Ursachen und Folgen von Katastrophen am Beispiel von Buffalo Creek


Referat (Ausarbeitung), 2003
21 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhalt

A Einleitung

B Hauptteil
1.0. Ursachen für die Buffalo Creek Flut
1.1. Konstruktion des Kohleabfalldammes
1.2. Mangelnde Kontrollen
1.3. Fehlende Warnungen
1.4. Maßnahmen nach der Katastrophe
2.0. Theoretischer Hintergrund für Ursachen menschlichen Versagens
2.1. Katastrophen-Ursachen-Kette
2.2. Menschliches Versagen
2.2.1. Der Zusammenhang vom technischen und menschlichen Versagen
2.2.2. Isoliertes Ursachen Wirkungs-Denken
2.2.3. Menschliches Versagen in Buffalo Creek
3.0. Die Bedeutung der Katastrophe für die Bewohner in Buffalo Creek
3.1. Das individuelle Trauma
3.2. Das kollektive Trauma
3.2.1. Die Bedeutung der „commuality“ in Buffalo Creek
3.2.2. Der Verlust der Gemeinschaft
3.2.3. Isolation
3.2.4. Moralbruch
3.3. „chronic disaster“
3.4. Die soziale Misere in Buffalo Creek als mögliche Ursache

C Schluss

Literaturverzeichnis

A Einleitung

Die schriftliche Ausarbeitung des Referates stützt sich auf die Feldstudie von Kai T. Erikson über die Buffalo Creek Flut, die in wenigen Stunden ganze Existenzen in dem Kohleabbaugebiet der Appalachen zerstört hat.[1] Die Arbeit versucht Ursachen aufzuspüren, welche das Ausmaß der Katastrophe begünstigt haben. Da menschliches Versagen als Ursache für die Katastrophe gilt, wird auf diesen Begriff eingegangen.

Ein Schwerpunkt in Eriksons Studie sind die sozialen und individuellen Schäden für die Bewohner der betroffenen Gebiete. Hierbei wird das Ausmaß der Katastrophe besonders deutlich, denn die Bewohner Buffalo Creeks litten ungewöhnlich lange an dem Trauma, den psychischen Folgen der Katastrophe. Die sozialen Strukturen innerhalb der Gemeinde waren mit dem Unglück verschwunden. Erikson behandelt das individuelle und kollektive Trauma. Daran soll auch verdeutlicht werden, dass bereits eine erste Katastrophe, noch vor der Flut im Feb.1972, die soziale Ordnung in Buffalo Creek zerstört hat.

Die Buffalo Creek Flut wird in Eriksons Werk als Katastrophe bezeichnet. Nach seiner Definition ist eine Katastrophe ein Ereignis mit einem ausgeprägten Anfang und Ende.[2] Er bezeichnet sie als „a freak of nature“[3] ; sie bedeutet für ihn somit eine Abweichung von der Normalität.

Außerdem richtet sich die Arbeit nach der soziologischen Definition, wie sie in der Übung „Einführung in die Katastrophensoziologie“ erwähnt wurde, dass Katastrophe eine Störung der Gesellschaft bedeutet.

Als literarische Hauptquelle dient Eriksons:“Everything in it’s path“. Um das menschliche Versagen zu analysieren werden noch andere Theorien hinzugezogen, weil dieser Bereich bei Erikson nur am Rande behandelt wird. Außerdem zieht die Ausarbeitung einige Internetquellen hinzu. Besonders zu empfehlen ist die Seite der Charlston Gazette online: „voices of Buffalo Creek“[4], die zum 25. Jahrestag eine Artikelserie über die Flut herausbrachte.

