Nonprofit-Organisationen im Sozialbereich? Warum gibt es sie? Theoretische Überlegungen zum Entstehen von Nonprofit-Organisationen


Seminararbeit, 2006
13 Seiten, Note: 1
Florian Bachner (Autor)

Leseprobe

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Nonprofit Organisationen im Sozialbereich - Warum gibt es sie? Theoretische Überlegungen zum Entstehen von Nonprofit Organisationen

Einleitung

Der Terminus "Nonprofit Organisation" (NPO) hat vor allem im Laufe der letzten Jahre im Alltagswortschatz Einzug gehalten, ferner wird ihm auch in zunehmenden Maße das Interesse der wirtschaftsbzw. sozialwissenschaftlichen Forschung zu Teil (vgl. Badelt 2002: 107). Das Phänomen Nonprofit 1 der gesellschaftlichen Organisation stellt neben Markt und Staat den so genannten dritten Sektor Güterversorgung dar und hat sich unterdessen zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor entwickelt (vgl. Pfaffenzeller 2003: 20).

Ziel dieser Arbeit ist anhand unterschiedlicher Theorien aufzuzeigen, warum NPOs überhaupt existieren und wie sich diese Erklärungsansätze auf den Sozialbereich übertragen lassen. Dazu ist es erstens notwendig den äußerst heterogen verwendeten Begriff von Nonprofit Organisationen abzugrenzen und eine adäquate Definition von "Sozialbereich" bzw. sozialen Dienstleistungen zu geben. In einem zweiten Schritt wird auf die gängigsten Theorien zur Entstehung von NPOs eingegangen, darauf aufbauend werden exemplarische Fallbeispiele aus dem Bereich der sozialen Dienstleistungen gegeben. Ein dritter Teil widmet sich einer Zusammenfassung und einer Schlussfolgerung der im zweiten Teil erlangten Erkenntnisse.

1. Begriffliche Klärung und Abgrenzung des Gegenstands

"A sector rich in organizational forms and activities" (Anheier 2005: 4)

Der Nonprofit Sektor umfasst ein schier unüberschaubares Spektrum an höchst unterschiedliche Organisationen: Vereine, Interessenverbände, Kirchen, Wohltätigkeitsorganisationen, Gewerkschaften, Feuerwehren, Ordenspitäler und viele mehr, werden ihm zugeordnet.

Wie einleitend bereits angemerkt werden diese Organisationen in Abgrenzung zu privaten Unternehmen und zur staatlichen Verwaltung als eigenständiges, interdisziplinäres Forschungsgebiet behandelt.

1.1 Definition von Nonprofit Organisationen

NPOs existieren beinahe in allen Ländern der Welt und sind aus deren Kulturen und Gesellschaften auch nicht mehr wegzudenken. Diese Heterogenität des Gegenstandes ist es auch, was zum Problem einer begrifflichen Abgrenzung führt. "The non profit sector is the sum of private, voluntary, and non profit organizations and associations. It describes a set of organizations and activities next to the institutional complexes of government, state, or public sector on the one hand, and the forprofit or business sector on the other" (Anheier 2005: 4). Diese recht allgemein gehaltene Definition ist nur eine unter vielen, die in der einschlägigen Literatur gefunden werden können. Sie löst jedoch das Abgren- 1 Im Verlauf der Arbeit verwende ich die Begriffe: Dritter Sektor sowie Nonprofit Sektor, synonym.

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zungsproblem nur insofern, dass sie Auskunft darüber gibt, was NPOs nicht sind, beziehungsweise zieht sie nur lose Grenzen zwischen den einzelnen Sektoren. Auch Anheier merkt hierzu an: "…, such sector distinctions are in reality quite blurred and fluid" (vgl. Anheier 2005: 4). Eine klare Grenzziehung erscheint daher äußerst schwierig zu sein. Badelt etwa konstatiert, dass es möglich sein muss anhand eines Merkmalkataloges definitive Entscheidungen darüber zu treffen, ob nun eine bestimmte Organisation als NPO zu verstehen ist oder nicht (vgl. Badelt 2002: 8). Er bezieht sich dabei auf die so ge- 2 nannte strukturell-operationale Definition . Dabei werden fünf wesentliche Charakteristika beschrieben, die NPOs auszeichnen bzw. abgrenzen sollen:

