Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Feenproblematik im Zusammenhang mit Übergangs- und Initiationsriten (rites de passage) und vergleicht Konrads von Würzburg späthöfischen Roman ?Partonopier und Meliur? mit keltischen Paralleltexten. Dabei wird ein bestimmter Mythostyp, der Chartermythos, untersucht, und es wird der Frage nachgegangen, ob in Bezug auf diese Mythosform matriarchalische Strukturen vorliegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verbindungen zu keltischen (u.a.) Mythen und Sagen
2.1. Erzählmotive und Erzählstruktur
2.1.1. Motivische Parallelen zwischen dem Roman Partonopier und Meliur und der irokeltischen Sagenwelt
2.1.2. Zur „Herkunft“ der irokeltischen Feenmotive
2.2.1. Christliche Überlieferung und die Deutung des Feenreichs im Roman Partonopier und Meliur
2.2.2. Die Umwertung keltischer Motive im Partonopier und Meliur am Beispiel der Meliurfigur und des Feenreiches
2.2.3. Variationen innerhalb der Gender-Konzeption
2.3. Der Roman Partonopier und Meliur und der irokeltische Chartermythos
2.3.1. Der irokeltische Chartermythos
2.3.2. Die späthöfische Konzeption von Privatheit und Öffentlichkeit im Partonopier und Meliur und der irokeltische Chartermythos
2.3.3. Die Verbindung von Liebe und repräsentativer Funktion
3. Partenopier und Meliur, der rite de passage und die Mädchentragödie
3.1. Van Genneps Stufenmodell des rite de passage und Turners Untersuchungen zum Schwellenreich
3.2. Burkerts mythologisches Schema der Mädchentragödie
3.3. Die Modelle des rite de passage und der Mädchentragödie und der Roman Partonopier und Meliur
3.4. Zwei Entwicklungswege: der un-schematische Ablauf des rite de passage und der Mädchentragödie im Partonopier und Meliur
3.4.1. Die Entwicklungswege der „wirklichen“ und der „Anderswelt“ im Vergleich
3.4.1.1. Geschlechtsspezifische Aspekte der Schwellenphase in Meliurs Reich
3.4.1.2. Der Weg von Meliurs Andersweltreich in die gesellschaftliche Integration
3.4.2.1. Verheiratungspolitik in Lucretes Reich
3.4.2.2. Rücktritt von der sexuell-integrativen Initiation ins Reich der Mutter
3.4.2.3. Mögliche ethnographische Entsprechungen
3.4.4. Vermittlung zwischen den Welten. Festhalten an der Gedankenwelt der Feen
3.4.5. Irekel als Verkörperung eines neuen Frauentyps
3.4.6. Schwertleite, Hochzeit und „Happy Ending“
4. Schluss:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verarbeitung irokeltischer Motive im mittelhochdeutschen Roman "Partonopier und Meliur" von Konrad von Würzburg. Dabei liegt der Fokus auf der Umdeutung und Neubewertung bestimmter Motive des Sakralen Königtums und der Feenerzählungen unter Einbeziehung des ethnologischen Instrumentariums des "rite de passage" und der "Mädchentragödie".
- Strukturelle und motivische Parallelen zur irokeltischen Sagenwelt
- Transformation des Chartermythos im späthöfischen Kontext
- Die Darstellung von Geschlechterrollen (Gender-Konzeption)
- Spannungsfeld zwischen privatem Liebesglück und repräsentativer Herrschaftsfunktion
- Entwicklungswege des Helden als Initiation
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Der irokeltische Chartermythos
Im folgenden soll weiterhin Grundlagenforschung betrieben werden, indem eine mögliche Verbindung des irokeltischen Chartermythos zum Thema „Liebe und Herrscherkür“, wie es sich im Partonopier und Meliur gestaltet, in Betracht gezogen wird. Es folgt zunächst eine kurze Darstellung des Chartermythos.
Das dem Begriff zugrunde liegende Schema verwirklicht sich in der Mehrzahl der Fälle in dem Moment der einen Herrscher ernennenden bzw. legitimierenden Göttin. Verbindungen zwischen bestimmten Mythen/Sagen und einer gesellschaftlich ausgeübten Praxis sind dabei nachweisbar.
