Nutzungskonflikte im Gebiet des Nationalparks Khao Sok, Thailand

Problemerfassung und Lösungsansätze


Magisterarbeit, 2005
165 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Nutzungskonflikte im Gebiet des Nationalparks
Khao Sok, Thailand
-Problemerfassung und Lösungsansätze-
Magisterarbeit
Humboldt-Universität zu Berlin
Geographisches Institut
eingereicht
von: Andreas
Riedl
Berlin, den 30.05.2005

Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 3
Tabellenverzeichnis
4
Kartenverzeichnis
5
Abkürzungsverzeichnis
6
Glossar
7
Danksagung
und
Widmung
8
Abstract
9
Vorwort
11
Einleitung: Schutzgebiete - Chancen, Konflikte und Lösungswege
12
1.
Zielsetzung
und
Methodik
19
2.
Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand -
Konflikte
und
Herausforderungen
22
2. 1 Das Schutzgebietsystem Thailands
22
2. 2 Institutionelle und rechtliche Rahmenbedingungen
28
2. 3
Natur im Dienste der Entwicklung
30
2.
4
Die
thailändische
Ökotourismuspolitik
35
2. 5 Probleme und Herausforderungen
39
3.
Fallbeispiel: Der Nationalpark Khao Sok
43
3.
1
Physisch-geographischer
Kontext
44
3.
2
Siedlungs-
und
Nutzungsgeschichte
52
3. 3 Einschätzung des Managementsystems
58

3. 4
Gegenwärtige Nutzungen ­ Konflikte und Lösungsansätze
68
3.
4.
1
Dammbau
68
3.
4.
2
Fischerei
75
3. 4. 3 Jagd und Sammeln von NTFP`s
85
3.
4.
4
Tourismus
93
3.
4.
5
Landwirtschaft 115
Zusammenfassung
und
Ausblick
121
Quellenverzeichnis
127
Anhang I - VI

Abbildungsverzeichnis
Abb. 1:
IUCN Definition ,,Schutzgebiete"
12
Abb. 2:
Brundtland-Definition der nachhaltigen Entwicklung
13
Abb. 3:
Dreieck der nachhaltigen Entwicklung 14
Abb. 4:
Vier Definitionen der Pufferzone
16
Abb. 5:
Zwei Grundtypen der Pufferzone
16
Abb. 6:
Ökotourismusdefinition der Arbeitsgruppe Ökotourismus (1995)
17
Abb. 7:
Rückgang der natürlichen Wälder im ersten Jahrzehnt nach dem logging ban
25
Abb. 8:
Am Schutz der Biodiversität beteiligte staatliche Institutionen
28
Abb. 9:
Organisationsstruktur des DNP 29
Abb. 10:
Die Ecotourism Management Policy der TAT 36
Abb. 11:
Originaltext der TAT zu Ökotourismusaktivitäten
38
Abb. 12:
Landsat-Aufnahme der Nationalparkregion Khao Sok und
angrenzender
Gebiete
45
Abb. 13:
Morphogenese des tropischen Turmkarsts
48
Abb. 14
Indo-Burma Biodiversity Hotspot
49
Abb. 15:
Sundaland Biodiversity Hotspot
49
Abb. 16:
Managementstruktur des Nationalparks Khao Sok
58
Abb. 17:
Haupteingang des Nationalparks
59
Abb. 18 u. 19: Demarkierung der Nationalparkgrenze durch Grenzsteine und Hinweistafeln
61
Abb. 20:
Hinweistafel für in- und ausländische Besucher an einem Nebeneingang
61
Abb. 21:
Besucherzentrum des Nationalparks Khao Sok
64
Abb. 22: Landsat-Aufnahme des Chiew Larn-Stausees (09.01.1991)
69
Abb. 23:
Eine der über 100 Inseln im Chiew-Larn Stausee
72
Abb. 24:
Blick auf einen der westlichen Arme des Chiew-Larn Stausees 73
Abb. 25:
Gefangener Mekong-Riesenwels (Pangasiadon gigas)
75
Abb. 26: Schwimmendes Fischerdorf (Grot) auf dem Stausee
80
Abb. 27:
Der Fang wird sortiert
82
Abb. 28:
Auf der Suche nach Schildkröten
87
Abb. 29:
Chiew-Larn Stausee und Karstformationen im Nationalpark
94
Abb. 30:
Knospe der Rafflesia Kerrii M.
95
Abb. 31:
Blüte der Rafflesia Kerrii M.
95
Abb. 32:
Besucherzahlen 2001 bis 2004, aufgeschlüsselt nach Herkunft (gerundet)
97
Abb. 33:
Entwicklung der Besucherzahlen 2001 bis 2004, aufgeschlüsselt nach Eingang
(gerundet)
97
Abb. 34:
Entwicklung der Einnahmen durch Eintrittsgelder 1998 bis 2004
98
3

Abb. 35:
Naturnahe Bungalowanlage
103
Abb. 36
Negativbeispiel der touristischen Entwicklung in Khao Sok.
103
Abb. 37:
Schwimmende Bungalows des Tone Teuy Rafthouse
104
Abb. 38:
Eingezäunter Blütenstandort der Rafflesia Kerii Maijer
107
Abb. 39:
Touristischer Missbrauch eines Blütenstandortes
107
Abb. 40 u. 41 Eindrücke am Naturlehrpfad nahe dem Nationalpark-Hauptquartier
108
Abb. 42:
Kaum lesbare Hinweistafel
109
Abb. 43:
Baumüllentsorgung neben dem Naturlehrpfad 109
Abb. 44: Kautschukplantage
(Hevea brasilensis)
115
Abb. 45:
Ölpalmen (Elaeis guineensis Jacq.)
115
Abb. 46:
Longan (Dimocarpus longan Lour)
115
Abb. 47
Kokosnuss (Cocos nucifera L.)
115
Abb. 48:
Brandrodung zur Neuanlage von Kautschukplantagen
117
Abb. 49:
Rambutan/Bananen Mischkultur
118
Abb. 50:
Zitrusplantage 118
Abb. 51 u. 52: Neu angelegte Plantagen am Rand des Nationalparks
119
Tabellenverzeichnis
Tab. 1:
Anzahl und Fläche der Schutzgebiete weltweit (Stand 2003)
12
Tab. 2:
IUCN
Managementkategorien und Definitionen 18
Tab. 3:
Schutzgebietskategorien
in Thailand
23
Tab. 4:
Thailands Schutzgebiete: IUCN-Kategorien, Anzahl, Fläche und Anteil an der
Landoberfläche
26
Tab. 5:
Managementziele der verschiedenen thailändischen Schutzgebietskategorien
bezogen auf die Matrix der IUCN-Kategorien und Managementziele für
Schutzgebiete
27
Tab. 6:
Fläche und Einwohnerzahl der im und am Nationalpark gelegenen
Administrativen Einheiten (Stand 1998) 56
Tab. 7:
Verteilung der Parkangestellten auf die Außenposten der
Nationalparkverwaltung 63
Tab. 8:
Wirtschaftlich bedeutende Fischarten und Fangmengen im
Chiew Larn-Stausee (Stand Dezember 2004)
77
Tab. 9:
Herkunft der Fischer auf dem Chiew Larn-Stausee ( Stand Juli 1996)
78
Tab. 10:
Herkunft der Fischer auf dem Chiew Larn- Stausee (Stand Januar 2005)
78
Tab. 11:
Zahl der im Park geduldeten Fischer (Stand Juli 1996)
80
Tab. 12:
Zahl der im Park geduldeten Fischer (Stand Januar 2005)
80
4

Tab. 13:
Häufig gewilderte Tierarten
86
Tab. 14:
Illegal im Nationalpark gesammelte NTFP`s
90
Tab. 15:
Staatliche und private Unterkünfte auf dem Chiew Larn-Stausee
96
Tab. 16:
Ergebnisse der Befragung der Betreiber staatlicher und privater Unterkünfte
auf dem Chiew-Larn Stausee.
105
Tab. 17:
Agrarprodukte der Region Khao Sok
116
Kartenverzeichnis
Karte 1:
Lage des Nationalparks Khao Sok in der Provinz Surat Thani
43
Karte 2:
Abbaubare Bodenschätze in der Nationalparkregion
46
Karte 3:
Armut und Schutzgebiete in Südthailand
56
Karte 4:
Landnutzung und Schutzgebiete in Südthailand 57
Karte 5:
Skizzierung der Nutzungskonflikte
121
5

Glossar
Changwat
Provinz
Amphoe
Distrikt
Tamboon
Subdistrikt
Khao
Ort, Berg (u. a.)
Khlong Fluss,
Kanal
Rai
thailändisches
Flächenmaß; 1 Rai entspricht 1600 m² oder 0,16 ha.
Baht
thailändische Währungseinheit; im Untersuchungszeitraum entsprachen
einem Euro 49 bis 51 Baht.
Ban
Dorf
Aus dem Thailändischen und Englischen stammende geographische Begriffe sowie Ortsnamen und
Eigennamen werden in dieser Arbeit kursiv geschrieben. Die Wiedergabe der thailändischen Begriffe
im Deutschen entspricht der in der ausgewerteten Literatur benutzten Schreibweise.
7

