Integration behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt

Im Rahmen eines Integrationsprojektes


Forschungsarbeit, 2006

31 Seiten, Note: 1


Leseprobe

HOCHSCHULE MITTWEIDA (FH)
_____________________
UNIVERSITY OF APPLIED SCIENCES
Fachbereich Soziale Arbeit
Studienbegleitender Leistungsnachweis
Sommersemester 2006
Integration behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt
(im Rahmen des Integrationsprojektes)
eingereicht von:
Jasmin Becker, Katja Noack
Studiensemester:
6. DS
Matrikel:
13459 , 14551
bei:
Kromm
Abgabe-Datum:
06.07.2006

1
Gliederung
1
Einleitung
2
Der gesetzliche Rahmen und der Maßnahmeplan der AG Kompass
2.1
Der Kommunale Sozialverband Sachsen
2.2
Der Maßnahmeplan der ,,AG Kompass"
2.3
Die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in Sachsen
3
Die Interviews und der Fragebogen
3.1
Die Interviews
3.2
Der Fragebogen
4
Auswertung der Daten aus Interviews und Fragebögen
4.1
Die Mitarbeitermeldung an den KSV Sachsen aufgrund des
Maßnahmeplans der ,,AG Kompass"
4.2
Die Reaktion des Kommunalen Sozialverbandes
4.3
Die Erstellung von Leitungsprofilen durch die WfbM
4.4
Unterstützung durch den Integrationsfachdienst
4.5
Arbeitsplatzsuche für Mitarbeiter durch die WfbM selbst
4.6
Finanzielle Vergütung der Vermittlung
4.7
Umsetzungsschwierigkeiten bei der Integration behinderter Menschen
in den Arbeitsmarkt
4.8
Chancen der Integration in den Arbeitsmarkt
4.9
Hinweise der Werkstätten
5
Der Integrationsfachdienst
6
Abschließende Auswertungen
7
Literatur

2
1 Einleitung
Als es darum ging uns für ein Studienprojekt im Rahmen des Hauptstudiums zu
entscheiden, wählten wir das Projekt welches sich mit der Integration behinderter
Menschen in den Arbeitsmarkt beschäftigt, weil wir es wichtig finden, sich mit dieser
Problematik forschend zu befassen. Behinderte Menschen sollten in unserer
Gesellschaft völlig selbstverständlich und gleichberechtigt integriert werden. Viel an
Integration wurde schon geleistet, aber gerade was die Integration in den
Arbeitsmarkt angeht, kann nicht zuletzt auch aufgrund der wirtschaftlichen Lage und
der allgemein recht angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt, von einer
gelungenen Integration noch nicht die Rede sein.
Im Semester bevor wir in das Projekt einstiegen, hatte eine Gruppe berufsbegleitend
Studierender schon einen Fragebogen entworfen, mit dem an Werkstätten für
behinderte Menschen herangetreten werden sollte, um zu erforschen, ob und wie die
Vermittlung behinderter Menschen aus den geschützten Werkstattarbeitsplätzen auf
den freien Arbeitsmarkt erfolgt. Wir entschieden uns an der praktischen Umsetzung
und anschließenden Auswertung der Interview- und Fragebogenbefragung
mitzuwirken, da uns die Möglichkeit relativ selbständig und praktisch arbeiten zu
können interessant erschien. Während des Wintersemesters 2005/2006 erfolgte die
Befragung und das Sommersemester 2006 diente der Auswertung der erhaltenen
Informationen.
Im Folgenden sollen zunächst die Grundlagen aus denen der Fragebogen entstand
erläutert werden, dann der Ablauf der Interview- und Fragebogenbefragung und die
Auswertung der Fragebögen und Interviews und schließlich möchten wir in einem
Abschnitt die Aufgaben des Integrationsfachdienstes erläutern, bevor wir versuchen
einige weiterführende Schlussfolgerungen zu ziehen.
2 Allgemeine Ausführungen
2.1
Der Kommunale Sozialverband Sachsen
Die Integration von Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen
Behinderungen in unsere Gesellschaft stellt eine wichtige sozialpolitische Aufgabe
dar, denn sie haben ein Recht auf ein gleichberechtigtes Leben.

