Massenpsychologie bei Sigmund Freud


Seminararbeit, 2005

17 Seiten, Note: 2.7

Anton Reumann co. Roos (Autor:in)


Leseprobe

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0. Einleitung

Sigmund Freud (1856 - 1939) war seinerzeit auf dem Gebiet der Psychologie einer der umstrittensten Wissenschaftler, er war auf dem Gebiet der Forschung (Medizin und Neuropathologie), der Lehre (Dozent und später Professor für Neuropsychologie an der Universität in Wien), der Analyse seiner Fälle (in der Pariser Nervenklinik „Salpetriere“) und der Theoriebildung tätig (zwischen 1895 und 1933 erscheinen zahlreiche Schriften). Sein schriftlicher Nachlass ist in Aufzeichnungen seiner Vorträge, Publikationen seiner offenen Briefe und in Form von Aufsätzen und Essays erhalten geblieben (was auch die variierende Ausdrucksweise erklärt). Die Forschungsarbeit Freuds kann aus dem Blickwinkel der heutigen Zeit als qualitative Forschung bezeichnet werden, denn seine Theorien über den Aufbau der menschlichen Psyche entspringen der Analyse von nur wenig mehr als 100 Fällen. Rückwärtig betrachtet wird S. Freud als „Begründer der Psychoanalyse“ bezeichnet. Die öffentliche Arbeit Freuds sollte an dieser Stelle ebenfalls erwähnt werden, das „Zentralblatt für Psychologie“, die „Internationale Psychoanalytische Vereinigung“ und der „Internationale Psychoanalytische Verlag“ beruhen auf seiner Gründung. 1

Weswegen sollte jedoch Freuds Beitrag zur Psychologie des Menschen von Bedeutung für die Sozialphilosophie des angehenden 20. Jahrhunderts sein? Wie ist Individualpsychologie mit Massenpsychologie verknüpfbar?

Im folgenden soll es darum gehen, zu erklären, wie sich bei S. Freud Individual- und Massenpsychologie miteinander verbinden. Zuvor soll jedoch geklärt werden, mittels welcher Begriffe Freud argumentiert, denn ohne Kenntnis des Freud`schen Bewusstseinsmodells des Menschen (Psyche) ist ein Begreifen seiner Massenpsychologie nicht möglich. Natürlich sind auch bei Freuds Abhandlungen zu den eben erwähnten Themen Einflüsse aus anderen wissenschaftlichen Disziplinen erkennbar - diese sollen an den jeweiligen Stellen hervorgehoben werden. Eine Zusammenfassung des Themas und der Bezug zur Zeit und Gesellschaft des beginnenden 20. Jahrhunderts soll im Fazit vorgenommen werden.

1 www.dhm.de/lemo/html/biografien/FreudSigmund/ Stand 30. 11. 2005.

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1. Begriffe

Freuds Modell der Psyche des Menschen ist auf der Annahme aufgebaut, dass alle Menschen den gleichen psychischen Mechanismen und den daraus erwachsenden ähnlichen Verhaltensmustern unterliegen. Diese Struktur der Psyche bildet sich bei allen Menschen in der Kindheit in verschiedenen Phasen aus. Das Ergebnis dieser Annahmen ist, dass man ein universelles Basismodell der menschlichen Psyche hat und daran alle Menschen „messen“ kann. (Wie man heute weiß, ist diese Annahme veraltet, da beispielsweise bestimmte Neuroprozesse geschlechtsspezifisch sind.)

Triebe

Um einen Anfang zu finden, sollte zuerst geklärt werden, was für Freud die Quelle, der Antrieb allen Denkens, Handelns und Lebens ist. Freud nimmt an, dass es im Inneren des Menschen eine konstante Kraft gibt, welche verlangt, dass der Mensch agiert - er nennt sie Trieb. Er vergleicht dieses psychische Verlangen nach Triebbefriedigung mit dem physischen Verlangen mit dem Auge zu zwinkern, wenn es geblendet wird. Nur liegt beim Trieb die Quelle/Ursache im menschlichen Inneren. 2 (Alle (Einzel-)Triebe haben einen Drang, ein Ziel, ein Objekt und eine Quelle. 3 ) Der Mensch kann nicht anders, als diesen Trieb zu folgen, er kann diesen nicht nichtbefriedigen - eine Flucht davor oder eine Eliminierung dessen ist nicht möglich. Ein weiterer Unterschied zum äußeren Reiz ist, dass der Trieb meist einer komplexeren Befriedigung bedarf, beim Reiz genügt manchmal schon eine einzige Muskelkontraktion.

Die verschiedenen Einzeltriebe (und es könnten hier sehr viele aufgezählt werden) können in zwei Triebarten eingeteilt werden, von denen sie sich ableiten: Eros und Todestrieb. Von diesen beiden Trieben ist Eros der Trieb, der den Menschen veranlasst schöpferisch tätig zu werden und zu erschaffen; der Todestrieb drängt den Menschen dazu, zu zerstören, zu hassen und zu töten - also destruktiv tätig zu sein. Natürlich darf man nicht so grob vereinfachen, denn die zwei Triebe äußern sich zum größten Teil in Einzeltrieb-Handlungen, welche nicht sofort dem einen oder dem anderen zugeordnet werden können. 4 Die beiden Triebarten treten in jedem Menschen unterschiedlich legiert und gemischt auf, Sexualtrieb (Eros) und Destruktionstrieb

2 Mitscherlich, A. / Richards, A. / Strachey, J. / Gubrich - Simitis, E. (Hrsg.), Sigmund Freud, Psychologie des Unbewußten, Studienausgabe Band III, Frankfurt a. M. 2000, S. 82.

3 Ebenda, S. 85.

4 Ebenda, S. 307.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Massenpsychologie bei Sigmund Freud
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2.7
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V186277
ISBN (eBook)
9783869438078
ISBN (Buch)
9783656992943
Dateigröße
717 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zusammenfassung zur freudschen Psychologie der Massen, sehr detailliert und logisch strukturiert
Schlagworte
massenpsychologie, freud
Arbeit zitieren
Anton Reumann co. Roos (Autor:in), 2005, Massenpsychologie bei Sigmund Freud, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186277

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