B Hauptteil

1.0. Ursachen für die Buffalo Creek Flut

Die Buffalo Creek Flut gilt als die größte Katastrophe in der amerikanischen Minengeschichte, die durch menschliches Versagen ausgelöst wurde. Es gab 125 Tote und über 4000 wurden obdachlos.[5]

Die Pittston Company, die für Buffalo Creek verantwortlich ist, kommentierte das Unglück als ein „act of god“. Eine „höhere Gewalt“ habe das Brechen des Staudammes verursacht. Die Verantwortlichen der Kohlekompanie schoben das Unglück auf die Unfähigkeit des Dammes das viele Regenwasser zu halten.[6]

Mit fast jeder Katastrophe stellt sich die Frage, egal ob bei einer natürlichen oder durch menschliches Versagen verursachtes Unglück, was hätte vermieden werden können. Meistens ist es eine Aneinanderreihung von Zufällen, die zu einer Katastrophe führen. Christian Brauner spricht hierbei von der Katastrophen-Ursachen-Kette[7]. Auch in Buffalo Creek gab es nicht nur einen Auslöser. Lange vor der Katastrophe tauchten Versäumnisse und Fehler auf. In der Ausarbeitung werden die markantesten erwähnt.

1.1. Konstruktion des Kohleabfalldammes

Ein entscheidendes Problem ist die Konstruktion des Dammes in Middle Fork, der für die Katastrophe verantwortlich war.[8] Als Verdammung diente der Kohleabfall, der bei der Förderung der Kohle entstand. Auf diesen Damm wurde immer wieder neuer Abfall geschüttet. Um ihn zu stabilisieren, fuhr lediglich ein Bulldozer über die Ablagerungen.[9] Diese Methode ist bei einer Menge von jährlich 200,000 t Müll und 100,000 t absetzenden Schlamm völlig ungenügend.[10] Der Druck von dem Wasser und dem Schlamm wuchs mit der Zeit. Die Verdammungen waren nicht dafür konstruiert, diese Mengen zu halten.

1.2. Mangelnde Kontrollen

Der Bau dieser Staudämme gehört in der Kohleabbauindustrie der Appalachen zum Standard.[11] Es ist die günstigste und einfachste Methode die Kohle nahe der Minen und einer Wasserscheide zu reinigen, um sich auch an bestehende Umweltauflagen zu halten.[12]

Kohleabfalldämme sind anfällig für Unfälle.Vor und auch nach dem Unglück in Bufallo Creek gab es Zwischenfälle dieser Dämme in den Appalachen, jedoch nicht mit so einer gewaltigen Zerstörungskraft.[13]

Die Pittston Coal Company führte keine regelmäßigen Kontrollen, nämlich alle zwei Wochen, an dem Kohleabfalldamm durch. Das Bundesbüro der Minenarbeiter/Minen behauptete, dass der Damm nicht nach standardisierten Normen konstruiert wurde und deshalb ein Risikofaktor beinhalten würde.[14] Der Kohlegesellschaft sollen die Probleme bekannt gewesen sein, wie es später im Prozess über den Schadensersatz herauskam.[15]

1.3. Fehlende Warnungen

Neben den technischen Schwierigkeiten im Vorfeld, lief auch einiges während der Katastrophe falsch. Die Leute, die für die Sicherheit des Dammes verantwortlich waren, schätzten die Gefahr nicht richtig ein.

In der Nacht auf den 26. Februar 1972, als das Unglück passierte, bemerkten die Angestellten der Kohlegesellschaft, dass der Damm aufgrund des Regens und des somit steigenden Wasserpegels aufweichte. Alle 1 bis 2 Stunden wurde die Konsistenz des Dammes und der Wasserstand geprüft. Trotzdem erteilte die Kohlegesellschaft keine Warnung an die Anwohner. Wahrscheinlich auch, weil man glaubte, eine in den Damm geschlagene Drainage würde den Wasserstand stabilisieren.[16] Die Leute wurden von den anrollenden Wassermassen überrascht. Da es noch 8 Uhr am Morgen war, befanden sich viele Bewohner Zuhause und hatten kaum die Chance auf höher gelegene Ebenen zu fliehen.[17]