3
Am 01. August 2005 ging der Kommunale Sozialverband Sachsen (KSV) aus dem
Landeswohlfahrtsverband Sachsen (LWV), der bereits im Jahr 1993 gegründet
wurde, hervor. Das Ziel dieses Kommunalverbandes ist es, ein bedarfsgerechtes
Leistungsangebot bereitzustellen und die Finanzierung der Versorgungsangebote für
behinderte und pflegebedürftige Menschen sicherzustellen.
1
Der KSV wird aus allen Landkreisen und kreisfreien Städten des Freistaates
Sachsen gebildet. Die Vertreter der Verbandsversammlung werden regelmäßig nach
jeder Kommunalwahl gewählt, je 100.000 Einwohner ein Mitglied. Diese können
(Ober-) Bürgermeister, Landräte, Beigeordnete, Dezernenten oder Stadt-/ Kreisräte
sein.
Die Verbandsversammlung und der Verbandsausschuss arbeiten nach den
Bestimmungen des Gesetzes über den Kommunalen Sozialverband Sachsen
(SächsKomSozVG) und sind unter anderem für den jährlichen Haushaltsplan
zuständig.
2
Abb.1 Organigramm des KSV Sachsen
3
Der KSV ,, (...) ist Kostenträger für alle stationären und teilstationären Hilfsangebote
für Personen, die nicht nur vorübergehend körperlich, geistig oder seelisch behindert
sind. Die Hilfen richten sich nach dem SGB IX, SGB XI sowie SGB XII und werden
einkommens- und vermögensabhängig gewährt (...)."
4
1
http://www.lwv-sachsen.de/index.html
2
http://www.lwv-sachsen.de/ksv_dateien/mitglieder/faq.html
3
http://www.lwv-sachsen.de/ksv_dateien/organe.html
4
http://www.lwv-sachsen.de/ksv_dateien/portrait/wissen.html

4
Außerdem ist der KSV als überörtliche Betreuungsbehörde anzusehen und für
Vereinbarungen nach §75 SGB XII zuständig, in dem die Höhe der Vergütungen mit
den Einrichtungsträgern geregelt wird.
5
Als überörtliche Betreuungsbehörde hat der KSV folgende Aufgaben
6
:
- ,,Sicherstellung eines ausreichenden überörtlichen Angebots zur Einführung
und Fortbildung der Betreuer sowie zur Unterstützung der örtlichen
Betreuungsbehörden bei der Wahrnehmung der Aufgaben nach §2 Abs.1 Satz
2 Nr.3 des Sächsischen Ausführungsgesetzes zum Betreuungsgesetz
(SächsAGBtG)
- Anerkennung, Förderung und fachliche Beratung von Betreuungsvereinen
- Unterstützung der Betreuungsbehörden bei der Planung des Angebots und
der Bedarfsermittlung
Des Weiteren stellt der KSV die nachfolgenden Leistungen zur Verfügung
7
:
· Ferienbetreuung
· Hilfe zur angemessenen Schulbildung und zum Besuch einer Hochschule
· Hilfe zur Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft
· Hilfe zur Pflege
· Hilfe zur Erlangung eines geeigneten Arbeitsplatzes, z.B. in einer Werkstatt für
behinderte Menschen (WfbM)
· vollstationäre Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten
· Hilfe im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens für erwachsene
behinderte Menschen
· Hilfe im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens für Personen mit
besonderen sozialen Schwierigkeiten
Seit seiner Gründung hat der Kommunale Sozialverband Sachsens ,,... rund 7,3
Milliarden für die Folgefinanzierung stationärer und teilstationärer Leistungen vor
allem in der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen aufgebracht. Rund 75% der
erforderlichen finanziellen Mittel wurden bisher durch die (...) Landkreise und
kreisfreien Städte Sachsen, (...) bereitgestellt".
8
5
http://www.lwv-sachsen.de/ksv_dateien/portrait.html
6
http://www.lwv-sachsen.de/ksv_dateien/betrbeh.html
7
http://www.lwv-sachsen.de/ksv_dateien/leistungen.html
8
http://www.lwv-sachsen.de/index.html

5
2.2
Gesetzliche Grundlagen und der Maßnahmeplan der ,,AG Kompass"
Es existiert ein gemeinsames Schreiben des Landeswohlfahrtsverbandes Sachsen,
der
Regionaldirektorin
Sachsen
der
Bundesagentur
für
Arbeit,
der
Landesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen Sachsen e.V. (LAG) und der
Fachberatung für Arbeits- und Firmenprojekte gGmbH (FAF) vom 15.09.2004.
Dieses Schreiben wird auch als Maßnahmeplan der ,,AG Kompass" zur Dämpfung
des Kostenanstiegs in der Eingliederungshilfe verstanden.
9
In diesem Rundschreiben wird darauf hingewiesen, dass bereits vor der Aufnahme in
eine Werkstatt für behinderte Menschen geprüft werden soll, ob eine Maßnahme in
einer Zuverdienstfirma eine geeignete Beschäftigung darstellt.
Inhalt dieses Schreibens ist im Besonderen, die verstärkte Vermittlung von
Mitarbeitern der Behindertenwerkstätten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, vor allem
aber in Integrationsprojekte. Dies erfolgte nach Meinung der ,,AG Kompass", trotz
gesetzlicher Auflagen, bisher nur unzureichend. Außerdem sollte jede WfbM
mindestens einen Mitarbeiter auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vermitteln. Um dies
zu erreichen, müssten geeignete Mitarbeiter benannt und konkrete geplante
Maßnahmen durch die Werkstatt erfasst werden. Die Einschaltung von
Integrationsfachdiensten (durch die Bundesagentur für Arbeit), sowie von
psychosozialen Diensten sind weitere Maßnahmen, die erfüllt werden müssen.
Wichtig ist des Weiteren die Errichtung eines flächendeckenden Netzes von
Integrationsprojekten in Kooperation mit den Werkstätten.
10
Als weiteren Punkt werden in dem Rundschreiben, Einsparpotenziale beim
Fahrdienst genannt. Hierbei ist angedacht, die Teilnehmerzahl um 4% zu senken.
Die Aufgabe der Werkstatt liegt darin, den Anschluss an die öffentlichen
Verkehrsmittel für die Mitarbeiter sicherzustellen und die Inanspruchnahme des
Fahrdienstes zu reduzieren, wenn er nicht dringend notwendig ist.
11
In unserem Projekt war es uns wichtig herauszufinden, ob der Maßnahmeplan der
,,AG Kompass" die Integration behinderter Menschen in den allgemeinen
Arbeitsmarkt begünstigt. Aber auch die Probleme bei der Umsetzung des
Maßnahmeplans sowie der Integration, sollten herausgefiltert und analysiert werden.
9
Landeswohlfahrtsverband Sachsen (Hrsg.)(2004): Maßnahmeplan der AG Kompass zur Dämpfung
des Kostenanstiegs in der Eingliederungshilfe.
10
ebd.
11
ebd.