So.... „wurde die rechtmäßige Herrschaft der Hochkönige von Tara in der Darstellung der Echtrai (Keltische Feenerzählungen) immer wieder durch die Verbindung zu Frauen aus der Anderswelt erneuert und bestätigt.“ „König Conn ist in der Anderswelt eine Begegnung mit Lug und einer schönen, jungen Frau vergönnt. Sie sitzt mit einer goldenen Krone auf dem Haupt auf einem kristallenen Thron, offensichtlich Flaith Èrenn, Irlands Souveränität. Als erstes bietet sie Conn Speisen an, sie nährt ihn also, und zum zweiten kredenzt sie ihm einen Becher des roten, berauschenden Gerstensaftes“...wobei sie...“ sich selbst anbietet“;.... „Aus dem Munde des Gottes (Lug) erschallen nun die Namen aller Fürsten, die nach Conn auf Tara regieren werden.“ ....„Die Vorstellung vom König als Gatten seines Reiches ist vorindoeuropäisch, wurde aber von den Indoeuropäern übernommen.“
Im Zusammenhang damit spielt „die legitimierende Kraft“ (der Göttin oder Fee, d. Verf.) „für die herausgehobene Stellung oder Herrschaftsansprüche von Nachkommen eines mythischen Geschlechts“ eine Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung verortet das Werk literaturgeschichtlich und führt in die methodische Fragestellung ein, insbesondere in die Untersuchung irokeltischer Motive.
2. Verbindungen zu keltischen (u.a.) Mythen und Sagen: Das Kapitel analysiert motivische Übereinstimmungen zwischen dem Roman und der keltischen Überlieferung sowie die christliche Umdeutung des Feenreichs.
3. Partenopier und Meliur, der rite de passage und die Mädchentragödie: Dieser Hauptteil untersucht die Entwicklung des Helden mithilfe ethnologischer Modelle und diskutiert die Konkurrenz zwischen privaten Liebesidealen und gesellschaftlichen Normen.
4. Schluss:: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Ausschluss des Weiblichen aus der ritterlichen Männerwelt im Roman.
Schlüsselwörter
Partonopier und Meliur, Konrad von Würzburg, Irokeltische Sagen, Rite de Passage, Mädchentragödie, Chartermythos, Sakrales Königtum, Gender-Konzeption, Minne- und Aventiureroman, Anderswelt, Initiation, Feenmotiv, Höfische Literatur, Herrscherkür, Späthöfische Dichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Einflüsse irokeltischer Mythen und Sagen auf Konrads von Würzburg Roman "Partonopier und Meliur" und beleuchtet die literarische Umsetzung dieser Motive.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen gehören das Verständnis von Herrschaft, Liebe, Geschlechterrollen sowie die Rezeption vorchristlicher mythischer Konzepte in einem späthöfischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie im Roman bestimmte Motive – insbesondere solche, die auf das sakrale Königtum verweisen – umgedeutet und bewertet werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden ethnologische und literaturwissenschaftliche Ansätze kombiniert, insbesondere das Stufenmodell des "rite de passage" (van Gennep/Turner) sowie Burkerts Konzept der "Mädchentragödie".
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den verschiedenen Initiationswegen der Romanfiguren und kontrastiert die "wirkliche Welt" mit der "Anderswelt" der Feen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Initiation, Chartermythos, Hybridität, gender-spezifische Rollenbilder und die christliche Überformung paganer Stoffe.
Wie unterscheidet sich die "Anderswelt" von der realen höfischen Welt im Roman?
Während die Anderswelt durch magische Elemente, eine freiere Sexualität und die Macht der Fee geprägt ist, fordert die höfische Realität formale Bewährung, Turniere und gesellschaftliche Konformität.
Welche Rolle spielt die Mutterfigur in der Entwicklung des Helden?
Die Mutter übt einen maßgeblichen, oft negativen Einfluss aus, indem sie den Helden in die höfisch-patrilineare Ordnung drängt und damit die "freie" Verbindung zur Fee untergräbt.
- Citar trabajo
- Magistra Artium Eva Köppl (Autor), 2002, Chartermythos und rite de passage - Überlegungen zu Konrads von Würzburg 'Partonopier und Meliur', Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186270