Als erstes Kriterium wird (1) ein Mindestmaß an regelmäßiger formaler Organisation angenommen. Was so viel heißen soll, dass sich NPOs vom herkömmlichen Haushaltssektor (Familien, Nachbarschaft, ua.) abgrenzen. Ein weiteres Kriterium (2) grenzt den Dritten Sektor von staatlichen Organisationen ab, was jedoch nicht bedeuten soll, dass dieser nicht von staatlicher Seite getragen oder unterstützt werden kann. Ein drittes Merkmal (3) ist das Gewinnausschüttungsverbot an Mitglieder oder Eigentümer. Ein weit verbreiteter Trugschluss lautet in diesem Kontext, dass NPOs keine Gewinne erzielen dürfen - was so nicht richtig ist - vielmehr stimmt es, dass erzielte Gewinne lediglich in der Organisation verbleiben müssen. Ein viertes Kennzeichen (4) zielt auf ein Minimum an Selbstverwaltung bzw. Entscheidungsautonomie ab, eine völlige Außenkontrolle wird somit ausgeschlossen. Schließlich werden (5) NPOs durch die Eigenschaft eines Mindestmaßes an Freiwilligkeit abgegrenzt. Dies schließt sowohl eine freiwillige Mitgliedschaft als auch eine etwaige ehrenamtliche Arbeit mit ein (vgl. Badelt 2002: 8f., siehe dazu auch Simsa et. al. 2004: 17f.).

Obwohl auch diese Charakteristika keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können und somit das Abgrenzungsproblem nur bedingt lösen, sei damit zumindest ein weiterer Arbeitsbegriff gegeben.

1.2 Definition von Sozialbereich und sozialer Dienstleistungen

Auch die Begriffe "Sozialbereich" beziehungsweise soziale Dienstleistungen bringen eine ähnliche Definitionsproblematik wie NPOs mit sich. "Vielfach wird darunter der gesamte Bereich der Sozialarbeit verstanden; aber auch ein weitergehendes Begriffsverständnis, das allgemein Leistungen nichtmonetärer Art umfasst, lässt sich finden" (vgl. Simsa et. al. 2004: 18).

Der Sozialbereich zählt mitunter zu den wichtigsten Aufgabengebieten der NPOs, sein Tätigkeitsfeld ist weit gestreut. Auf eine näher Ausführung der sich daraus ergebenden Abgrenzungsproblematik verzichte ich jedoch an dieser Stelle, stattdessen wird im Folgenden mit der Definition von Trukeschitz (2006) weitergearbeitet, die sowohl theoretisch konzeptionelle als auch enumerative Elemente enthält: "Soziale Dienstleistungen sind Dienstleistungen, die (i) sich an benachteiligten Personen bzw. Personengruppen einer Gesellschaft (Zielgruppe) richten und (ii) der Verbesserung der Lebenssituation dieser Personen(gruppen) dienen (Zielsetzung). Sie umfassen (iii) Beratungs-, Behandlungs-, Betreuungs- und Pflegeleistungen sowie Aktivierungs-, Beschäftigungs- und Qualifizierungsleistungen, sofern sozial unterstützende Aspekte eine wesentliche Rolle spielen (Abgrenzung der Dienstleistungsbe- 2 Strukturell-operationaleDefinition des NPO Begriffs des "John Hopkins Project" von Salomon und Anheier, 1992.

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Nonprofit-Organisationen im Sozialbereich? Warum gibt es sie? Theoretische Überlegungen zum Entstehen von Nonprofit-Organisationen
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V186199
ISBN (eBook)
9783656995395
ISBN (Buch)
9783656995517
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nonprofit-organisationen, sozialbereich, warum, theoretische, überlegungen, entstehen
Arbeit zitieren
Florian Bachner (Autor), 2006, Nonprofit-Organisationen im Sozialbereich? Warum gibt es sie? Theoretische Überlegungen zum Entstehen von Nonprofit-Organisationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186199

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