6
Als letztes ist noch einmal darauf hinzuweisen, dass es in diesem Schreiben nicht
um eine Verordnung, sondern um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit ging.
2.3
Die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in Sachsen
Werkstätten für behinderte Menschen bieten eine Arbeitsmöglichkeit für Behinderte,
die wegen der Art oder Schwere ihrer Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht
wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können. In den WfbM
wird zunächst ein Eingangsverfahren durchgeführt und im Anschluss daran werden
im Berufsbildungsbereich berufsfördernde Maßnahmen kombiniert mit solchen zur
Weiterentwicklung der Persönlichkeit angeboten. So weit wie möglich werden
behinderte Menschen in den WfbM darauf vorbereitet, auf den allgemeinen
Arbeitsmarkt vermittelt zu werden. Insgesamt gibt es in den alten Bundesländern 496
anerkannte Werkstätten für behinderte Menschen mit 184.000 Beschäftigten und in
den neuen Bundesländern 175 Werkstätten mit 43.000 Beschäftigten.
12
Gesetzliche Grundlage der Werkstätten für behinderte Menschen ist Kapitel 12 des
Sozialgesetzbuchs (SGB) IX und die Werkstättenverordnung (WVO). In der Werk-
stättenmitwirkungsverordnung (WMVO) ist die Mitwirkung in den WfbM beschäftigter
behinderter Menschen in Werkstattangelegenheiten durch Werkstatträte geregelt.
In §136 SGB IX sind als Aufgaben der WfbM gesetzlich bestimmt:
13
- behinderten Menschen, die nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
beschäftigt werden können, eine angemessene berufliche Bildung und eine
Beschäftigung zu einem ihrer Leistung angemessenen Arbeitsentgelt aus dem
Arbeitsergebnis anbieten
- zu ermöglichen, ihre Leistungs- oder Erwerbsfähigkeit zu erhalten, zu
entwickeln, zu erhöhen oder wiederzugewinnen
- Förderung des Übergangs geeigneter Personen auf den allgemeinen
Arbeitsmarkt durch geeignete Maßnahmen
- breites Angebot an Berufsbildungs- und Arbeitsplätzen, qualifiziertes Personal
und begleitenden Dienst anbieten
- angegliederte Betreuungs- und Fördergruppen für Menschen anbieten, die die
Voraussetzungen für eine Beschäftigung in der Werkstatt nicht erfüllen
12
Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (Hrsg.) (2005): Ratgeber für behinderte
Menschen, S. 35
13
§136 SGB IX

7
3
Die Interviews und der Fragebogen
3.1
Die Interviews
Insgesamt wurden von uns zehn Interviews durchgeführt. Die zehn Werkstätten an
die wir mit der Bitte um ein Interview herantraten, wurden dabei vor allem nach dem
Kriterium der für uns guten Erreichbarkeit vom jeweiligen Wohnort des Interviewers
aus ausgewählt. Zur Vereinbarung der Interviewtermine wurde folgendes
Anschreiben per Post oder als Dateianhang an eine E-Mail an die ausgewählten
Werkstätten geschickt.
Abb.2 Anschreiben
Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Integration behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt
Untertitel
Im Rahmen eines Integrationsprojektes
Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
31
Katalognummer
V186313
ISBN (eBook)
9783869437828
ISBN (Buch)
9783656993353
Dateigröße
1013 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
integration, menschen, arbeitsmarkt, rahmen, integrationsprojektes
Arbeit zitieren
Jasmin Becker (Autor), 2006, Integration behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186313

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