Danksagung und Widmung
Mein Dank geht an Prof. Ludwig Ellenberg vom geographischen Institut und Prof. Vincent Houben
vom Seminar der Südostasienstudien der Humboldt Universität zu Berlin für die Betreuung dieser
Arbeit und ihre konstruktive Kritik.
Besonderen Dank möchte ich allen Bewohnern von Khao Sok zukommen lassen, die mich an ihrem
Alltag teilnehmen ließen und mir so Einblicke gewährten, die mir offizielle Informationen nicht hätten
geben können. Auch den Mitarbeitern des Nationalparks, die über die strengen Vorschriften bezüglich
der Herausgabe interner Informationen hinwegsahen ein herzliches Danke!
Mr. Thom Henley gebührt mein Dank dafür, dass er die persönlichen Erfahrungen, die er in über zehn
Jahren in Kao Sok zusammengetragen hat mit mir teilte. Dr. Antony Lynam und Warren J.
Brockelmann danke ich ebenfalls für ihre hilfreichen Hinweise.
Bei Beginn meines Aufenthalts in Khao Sok waren knapp zwei Wochen seit der Flutkatastrophe vom
26.12.2004 vergangen. Ich fuhr in der Hoffnung nach Khao Sok, der fernab der Küste gelegene Ort
und seine Bewohner seien von Unheil verschont geblieben.
Ein guter Freund war in Khao Lak ums Leben gekommen, viele andere hatten Angehörige oder
Geschäfte an diesem touristisch hoch entwickelten Küstenabschnitt verloren.
Der Aufenthalt stand unter direktem Einfluss dieses Ereignisses. Den betroffenen Einwohnern von
Khao Sok rechne ich es deshalb hoch an, dass sie trotz der persönlichen Tragödien, die sie in dieser
Zeit erleben mussten, mir ihre ganze Hilfsbereitschaft zukommen ließen.
Vor allem der Familie Tonjung, besonders Waipot Tongjun, Jaroenphon Tongjun und Verasak
Pacharat fühle ich mich für ihre Hilfe und Gastfreundschaft verpflichtet.
Dank auch an Sevil, die mich wieder einmal ziehen ließ und deren Besuch in Khao Sok zu einem ganz
unerwarteten aber schönen Ergebnis führte.
Ich widme diese Arbeit meinem Freund Wud, der in Kao Lak ums Leben kam und Frau und Sohn
zurücklässt. Danke für deine Offenheit und Unvoreingenommenheit gegenüber mir!
8

Abstract
The establishment of protected areas aims at conserving biodiversity and contributing to a sustainable
use of the natural resources contained within these. Particular attention has to be payed to the impacts
of conservation measures upon local communities. Without appropriate means of participation,
exclusion of former resource users from conservation areas will lead to numerous conflicts between
the interests of nature conservation and local communities.
In Thailand, the rapid expansion of the country`s protected area system in the last decade has resulted
in a variety of land use conflicts. The extension of the areas did not go hand in hand with a comparable
extension of management capacities. Also, most of the country`s national parks and wildlife
sanctuaries lack management plans. The current legislation does not recognize the rights of local
communities in and around the parks to participate in planning and management.
The old national ideology, seeing national park as a means of nation building, territorialization and
economical validification of the country`s periphery dinminishes until now the efficency of the
protected area system in serving conservation of biodiversity and guaranteeing a sustainable
development of rural regions.
A considerable ideological change has taken part in the last decade. The People`s Constitution of
1997, Deputy Prime Minister Thaksin`s principles of good governance, the TAT`s Ecotourism
Management Policy, as well as different developement plans, all of them mention the importance of
local participation in protected area management. The role of ecotourism as a means to redistribute
wealth and create acceptance for different conservation projects within local communities plays a
major role in these new approaches.
But what clearly lacks is the enforcement of these new insights in everyday protected area
management. With the exception of a few pilot projects, local communities are still excluded from
plannig and management of the country`s national parks and other protected areas. Ecotourism
management aims at profit - maximising, more than generating additional income and incentives for
local resource users, and over-use of touristic areas often causes environmental damage.
On the basis of these findings and insights resulting from personal relations to members of the local
community, an assesment of land use conflicts was undertaken in the case study area Khao Sok, a
terrestrial national park in Surat Thani province.
This ecologically important mountainous area, situated in the transitional zone between the Indo-
burmese and Sundaic Biodiversity Hotspots became the country`s 22
nd
National Park on December
22, 1980.
Different land use conflicts could be identified. A large reservoir, hunting and fishing threaten the
national park`s ecosystem as well as uncontrolled tourism development in- and outside the protected
9

area`s boundaries. To a lesser degree the uncontrolled agricultural development of the adjacent areas
affects the conservation area. Following reasons were identified:
x Until today there are no participatory mechanisms.
x The lack of cooperation with the local community created a barrier between park authorities
and local resource users, that prevents broad acceptance of the national park.
x There is no systematic assesment of land use conflicts, so conflict solving mechanisms remain
unadequate.
x The main management objective seems to bee the development of the state-owned tourist
facilities inside the park. There is no planning and/or control of the private tourism
development around the park.
x There is practically no control of the considerable non-sustainable use of natural ressources
within the park`s boundaries through park officials.
x Corruption of the conservational legislation through park authorities can be observed.
x The lacking zoning of the national park and the adjacent areas resulted in the developement of
monospecies, export-orientated plantations in close proximity to the park`s boundaries.
On the basis of these results it was concluded that enforcment of the existing legislation and
regulations seems to be the most promising way to minimize conflicts and remains the most
important task for the future of Khao Sok. Following recommendatios would further help to reach
the conservation objectives and create broader acceptance within the local community:
x Park authorities have to act as an example for the local community, therefore illegal activities
of staff-members have to be stopped immediately.
x Payment of, and incentves for staff have to be improved.
x Cooperational mechanisms must be established.
x The fishermen living inside the park have to be controlled effectively.
x A land use zoning of the national park and adjacent areas should be realized as soon as
possible to prevent further degradation.
x Creation of a GIS to simplify monitoring of natural resources and human impacts
It will take considerable effort to change the centralistic, profit-orientated and unadequate management
system of Khao Sok towards a participatory management wich will provide the basis for long term
ecosystem conservation and a sustainable development of the adjacent communities. Greater
importance should be attributed to ecotourism as a tool for conservation. The involvement of national
and international NGO`s in Khao Sok is recommended to bridge the barrier between state authorities
and local resource users.
10

Vorwort
Warum diese Arbeit?
Der Wunsch nach einer eingehenden Beschäftigung mit dem Nationalpark Khao Sok entstand während
zwei Reisen in den Jahren 1999/2000 und 2002.
Motiviert wurde er durch die bei diesen Aufenthalten entstandenen freundschaftlichen Beziehungen zu
einigen Anwohnern. Diese, im Nationalpark als Touristenführer oder Naturschutzpersonal tätigen
alteingesessenen Einwohner des Dorfes Khao Sok ließen mich an ihrem Alltag teilhaben und weckten
in mir die Faszination für diese landschaftlich äußerst reizvolle Region, ihre Bewohner und das im
Park geschützte Ökosystem. Sie ermöglichten einen Einblick in die Vorgänge in und um den
Nationalpark und machten mich auf die Probleme des Schutzgebietes aufmerksam.
Ohne sie wäre die Idee zu dieser Arbeit weder entstanden, noch, wie sich im Nachhinein herausstellte,
durchführbar gewesen.
Als im Jahr 2004 die Auswahl des Themas meiner Magisterarbeit anstand, fiel die Entscheidung nicht
schwer. Mein Interesse am Untersuchungsgebiet, an tropischen Großschutzgebieten mit ihren
Problemen und Potentialen im Allgemeinen und das Wissen, diese Thematik in einer vertrauten
Region mit Hilfe der lokalen Bevölkerung bearbeiten zu können rechnen, ließen niemals Zweifel
bezüglich der Auswahl von Khao Sok als Untersuchungsregion aufkommen. Zusätzlich wurde die
Wahl dieses südthailändischen Schutzgebiets durch die im Vorfeld dieser Arbeit gewonnene
Erkenntnis bestärkt, dass keine (englischsprachigen) Informationen über diesen Nationalpark vorlagen
und es bisher keine Untersuchung der Nutzungskonflikte vor Ort gegeben hatte, diese aber eigenen
Beobachtungen nach sehr wohl existierten.
11

Einleitung: Schutzgebiete - Chancen, Konflikte und Lösungswege
Einleitung: Schutzgebiete - Chancen, Konflikte und Lösungswege
Abb. 1 : Die IUCN Definition von Schutzgebieten
"...an area of land and/or sea especially dedicated to the protection and maintenance of biological
diversity, and of natural and associated cultural resources, and managed through legal or other
effective means".
Quelle: Green 1997:1
Es gibt heute über 100000 Schutzgebiete (IUCN Definition siehe Abb. 1), deren Fläche sich über mehr
als 18 763407 km² erstreckt und fast neun Prozent der gesamten festen Erdoberfläche einnimmt (siehe
Tab.1). Gut zwei Drittel der Gesamtzahl, oder anders ausgedrückt, fast 80% der Gesamtfläche sind
nach den Kriterien der IUCN (siehe Tab. 2) kategorisiert worden. Die meisten dieser Schutzgebiete
wurden in den letzten 30 Jahren gegründet. In der gleichen Zeit stieg auch die Zahl der Länder, welche
Schutzgebiete ausgewiesen haben. In diesen Trends spiegeln sich die weit verbreitete und steigende
Besorgnis um die Erhaltung der Umwelt und die wachsende politische Bedeutung von
umweltpolitischen Belangen wieder (Davey 1998, IUCN 2004c).
Schutzgebiete gelten heute allgemein als die effektivsten Mittel zur Bewahrung der biologischen
Vielfalt in situ (Davey 1998; MacKinnon et al., 1986).
Tabelle 1:
Anzahl und Fläche der Schutz
gebiete weltweit (Stand 2003
)
Kategorie
Anzahl
Fläche (km²)
I a
4731
1 033888
I b
1302
1 015512
II
38810
4 413142
III
19833
275432
IV
27641
3 022515
V
6555
105688
VI
4123
4 377091
unkategorisiert
34036
3 569820
gesamt
102102
18 463407
Quelle: IUCN 2004c:5, bearbeitet.
Generell gesprochen ging die Vermehrung der Schutzgebiete aber nicht mit einer vergleichbaren
Expansion der Managementkapazitäten einher. Die Umwidmung von Land oder Wasserflächen in
Schutzgebiete hat häufig die Konflikte um Zugangsrechte, Nutzung oder Kontrolle der Gebiete nicht
lösen können und in einigen Fällen sogar verschärft.
Schutzgebiete werden nicht überleben, wenn ihnen keine Unterstützung der breiten Öffentlichkeit
zukommt, diese wiederum wird es nicht geben, solange die fundamentalen Bedürfnisse der
12

