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Gewalt und Ethnizität: Materialistische und kulturalistische Sichtweisen

Title: Gewalt und Ethnizität: Materialistische und kulturalistische Sichtweisen

Seminar Paper , 2005 , 41 Pages , Grade: 1

Autor:in: Gérard Bökenkamp (Author)

Cultural Studies - Miscellaneous
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Der Historiker Thimothy Garton Ash äußerte die Vermutung, dass ein heutiger europäischer Staat mit einer ethnischen Mehrheit von weniger als 80 Prozent im Grunde instabil ist. Die Brisanz dieser These nicht nur für Europa sondern gerade auch mit Sicht auf den außereuropäischen Kontext, in dem die Multiethnizität die Regel und nicht die Ausnahme darstellt, ist offensichtlich. Ein Grund mehr, sich erst einmal die Frage vorzulegen, was genau unter Ethnizität zu verstehen ist.
Ziel dieser Arbeit ist es nicht, eine bestimmte theoretische Richtung zu belegen oder zu verwerfen. Vielmehr sollen sowohl die argumentativen Stärken, als auch die Schwächen bestimmter Ansätze herausgearbeitet und ihre Plausibilität anhand verschiedener ethnographischer Beispiele diskutiert werden.

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Inhaltsverzeichnis

I. Theorien zur Ethnizität

I.1. Essentialismus oder Formalismus?

I.1.a biologisch-psychologistischer Ansatz

I.1.b Ökonomisch-instrumentalistischer Ansatz

I.1.c Kulturell-strukturalistischer Ansatz

I.2. Die Ethnie als „Familie“

I.3. Die allgemeine etische Definition der Ethnie

I.4. Ethnische Grenzen- Religion, Rasse, Klasse

I.4.a Ethnizität und Klasse

I.4.b Ethnizität und Religion – Das Huntington-Paradigma

I.5.Zusammenfassung

II. Theorien zur kollektiven Gewalt

II. 1. Kollektive Gewalt - angeboren oder erlernt

II.1.a Der materialistische Ansatz: Der Ursprung des Krieges

II.1.b Bevölkerung, Ressourcen und Krieg

II.1.c Zusammenfassung

II. 2. Der idealistische Ansatz: Kultur und Gewalt

III. Kultur und Konflikt

III.1. Kollektive Emotionen oder rationale Strategie

III.2. Die „Kulturalismus“-Kontroverse

III.3. Die Goldhagen-Konzeption und das kulturkognitive Modell

III.4. Eliminatorische Feindbilder und der Völkermord in Ruanda

III.5. Zusammenfassung

IV. Ritual und Strategie - Tambiahs massenpsychologischer Ansatz

IV.1. Ethnische Massenkonfrontationen am Beispiel des Hindu-Sikh-Konflikts 1984

IV.1.a Hindus gegen Sikhs

IV.1.b Hindu-Nationalismus

IV.2. Strategie, Massenpsychologie und Kultur

IV.2.a Nationalisation und Konfessionalisierung

IV.2.b Le Bon und Durkheim

IV.3. Schluß

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen von Ethnizität und ihre Verknüpfung mit kollektiver Gewalt. Dabei wird hinterfragt, inwieweit ethnische Konflikte als Ergebnis historischer Prozesse, kulturell tradierter Identitäten oder strategisch gesteuerter Manipulation durch politische Akteure zu verstehen sind.

  • Analyse theoretischer Ansätze zur Ethnizität (Essentialismus, Materialismus, Kulturalismus).
  • Untersuchung der Entstehungsbedingungen kollektiver Gewalt in regionalen Kontexten.
  • Kritische Auseinandersetzung mit Identitätskonstruktionen und Feindbildern.
  • Evaluation massenpsychologischer Strategien bei ethnischen Konflikten.

Auszug aus dem Buch

I.1. Essentialismus oder Formalismus?

