Der Unterrichtsentwurf ist im Zusammenhang mit der Erarbeitung der Herausbildung des Gewissens zu lesen und zu verstehen. Die Schüler erfahren in vorangegangenen Stunden oder auch in folgenden etwas über die Funktion und die Rolle des Gewissens. Dazu wählte ich Dilemmasituationen aus den verschiedenen Ausgaben der Lehrbücher für den Ethikunterricht. Die Schüler sollen so erfahren, dass es eine Instanz gibt, die gewissermaßen unser Handeln und Tun beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Stammesgeschichtliche Ausbildung des Gewissens als biologischer Aspekt [Charles Darwin]
2. Religiöse Begründung unseres Gewissens [John Henry Newman]
3. Der Mensch als psychischer Apparat [Sigmund Freud]
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Unterrichtseinheit ist die wissenschaftliche Untersuchung der Entstehung und Funktion des Gewissens aus psychoanalytischer Sicht. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern das Gewissen als verinnerlichte elterliche Autorität und psychische Instanz (Über-Ich) verstanden werden kann und wie es das menschliche Handeln steuert.
- Psychoanalytische Strukturmodell der Seele (Es, Ich, Über-Ich)
- Entstehung des Gewissens durch Identifizierung und Elterneinfluss
- Die Rolle des Ödipuskomplexes für die moralische Entwicklung
- Vergleich konkurrierender Erklärungsmodelle (biologisch, religiös, psychologisch)
- Diskussion von Eigenverantwortung und moralischer Urteilsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
Sigmund Freud. Der Mensch als psychischer Apparat
Zur Kenntnis dieses psychischen Apparates sind wir durch das Studium der individuellen Entwicklung des menschlichen Wesens gekommen. Die älteste dieser psychischen Provinzen oder Instanzen nennen wir das ES, sein Inhalt ist alles, was ererbt, bei Geburt mitgebracht, konstitutionell festgelegt ist, vor allem aber die aus der Körperorganisation stammenden Triebe, die hier einen ersten uns in seinen Formen unbekannten psychischen Ausdruck finden.
Unter dem Einfluss der uns umgebenden realen Außenwelt hat ein Teil des ES eine besondere Entwicklung erfahren. Ursprünglich als Rindenschicht mit den Organen zur Reizaufnahme und den Einrichtungen zum Reizschutz ausgestattet, hat sich eine besondere Organisation hergestellt, die von nun an zwischen ES und Außenwelt vermittelt. Diesem Bezirk unseres Seelenlebens lassen wir den Namen des ICHs.
Die hauptsächlichen Charaktere des ICH. Infolge der vorgebildeten Beziehung zwischen Sinneswahrnehmung und Muskelaktion hat das ICH die Verfügung über die willkürlichen Bewegungen. Es hat die Aufgabe der Selbstbehauptungen, erfüllt sie, indem es nach außen die Reize kennenlernt, Erfahrungen über sie aufspeichert [Gedächtnis], überstarke Reize vermeidet [durch Flucht], mäßigen Reizen begegnet [Anpassung] und endlich lernt, die Außenwelt in zweckmäßiger Weise zu seinem Vorteil zu verändern [Aktivität]; nach innen gegen das ES, indem es die Herrschaft über die Triebansprüche gewinnt, entscheidet, ob sie zur Befriedigung zugelassen werden sollen, [...].
Zusammenfassung der Kapitel
1. Stammesgeschichtliche Ausbildung des Gewissens als biologischer Aspekt [Charles Darwin]: Dieses Kapitel beleuchtet das Gewissen als Ergebnis evolutionärer Anpassungsprozesse, bei denen soziale Unterordnung und Gewöhnung das Überleben sichern.
2. Religiöse Begründung unseres Gewissens [John Henry Newman]: Hier wird das Gewissen als absolute, transzendente Instanz dargestellt, die unveränderliche moralische Maßstäbe vorgibt, welche außerhalb menschlicher Diskussion stehen.
3. Der Mensch als psychischer Apparat [Sigmund Freud]: Dieser Abschnitt führt Freuds Instanzenmodell ein, das das Gewissen als „Über-Ich“ durch Verinnerlichung elterlicher Autorität und Identifizierungsprozesse erklärt.
Schlüsselwörter
Gewissen, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Es, Ich, Über-Ich, Identifizierung, Elterneinfluss, Triebsteuerung, Ödipuskomplex, Realitätsprinzip, psychischer Apparat, Moralentwicklung, Schuldgefühle, Selbstbehauptung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtseinheit grundsätzlich?
Der Entwurf befasst sich mit der theoretischen Herleitung und dem Verständnis des menschlichen Gewissens aus der Perspektive der Freudschen Psychoanalyse für den Ethikunterricht der Klasse 10.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Differenzierung zwischen biologischen, religiösen und psychologischen Erklärungsansätzen für moralisches Handeln sowie die Analyse der Struktur der menschlichen Psyche.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Schülern zu vermitteln, dass das Gewissen eine erlernbare und entwicklungsfähige Instanz ist, und sie dazu anzuregen, die Herkunft ihrer eigenen moralischen Urteile zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die psychoanalytische Methode Freuds genutzt, ergänzt durch textanalytische Verfahren, den Vergleich verschiedener anthropologischer Modelle und die Diskussion ethischer Dilemmata.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Konzepte von Es, Ich und Über-Ich definiert, deren Zusammenspiel erläutert und die Bedeutung der frühkindlichen Elternbeziehung sowie des Ödipuskomplexes für die Ausbildung des Gewissens analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Psychoanalyse, Instanzenmodell, Gewissensbildung, Identifizierung und ethische Verantwortung beschreiben.
Wie genau entsteht laut Freud das Gewissen im Kind?
Das Gewissen (Über-Ich) entsteht durch die Identifizierung des Kindes mit den Eltern. Die ursprüngliche Angst vor Strafe und Liebesverlust (Realangst) wird verinnerlicht und bildet so die neue, innere Instanz, die das Verhalten bewertet.
Welche Konsequenz hat Freuds Theorie für die Eigenverantwortung?
Freuds Theorie stellt die Frage, inwieweit der Mensch durch seine Erziehung und unbewusste Prozesse determiniert ist und ob es möglich ist, trotz dieser Prägungen Verantwortung für das eigene moralische Handeln zu übernehmen.
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- Juliane Wagner (Author), 2003, Das Gewissen (Sigmund Freud), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18613