Einleitung: Schutzgebiete - Chancen, Konflikte und Lösungswege
Bevölkerung nicht erfüllt sind. Landnutzungs- und Ressourcenkonflikte, Ungerechtigkeit und
menschliche Einflüsse auf ein Gebiet nehmen nicht allein dadurch ab, dass man dieses als geschützt
erklärt. Die Planung und Verwaltung von Schutzgebieten muss im Kontext der Nutzungen und des
Managements anderer Flächen koordiniert werden, nicht in Isolation behandelt werden. Der
langfristige Erfolg der Schutzgebiete muss im Licht der allgemeinen Suche nach nachhaltigen
Entwicklungswegen gesehen werden (siehe Abb. 2 u. 3) (Philips 1998).
Abb. 2: Brundtland-Definition der nachhaltigen Entwicklung.
"Sustainable development meets the needs of the present without compromising
the ability of future generations to meet their own needs."
Quelle: World Commission on Environment and Development 1987:46.
Eine nachhaltige Entwicklung ist nur möglich, wenn das Management der natürlichen Ressourcen und
der Umwelt mit aktiver Partizipation der Bevölkerung stattfindet. Da die Menschen einen aktiven Teil
des Ökosystems darstellen, müssen die verschiedenen ökologischen, ökonomischen, sozialen und
technischen Faktoren als ein Ganzes behandelt werden. Um eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu
ermöglichen und die limitierten natürlichen Ressourcen nicht weiter zu schädigen, muss die Relevanz
von partizipatorischen Managementsystemen erkannt und diese müssen angewandt werden, um eine
Balance zwischen der menschlichen Nutzung und den natürlichen Ressourcen zu schaffen. Dieses,
möglichst transparente System muss es der Öffentlichkeit erlauben, ihre Bedürfnisse und Sorgen
auszudrücken und an relevanten Entscheidungen teilzunehmen. Informationen und Neuigkeiten sollten
schnell weitergegeben werden um in Gemeinschaft Aktionspläne zu erstellen, die echte Lösungen für
die Probleme bieten, mit welchen sich die Ressourcennutzer konfrontiert sehen (Sustainable
Development Foundation 1996).
Schutzgebiete stellen durch die Vorteile, welche durch sie sowohl für Mensch als auch Umwelt
entstehen, einen Weg zur nachhaltigen Nutzung naturnaher Räume dar. Entscheidend für die Effizienz
des Schutzvorhabens ist jedoch dessen Akzeptanz durch die lokale Bevölkerung. Nur ein
gemeinschaftliches, oder Co-Management von Schutzgebieten, das die Interessen der Anwohner
berücksichtigt und ökonomische Anreize für ihre Teilnahme am Naturschutz schafft, kann das
langfristige Gelingen des Schutzvorhabens absichern.
Der Begriff ,gemeinschaftliches Management' oder ,Co-Management' von Schutzgebieten bezieht
sich auf eine Partnerschaft der verschiedenen Interessengruppen und Akteure, die sich darauf geeinigt
haben, die Funktionen des Managements, die Rechte und Pflichten bezüglich eines bestimmten
geschützten Gebietes oder bestimmter geschützter Ressourcen untereinander aufzuteilen. Die Akteure
sind für gewöhnlich die für die Schutzgebiete zuständigen staatlichen Autoritäten und verschiedene
Vereinigungen der lokalen Bevölkerung und Ressourcennutzer, können aber auch NRO`s, die lokalen
13

Einleitung: Schutzgebiete - Chancen, Konflikte und Lösungswege
administrativen Strukturen, traditionelle Autoritäten, Forschungsinstitute, kommerzielle Unternehmen
und andere umfassen (Borrini-Feyerabend 1995).
Abb. 3: Das Dreieck der Nachhaltigen Entwicklung
Ökologische Verträglichkeit
x
Erhalt der Ökosysteme und der Artenvielfalt
x
Nachhaltige Nutzung der erneuerbaren Ressourcen
x
Minimale Nutzung nicht erneuerbarer Ressourcen
x Vermeidung von Umweltbelastungen
x
Erhalt der Pufferkapazität der Biosphäre
Nachhaltige
Entwicklung
Soziale Verträglichkeit
Wirtschaftliche Gerechtigkeit
x
I
ntergenerationelle Gerechtigkeit
x
Wachstum der Lebensqualität
Befriedigung materieller
Bedürfnisse
x
x
Gerechte Verteilung von materiellem
Wohlstand und Lebenschancen
x
Gleichmäßige Verteilung der Arbeit
x
Hohes Niveau von Kultur und Ausbildung
x Ausgeglichene Wirtschaftsstruktur
x
Ausgewogene Bevölkerungs- und
Siedlungsstruktur
x Gewährleistung der
Nahrungsversorgung und
Nahrungsqualität
x
Sozial- und umweltverträgliche Mobilität
x Hohes
Gesundheitsniveau
x Preisniveaustabilität
x Hohes
Sicherheitsniveau
Quelle: Eigene Darstellung nach Diefenbacher 2001.
Ebgret und De Greve (2000) nennen als vierte, in der Abbildung 3 nicht dargestellte Dimension die
institutionelle Nachhaltigkeit, die sich auf die Fähigkeit der Institutionen bezieht, ihren
Verpflichtungen hinsichtlich des Naturschutzes und einer nachhaltigen Entwicklung nachzukommen.
14

Einleitung: Schutzgebiete - Chancen, Konflikte und Lösungswege
Ellenberg et al. (1997) identifizieren folgende Chancen für die Absicherung von Schutzgebieten:
x Umweltbildung
x Kompensationsmaßnahmen
x Informationszentren in Schutzgebieten
x Unterstützung durch private
Organisationen/Stiftungen/
x Landnutzungsplanung
Einzelpersonen
x Qualifizierung von Naturschutzpersonal
x Dauersubventionen
x Aufbau von lokalen Umweltschutz
NRO`s
x Unterstützung durch Steuerpolitik
x Internationale Umweltabkommen
x Ausweitung von Schutzgebieten
x Lösung rechtlicher Konflikte
x International unterstützende NRO`s
x Akzeptanz ökologischer Kriterien
x Monitoring
x Verbund von Schutzgebieten
x Aufwertung traditioneller
Nutzungsmethoden
x Naturschutzorientierte Forschung
In vielen Schutzgebieten wird zur Vermeidung von Konflikten und damit zur Sicherung der Effizienz
des Schutzvorhabens der Naturschutz mit einer Nutzung durch den Menschen kombiniert, wobei
wichtige Areale (oft das eigentliche Schutzgebiet und/oder eine Kernzone) von einer so genannten
Pufferzone umgeben sind. In den Anfängen der Diskussion über Pufferzonen wurden diese primär als
Mittel dazu gesehen, die negativen Einflüsse menschlicher Siedlungen und Aktivitäten auf das zu
schützende Gebiet zu minimieren. Die Einschätzung der positiven Konsequenzen der Pufferzonen war
oft auf rein funktionelle Auswirkungen wie zum Beispiel die Reduzierung der durch Wildtiere
angerichteten Schäden gerichtet. Die Diskussion über die Ziele und Funktionen von Pufferzonen hat
sich in den letzten Jahren aber dahingehend verändert, dass man solche Zonen heute mehr als sozio-
ökologisches Konzept betrachtet, und nicht nur als eine geographisch abgegrenzte Fläche in welcher
die Nutzung der natürlichen Ressourcen eingeschränkt wird (McKinnon et al. 1986; Glastra 2000;
Ebregt und Greve 2000; Covention on Biological Diversity)
Ebregt und Greve (2000) unterscheiden unter anderen zwischen folgenden wichtigsten Typen von
Pufferzonen:
Die Definition des Begriffes Pufferzone ist in der Literatur nicht immer eindeutig. Es lässt sich
zwischen zwei Ansätzen unterscheiden. Der erste ist nur auf die Vorteile, die durch eine Pufferzone
x
Traditionelle Nutzungszonen inner-
oder außerhalb des Schutzgebietes.
x
Wald-Pufferzonen
x
Physische Pufferzonen (Canyons,
Zäune, Kanäle)
x
Pufferzonen entlang von
Fließgewässern und Seen
x
Soziale Pufferzonen
x
Sanitäre Pufferzonen
x
Feuer-Pufferzonen
15

