Ziel dieser Arbeit ist anhand unterschiedlicher Theorien aufzuzeigen, warum NPOs überhaupt existieren
und wie sich diese Erklärungsansätze auf den Sozialbereich übertragen lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffliche Klärung und Abgrenzung des Gegenstands
1.1 Definition von Nonprofit Organisationen
1.2 Definition von Sozialbereich und sozialer Dienstleistungen
2. Theoretische Fundierung von NPOs im Sozialbereich
2.1 Public Goods Theories alias Governmental Failure Theory (Staatsversagen)
2.2 Trust related Theories alias Contract or Market Failure Theories (Marktversagen)
2.3 Subsidy Theory
2.4 Consumer Control Theory
2.5 Entrepreneurship Theory
2.6 Stakeholder Theory
2.7 Transaktionskostenansatz
2.8 Interdependence Theory alias Third Party Government or voluntary Failure Theory
2.9 NPOs als "funktionale Dilettanten“
3. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die theoretischen Hintergründe für das Entstehen und die Existenz von Nonprofit Organisationen (NPOs) im Sozialbereich. Ziel ist es, verschiedene ökonomische und sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze darzustellen und anhand von Beispielen aufzuzeigen, warum diese Organisationen trotz oder gerade wegen Markt- und Staatsversagens eine essenzielle Rolle bei der sozialen Güterversorgung einnehmen.
- Grundlegende Begriffsbestimmung von Nonprofit Organisationen und sozialen Dienstleistungen
- Analyse ökonomischer Entstehungstheorien (z.B. Staats- und Marktversagen)
- Untersuchung angebotsseitiger Faktoren und unternehmerischer Motive
- Diskussion von Kooperationsmodellen zwischen Staat und drittem Sektor
- Bewertung von NPOs als institutionelle Akteure in sozialen Krisenfeldern
Auszug aus dem Buch
2.1 Public Goods Theories alias Governmental Failure Theory (Staatsversagen)
Die Public Goods Theory geht auf das Jahr 1975 zurück, wurde von Burton Weisbrod entwickelt und ließe sich als nachfrageseitige Theorie einordnen. Die im Deutschen als Staatsversagen bezeichnete Theorie war die erste ihrer Art, die sich mit der Existenz von NPOs in Marktwirtschaften beschäftigte. Weisbrod begründete das Vorhandensein von NPOs im Wesentlichen damit, dass staatliche Organisationen Güter nicht in einem Umfang anbieten können, der sämtlichen Präferenzen einer heterogenen Bevölkerung und deren Nachfrage ("demand heterogeneity") entspricht (vgl. Anheier 2005: 120).
"The Weisbrod model explains the existence of nonprofit organizations with the help of two basic concepts: 'demand heterogeneity' for the provision of public goods and 'median voter'." (ebd. 2005: 121). Er geht davon aus, dass staatliche Einrichtungen in Demokratien die Versorgung mit öffentlichen Gütern an der Wählermehrheit ("median voter") ausrichten. Konsequenterweise bleiben dadurch bestimmte Nachfrager unbefriedigt, es kommt zu Staatsversagen ("Governmental Failure").
"This unfilled demand for the public good may be satisfied by nonprofit organizations, which are established and financed by the voluntary contributions of citizens who want to increase the output or quality of the public good" (ebd.: 121). Demnach springen NPOs als Nischenfüller dort ein, wo eine staatlich bedingte Unterversorgung an öffentlichen Gütern auftritt.
Während Weisbrod in erster Linie auf eine quantitative Unterversorgung anspielt, wurde seine Theorie in ihrer Weiterentwicklung auch aus der Sichtweise von qualitativer Unterversorgung, angewendet. So entstünden zum Beispiel Privatschulen aus dem Bedürfnis eines alternativen Schulkonzeptes im Vergleich zum staatlich-einheitlichen, pädagogischen Konzept (vgl. Badelt 2002: 115).