Gemeinhin werden in den Darstellung der Ethnizitätsdebatte jeweils zwei Schulen, die einen fundamentalen wissenschaftlichen Antagonismus darstellten, beschrieben. Gegenübergestellt werden Formalismus/Konstruktivismus-Essentialismus bzw. Modernismus-Primordialismus. Formalistische bzw. modernistische Ansätze betrachten Ethnizität im Wesentlichen das Phänomen als post- und nicht prämodern begreifen. Besonders hervorgehoben wird die Rolle der „indirect rule“ bei der Schaffung, Konstruktion künstlicher Identitäten. Aus diesem Grund lässt sich diese Denkrichtung auch als „Modernismus“ bezeichnen. Ethnizität könne als instrumentalistisch, situationsbezogen, nicht feststehend und gebunden an spezifische Konstellationen beschrieben werden. Im einzelnen gehen diese Theorien, wie schon die unterschiedliche Oberbegrifflichkeit (konstruktivistisch, formalistisch, instrumentalistisch, modernistisch, situationistisch) zeigt, weit auseinander. Die Essentialisten betonen hingegen die gegebenen Gemeinsamkeiten wie Sprache, Kultur, Geschichte und Abstammung, eben relativ eindeutig umrissene Kriterien zur Definition von Ethnie und Nation. Lentz nennt die Autoren wie Smith, Van den Berghe, und Isaacs als klassische Vertreter dieser Richtung. Der Historiker Antony Smith behauptet eine Kontinuität von der vormodernen Ethnizität zur modernen Nationen. Auch antike Assyrer und mittelalterliche Normannen lassen sich demnach als Ethnie im modernen Sinne definieren.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Theorien zur Ethnizität: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene theoretische Strömungen wie Formalismus und Essentialismus sowie biologische und ökonomische Ansätze zur Definition von Ethnizität.

II. Theorien zur kollektiven Gewalt: Hier wird untersucht, ob kollektive Gewalt als biologisch angeborener Trieb oder erlerntes kulturelles Phänomen zu verstehen ist und welche Rolle Ressourcenknappheit spielt.

III. Kultur und Konflikt: Dieses Kapitel widmet sich der Bedeutung von kollektiven Emotionen, Feindbildern und der Kulturalismus-Kontroverse anhand konkreter Fallbeispiele wie dem Völkermord in Ruanda.

IV. Ritual und Strategie - Tambiahs massenpsychologischer Ansatz: Die Arbeit analysiert hier die Dynamik ethnischer Massenkonfrontationen, insbesondere am Beispiel des Hindu-Sikh-Konflikts, und verbindet diese mit soziologischen Theorien.

Schlüsselwörter

Ethnizität, Kollektive Gewalt, Nationalismus, Identität, Essentialismus, Konstruktivismus, Ressourcenkonflikt, Feindbild, Massenpsychologie, Ethnische Grenzen, Konflikttheorie, Politik, Globalisierung, Soziologie, Kulturtheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen Ethnizität und kollektiver Gewalt aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf Identitätskonstruktionen, der Entstehung ethnischer Konflikte sowie den theoretischen Debatten zwischen strukturalistischen und strategisch-instrumentellen Erklärungsmodellen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Komplexität ethnischer Gewalt durch die Synthese scheinbar gegensätzlicher theoretischer Ansätze zu erfassen, statt diese einseitig zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin oder der Autor verwendet eine vergleichende Literatur- und Theorieanalyse sowie die Untersuchung ethnographischer Fallbeispiele zur Plausibilitätsprüfung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Theorien zur Ethnizität, zur Entstehung kollektiver Gewalt sowie in die Analyse von Ritualen und Strategien in massenpsychologischen Kontexten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Ethnizität, Identität, kollektive Gewalt, Nationalismus, Essentialismus und Konstruktivismus.

Wie bewertet der Text die Rolle der Religion in ethnischen Konflikten?

Religion wird nicht als primäre Ursache, sondern als ein Instrument zur Grenzziehung, Identitätsstiftung und Legitimation von Konflikten betrachtet.

Welche Bedeutung hat das Beispiel Beluchistan für die Argumentation?

Beluchistan dient als Fallbeispiel, um zu zeigen, wie demographische Faktoren, Ressourcenmangel und politische Mobilisierung in ein multifaktorielles Konfliktmodell integriert werden können.

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Details

Title
Gewalt und Ethnizität: Materialistische und kulturalistische Sichtweisen
College
Free University of Berlin
Grade
1
Author
Gérard Bökenkamp (Author)
Publication Year
2005
Pages
41
Catalog Number
V186225
ISBN (eBook)
9783869438429
ISBN (Book)
9783656992875
Language
German
Tags
gewalt ethnizität materialistische sichtweisen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Gérard Bökenkamp (Author), 2005, Gewalt und Ethnizität: Materialistische und kulturalistische Sichtweisen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186225
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