Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Analyse von drei Spielfilmen, welche im Wettbewerb um den Kinderfilmpreis Goldener Spatz ausgezeichnet wurden. Die Veranstaltung wurde 1979 als Nationales Festival für Kinderfilme der DDR in Kino und Fernsehen in Gera gegründet und bot erstmals dem jungen Publikum die Gelegenheit, auf nationaler Ebene ihre Favoriten zu wählen. Im Rhythmus von zwei Jahren werden seitdem einem Fach- und Kinderpublikum Beispiele aus verschiedenen Genres der Kinderfilmproduktion präsentiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Das Kinderfilmfestival Goldener Spatz
1.1 Gesellschaftliche Hochachtung – Der Kinderfilm in der DDR
1.2 Für die Kinder und mit den Kindern – Die Geburt des „Spatzen“
1.3 Die Erziehung der Gefühle
1.4 Die Geschichte des Festivals bis 1989
1.5 Land in Sicht – Nach der Deutschen Wiedervereinigung
2 Filmanalysen
2.1 Verfahrensweise der Filmanalysen
2.2 Ein Schneemann für Afrika (1977)
2.2.1 Filmrealität
2.2.1.1 Wechselnde Handlungsstränge – Inhalt und Stilelemente
2.2.1.2 Die Filmfiguren und ihre Beziehungen
2.2.1.3 Die Handlungsorte MS „Wismar“ und Coccatuttibana
2.2.2 Bedingungsrealität
2.2.2.1 Losanskys Herz für Kinder und Phantasie
2.2.2.2 Von der Arbeit mit Trickfiguren und jungen Darstellern
2.2.3 Bezugsrealität
2.2.3.1 Gedanken von Solidarität und Freundschaft
2.2.3.2 Phantasie schärft den Blick für die Realität
2.2.4 Wirkungsrealität
2.2.4.1 Kritik und Lob für den Film
2.2.4.2 Der Film im Wettbewerb um den Goldenen Spatz
2.3 Das Heimweh des Walerjan Wróbel (1991)
2.3.1 Filmrealität
2.3.1.1 Die fünf Stationen Walerjans
2.3.1.2 Die Kraft von Bild und Ton
2.3.2 Bedingungsrealität
2.3.2.1 Der erste Spielfilm des „düsteren“ Dokumentaristen
2.3.3 Bezugsrealität
2.3.3.1 Zwangsarbeit in Deutschland
2.3.3.2 Das Nazi-Unrecht am Beispiel eines konkreten Schicksals
2.3.4 Wirkungsrealität
2.3.4.1 Rezeption und Bewertung durch die Kinderjury
2.3.4.2 Kommerzieller Erfolg vs. anerkannte Qualität
2.4 Emil und die Detektive (2000)
2.4.1 Filmrealität
2.4.1.1 Inhaltliche Struktur und formaler Aufbau des Kinderkrimis
2.4.2 Bedingungsrealität
2.4.2.1 Die Entstehung des Remakes
2.4.2.2 Kästners Klassiker als Erfolgsgarant für das Remake
2.4.3 Bezugsrealität
2.4.3.1 Übertragung der klassischen Vorlage in die Moderne
2.4.3.2 Die Kraft von Kindern
2.4.4 Wirkungsrealität
2.4.4.1 Statements der Kinderjury
2.4.4.2 Erfolg nach Erwarten
2.5 Schlussfolgerung
3 Fazit und Ausblick - Ein gutes Klima für den deutschen Kinderfilm?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert drei ausgewählte Kinderfilme, die mit dem Preis „Goldener Spatz“ ausgezeichnet wurden, um die thematischen und stilistischen Gemeinsamkeiten dieser Produktionen zu untersuchen. Im Zentrum der Forschungsfrage steht dabei, welche Faktoren die Entscheidung der Kinderjury maßgeblich beeinflussen und wie sich die Darstellung von kindlichen Interessen und gesellschaftlicher Realität in den Filmen widerspiegelt.
- Historische Entwicklung und Bedeutung des Kinderfilmfestivals Goldener Spatz
- Systematische Filmanalyse von drei Preisträgerfilmen (1977, 1991, 2000)
- Untersuchung der Rezeption und Bewertung durch die unabhängige Kinderjury
- Stellenwert des Kinderfilms als gesellschaftliches und kulturelles Kulturgut
- Bedeutung von Selbstbestimmung und Mitspracherecht junger Rezipienten
Auszug aus dem Buch
2.2.1.3 Die Handlungsorte MS „Wismar“ und Coccatuttibana
Die Geschichte um den Transport des Schneemanns in der Kühlkammer der Schiffskombüse wird im Wechsel zwischen dem Geschehen an Bord und jenem in Asinas Heimat erzählt. Beide Orte sind durch Abenteuerlichkeit, Exotik und Romantik gekennzeichnet und stellen somit Bereiche dar, auf die die Neugierde von Kindern bereits im Vorfeld gerichtet ist und mit denen sie sich auch in ihrer Phantasie beschäftigen.