Ein Beispiel aus dem Bereich der sozialen Dienste wäre in diesem Kontext die medizinische Versorgung von Obdachlosen. In Wien konnte die medizinische Versorgung Obdachloser durch einen mobilen Ärztebus verbessert werden. Der Bus als sozialer Dienst, betrieben von der NPO "Caritas Wien" betreut monatlich rund 600 Patienten - ohne Krankenschein und ohne Kosten für die Betroffenen. Er springt als "gap filler" dort ein wo das staatlich garantierte Gesundheitssystem versagt (siehe dazu: http://www.caritas-wien.at/221.htm).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffliche Klärung und Abgrenzung des Gegenstands: Dieses Kapitel definiert den Nonprofit Sektor sowie den Sozialbereich und erarbeitet einen Arbeitsbegriff für NPOs unter Berücksichtigung strukturell-operationaler Kriterien.
2. Theoretische Fundierung von NPOs im Sozialbereich: Hier werden zentrale ökonomische und sozioökonomische Theorien zur Entstehung von NPOs vorgestellt, die von Markt- und Staatsversagen über Subsidy- bis hin zu Stakeholder-Ansätzen reichen.
3. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel resümiert, dass die untersuchten Theorien trotz ihrer Heterogenität wichtige Fragmente zum Verständnis von NPOs liefern und ein Hilfskonstrukt zur Analyse des dritten Sektors bilden.
Schlüsselwörter
Nonprofit Organisation, NPO, Dritter Sektor, Sozialbereich, soziale Dienstleistungen, Staatsversagen, Marktversagen, Public Goods Theory, Subsidy Theory, Entrepreneurship Theory, Stakeholder Theory, Transaktionskosten, Freiwilligkeit, Gemeinnützigkeit, Public-Private-Partnership
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Herleitung der Existenz von Nonprofit Organisationen, speziell im Sozialbereich, und fragt nach den Gründen, warum diese neben dem Staat und dem privaten Markt eine eigenständige ökonomische Funktion erfüllen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Abgrenzung des Nonprofit Sektors, die ökonomischen Ursachen für dessen Entstehen (wie Staats- und Marktversagen) sowie die spezifische Rolle der NPOs bei der Erbringung sozialer Dienstleistungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand wissenschaftlicher Theorien aufzuzeigen, warum NPOs existieren und wie sich diese theoretischen Erklärungsansätze konkret auf den Bereich der sozialen Dienste übertragen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der verschiedene ökonomische und sozioökonomische Theorien systematisch gegenübergestellt und anhand von Praxisbeispielen veranschaulicht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich verschiedenen Entstehungstheorien, darunter die Public Goods Theory, Trust related Theories, die Subsidy Theory, der Transaktionskostenansatz sowie Ansätze zur Kooperation zwischen Staat und NPOs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nonprofit Organisation, Staatsversagen, Marktversagen, dritte Sektor, soziale Dienstleistungen und Stakeholder Theory.
Wie unterscheidet sich die "Entrepreneurship Theory" von anderen Ansätzen?
Während viele andere Theorien nachfrageseitige Aspekte betonen, fokussiert die Entrepreneurship Theory auf angebotsseitige Motive, insbesondere auf das Verhalten von Gründern, die durch ideelle Ziele statt durch reine Profitmaximierung geleitet werden.
Was besagt die Theorie der "funktionalen Dilettanten" nach Seibel?
Dieser Ansatz charakterisiert NPOs als Organisationen, die durch mangelnde Professionalität und Effizienz zwar "funktionale Dilettanten" sind, dem Staat aber in Krisenzeiten bei der Konfliktbewältigung dienen, indem sie Aufgaben übernehmen, die der Staat selbst nicht zufriedenstellend lösen kann.
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- Florian Bachner (Author), 2006, Nonprofit-Organisationen im Sozialbereich? Warum gibt es sie? Theoretische Überlegungen zum Entstehen von Nonprofit-Organisationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186199