Einleitung: Schutzgebiete - Chancen, Konflikte und Lösungswege
für das Schutzgebiet selbst entstehen, gerichtet, der zweite schließt die in den und um die
Schutzgebiete lebende Bevölkerung mit ein (siehe Abb.4).
Abb. 4: Vier Definitionen der Pufferzone
Aus der Perspektive des Naturschutzes:
x
Gebiet außerhalb des Schutzgebietes, dessen Aufgabe es ist, dieses vor negativen Einflüssen zu bewahren (Wind
und Prins 1991)
x
Eine Zone in der Peripherie eines Nationalparks oder vergleichbaren Schutzgebietes, in der die Ressourcennutzung
reguliert ist oder spezielle Entwicklungsprojekte vorgenommen werden, um den Wert dieses Gebietes hinsichtlich
seines Beitrags zum Schutz zu steigern (Sayer 1991).
Aus der Perspektive des Naturschutzes und der lokalen Gemeinden:
x
Jedes Gebiet, oft in der Peripherie des Schutzgebietes, innerhalb oder außerhalb gelegen, in der Aktivitäten
eingeleitet wurden oder das Management des Gebietes das Ziel verfolgt, die positiven Auswirkungen des
Schutzgebietes auf die benachbarten Gemeinden zu steigern und die negativen zu verringern, genau wie die
negativen Einflüsse der lokalen Gemeinschaften auf das Schutzgebiet zu verringern und deren positive Einflüsse zu
stärken (Wild und Mutebi 1996).
x
Schutzgebiete umgebende Flächen, deren Nutzung Restriktionen unterliegt um als zusätzlicher Schutz für das
Schutzgebiet selbst zu funktionieren, wobei den in der Umgebung des benachbarten ländlichen Gemeinschaften
Vorteile entstehen (McKinnon et al. 1986)
Quelle: McKinnon et al 1986; Ebregt und De Greve 2000; Kitawachakul 2001, Martino 2001.
Generell lassen sich zwei Grundtypen von Pufferzonen unterscheiden. Beim ersten ist die Pufferzone
Teil des Schutzgebietes selbst, also in dieses integriert. Beim zweiten Grundtyp wird eine Zone
bestimmter Breite um das eigentliche Schutzgebiet herum geschaffen, die einen zusätzlichen Schutz
vor negativen Randeffekten bietet (siehe Abb. 5)
Abb. 5: Die zwei Grundtypen von Pufferzonen
Quelle: Ebregt und Greve 2000: 13
16

Einleitung: Schutzgebiete - Chancen, Konflikte und Lösungswege
Als ein weiteres viel versprechendes Mittel zur Absicherung von Schutzgebieten gewinnt der
Tourismus in naturnahen Gebieten, manchmal als Natur- oder Ökotourismus bezeichnet, immer mehr
an Bedeutung. Sowohl internationale als auch Binnentouristen strömen in diese Regionen. Unter
Naturschützern löst diese Entwicklung sowohl enthusiastische als auch besorgte Reaktionen aus.
Ökotourismus kann dringend benötigtes Einkommen für die lokalen und regionalen Ökonomien
schaffen, das lokale Bewusstsein für die Wichtigkeit des Naturschutzes steigern und neue Anreize für
Regierung und die Menschen schaffen, die in der Umgebung dieser naturnahen Räume und in diesen
selbst leben, aktiv am Schutz teilzunehmen.
Gleichzeitig können die Belastungen, die auf diese Ökosysteme und die darin enthaltenen natürlichen
Ressourcen ausgeübt werden, die Attraktionen zerstören, durch die Touristen angezogen werden.
Eine verantwortungsvolle Entwicklung des Ökotourismus stellt daher eine Aufgabe von enormer
Wichtigkeit dar (Boo 1990, Ceballos-Lascouráin 1996, Ellenberg et al. 1997).
Abb. 6: Ökotourismusdefinition der Arbeitsgruppe Ökotourismus (1995)
,,
Unter Ökotourismus werden Formen des Naturtourismus verstanden, die in verantwortungsvoller
Weise negative Umweltauswirkungen und soziokulturelle Veränderungen zu minimieren suchen, zur
Finanzierung von Schutzgebieten beitragen und Einkommensmöglichkeiten für die lokale
Bevölkerung schaffen."
Quelle: Ellenberg et al. 1997:56
17

Einleitung: Schutzgebiete - Chancen, Konflikte und Lösungswege
Tabelle 2: IUCN Managementkategorien und Definitionen
Kategorie I: Striktes Naturreservat/Wildnisgebiet - Vorrangiges Managementziel: wissenschaftliche
Forschung und Schutz der Wildnis
Kategorie I a : Striktes Naturreservat - Vorrangiges Managementziel: wissenschaftliche Forschung
Definition: Land- oder Seegebiet das herausragende oder repräsentativen Ökosysteme, geologische oder physische Merkmale
und/oder Spezies enthält und vor allem für wissenschaftliche Forschung und/oder Umweltmonitoring vorgesehen ist.
Kategorie I b: Wildnisgebiet - Vorrangiges Managementziel: Schutz der Wildnis
Definition: Großes unverändertes oder nur geringfügig verändertes Areal, das seinen natürlichen Charakter und Einfluss
erhalten hat, ohne permanente oder signifikante Besiedlung, dessen Management auf den Erhalt des natürlichen Zustands
abzielt.
Kategorie II: Nationalpark - Vorrangiges Managementziel: Schutz des Ökosystems und Bereitstellung von
Erholungsmöglichkeiten
Definition: Natürliches Land- und/oder Seegebiet, das designiert wurde, um (a) die ökologische Integrität eines oder mehrerer
Ökosysteme für die heutige und zukünftige Generationen zu schützen, (b) Nutzungen oder Besitzergreifung auszuschließen,
die den Absichten bei der Gründung eines Nationalparks widersprechen und (c) ein Fundament für spirituelle,
wissenschaftliche, erzieherische und touristische Möglichkeiten schaffen, die aber alle ökologisch und kulturell mit dem
Nationalpark kompatibel sein müssen.
Kategorie III: Naturdenkmal - Vorrangiges Managementziel: Schutz bestimmter natürlicher Merkmale
Definition: Ein Gebiet, das eine oder mehrere spezifische natürliche oder kulturelle Merkmale aufweist, die von herausragender
Bedeutung wegen ihrer Seltenheit, ihrer repräsentativen oder ästhetischen Qualitäten oder ihrer kulturellen Bedeutung sind.
Kategorie IV: Habitat/Spezies Managementzone - Vorrangiges Managementziel: Schutz bestimmter
Elemente durch Intervention des Managements
Definition: Land- und/oder Seegebiet, in das für bestimmte Ziele des Managements aktiv eingegriffen wird, wie zum Beispiel zur
Instandhaltung von Habitaten und/oder um den Anforderungen bestimmter Spezies gerecht zu werden.
Kategorie V: Landschaftsschutzgebiet - Vorrangiges Managementziel: Schutz einer bestimmten
Landschaft und Bereitstellung von Erholungsmöglichkeiten
Definition: Landgebiet einschließlich Küste und Wasseroberflächen, in dem die Interaktionen zwischen Mensch und Natur im
Laufe der Zeit ein Gebiet mit distinktivem Charakter und von signifikanter ästhetischer ökologischer und/oder kultureller
Bedeutung entstehen ließen, oft von großer biologischer Vielfalt. Die Bewahrung der traditionellen Interaktionen ist
entscheidend für den Schutz, die Instandhaltung und Entwicklung eines solchen Gebietes.
Kategorie VI: Ressourcenschutzgebiet - Vorrangiges Managementziel: nachhaltige Nutzung natürlicher
Ökosysteme
Definition: Gebiet, das hauptsächlich unveränderte natürliche Systeme enthält, verwaltet, um einen langfristigen Schutz und die
Aufrechterhaltung der biologischen Vielfalt zu gewährleisten, während gleichzeitig ein nachhaltiger Strom von natürlichen
Produkten und Vorteilen die Bedürfnisse der Gemeinschaft erfüllt
Quelle: IUCN 2004c.
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1. Zielsetzung und Methodik
Das Ziel dieser Arbeit ist primär die Erfassung der Nutzungskonflikte im Nationalpark Khao Sok.
Im Verlauf der Untersuchungen wurde es zum Anliegen dieser Arbeit, aufzuzeigen, wie in einem
Schutzgebiet das durch seine Lage und die sozioökonomische Situation der Anwohner Vorteile
genießt, die in vielen anderen Landesteilen nicht existieren, aufgrund eines als unzulänglich
einzustufenden Managements, von Desinteresse und Korruption der staatlichen Behörden und
Privatpersonen sowie wegen kurz- und langfristiger wirtschaftlicher Interessen derselben Konflikte
entstanden sind und immer wieder neu geschaffen werden.
Die Entstehung der Nutzungskonflikte als Folge der zentral gesteuerten, die lokale Bevölkerung
übergehenden Entwicklung eines Schutzgebietsystems, das der wirtschaftlichen Entwicklung des
Landes, nicht der jeweiligen Region dient, soll deutlich gemacht werden.
Neben der quantitativen und qualitativen Erfassung der Nutzungskonflikte und der Identifizierung der
Akteure sollen mögliche Ansätze zur Konfliktminimierung festgestellt und, wenn noch nicht
vorhanden, skizziert werden.
Aufgrund des begrenzten zeitlichen und finanziellen Rahmens in dem die Untersuchungen
stattgefunden haben, sowie fehlender Einsichtsmöglichkeiten offizieller Informationen bezüglich des
Nationalparks kann natürlich kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. Es kann aber davon
ausgegangen werden, dass die Informanten ihr gesamtes die Fragestellung betreffendes Wissen
preisgegeben haben.
Die in dieser Arbeit gesammelten Fakten, Daten und Einsichten könnten in Zukunft internationalen
Naturschutzorganisationen als Anstoß dienen, in der Region tätig zu werden und als Arbeitsgrundlage
für eine längerfristige und tiefer gehende Beschäftigung mit der Thematik herangezogen werden.
Im Gebiet des Nationalparks Khao Sok agierenden deutschen Ökotourismusunternehmen wie z.B.
Colibri-Reisen (http://www.colibri-reisen.de/) oder Chenthaytravel (http://www.ctt-reisen.de) könnte
diese Arbeit dazu dienen, ihren Kunden ein realistischeres Bild ihres Urlaubszieles zu vermitteln.
Auch Individualtouristen, die an einer realitätsnahen Wahrnehmung ihres Urlaubszieles interessiert
sind, sollen durch die gesammelten Informationen die Möglichkeit erhalten, sich ein Bild über den
Nationalpark Khao Sok und die dort herrschenden Probleme zu machen, das von den
überschwänglichen Lobeshymnen in den touristischen Veröffentlichungen von TAT (Tourism Autority
of Thailand) oder DNP (Department of National Parks, Wildlife and Plants Conservation) abweicht.
Die angewandte Methodik umfasste eine Literaturauswertung zum Themenkreis Management
tropischer Großschutzgebiete - Ökotourismus - ländliche Regionalentwicklung, gefolgt von einer
Analyse des thailändischen Schutzgebietsystems, vorrangig mittels im Internet verfügbarer Schriften
und anhand von Arbeitspapieren internationaler und thailändischer Naturschutzorganisationen sowie
offizieller Statistiken. Die Untersuchungen beschränkten sich dabei auf deutsch- und