Losansky übertrug das Leben und die Arbeit auf einem Frachter sehr detailgetreu und realistisch ins Filmische. Typische Abläufe und Handlungen auf einem Schiff sind in die Geschichte eingeflochten, so die verschiedenen Tätigkeiten der Matrosen an Deck, in der Kajüte, in der Kombüse und im Maschinenraum, ihre Gepflogenheiten wie die Äquatortaufe und ihre Gebaren wie Sprache und Gesang. Ebenso werden die wechselnden Bedingungen einer Schiffsreise vom Wellengang über den Sturm bis hin zur zunehmenden Hitze gezeigt, sowie die Begegnungen mit Delphinen und fliegenden Fischen. Kameramann Helmut Grewald, mit dem Losansky schon mehrfach zusammengearbeitet hatte, ließ sich sogar auf dem Schiffsdeck anbinden, um den tobenden Ozean möglichst realistisch filmen zu können (vgl. Sahling 1998, S. 53). Authentizität fließt umso mehr in die Schiffsszenen ein, als dass eine echte Schiffsbesatzung in den Nebenrollen zu sehen ist und mit Bruno Carstens außerdem ein Berufsseemann als Kapitän agiert. Der Matrosenalltag dient gleichzeitig als Grundlage für eine Reihe von spaßigen und pointenreichen Szenen, die sich vor allem zwischen den beiden Hauptfiguren Karli und Bob abspielen. So stibitzt Karli z.B. Bobs Hose und zieht sie auf den Fahnenmast. Neben der bildlichen Umsetzung benutzt Losansky viele sprachliche und traditionelle Elemente für die Darstellung der romantischen und lustigen Seiten des Seemannsleben: „Teufel und Tintenfisch“ ist des Chiefmates beliebtester Ausruf, heitere Seemannslieder werden lautstark gesungen, überlieferte Seemannsweisheiten erwähnt und der Brauch der Äquatortaufe wird humoristisch als buntes Spektakel in Szene gesetzt. Sympathische Bezugspunkte erhält der Film durch die teils heiter, teils vorbildhafte Inszenierung der rauen Kameradschaft unter Seeleuten. Trotz vieler Neckereien und die Bindung an Vorschriften hält das Seefahrerkollektiv auf sehr menschliche Art und Weise zusammen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Das Kinderfilmfestival Goldener Spatz: Dokumentation der Entstehung, Geschichte und gesellschaftlichen Bedeutung des Festivals von der DDR-Zeit bis zur Zeit nach der Wiedervereinigung.
2 Filmanalysen: Detaillierte Untersuchung dreier Preisträgerfilme mittels systematischer Filmanalyse unter Berücksichtigung von Filmrealität, Bedingungsrealität, Bezugsrealität und Wirkungsrealität.
3 Fazit und Ausblick - Ein gutes Klima für den deutschen Kinderfilm?: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und ein Ausblick auf die aktuelle Situation und Zukunft des deutschen Kinderfilms.
Schlüsselwörter
Goldener Spatz, Kinderfilm, DEFA, Filmanalyse, Kinderjury, Medienkompetenz, Selbstbestimmung, DDR-Filmkunst, Filmrezeption, Kinderspielfilm, Zwangsarbeit, Erich Kästner, Filmästhetik, Kinderrechte, Filmbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von drei ausgewählten Spielfilmen, die mit dem Preis „Goldener Spatz“ ausgezeichnet wurden, und untersucht deren thematische sowie stilistische Besonderheiten in Bezug auf die Wahrnehmung durch eine Kinderjury.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Geschichte des Kinderfilmfestivals, der filmtheoretischen Analyse von Kinderfilmen unterschiedlicher Epochen sowie der Rolle der Kinder als aktive Kritiker und medienkompetente Rezipienten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, warum genau diese drei Filme ausgezeichnet wurden und ob es übergreifende Gemeinsamkeiten gibt, die für die Entscheidungsfindung der Kinderjury von Bedeutung waren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet die Methodik der „Systematischen Filmanalyse“ nach Helmut Korte, welche die Bereiche Filmrealität, Bedingungsrealität, Bezugsrealität und Wirkungsrealität umfasst.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei detaillierte Analysen der Filme „Ein Schneemann für Afrika“ (1977), „Das Heimweh des Walerjan Wróbel“ (1991) und „Emil und die Detektive“ (2000), wobei deren Struktur, Entstehungshintergründe und Rezeptionsgeschichte beleuchtet werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Goldener Spatz, Medienkompetenz, Kinderjury, filmische Realität und die gesellschaftliche Rolle des deutschen Kinderfilms aus.
Warum wurde das Filmbeispiel „Das Heimweh des Walerjan Wróbel“ gewählt?
Es dient als herausragendes Beispiel für einen Film, der komplexe und historisch belastete Themen wie Zwangsarbeit im Nationalsozialismus kindgerecht und emotional verständlich aufbereitet, was von der ersten gesamtdeutschen Kinderjury honoriert wurde.
Welche Bedeutung kommt der Kinderjury innerhalb des Festivals zu?
Die Kinderjury ist das Herzstück des Festivals; sie fungiert nicht nur als bloßes Publikum, sondern als fachkundige Instanz, deren Urteil die inhaltliche Ausrichtung des Kinderfilms und das Verständnis der Filmemacher für ihre Zielgruppe maßgeblich mitprägt.
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- Simone Busch (Author), 2003, Vom modernen Märchen zum modernisierten Remake - Preisträger der Kinderjury innerhalb des Film- & Fernseh-Festivals Goldener Spatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186271