Die Globalisierung schreitet in großen Schritten voran. Insbesondere in Europa hat die internationale Verflechtung in den vergangenen Jahren stark zugenommen, so dass die demokratische Steuerungsfähigkeit von politischen Entscheidungen seitens der Mitgliedsländer mittlerweile als fraglich erscheint. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegene Arbeiten Grenzen und Gefahren des zunehmenden Internationalisierungsprozesses und identifiziert insbesondere die potenziellen Verlierer des Integrationsprozesses. Angelehnt an Zygmunt Baumans Theorie von globalen Gewinnern und lokalen Verlierern ist die Arbeit auf der Suche nach der Herausbildung eines europäischen Demos.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Mensch im Globalisierungskäfig
2.1. Zuhause – ein Fremdwort in der Globalisierung
2.2. Globalisierung – ein ungleicher Wettbewerb
3. Bauman – Erhellender Analytiker der Globalisierung?
3.1. Problematische Totalität
3.2. Bauman – weitblickender Philosoph
3.3. Ökonomische Engstirnigkeit
3.4. Bauman, Marxismus und Globalisierung
3.5. Globalisierung – und keiner ist’s gewesen
4. Globalisierung und Europa
4.1. Europa – nur ein makroökonomisches Modell?
4.2. Die Europäische Union ein ‚Europa der Bürger’?
5. Kritische Würdigung
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Zygmunt Baumans Theorie der Globalisierung auf ihre Konsistenz und Anwendbarkeit, wobei insbesondere die kritische Beleuchtung der gesellschaftlichen Zweiteilung in Gewinner („Globals“) und Verlierer („Locals“) sowie die Rolle der Politik und des europäischen Einigungsprozesses im Vordergrund stehen.
- Analyse der soziokulturellen Auswirkungen der Globalisierung nach Bauman
- Kritische Diskussion der ökonomischen Determinierung des Globalisierungsprozesses
- Untersuchung der Machtasymmetrien und der Rolle von Politik und Nationalstaat
- Fallbeispiel: Europäischer Einigungsprozess als Gegenentwurf zum reinen ökonomischen Modell
Auszug aus dem Buch
2.1. Zuhause – ein Fremdwort in der Globalisierung
Zeit und Raum sind in der globalen Welt bedeutungslos geworden. Von jeher ein relatives Maß zur Beurteilung von Entfernungen (Bauman: 1998, S. 12), kennzeichneten die Begriffe jetzt, im Zeitalter der „web world of interconnected computer terminals“ (Bauman: 1998, S. 18), keine wirklichen Behinderungsgrößen mehr. Bezeichnungen wie hier und dort, drinnen und draußen, nah und fern haben durch die Globalisierung ihre Relevanz verloren (Bauman: 1998, S. 12).
Bauman proklamiert das Ende der Geographie (Bauman: 1998, S. 12), das er als kennzeichnendes Merkmal der neuen Weltordnung ansieht. Die technologischen Fortschritte des vergangenen Vierteljahrhunderts hätten Wissen, Information und vor allem Kapital von den ehemals bestehenden physischen Zwängen des Raums befreit und ließen sich jetzt per Mausklick in Sekundenschnelle bewegen. Unternehmen könnten dadurch unverzüglich ihren Standort wechseln, wann und wohin sie wollten. Die neue Schicht der globalen Eliten – „global business, global culture managers, global academics“ (Bauman: 1998, S. 89) – operierten in diesem neuen Rahmen bequem und zu ihren Nutzen, da sie, im Unterschied zur kollabierenden Welt der territorial gebundenen Locals, über die entscheidende Befähigung für die Globalisierung verfügten: Mobilität!
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der durch Globalisierung verursachten sozialen Diskrepanzen und Vorstellung der zentralen Forschungsfrage zur Überprüfung von Baumans Theorie.
2. Der Mensch im Globalisierungskäfig: Untersuchung der zeitlichen und räumlichen Entgrenzung durch Globalisierung und der daraus resultierenden Zweiteilung der Gesellschaft in mobile Eliten und sesshafte Verlierer.
3. Bauman – Erhellender Analytiker der Globalisierung?: Kritische Auseinandersetzung mit Baumans totalem Erklärungsansatz, seiner ökonomischen Fixierung und seinem pessimistischen Blick auf soziale Prozesse.
4. Globalisierung und Europa: Analyse des europäischen Einigungsprozesses als Gegenbeispiel zur rein ökonomischen Globalisierungsthese, wobei der Fokus auf politischer Gestaltung und supranationalen Normen liegt.
5. Kritische Würdigung: Abschließende Bewertung der wissenschaftlichen Belastbarkeit von Baumans Thesen und Einordnung seines Werkes als polemischer Beitrag zur Globalisierungsdebatte.
6. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Zygmunt Bauman, Globals, Locals, Mobilität, Europäische Integration, Nationalstaat, soziale Entfremdung, Machtasymmetrie, Postmoderne, ökonomischer Determinismus, soziale Exklusion, politische Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Werk „Globalization – The Human Consequences“ von Zygmunt Bauman und dessen soziologische Deutung der globalisierten Weltordnung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die soziale Spaltung der Menschheit, der Verlust an räumlicher Bindung, die Macht der globalen Eliten und die Frage nach politischer Gestaltungsmöglichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Baumans Thesen auf ihre Konsistenz zu prüfen und anhand des europäischen Einigungsprozesses zu hinterfragen, ob Globalisierung ausschließlich als rein ökonomischer und unkontrollierbarer Prozess zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die Baumans Thesen mit politikwissenschaftlichen Erkenntnissen zur europäischen Einigung sowie weiterführender soziologischer Literatur kontrastiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Baumans Gesellschaftsbild, eine kritische Diskussion seiner ökonomischen Engstirnigkeit und die Gegenüberstellung mit dem europäischen Integrationsmodell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Globalisierung, Globals, Locals, Mobilität, politische Steuerung und soziale Exklusion.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Staates?
Die Arbeit kritisiert, dass Bauman dem Nationalstaat lediglich eine passive Rolle zuschreibt und die politische Entscheidungsfähigkeit unterschätzt.
Was ist das wichtigste Argument gegen Bauman?
Das wichtigste Gegenargument ist, dass Bauman die politische Dimension und die Fähigkeit zur aktiven Gestaltung internationaler Prozesse zugunsten eines rein ökonomischen Determinismus ausblendet.
- Arbeit zitieren
- Denis Drechsler (Autor:in), 2001, Der Mensch im Globalisierungskäfig - Gefahren zunehmender Internationalisierung aus europäischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186065