englischsprachige Literatur. Dabei wurde diese vor allem auf die thailändische Nationalparkideologie
sowie auf die aus den rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen in der täglichen Praxis
erwachsenden Probleme und Herausforderungen hin ausgewertet.
Auffällig ist das fast völlige Fehlen von (englischsprachigen) Informationen über die
südthailändischen terrestrischen Schutzgebiete, einschließlich des Untersuchungsgebietes Khao Sok.
Auch die Fortsetzung der Recherche in den Bibliotheken der Chulalongkorn-, Kasetsart-, Mahidol-
und Thamassat-Universität sowie in der thailändischen Nationalbibliothek führte zu keinen
verwertbaren Informationen über die zu untersuchende Problematik in den Nationalparks
Südthailands. Das Buch "Ecotourism Resource Potentials in Southern Thailand: A Case Study of
Khao Sok National Park" des früher an der Faculty of Forestry tätigen Forstwissenschaftlers
Dachanee Emphandu war selbst dort nicht erhältlich. Im Hauptbüro der Tourism Authority of Thailand
(TAT) bestand die Public Relations Abteilung, trotz eines vollständigen Buchtitels samt zugehöriger
ISBN-Nummer darauf, dass ihre Behörde dieses Buch niemals veröffentlicht habe. Nach längerer
Recherche gelang es dennoch, es im Buchhandel ausfindig zu machen.
Weiterhin wurden das Department of National Parks, Wildlife and Plants Conservation (DNP), das
Ministry of Agriculture and Cooperatives (MOAC) sowie das Department of Mineral Resources
(DMR) aufgesucht. Deren Mitarbeiter zeigten sich äußerst hilfsbereit, konnten aber keinerlei
Auskünfte über den Nationalpark Khao Sok erteilen. Das DNP, die zentrale Verwaltungsbehörde aller
thailändischen Nationalparks, darf interne Informationen nur gegen Vorlage einer durch den Direktor
der Behörde ausgestellten Forschungserlaubnis veräußern.
Außerdem wurde versucht, über verschiedene Wissenschaftler, die im Dienste der thailändischen
Zweigstellen der Wildlife Conservation Society (WCS), des Worldwide Fund for Nature (WWF) sowie
verschiedener nationaler Naturschutz-NGO`s tätig sind oder waren, an Informationen zu gelangen.
Auch hierbei konnten keine Ergebnisse erzielt werden, entweder, weil keine Informationen über das
Schutzgebiet vorlagen, oder diese irrelevant waren. Die Mithilfe der WCS, auf die von verschiedenen
Kontaktpersonen als gute Informationsquelle hingewiesen wurde, beschränkte sich darauf,
verschiedene E-Mail Adressen ortskundiger Mitarbeiter zu Verfügung zu stellen, von denen aber
leider kein einziger antwortete.
Geplant war weiterhin eine Recherche im Hauptquartier des Nationalparks selbst, die aber wiederum
durch das Fehlen der obligatorischen Forschungserlaubnis unmöglich gemacht wurde. Dass die
Parkautoritäten genau diese Dienstvorschrift, im Gegensatz zu vielen anderen, sehr genau nahmen, ist
eventuell auf den Inhalt dieser Arbeit zurückzuführen, welche ,,Probleme" und ,,Konflikte", zwei in
Thailand nicht sehr gern gehörte Begriffe, erforschen will.
Weitere Probleme ergaben sich daraus, dass keine topographische Karte erhältlich ist, auf der die
Grenzen des Nationalparks und die Oberfläche des Chiew-Larn Stausees verzeichnet sind. Die
existierenden topographischen Karten des Royal Thai Survey Departments (RTSD) im Maßstab
1:50000 und 1:250000 stammen aus den Jahren 1973 bzw. 1985. Die das Gebiet des Nationalparks

abdeckenden Kartenblätter unterlagen zudem im Fall der Karte im Maßstab 1:50000 militärischer
Geheimhaltung, die der Karte im Maßstab 1:250000 war sowohl in Thailand selbst als auch im
internationalen Fachhandel vergriffen. Bei den Karten, auf die in dieser Arbeit zurückgegriffen wurde,
handelt es sich um bearbeitete thematische Karten aus den Beständen des Department of Mineral
Resources (DMR) (leider mit fehlerhaftem Koordinatennetz) und eine in einer Informationsbroschüre
der National Park Division abgebildete touristische Karte. Hierbei ist anzumerken, dass die Grenzen
des Nationalparks Khao Sok auf den thematischen Karten des DMR anhand von Topographie,
Waldbedeckung und Geologie von mir selbst nachvollzogen wurden; es wird kein Anspruch auf
absolute Genauigkeit erhoben.
Aufgrund dieser sehr schwierigen Informationslage wird in dieser Arbeit ein bottom-up Ansatz
verfolgt. Der größte Teil der Ergebnisse der Untersuchung des Fallbeispiels Khao Sok basiert auf
Aussagen der lokalen Bevölkerung und eigenen Beobachtungen. Eine große Hilfe war auch der in
Thailand lebende kanadische Umweltschützer Thom Henley, ein intimer Kenner des Schutzgebietes
und Kritiker der Parkautoritäten. Für allgemeine touristische Informationen wurden die im
Besucherzentrum und von der TAT bereitgestellten Broschüren und Bücher ausgewertet.
Eine Einschätzung der Managementstrukturen erfolgte auf Grundlage einer von Roy (2001) speziell
für thailändische Nationalparks erarbeitete Checkliste.
Die einzige interne Quelle, die in dieser Arbeit Verwendung fand, ist der Geschäftsbericht der
Nationalparkverwaltung von Khao Sok für das Jahr 2004, herausgegeben mit Unterstützung des
Departments of National Parks, Wildlife and Plants (DNP). Ein wohlwollender Mitarbeiter des
Nationalparks ermöglichte die Einsicht in diese Informationsquelle.
Im Zuge der Geländearbeit wurden halbstrukturierte Interviews, Befragungen, viele Gespräche mit der
lokalen Bevölkerung und Geländebegehungen mit Ortskundigen durchgeführt. Bei mehreren
mehrtägigen Aufenthalten innerhalb des Nationalparks wurde versucht, einen Überblick über das
Ausmaß der Nutzungskonflikte zu bekommen. Sämtliche innerhalb des Parks gelegenen touristischen
Einrichtungen wurden anhand einiger Stichpunkte auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft. Die im
Nationalpark lebenden Fischer wurden zu ihrer wirtschaftlichen Situation und Wirtschaftsweise
befragt, die Einwohnerzahl bestimmt sowie die Position der verschiedenen Dörfer mit Hilfe von GPS-
Koordinaten ermittelt. Die landwirtschaftliche Nutzung der an den Nationalpark angrenzenden
Flächen wurde untersucht. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse wurde eine Kartenskizze erstellt, auf
der die verschiedenen im Untersuchungszeitraum ermittelten Nutzungskonflikte verzeichnet sind.

2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand -
Konflikte und Herausforderungen
Die in der ersten Dekade der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beginnende schnelle wirtschaftliche
Entwicklung Thailands fand zum Großteil auf Kosten der natürlichen Ressourcen und der Umwelt
statt. Die früher ausgedehnten Waldflächen und die biologische Vielfalt des Landes sind stark
zurückgegangen (Sudara 2002). So sank die Waldbedeckung von 53% der Landoberfläche im Jahr
1961 auf weniger als 27 % im Jahr 2000 (RFD 2000). Die Erfassung von Plantagenwäldern in den
Statistiken des RFD lässt Schätzungen von 10 bis 20% Restwaldfläche realistischer erscheinen
(Brenner et al. 1999). Viele Tier- und Pflanzenarten starben seitdem aus, sind gefährdet oder selten
geworden (ONEP 2004). Nur die in Nationalparks und anderen Schutzgebieten enthaltenen Wälder
sind im Vergleich mit außerhalb gelegenen Flächen relativ intakt geblieben. Dennoch waren die
meisten Nationalparks niemals von Bedrohungen verschont und negativen Auswirkungen
menschlicher Nutzungen und der wirtschaftlichen Entwicklung ausgesetzt (Chettamart und Emphandu
2003).
2. 1 Das Schutzgebietssystem Thailands
Auf die fortschreitende Zerstörung der Wälder in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts reagierte
man im Jahr 1941 mit der Verabschiedung des Forestry Act.
Im Jahr
1948 kam die erste Gruppe westlicher Experten, angeführt vom niederländischen Förster G. N.
Danhof, nach Thailand, um Hilfe beim Management der natürlichen Ressourcen zu leisten. Das Team
der FAO identifizierte als Hauptprobleme in Thailand den Mangel an Wissen, Technologie,
ausgebildeten Arbeitskräften und finanzieller Unterstützung im Bezug auf das Management der
Waldreserven. Der Report besagte auch, dass die Wälder uneffizient und unprofessionell verwaltet
wurden und die Landwechselwirtschaft betreibenden Bauern den Wald negativ beeinflussten sowie
wilderten. Die Empfehlung der FAO war, 40% der Landoberfläche unter Waldbedeckung zu halten
und Luftbilder zu benutzen, um das Waldmanagement zu erleichtern. Ein Weg, so große Gebiete zu
bewahren, war die Etablierung eines Nationalparksystems (Laungaramsri 2003).
Im Jahr 1958 wurde der Landwirtschafts- und Innenminister mit der Etablierung eines
Nationalparksystems und der Ausarbeitung der gesetzlichen Rahmenbedingungen beauftragt. Mit
Hilfe der IUCN und des US National Park Service wurden 14 Gebiete ausgewählt, die für die
Gründung von Nationalparks geeignet erachtet wurden. Im Jahr 1961 wurde dann der Wild Animals
Reservation and Protection Act verabschiedet, noch im selben Jahr folgte der National Parks Act.
22

