.
im engeren Sinne
IWF
Internationaler Währungsfond
Inc.
Incorporated
KSV
Kreditschutzverband Österreichs
MOE
Mittel- und Osteuropa

IX
MOEL
Mittel- und Osteuropäische Länder
neubearb.
neubearbeitet(e)
OECD
Organisation for Economic Co-operation and Development
OLI-Paradigma Ownership-Location-Internalization-Paradigma
p.
Page
pp.
Pages
Pkt.
Punkte(n)
rev.
revidiert(e)
S.
Seite
SIT
Slowenischer Tolar
SOE
Südosteuropa
Sp.
Spalte
Tab.
Tabelle
TIPO
(Slovenian) Trade and Investment Promotion Agency
u. a.
und andere, und anderes, unter anderem, unter anderen
u. Ä.
und Ähnliches
überarb.
überarbeitet(e)
UNCTAD
United Nations Conference on Trade and Development
Univ.
Universität
unveränd.
unverändert(e)
USD
US-Dollar
Vol.
Volume
vollst.
vollständig
WIIW
Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche
wisu
Text Wirtschaftsstudium [Zeitschrift]
YUD
Jugoslawischer Dinar
z. B.
zum Beispiel
z. T.
zum Teil
zugl.
zugleich

X
Die Gegenwart ist der traurige Zustand
zwischen der guten alten Zeit
und einer glanzvollen Zukunft.
Zarko Petan, slowenischer Großmeister des Aphorismus
Für Ellen, meine Mutter
und alle Territorialverteidiger,
die 1991 ihr Leben lassen mussten.

Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
Seite 1
1
Problemstellung
Als am 26. Juni 1991 die Gunst des ,,Wind of Change" genutzt wurde, den Michail Gorbat-
schow mit seiner Reformpolitik in der UdSSR ausgelöst hatte, und die Unabhängigkeit vom
jugoslawischen Vielvölkerstaat erklärt wurde, kannte der Optimismus bei den ca. 2 Millionen
Einwohnern der Alpenrepublik Slowenien kaum mehr Grenzen. Zum einen konnte der alte
Traum von nationaler Selbstbestimmung zum ersten Mal in der Geschichte realisiert werden,
nachdem man mehrere Jahrhunderte lang als Spielball der umliegenden Mächte fungieren
musste und eine mehr als wechselvolle Geschichte der Fremdbestimmtheit hinter sich hatte.
Zum anderen kam man aus den Wirren eines auseinander brechenden Jugoslawiens, mit all
seinen ethnischen und wirtschaftlichen Problemen, mehr als glimpflich heraus, obwohl man
eigentlich zusammen mit Kroatien Initiator eben dieses Zusammenbruchs war.
1
Zum Dritten wurden die ökonomischen Ausgangsbedingungen im eigenen Land geradezu
euphorisch positiv eingeschätzt. Immer wieder tauchte in der öffentlichen Diskussion der
Begriff ,,Schweiz der Reformstaaten" auf. Dies stützte sich einerseits auf die Tatsache, dass
man in fast allen Belangen im ehemaligen Jugoslawien als Musterschüler gegolten hatte und
eine gut ausgebaute Infrastruktur besaß, andererseits auf die traditionell guten Beziehungen zu
den westlichen Industrienstaaten ­ vor allem zu Österreich, Deutschland, Frankreich und der
Schweiz. Innerhalb der sozialistischen Staaten kam es schon sehr früh zu einem Bruch des
jugoslawischen Staatsgründers Josip Broz Tito mit der Sowjetunion und infolgedessen zu
einer eigenen Interpretation sozialistischen Wirtschaftens, die sich im so genannten ,,jugosla-
wischen Modell der Arbeiterselbstverwaltung" manifestierte. Dieses enthielt, im Gegensatz zu
den sozialistischen Satellitenstaaten, die unter sowjetischem Einfluss standen, marktwirt-
schaftliche Elemente und ließ Privatbesitz innerhalb definierter Grenzen zu. Obwohl das ,,ju-
goslawische Modell" letztlich infolge systembedingter Schwächen landesweit kollabierte,
funktionierte es in der nördlichsten Teilrepublik aufgrund immer wieder eingeleiteter markt-
wirtschaftlicher Reformen noch am effektivsten, so dass Slowenien mit einen Gesamtbeitrag
1
Es kam unmittelbar nach der Unabhängigkeit zu einer zehntätigen, kriegerischen Auseinandersetzung, die
durch den Einmarsch der jugoslawischen Volksarmee ausgelöst wurde. Es gelang jedoch, nicht zuletzt durch die
Einflussnahme europäischer Spitzenpolitiker, eine rasche diplomatische Einigung, so dass der volkswirtschaftli-
che Schaden dieses Konfliktes minimal blieb; vgl. Jansa (1994), S. 246 ­ 257; Meier (1996) S. 280 ­ 317; Rupel
(1997), S. 188 ff.; Stani (1998) S. 245.

Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
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von 11 % zu den wesentlichen Nettobeitragszahlern innerhalb des jugoslawischen Bundes-
haushalts gehörte. Beinahe 18 % der jugoslawischen Wirtschaftsleistung wurde von Slowe-
nien erwirtschaftet, dessen Bevölkerungsanteil kaum 8 % betrug.
2
Mit einem Pro-Kopf Einkommen von ca. 6.000 USD lag man bereits zum Zeitpunkt der Se-
zession über den Werten der EU-Staaten Portugal und Griechenland. Während südliche Re-
publiken wie bspw. das Kosovo 27 % des durchschnittlichen jugoslawischen Pro-Kopf-
Sozialproduktes erwirtschafteten, steigerte Slowenien seine Werte zum Zeitpunkt der Sezes-
sion auf 203 %. Das zunehmende Nord-Süd-Gefälle versuchte die jugoslawische Zentralregie-
rung durch eine immer stärkere Umverteilung zu bekämpfen, was jedoch zu erheblichen
Spannungen und Unmut bei der slowenischen Führung und der Bevölkerung führte.
3
Im Ge-
gensatz zu den südslawischen Nachbarrepubliken verbrachte Slowenien mehr als 1000 Jahre
seiner Geschichte unter deutscher Oberherrschaft, was seine Spuren in puncto Fleiß und Ord-
nungsliebe derart hinterließ, dass die Slowenen als die Preußen Jugoslawiens galten und in-
nerhalb Jugoslawiens oft als Sonderlinge angesehen wurden.
4
Aber genau dieses Wissen um
die eigene Stärke und Leistungsbereitschaft nährte den Optimismus nach der Sezession.
Nachdem man sich des Klotzes der Transferleistungen gen Süden entledigt hatte, deuteten
scheinbar alle Indikatoren auf ein Erfolgsmodell hin. Der Euphorie folgte jedoch, analog zu
den anderen Transformationsstaaten Mittel- und Osteuropas, eine tief greifende Transformati-
onskrise, die durch folgende Charakteristika gekennzeichnet werden kann:
5
Wegfall traditioneller Absatzmärkte in den postkommunistischen Staaten
starker Anstieg der Inflation, ausgelöst durch binnenwirtschaftliche Liberalisierung und
monetäre Reformen
eine rapide Verringerung der Industrieproduktion und des Bruttoinlandsproduktes
sinkende Arbeitsproduktivität durch die nicht erfolgte Anpassung der Beschäftigtenzah-
len, danach zunehmende Arbeitslosigkeit
sinkende Reallöhne und abnehmender Lebensstandard
2
Vgl. Kracun (1993), S. 21 ff.; Meier (1996) S. 211; Mozina Pavli (2004), S. 34.
3
Vgl. Kraft / Vodopivec / Cvikl (1997), S. 201 ff.
4
Vgl. Rheder (1999), S. 17; Meier (1996) S. 97 ­ 112.
5
Vgl. Büschenfeld (1999), S. 507 f.; Habuda / Jennewein / Oppenländer (1996), S. 1; Rheder (1999), S. 45.

Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
Seite 3
starke Verschuldung der Betriebe
121,5
70
80
90
100
110
120
130
1
9
8
8
1
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8
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9
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0
0
0
2
0
0
1
2
0
0
2
2
0
0
3
Jahr
BIP
Stand 1988 = 100
Abb. 1: Transformationskrise und Wirtschaftswachstum in Slowenien
Quelle: Eigene Darstellung, Daten: Statistical Office RS (2004).
Obwohl auch Slowenien all diese Begleiterscheinungen der Transformationskrise durchlaufen
hat, gab es signifikante Unterschiede in der Umsetzung der zentralen Elemente des Transfor-
mationsprozesses gegenüber anderen Reformstaaten, worauf im Folgenden noch näher einge-
gangen wird. Grundsätzlich ist der Transformationsprozess von einer sozialistischen Planwirt-
schaft zu einer freiheitlich orientierten Marktwirtschaft im Wesentlichen gekennzeichnet
durch:
6
die Freigabe der Planpreise
den Abbau makroökonomischer Ungleichgewichte durch eine restriktive Geld- und Fis-
kalpolitik
die Eindämmung der Inflation
die Privatisierung der Staatsbetriebe, bzw. die Liberalisierung der Wirtschaft
die außenwirtschaftliche Öffnung
6
Vgl. Apolte / Cassel (1991), S. 111 ff.; EBRD (1997), S. 12 ­ 20; Habuda / Jennewein / Oppenländer (1996), S.
6 f.

Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
Seite 4
Relevant in diesem Zusammenhang ist die Frage, welche Reformkräfte den Transformations-
prozess leiten und welche Geschwindigkeit bei der Implementierung marktwirtschaftlicher
Strukturen, gewählt wird. Dabei stehen sich die Befürworter einer radikalen Schocktherapie,
also einer zügigen und parallelen Implementierung demokratischer und marktwirtschaftlicher
Strukturen bzw. die Anhänger einer graduellen und partiellen Transformation argumentativ
unvereinbar gegenüber.
7
Im konkreten Falle Sloweniens, wurde der ,,weiche" Weg eingeschlagen, was nicht zuletzt
damit zusammenhing, dass die Träger des Reformprozesses im Wesentlichen Reformkommu-
nisten, also die alten Eliten, waren. Im Gegensatz zu anderen postkommunistischen Staaten
entwickelte sich in Slowenien keine nennenswerte politische Gegenkultur, die von prominen-
ten Dissidenten angeführt worden wäre.
8
Vielmehr war das Scheitern des jugoslawischen
Modells Ende der 80er Jahre so evident, dass die kommunistische Führung Sloweniens die
ökonomische Notwendigkeit marktwirtschaftlicher Reformen und demokratischer Strukturen
von sich aus erkannte. Dies brachte sie allerdings in erhebliche Konflikte mit den restlichen
Republiken Jugoslawiens, die unter Führung Serbiens die wirtschaftlichen Probleme inner-
halb des alten Systems lösen wollten. Als immer deutlicher wurde, dass eine liberale Wirt-
schaftsordnung innerhalb der jugoslawischen Föderation nicht umzusetzen war, erfolgte der
Austritt aus dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens und als letzte Konsequenz die Sezes-
sion.
9
Die politische Elite verteilte sich daraufhin auf die ca. 20 Gruppierungen und Parteien,
die sich nun neu gründeten. Zwar gewann bei den ersten slowenischen Parlamentswahlen im
April 1990 mit DEMOS ein konservativ orientiertes Mitte-Rechts-Bündnis, welches sozialis-
tische Neu- oder Nachfolgeparteien ausschloss, doch waren auch die meisten der führenden
Politiker von DEMOS in verschiedensten Funktionen bereits im alten System aktiv.
10
Das
Bündnis zerbrach im April 1992, und unter Ministerpräsident Janez Drnovsek, der im Zuge
des Rotationsprinzips von 1989 bis 1990 bereits jugoslawischer Staatspräsident gewesen war,
wurde eine Linksregierung gebildet, die hauptsächlich aus sozialistischen Reformparteien
bestand. In wechselnden Koalitionen und mit einer kurzen Unterbrechung blieb Drnovsek als
7
Vgl. Habuda / Jennewein / Oppenländer (1996), S. 8 ff.; Poznanski (1993), S. 41 ff.
8
Vgl. Breinbauer / Wakouning (2003), S. 69; Rheder (1999), S. 137 ­ 142.
9
Vgl. Mencinger (1993), S. 23 ff.; Kracun (1993), S. 21 ff.; Meier (1996) S. 280 ­ 317.
10
Vgl. Gosar / Klemenci, M. / Klemenci, V. (1999), S. 254; Jansa (1994), S. 36.

Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
Seite 5
Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei bis 2002 Ministerpräsident, war also als zent-
rale politische Figur für den Transformationsprozess verantwortlich.
Charakteristisch für den slowenischen Weg der Transformation ist einerseits das offensichtli-
che Bemühen, extreme soziale Härten zu verhindern, andererseits ein ausgeprägter globalisie-
rungskritischer Protektionismus, dessen Hauptursache in der öffentlich immer wieder disku-
tierten Befürchtung vor einem ,,Ausverkauf" der slowenischen Wirtschaft zu sehen ist, so dass
in der ersten Phase der Privatisierung kaum ausländische Investoren berücksichtigt wurden.
11
Allerdings ergaben sich aus den Besonderheiten des jugoslawischen Modells der Arbeiter-
selbstverwaltung zum Teil recht komplexe Konstellationen, da die Betriebe konzeptionell
weder staatliches noch privates Eigentum waren, sondern genau genommen gesellschaftliches
Eigentum. Belegschaften und Pensionäre vertraten sehr lautstark ihre Interessen und forderten
eine angemessene Partizipation am Privatisierungsprozess.
12
Die Politik reagierte, indem ein
regelrechter ,,Spagat" zwischen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Interessen vollzo-
gen wurde. Im Gegensatz zu anderen Transformationsstaaten wurde ein Unternehmen erst
dann privatisiert, wenn es als wettbewerbsfähig eingestuft wurde. So sollten Spekulanten ab-
geschreckt und größere Pleiten verhindert werden. Auf ausländische Investoren wirkte diese
Vorgehensweise zunächst jedoch abschreckend, so dass ausländische Direktinvestitionen (A-
DI) mit ca. 1 % des BIP lange auf einem sehr schwachen Niveau stagnierten und kaum fri-
sches Kapital ins Land floss.
13
Mit einem entschiedeneren Vorantreiben der Privatisierung
und Liberalisierung seit 1998 sowie diversen flankierenden Maßnahmen wurden die Aktivitä-
ten jedoch intensiviert, so dass sich die erhöhten Investitionsanreize mittlerweile auch in hö-
heren Direktinvestitionen ausländischer Investoren widerspiegeln. Begünstigt wurden diese
positiven Entwicklungen nicht zuletzt auch durch das Bemühen um einen Beitritt zur EU, der
am 1. Mai 2004 realisiert werden konnte.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die grundsätzlichen Determinanten der Standortwahl zu
bestimmen und die bisherigen Direktinvestitionsströme sowie die Standortqualität Sloweniens
zu analysieren. Als Basis werden deshalb in Kapitel zwei die Motive und die ökonomischen
Theorien untersucht, die die Beweggründe für das Tätigen von Direktinvestitionen näher be-
11
Vgl. Breinbauer / Wakouning (2003), S. 70 ff.; Vodopivec (1999), S. 38.
12
Vgl. Büschenfeld (1999), S. 507 ­ 510; GZS (1995), S. 1 ff.; Kokotec-Novak (1993), S. 353 ff.
13
Vgl. Büschenfeld (1999), S. 507 ­ 510; Rheder (1999), S. 49 ff.

Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
Seite 6
leuchten. Ausgehend von diesen Erkenntnissen werden Einflussgrößen und Faktoren, die für
eine internationale Investitionsentscheidung maßgebend sind, sowie die Auswirkungen auf
das Ziel- und Geberland analysiert. Kapitel zwei legt also die theoretische Grundlage für die
weitere Analyse fest. Kapitel drei beschäftigt sich mit den realen Direktinvestitionsströmen in
Slowenien und deren struktureller und regionaler Verteilung. Gegenstand des Kapitels vier ist
eine umfassende Analyse der konkreten Rahmenbedingungen für Investoren in Slowenien
anhand der in Kapitel zwei entwickelten Einflussgrößen. Vor dem Hintergrund dieses Soll-
Ist-Vergleiches werden in Kapitel fünf die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammenge-
fasst, die Lehren aus dem bisherigen Transformationsprozess gezogen sowie ein Ausblick
formuliert.
2
Theorie der Direktinvestitionen sowie Einflussgrößen und
Wirkungen
2.1
Definitorische Begriffsabgrenzung
Der Begriff der Direktinvestition ist zunächst von anderen Formen der Auslandsaktivitäten
abzugrenzen. Wirtschaftsunternehmen, die international operieren möchten, stehen zwangs-
läufig vor der Frage, welche Form der internationalen Aktivität bzw. welche Art von Interna-
tionalisierungsstrategie gewählt werden soll.
Wie in der folgenden Tabelle dargestellt, bieten sich dabei folgende Alternativen an:
Markteintritt
Exportbasiert
Vertragsbasiert
Ausländische Direktinvestition
Direkter Export
Indirekter Export
Weitere
Lizenz
Franchising
Technologie- und Servi-
ceverträge
Weitere
Neuerrichtung einer Produktionsstätte
(Greenfield-Investition)
Länderübergreifender Unternehmens-
erwerb oder Zusammenschluss
Joint Ventures
Weitere
Tabelle 1: Formen des internationalen Markteintritts
Quelle: Vgl. Lukas (2004), S. 50.

Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
Seite 7
Die risikoärmste und unverbindlichste Form der internationalen Aktivität ist der Export, also
der länderübergreifende Transfer von Waren, Dienst- und Faktorleistungen, der an die Ab-
nehmer in direkter Weise oder indirekt über Zwischenunternehmen vollzogen wird.
14
Da der
Kapitalaufwand bei dieser Form der Auslandsaktivität in der Regel eher gering ist und Ge-
schäftsbeziehungen schnell wieder beendet werden können, ist als wesentlicher Vorteil das
überschaubare Risiko anzusehen. Die Nachteile liegen, neben den hohen Transportkosten, vor
allem in der geographischen Kundenferne und den oftmals existierenden, protektionistischen
Handelshemmnissen vieler Länder.
15
Als zweite wesentliche Form der internationalen Aktivi-
tät sind vertragsbasierte Markteintrittskonzepte zu nennen. Hierbei handelt es sich um zeitlich
begrenzte Kooperationen zwischen selbständigen und unverbundenen Unternehmen, wobei
die Kooperationsformen vielfältig sein können.
16
Exemplarisch sind Lizenzvergaben zu nennen, bei denen gegen Entgelt oder sonstige Gegen-
leistungen die Erlaubnis überlassen wird, das Know-How des Lizenzgebers im Zielland zu
nutzen, d. h. die Güter des Lizenzgebers zu erzeugen und zu veräußern.
17
Dabei findet ein
Transfer von Methoden- und Technologiewissen statt, wobei jedoch seitens des Lizenzgebers
weder in formaler noch in inhaltlicher Hinsicht Einfluss auf die rechtliche und wirtschaftliche
Selbständigkeit des lizenznehmenden Unternehmens genommen werden kann.
18
Für den Li-
zenzgeber bietet diese Form der Auslandskooperation im Vergleich zum Export einige we-
sentliche Vorteile. Mit einem relativ geringen Kapitalaufwand können ausländische Märkte
erschlossen, Zollbelastungen vermieden und Importbeschränkungen umgangen werden.
19
Ri-
siken sind jedoch in den mangelnden Kontroll- und Einflussmöglichkeiten des Lizenzgebers
und der damit verbundenen Gefahr einer negativen Imagewirkung zu sehen.
20
Als dritte und weitreichendste Form des ausländischen Markteintritts sind ADI zu nennen. In
der Literatur existiert keine einheitliche Definition des Direktinvestitionsbegriffes, vielmehr
ist eine Vielzahl von verschiedenen Ansätzen vorhanden. Gemäß der gemeinsamen und rich-
tungweisenden Definition des IFW und der OECD, die im Folgenden auch Grundlage dieser
14
Vgl. Fischer (2000), S. 51; Jahrmann (1994), S. 47.
15
Vgl. Altmann (2001), S. 29; Plum (1995), S. 28; Rübel (2004), S. 183 ­ 186.
16
Vgl. Altmann (2001), S. 37; Jahrmann (1994), S. 55.
17
Vgl. Autschbach (2001), S. 12; Lukas (2004), S. 51.
18
Vgl. Jahrmann (1994), S. 58; Schumann (1999), S. 20.
19
Vgl. Altmann (2001), S. 40; Plum (1995), S. 28.
20
Vgl. Altmann (2001), S. 40; Jahrmann (1994), S. 58.

Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
Seite 8
Arbeit sein wird, können ADI als Kapitalexport eines inländischen Unternehmens oder eines
Investors (bzw. Direktinvestors) verstanden werden, die darauf abzielen, einen dauerhaften
und signifikanten Einfluss auf die Geschäftsleitung eines ausländischen Unternehmens auszu-
üben.
21
Unter dem Begriff ,,Direktinvestor" sind private Investoren sowie Institutionen oder
eine Kombination der genannten Wirtschaftsakteure zu verstehen, die Niederlassungen, Toch-
tergesellschaften oder verbundene Unternehmen im Ausland unterhalten.
22
Von einem dauer-
haften und signifikanten Einfluss auf den Direktinvestitionsempfänger ist gemäß den OECD-
Richtlinien dann auszugehen, wenn eine Beteiligung von mindestens 10 % der Kapital- oder
Stimmrechtsanteile am ausländischen Unternehmen gehalten werden und einige weitere Fak-
toren beobachtbar sind, bspw. die Einflussnahme oder Mitwirkung bei der Unternehmenslei-
tung, ein Personalaustausch oder ein Technologie- bzw. Kapitaltransfer.
23
Des Weiteren sind
als Direktinvestitionsobjekte zu betrachten:
Tochtergesellschaften mit eigener Rechtspersönlichkeit, an denen der Investor mehrheit-
lich beteiligt ist
Verbundene Unternehmen, an denen der Investor eine Minderheitsbeteiligung von 10 %
bis 50 % der Anteile hält
Zweigunternehmen ohne eigene Rechtspersönlichkeit, an denen der Investor Anteile bis
zu 100 % hält
24
Von der Direktinvestition abzugrenzen ist die so genannte Portfolioinvestition. Während Di-
rektinvestitionen Ausdruck längerfristiger Unternehmensstrategien sind, bei denen eindeutig
das ,,Kontrollmotiv" im Vordergrund steht, zielen Portfolioinvestitionen auf kurzfristige, häu-
fig spekulative Renditemitnahmen, bei denen hauptsächlich das ,,Ertragsmotiv" dominiert.
25
In sehr engem Zusammenhang mit den ausländischen Direktinvestitionen ist auch der Begriff
des Multinationalen Unternehmens zu sehen. Dunning (1997) definiert den Begriff als: ,,...an
21
Vgl. Cluse (1999), S. 10; IWF (1993), S. 86; OECD (1996), S. 7.
22
Vgl. OECD (1996), S. 8.
23
Vgl. OECD (1996), S. 8. Nationale Abweichungen vom OECD-Richtwert sind möglich. So ist bspw. in der
Zahlungsbilanzstatistik der Deutschen Bundesbank ein Grenzwert von 20 % maßgeblich; vgl. Deutsche Bundes-
bank (1990), S. 80.
24
Vgl. Fischer (2000), S. 23; OECD (1996), S. 8.
25
Vgl. Fischer (2000), S. 31; Jahrreiß (1984), S. 27; Broll (1990), S. 22.

Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
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enterprise that engages in foreign direct investment (FDI) an owns or controls value-adding
activities in more than one country."
26
Die Existenz einer Multinationalen Unternehmung
setzt also voraus, dass vorab eine Direktinvestition stattgefunden hat.
27
2.2
Erscheinungsformen und Arten von Direktinvestitionen
Innerhalb der Kapitalbilanz, die als Element der nationalen Zahlungsbilanz sämtliche Kapital-
bewegungen zwischen dem In- und Ausland erfasst, nehmen Direktinvestitionen eine zentrale
Stellung ein.
28
Grundsätzlich untergliedern sich Direktinvestitionen in die Positionen ,,Betei-
ligungskapital an Direktinvestitionsobjekten", ,,reinvestierte Gewinne" und in ,,sonstiges Ka-
pital".
29
In diesem Zusammenhang soll das Beteiligungskapital an Direktinvestitionsobjekten
und dessen grundlegende Formen eingehender analysiert werden. Dabei ist als erste mögliche
Direktinvestitionsform das ,,greenfield Investment", also die Errichtung oder Gründung einer
neuen Betriebsstätte auf der ,,grünen Wiese" zu nennen. Diese traditionelle Form der auslän-
dischen Investitionstätigkeit wurde hauptsächlich in Entwicklungsländern praktiziert, hat aber
seit Anfang der 80er Jahre wesentlich an Bedeutung verloren.
30
An Bedeutung gewonnen ha-
ben dagegen Fusionen und Übernahmen, also die so genannten mergers & acquisitions, was
nicht zuletzt auch dadurch begründet ist, dass der größte Teil der momentanen Direktinvesti-
tionsaktivitäten in den Industrieländern vorgenommen wird.
31
Als dritte mögliche Direktinvestitionsform kommt noch eine Minderheitsbeteiligung in Be-
tracht, bspw. in der Form eines Joint Ventures. Ein Joint Venture (gemeinsames Wagnis) liegt
dann vor, wenn die Verantwortung und das finanzielle Risiko eines gemeinsamen Vorhabens
durch mindestens zwei unabhängige Partner getragen wird.
32
Was die Bedeutung der einzel-
nen Direktinvestitionsformen angeht, so wurde bereits erwähnt, dass die Zahl der Neugrün-
dungen stark zurückgegangen ist. Etwa vier Fünftel der Direktinvestitionstätigkeit wird heute
26
Vgl. Dunning (1997), S. 181.
27
Vgl. Lukas (2004), S. 49; Broll (1990), S. 22; Rübel (2004), S. 152.
28
Innerhalb der Zahlungsbilanz werden systematisch alle wirtschaftlichen Transaktionen erfasst, die zwischen
Inländern und Ausländern innerhalb einer Periode stattgefunden haben. vgl. Caspers (2002), S. 3 ff.; Kallen
(1987), S.46.
29
Vgl. Caspers (2002), S.19 ­ 22; Fischer (2000), S. 22; Brümmerhoff (2002), S. 170 f.
30
Vgl. Jost (1997), S. 3; Kallen (1987), S. 56.
31
Vgl. Fischer (2000), S. 24.
32
Vgl. Altmann (2001), S. 43; Autschbach (2001), S. 68; Breinbauer / Wakouning (2003), S. 55.

Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
Seite 10
durch Mehrheitserwerb von Anteilen, also in Form von Beteiligungen und Übernahmen, getä-
tigt.
33
Zentrale Vorteile einer Neugründung liegen in maßgeschneiderten Lösungen durch die
Neustrukturierung, höherer Produktivität durch Einsatz modernster Konzepte, der Nichtexis-
tenz von Altlasten und den geringen Integrationsproblemen. Die Vorteile einer Übernahme
sind u. a. in der bereits vorhandenen Organisation und dem ebenfalls schon vorhandenen
Kundenstamm zu sehen.
34
Neben den beschriebenen Erscheinungsformen können Direktin-
vestitionen auch nach Art der Integration unterschieden und klassifiziert werden.
35
Von hori-
zontaler Integration ist dann auszugehen, wenn das Direktinvestitionsobjekt das annähernd
identische Produkt- oder Leistungsprogramm erzeugt, also in derselben Branche tätig ist. Die
Ziele einer horizontalen Integration sind meist in der Realisierung der Economies of Scale
bzw. der Economies of Scope
36
begründet. Bei vertikaler Integration ist das Direktinvestiti-
onsobjekt in der vor- (downstream) oder nachgelagerten (upstream) Leistungserstellungsebe-
ne tätig. Die Gründe einer vertikalen Integration sind hauptsächlich in der Sicherung wirt-
schaftlicher Transaktionen, z. B. von Zulieferprodukten, zu sehen.
37
Als dritte Form kommen noch konglomeratintegrierende Direktinvestitionen in Betracht. Da-
bei steht das Direktinvestitionsobjekt weder im horizontalen noch im vertikalen Produktions-
prozess mit dem Investor in Beziehung. Die Motive für diese Art der Integration sind dabei
hauptsächlich in Diversifikationsvorteilen zu sehen, bspw. in der Minimierung von Wechsel-
kursrisiken.
38
2.3
Voraussetzungen und Motive von Direktinvestitionen
Seit Mitte der 1980er Jahre ist weltweit ein signifikanter Anstieg der Direktinvestitionsströme
zu beobachten, der Ausdruck eines generellen Wandels hin zu globalen Unternehmensaktivi-
täten ist.
39
33
Vgl. Jost (1997), S. 3.
34
Vgl. Fischer (2000), S. 25; Breinbauer / Wakouning (2003), S. 54.
35
Vgl. Broll (1990), S. 37 ­ 44; Deuster (1996), S. 10 ­ 20; Jungmittag (1995), S. 40 ­ 43; Schumann (1999),
S. 34 ­ 39.
36
Unter Economies of Scale sind Kosteneinsparungen zu verstehen, die durch eine größere Ausbringungsmenge
und dadurch sinkende Fixkosten entstehen. Economies of Scope zielen dagegen auf Kosteneinsparungen ab, die
durch synergetische Effekte enstehen, wie z. B. durch die Zusammenlegung von Funktionsbereichen.
37
Vgl. Broll (1990), S. 40 f.; Jungmittag (1995), S. 42.
38
Vgl. Jahrreiß (1984), S. 257; Jungmittag (1995), S. 42; Fischer (2000), S. 226 ff.
39
Vgl. Deutscher Bundestag (2002), S. 50 ­ 51; Döhrn / Heiduk (1999), S. 23; Jungnickel (1999), S. 9.

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Weltweit
MOEL
Abb. 2: Direktinvestitionsströme ausgewählter Jahrgänge
Quelle: Eigene Darstellung, Daten: UNCTAD (2004).
Die Gründe hierfür liegen im Wesentlichen in den politischen und technischen Veränderun-
gen bzw. Fortschritten begründet, die die Voraussetzungen für globale Unternehmensstrate-
gien maßgeblich begünstigt haben. Zu nennen ist hierbei der Abbau zahlreicher Handelsbar-
rieren, die Liberalisierung und Deregulierung der Finanzmärkte und auch die Verringerung
der Transport- und Transaktionskosten.
40
Vor allem aber auch die rasanten Fortschritte der
modernen Kommunikations- und Informationstechnologie, die eine globale Koordination und
Überwachung von Unternehmensprozessen ermöglicht, haben die sprunghafte Zunahme von
Direktinvestitionen begünstigt. Die Motive, aus denen heraus Direktinvestitionen getätigt
werden, sind vielfältig und in den meisten Fällen eine Kombination verschiedener Faktoren.
In einer Befragung des DIHK (2004) haben deutsche Unternehmen, die ADI tätigen, folgende
Motive von 4 (sehr relevant) bis 0 (irrelevant) bewertet:
40
Vgl. Koch (2000), S. 7 ­ 19; Ruloff (1998), S. 12; Rübel (2004), S. 153.
Ende der Leseprobe aus 103 Seiten

Details

Titel
Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1.7
Autor
Jahr
2005
Seiten
103
Katalognummer
V186009
ISBN (eBook)
9783869439778
ISBN (Buch)
9783867467964
Dateigröße
1254 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ausländische, direktinvestitionen, slowenien
Arbeit zitieren
Dipl.-Kfm. Dusan Vesenjak (Autor), 2005, Ausländische Direktinvestitionen in Slowenien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186009

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