2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
Thailands erster Nationalpark, Khao Yai, im Nordosten des Landes wurde offiziell am 18.09.1962
gegründet, das erste Wildschutzgebiet, Salak Phra, am 31.12.1965.
Die heutigen Schutzgebiete werden in Übereinstimmung mit diesen Gesetzen verwaltet. Weiter
kommen zur Anwendung: der National Forest Reserve Act von 1964, der Wildlife Conservation Act
von 1992 und für Marine National Parks der Fisheries Act revised in 1994 (World Bank 2004).
Der National Park Act aus dem Jahr 1961 definiert den Nationalpark folgendermaßen:
,,Land to include the surface of land in general, mountains, creeks and waterways, marshes and
swamps, lakes, basins, islands and seashores...When it is deemed appropriate to declare a land wich
has natural features of high value but not owned or legally possesed by any party other than public
body, the government shall have the power to proscribe a national prak by Royal Decree to preserve
its natural state for the benefit of public enjoyment and education..." (National Park Act B.E. 2540
(A.D. 1961) Section 4 und 6; Details siehe auch Anhang I).
Tabelle 3: Schutzgebietskategorien in Thailand
I. National Park
Area with beautiful landscapes, important history, rare plant and animal
species preserved in its natural state for public education and enjoyment.
II.
Wildlife Sanctuary
Declared for the preservation of wildlife so they can freely breed in a
natural environment.
III. Forest Park
Area with atractive scernery developed for public recreation, but too small
to be a national park
IV. Non-hunting area
Designated for the protection of specific wildlife species but smaller than
wildlife sanctuaries.
V. Biosphere reserve
Intended to conserve the integrity and genetic diversity of communities of
plants and animals within natural ecosystems.
VI. World-Heritage Site
Area with unique natural and cultural values, wich are considered to have
outstanding universal significance
VII. Watershed Class 1
Designated to have permanent forest cover because of its significance as a
head watershed.
VIII. Botanical garden
Collections of indigenous and exotic species with economic value, planted
for research purposes and ex-situ conservation.
IX. Arboretrum
Smaller than botanical gardens and established to collect various plant
species, especially economically useful flowering plants.
X. Conservation Mangrove
forest
Excluded from economic use to serve as shelter and nursery ground for
marine flora and fauna.
XI. Natural Conservation areas
Comprise lands, mountains, lakes, swamps and interesting morphologies
that should be excepted from economic and social exploitation.
Quelle: Bugna/Rambaldi 2001.
23

2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
Seit der Gründung des ersten Nationalparks, Khao Yai, im Jahr 1962 wurde das thailändische
Schutzgebietsystem schnell ausgeweitet. Als im Jahre 1989 der Logging Ban in Kraft trat, umfasste es
bereits 44 National Parks (mit einer Fläche von 24848 km²), 15 Marine National Parks (4922,29
km²), 29 Wildlife Sanctuaries (23437, 65 km²) und 46 Non-Hunting Areas, die vor allem die
Feuchtgebiete von nationalem Interesse schützten. In Anlehnung an die Managementkategorien der
IUCN waren zudem weitere Schutzgebiete mit unterschiedlichen Managementzielen geschaffen
worden (siehe Tab. 3).
1987, zwei Jahre vor Inkrafttreten des Logging Bans, führte die Kasetsart-Universität eine Revision
des Schutzgebietsystems durch. Diese Studie mit der Bezeichnung "Assessment of National Parks,
Wildlife Sanctuaries and other Preserves Development in Thailand" stellte fest, dass fast alle
bedeutenden Ökosysteme Thailands in diesen Schutzgebieten repräsentiert seien. Die Ausnahme
bildeten Tieflandregenwälder, Marschland und Mangrovenwälder.
Eine zweite Revision im Jahr 1993, welche im Rahmen der Etablierung des Thai Forestry Master Plan
stattfand, kam zu dem Schluss, dass alle terrestrischen und aquatischen Ökosysteme in den
Schutzgebieten repräsentiert seien, mit Ausnahmen der Tieflandregenwälder auf der südthailändischen
Halbinsel, der immergrünen Monsunwälder des Südostens, der Torfmoorwälder und der
Mangrovengebiete. Über eine Evaluierung des Status von Sumpfgebieten wurde hinweggesehen und
manche terrestrischen Ökosysteme, wie z.B. Heideland, wurden ignoriert.
Die Qualität eines Systems von Schutzgebieten hängt weitgehend von dessen Fähigkeit ab, die
Biodiversität eines Landes zu schützen. Hinsichtlich des Schutzes von Säugetieren stellte Lagakul und
McNeely (1988) fest, dass die thailändischen Schutzgebiete ein
,,significant conservation achievement" darstellten (zit. in ICEM 2003:63).
Hinsichtlich des Schutzes der Vogelwelt bemerkte Round im selben Jahr, dass
"the wide geographical coverage of nature reserves, the proportion of remaining forest which is
protected, and the large areas of many individual sites, forms a promising basis for future
conservation effort" (zit. in ICEM 2003:63).
Im Jahr 1991 waren Santisuk et al. hinsichtlich der Maßnahmen zum Schutz der Flora "impressed by
the areas currently legislated for conservation. Overall, they form an adequate basis for conserving
the most important botanical resources in the Kingdom" (zit. ICEM 2003b: 63). Schon vor dem
Inkrafttreten des Logging Ban wurde das thailändische System von Schutzgebieten als eines der
effektivsten in ganz Südostasien angesehen.
Bemerkenswert ist, dass die Waldbedeckung trotz des totalen Einschlagverbotes in den staatlichen
Forest Reserves im ersten Jahrzehnt nach dem Erlass des Logging Ban um über 25% abnahm. Die von
Plantagen eingenommenen Flächen dehnten sich dagegen um über 5% aus (siehe Abb. 7).
24

2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
Abb. 7: Rückgang der natürlichen Wälder im ersten Jahrzehnt
nach Erlass des logging ban.
Quelle:
http://earthtrends.wri.org/text/forests-grasslands-drylands/country-profile-179.html,
letzter
Zugriff
05.05.2005
Im März 1992 verabschiedete das Kabinett eine Resolution, um eine Nutzungszonierung der restlichen
Waldflächen durchzuführen, welche unter dem National Reserve Forest Act von 1964 als National
Reserve Forests designiert worden waren. Einige dieser Waldgebiete waren bereits in das
Schutzgebietssystem eingegliedert worden.
Es wurde beschlossen, mindestens 40 Prozent der Landoberfläche unter permanenter Waldbedeckung
zu halten, wovon mindestens 25 Prozent innerhalb von Schutzgebieten liegen sollten, wie auch schon
in der National Forest Policy von 1989 festgehalten. Diese Grundsätze wurden im siebten National
Economic and Social Development Plan (1992-1996) bestätigt. Die restlichen 15 Prozent wurden zu
so genannten Production Forests erklärt, welche die Versorgung mit Holz und anderen
Waldprodukten sicherstellen sollten. Im Agricultural Development Plan, einer Komponente des
neunten National Economic and Social Development Plan (2002-2006) steckte man sich das Ziel, 30
Prozent der gesamten Landoberfläche zu schützen und, wenn nötig, zu rehabilitieren. Diese Flächen
schließen Gebiete zum Schutz der biologischen Vielfalt wie Nationalparks, Wildschutzgebiete und
Wasserscheiden-Schutzgebiete ein. Der Plan will auch die Gründung von Plantagenwäldern, privaten
Plantagen und die Community Forestry fördern, bis diese eine Fläche von 32 Millionen Rai bedecken.
Weiterhin sollen 1,25 Millionen Rai Mangrovenwälder geschützt oder rehabilitiert werden.
Im Jahr 2003 gab es in Thailand 145 Nationalparks, die sich über 13,46 Prozent der Landoberfläche
erstreckten. Die insgesamt 319 größeren Schutzgebiete machten 21,11 Prozent der Gesamtfläche des
Landes aus (siehe Tab. 4). Die Watershed Areas Class I werden in dieser Darstellung vernachlässigt,
da sie in andere Schutzgebiete integriert sind und es somit nicht zur Gesamtfläche addiert werden
können. Auch diejenigen Schutzgebiete, deren Fläche die von der IUCN geforderte Mindestgröße von
10 km² unterschreiten, sind nicht aufgeführt.
25

2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
Tabelle 4: Thailands Schutzgebiete: IUCN-Kategorien, Anzahl, Fläche und Anteil an der
Landoberfläche.
Schutzgebietskategorie
Anzahl
Fläche (km²)
Anteil an
Landoberfläche (%)
National Parks
(IUCN Kategorie II)
- terrestrisch
- aquatisch
145
119
26
68928
13,46
12,05
1,41
Wildlife Sanctuaries
(IUCN Kategorie Ia)
53
34848
6,81
Non-Hunting Areas
(IUCN Kategorie VI)
52
3408
0,67
Forest Parks
(IUCN Kategorie III)
69
880
0,17
Gesamt
319
108064
21,11
Bemerkung: Nicht in die Darstellung eingeschlossen sind Watershed Areas Class I (IUCN Kategorie
Ib), Mangrove Forest Reserves (IUCN Kategorie VI) und andere kleine Schutzgebiete. Enthalten sind
sowohl bestehende als auch geplante Schutzgebiete.
Quelle: Emphandu und Chettamart (2003), verändert.
Beim Vergleich der Managementziele der verschiedenen thailändischen Kategorien von
Schutzgebieten mit der im Jahr 1994 von der IUCN veröffentlichten Matrix der Managementziele und
Schutzgebietkategorien lässt sich feststellen, dass sie weitestgehend mit den Definitionen der IUCN
übereinstimmen. Die Ausnahme stellt der Bildungsaspekt dar, dem in Thailand eine größere
Bedeutung zugemessen wird als von der IUCN gefordert. Die Bildung gilt nicht nur als ein potentiell
verfolgbares, sondern als ein sekundäres Ziel des Nationalparkmanagements (siehe Tab. 5).
26

2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
Tabelle 5: Managementziele der verschiedenen thailändischen Schutzgebietskategorien
bezogen auf die Matrix der IUCN-Kategorien und Managementziele für
Schutzgebiete.
Ziele des
Managements
I a
Wildlife
sanctuary
I b
Watershed
Class I
II
National
Park
III
Forest Park
VI
Non-Hunting
Areas, Mangrove
Conservation
Areas
1. Wissenschaftliche
Forschung
1
3
2
2
3
2. Schutz der Wildnis
2
1
2
3
2
3. Schutz der
genetischen Vielfalt und
der Spezies
1
2
1
1
1
4. Erhalt der
,,environmental services"
2
1
1
-
1
5. Schutz spezifische
natürliche/kultureller
Eigenheiten
-
-
2
1
3
6. Tourismus und
Erholung
-
2
1
1
3
7. Bildung
-
-
2
2
3
8. Nachhaltige Nutzung
des natürlichen
Ökosystems
-
3
3
-
1
9. Erhaltung
kultureller/traditioneller
Eigenheiten
-
-
-
-
2
Erklärung: 1 = Primärziel; 2 = Sekundärziel; 3 = Potentiell verfolgbares Ziel, - = nicht
anwendbar
Quelle: Emphandu und Chettamart 2003, bearbeitet.
27

2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
2. 2 Institutionelle und rechtliche Rahmenbedingungen
Die größte Bedeutung beim Erhalt der Biodiversität und dem Schutz der natürlichen Ressourcen
kommt dem Ministry of Natural Ressources and Environment (MoNRE) zu, das im Oktober 2002 neu
gegründet wurde. Alle Kategorien von Schutzgebieten unterstehen nun dieser Behörde. Die früher
dem RFD unterstehende National Parks Division, Wildlife Conservation Division, Watershed
Management Division und Forest Fire Division wurde aus diesem ausgegliedert und im neu
gegründeten Department of National Park, Wildlife and Plant Conservation (DNP) zusammengefasst.
Innerhalb des MoNRE ist das Royal Forest Department (RFD) zuständig für die kommerziell
genutzten Wälder, währen die Konservierung der geschützten Wälder in den Zuständigkeitsbereich
des DNP fallen (Emphandu, Chettamart 2003).
Abb. 8: Am Schutz der Biodiversität beteiligte staatliche Institutionen.
Quelle: World Bank 2003
Trotz der Neugliederung der für den Schutz der natürlichen Ressourcen und damit auch der
verschiedenen Schutzgebiete verantwortlichen Behörden, gibt es einem beständigen Wechsel der
Zuständigkeitsbereiche der einzelnen staatlichen Institutionen. Gegenwärtig gibt es mindestens fünf
Ministerien, die in die Erforschung und den Schutz der Biodiversität involviert sind (siehe Abb. 8)
(Weltbank 2003). Obwohl seit der institutionellen Neuordnung im Jahr 2002 allein das DNP für das
Management der Nationalparks, Wildschutzgebiete und Wasserscheidengebiete zuständig ist (siehe
Abb. 9), so sind in den einzelnen Schutzgebieten, wie es sich auch bei der Untersuchung des
28

2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
Fallbeispiels Khao Sok zeigen wird, doch auch noch andere staatliche Behörden tätig. Die
Überschneidung der Zuständigkeitsbereiche einzelner staatlicher Institutionen in Bezug auf das
Management von Schutzgebieten ist mit der Neugliederung vollständig revidiert worden.
Abb. 9: Organisationsstruktur des DNP
Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation
Quelle: Eigene Darstellung nach DNP 2003
Division of Engineering
Division of Personel
Division of Treasury
Office of Department
Secretary
Office of National
Parks
Office of Wildlife
Conservation
Office of Watershed
Conservation and
Management
Office of Protected
Area Rehabilitation
Office of Forest Fire
Prevention and
Control
Office of Planning
and Information
Control
Regional Office of
Protected Area
Management
1-21
Office of National Parks
-
Administration Section
- Research Division
-
Recreation and Interpretation
Division
-
Development Division
-
Resource Management Division
-
Capacity Building Center for
Terrestrial National Park
Management
-
Capacity Building Center for
Marine Narional Parks
Office of Wildlife Conservation
-
Administration Section
- Research Division
- Wildlife Breeding Division
- Protection Division
-
Wildlife Sanctuary and Non-
Hunting Area Management
Division
-
Promotion and Extension Division
-
Capacity Building Center for
Wildlife Management
Office of Watershed Conservation
and Management
-
Administration Section
- Research Division
-
Resource Management Division
-
Resource Assessment Division
- Extension and Community
Development Division
-
Capacity Building Center for
Watershed Conservation and
Development
Regional Ofice of Protected Area
Management 1-21
-
Administration Section
-
Resources Protection and Conservation
Division
-
Forest Fire Management Division
-
Forest Plantation and Promotion Division
-
Forestland Development and
Managment Division
- Technical Affairs Division
-
National Park Division
-
Wildlife Conservation Division
-
Watershed Management Division
Division of Law
Division of Plant Protection
and Conservation
Division of Training
29

2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
2. 3 Natur im Dienste der Entwicklung
Das Ziel dieses Abschnitts ist es, deutlich werden zu lassen, wie Thailand im Zuge der
Modernisierung des Landes beginnend in den fünfziger Jahren, das westliche Modell des
Nationalparks übernahm und es zum Zwecke des nation building sowie der Erschließung peripherer
Regionen umfunktionierte. Diese Nationalparkideologie ließ den Schutz der natürlichen Ressourcen
zum Nebeneffekt der sozioökonomischen Entwicklung des thailändischen Staates werden. Im Laufe
der Jahre wurde sie immer wieder neu an die sich verändernden wirtschaftlichen und politischen
Verhältnisse im Land angepasst. Trotz eines ideologischen Wandels im letzten Jahrzehnt lassen sich
die Auswirkungen dieser Ideologie auch heute noch in den Managementpraktiken der staatlichen
Behörden wieder finden.
Territorialisierung, nation building und wirtschaftliche Entwicklung
Die ausgedehnten Wälder im Norden, Nordosten und Süden Thailands stellten in der Wahrnehmung
der Thais eine unzivilisierte, gefährliche Wildnis dar, bewohnt von Minderheiten, die nicht dem Kultur
stiftenden Staatsvolk und der zivilisierten Sphäre (Muang) zugerechnet wurde, sowie von einer vom
politischen Diskurs ausgeschlossenen Guerilla. Die thailändische Bezeichnung für diese Wälder (Pa
thuan) ist nicht gleichbedeutend mit dem Wald als Standort von Bäumen, sondern schreibt diesen
gleichzeitig die Attribute wild, gesetzlos und barbarisch zu (Straub 2001).
Die Gründung des Royal Forest Departments im Jahr 1896, das anfänglich dem Innenministerium
unterstand und vom britischen Forstwissenschaftler H. D. Slade geleitet wurde, erlaubte es Bangkok,
Gewinne durch die Erteilung von Konzessionen zum Teak-Einschlag zu machen und gleichzeitig seine
territoriale Herrschaft im Norden gegen die Briten zu verteidigen (Vandergeest 1996). Im Jahr 1897
verabschiedete Slade den Forest Preservation Act and Teak Trees Preservation Act, der die Regeln für
den Holzeinschlag festlegte, 1899 erklärte der König, alles unbesetzte Land gehöre von nun an der
Krone und werde vom RFD verwaltet, ein weiterer Schritt zur Manifestierung der Herrschaft über die
bewaldeten nördlichen Regionen Thailands.
1913 folgte das Forest Conservation Law, das den Schutz ökonomisch wertvoller und seltener oder
allgemein als wichtig eingeschätzter Baumarten festschrieb. In dem großen Territorium, das dem RFD
inzwischen unterstand, war das Management einzelner Spezies die Basis der Kontrolle der Wälder.
Lokale Ressourcennutzer, die nicht mit den Zielen des RFD zu vereinbaren waren, wurden
übergangen.
Mit dem Ziel, ein modernes auf der Wissenschaft basierendes Management der staatlichen Wälder zu
erreichen, verabschiedete die seit 1932 herrschende post-monarchische Regierung den Forest
Protection and Reservation Act von 1938, welcher es dem RFD ermöglichte, bestimmte Territorien als
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2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
geschützte oder reservierte Wälder auszuweisen; die Nutzung der staatlichen Wälder durch die lokalen
Gemeinschaften wurde gestattet (Vandergeest 2003).
Das Ziel des nation building durch Erschließung und Befriedung der Peripherie sowie der
Modernisierung des Staates unter Feldmarschall Sarit Thanarat (1959-1963) traf zufällig mit dem
Konzept des Nationalparks zusammen. Unter Sarit festigte sich die Wahrnehmung der Wälder als
nationale Ressource. Grundlegende Änderungen in der Verwaltung der Waldgebiete wurden
eingeleitet. Er übernahm die modernen US-amerikanischen Methoden und benutzte eine ökologische
Rhetorik, welche die Zerstörung von Waldgebieten mit der Zerstörung der Nation gleichsetzte. Das
RFD machte unter Sarit einen Funktionswandel vom Management einzelner wirtschaftlich
interessanter Spezies hin zum territorialen Management von Waldgebieten durch und sicherte so die
Kontrolle der Regierung über die Peripherie des Landes.
Dieser Übergang brachte es mit sich, dass das RFD an jeglicher Aktivität in den Wäldern interessiert
war. Nicht überraschend kam dabei die Nutzung durch die lokalen Gemeinschaften weit hinter der
Nutzbarmachung der Wälder zum Wohle der Nation. Sarit setzte die Zerstörung der Wälder gleich mit
der Zerstörung der Nation. In den Worten von Sarit:
"Forests are significant natural resources for the lives of Thai people and the existence of Thailand.
Those who destroy the forests are the enemy who destroys the nation's security" ( zit. in Laungaramsri
2003:7).
Hier ist anzumerken, dass es die thailändische Regierung selbst war, die später, vor allem in den 70er
Jahren des 20. Jahrhunderts, Konzessionen zur Abholzung riesiger Waldflächen vergab. Neben der
Erschließung neuer landwirtschaftlicher Nutzflächen hatte dies vor allem das Ziel, die gefühlte
Bedrohung, die von diesen Wäldern, zu dieser Zeit Unterschlupf für verschiedene, pauschal als
Kommunisten bezeichnete Widerstandsgruppen, ausging, auszulöschen (Brenner 1999; Pye 2002).
Mitte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts, auf dem Höhepunkt der Nutzbarmachung der
natürlichen Ressourcen und des Kampfes gegen die Aufständischen, wurden jährlich fast eine Million
Hektar Wald abgeholzt (Staub 2001). In den Worten von Pasuk und Barker:
,,The insurgency was rolled back under a cloud of wood smoke" (zit. in Straub 2001: 245)
Unter der Herrschaft der Militärregierung Sarit trat dann erstmals das Schutzgebiet als Instrument zur
Territorialisierung des Landes in Erscheinung. Der Nationalpark war damals ein Zeichen der
modernen Zivilisation, ein Schlüsselelement des modernen Thai-Nationalstaates, wie aus dem oben
angeführten Zitat von Sarit ersichtlich, die Zerstörung der Wälder gleichsetzte mit der Zerstörung der
Nation. Die Arbeit an einer gesetzlichen Grundlage für die Nationalparks begann im Jahr 1958. Das
ideale Modell und die Hilfe, um es zu verwirklichen kamen aus den USA. Als Teil des Versuches, den
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2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
Einfluss des kommunistischen Indochinas auf Thailand zu schmälern, schloss die amerikanische
Entwicklungshilfe auch eine Beratung bei der Einrichtung eines Nationalparksystems mit ein. 1955
finanzierte das US-Thai Cooperation Programm den Besuch zweier Gruppen von thailändischen
Bürokraten, Forstwissenschaftlern, Ingenieuren und Politikern in die USA. Von diesem Zeitpunkt an
übernahm der thailändische Staat das US-amerikanische Entwicklungsmodell von Dämmen und
Nationalparks. 1959 sandte die IUCN George Ruhle vom US National Park Service aus, um dem
RFD bei der Auswahl geeigneter schützenswerter Gebiete zu helfen und bei der Ausarbeitung von
Gesetzen, um diese zu gründen und zu verwalten, beizustehen (Roth 2003).
Aber die Transformation des thailändischen Naturverständnisses war nicht einfach. Ruhle bemerkte,
dass eine unberührte Wildnis, deren menschliche Nutzung strikt verboten war, keinen Platz im
Kontext der thailändischen Kultur hatte:
"Terms such as `invasion of wilderness' and `impairment of natural values' are without meaning to
the Thai at present. The idea that any area can best serve education, science, and posterity if left
undisturbed seems naive indeed" (zit. in Laungaramsri 2003:9).
Trotz dieser Feststellung begann man mit der Etablierung legaler Mechanismen, um den Schutz
durchzusetzen. Finanzielle und technische Unterstützung lieferten internationale Organisationen
einschließlich IUCN, FAO, United Nations Development Program (UNDP), USAID und World Wide
Fund for Nature (WWF). (Laungaramsri 2003).
Dr. Boonsong Lekhakul, der Vater der modernen Umweltschutzbewegung in Thailand, vertrat die
Auffassung, der Nationalpark sei ein Mittel, sich der westlichen Zivilisation anzunähern:
"The establishment of the Wildlife Conservation Law and national parks in Thailand has pointed to
the world that Thai people have moved beyond the barbarism of people who are aware only of food
for stomach, to the era of civilization. It is time now to know of the food for eyes, for ears, and for the
brain" (zit. in Laungaramsri 2003:10).
Der ökologische Wert der zu Nationalparks erklärten Gebiete spielte in den Anfangsjahren des
thailändischen Schutzgebietsystems im Diskurs nur eine Nebenrolle. Motiviert vom Verlangen, den
Fortschritt und die Modernisierung zu beschleunigen, haben die Beamten des RFD und die
Technokraten den Schutz der Wälder mit diesem Ziel im Kopf vorangetrieben.
Aber für wen wurden die natürlichen Ressourcen verwaltet? Ein Mitglied des Nationalparkkomitees
beantwortet diese Frage klar:
"We need to focus on the Thai who comprise the core group of people that is, the educated. I believe
that almost 100% (of the educated) see the importance of national parks. On the contrary, villagers
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2. Nationalparks, Entwicklung und Ökotourismus in Thailand - Konflikte und Herausforderungen
who are close to the national parks do not accept the idea of parks. That is because it seems the
government has cut their access into the area where they used to utilize for themselves or for the
capitalists who hired them...Urban people whose livelihood does not rely directly on the national
parks tend to appreciate the beauty and aestheticism of national parks more than village people" (zit.
in Laungaramsri 2003:12)
Dieser Diskurs über Bildung wurde dazu benutzt, unerwünschte Gruppen zu disqualifizieren und vom
Management der Nationalparks auszuschließen, die vorher existierende Beziehung von lokaler
Bevölkerung und dem Wald zu unterminieren und die Dominanz der städtischen Mittelschicht über
die lokale Bevölkerung bezüglich ihre Beziehung zum Wald zu legitimieren. Formale Bildung wurde
zur Voraussetzung erklärt, um am Nationalparksystem teilzunehmen.
Interessant ist, dass auch die Wertschätzung der Natur durch die jeweiligen Regierungen und der auf
Fortschritt bedachten städtischen Oberschicht keinesfalls dauerhaft und neutral war, da industrielle
Interessen immer Vorrang vor denen der lokalen Bevölkerung hatten.
So haben der Wunsch des Staates, seine Autorität auch in den peripheren Regionen des Landes geltend
zu machen, die wirtschaftlichen Entwicklungsziele sowie die Anforderungen der Industrie und des
Tourismus die Entwicklung der Schutzgebiete in Thailand maßgeblich geprägt.
Im System der Schutzgebiete wurden deswegen naturnahe Ökosysteme nicht nach ihrer ökologischen
Bedeutung ausgewählt, sondern nach einer konstruierten Ästhetik und ihrem ökonomischen Wert. So
konnten beispielsweise die Mangrovenwälder des Südens, leider ästhetisch betrachtet unattraktiv, nur
durch ihre Verwandlung in Holzkohle oder Shrimpfarmen in Wert gesetzt werden. Ihr ökologischer
und funktioneller Wert für die lokalen Fischer wurde dabei vernachlässigt (Laungaramsri 2003)
Seit 1960 hat die Regierung Bergbauoperationen, den Bau von Dämmen und militärischen Strassen,
pharmazeutische Forschung durch private Unternehmen in den Parks, Wildschutzgebieten und
Wasserscheidenschutzgebieten im ganzen Land genehmigt. Zum Beispiel überschwemmte der Bau
von 6 großen Staudämmen, unter anderem im Gebiet des Fallbeispiels Khao Sok, insgesamt mehr als
200000 Hektar Wald, alle innerhalb von Regionen, die als geschützt ausgewiesen waren. Die
Errichtung von Dämmen wird als eine Art "Wasserscheidenschutz" bezeichnet, die für das
Ressourcenmanagement des Landes notwendig sei - nicht zerstörerisch, sondern unerlässlich.
Diese Praktiken widersprechen dem von den Behörden selbst erhobenen Anspruch, wonach ein
Schutzgebiet eine unberührte Wildnis darstellt, ohne menschlichen Einfluss unter Ausschluss jeglicher
destruktiver Aktivitäten. Die thailändische Version von ,,Wildnis" rührt von dem Ideal her,
menschliche Eingriffe zu erlauben, so lange diese institutionalisiert, vom Staat kontrolliert und
reguliert sind und dem Wohl des Landes dienen (Roth 2003; Brenner 1999; Laungaramsri 2003).
Interessanterweise wird die ökologische Zerstörung, die von diesem Entwicklungsschema verursacht
wird, von den meisten staatlichen Autoritäten sehr wohl eingestanden. Ein früherer RFD
Generaldirektor bemerkte:
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Ende der Leseprobe aus 165 Seiten

Details

Titel
Nutzungskonflikte im Gebiet des Nationalparks Khao Sok, Thailand
Untertitel
Problemerfassung und Lösungsansätze
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
165
Katalognummer
V186193
ISBN (eBook)
9783869438597
ISBN (Buch)
9783869430645
Dateigröße
4355 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nutzungskonflikte, gebiet, nationalparks, khao, thailand, problemerfassung, lösungsansätze
Arbeit zitieren
Andreas Riedl (Autor), 2005, Nutzungskonflikte im Gebiet des Nationalparks Khao Sok, Thailand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186193

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