1.4. Maßnahmen nach der Katastrophe

Es gab seit 1972 neue Regelungen zur Verbesserung der Verdammung. 1973 wurde die staatliche Dammkontrolle überholt. Behörden zwangen Kohleunternehmen ihre bestehenden Dämme zu reparieren. Heute werden Dämme nach staatlichen und bundesstaatlichen Richtlinien gebaut. So darf ein Damm nur auf sicheren Grund gebaut werden, und nicht auf alten schwammigen Abfall wie in Buffalo Creek. Auch muss der Kohleabfall so stabil sein, dass er den Damm hält. Außerdem sollen genügend Drainagen und Abflussmöglichkeiten den Wasserstand konstant halten.[18]

Zwar gibt es noch eine Reihe von Unfällen[19], aber eine so schwerwiegende Katastrophe wie in Buffalo Creek blieb bisher ein Einzelfall.

1974 zahlte die Kohlegesellschaft $13,5 Mio. an 600 Geschädigte.[20] Gegen die Pittston Company wurde trotz der Sicherheitsmängel keine Anklage erhoben. Bis in die Neunziger gab die Kohlegesellschaft keinen Kommentar oder öffentliche Entschuldigung zu den Ereignissen ab.[21] Die Katastrophe veränderte das Verhältnis zwischen den Minenarbeitern und den Angestellten der Kohlegesellschaft, denn die Betroffenen sehen in ihnen nicht mehr ihre Förderer und „Beschützer“.[22]

[...]


[1] Kai T. Erikson: Everything in it's path, Destruction of community in the Buffalo Creek Flood, New York 1976.

[2] Ebda., S.253.

[3] Zitat aus ebda.

[4] Siehe die Links zu den einzelnen Artikel.

[5] Abgelesen von www.wvculture.org/history/buffcreek/bctiTLE.html-2k-

[6] Erikson: Everything in it’s path, S. 178.

[7] Christian Brauner: Das verdrängte Risiko, können wir Katastrophen verhindern? Breisgau 1990, S.156.

[8] Zur Funktion des Kohleabfalldammes: Das gebrauchte Wasser zur Kohlereinigung wird in diesem Becken gesammelt. In der Theorie sinkt dann der Kohleabfall auf den Grund und das gereinigte Wasser sickert langsam durch die Verdammung, die mit ihren Schichten eine zusätzliche Filterung ermöglicht. (Erikson, S.26).

[9] Ebda.

[10] Ebda., S.27

[11] In West Virginia gibt es 232 coal waste dams (Stand 1997) (Ken Ward Jr.: Coal dams stillloom over West Virginia, Charlston Gazette, 02..03.1997, auf: www.wvgazette.com/static/series/buffalocreek/Buf302B.html.)

[12] Karl B. Raitz and Richard Ulack mit Thomas R. Leinbach: Appalachia, a regional geographie, land, people and development, Boulder, Colorado 1984, S.229.

[13] Beispiele: 17. Juli 1980, strömte aus einer gebrochenen Seite eines Dammes der Philpott Coal Corp. In Raleigh 168,000 Gallonen schwarzes Wasser in die benachbarte untere Gegend.

28. Jan. 1994, versagte eine Drainage, weil sie verstopft war und gefroren der Consolidation Coal Co.s Arkwright Mine nahe Morgantown. 375,000 Gallonen Wasser liefen in die Stadt Granville. Einige Wohnhäuser wurden zerstört. 1994 und 1995 gab es 11 registrierte Unfälle von Kohledämmen. (Ken Ward Jr.: Coal dams stillloom over W. Va.)

[14] Jack McCarthy: a man made disaster, Charlston Gazette, 23.02.1997, auf: www.wv.gazette.com/static/series/bufallocreek/Buff223.html.

[15] Ebda.

[16] Erikson, S.27.

[17] Ebda., S.28.

[18] Ebda.

[19] Siehe Fußnote 12.

[20] 1978 erhielten 1200 Überlebende eine Zahlung von $ 4,88 Mio.(Jack McCarthy: a man made disaster)

[21] Abgelesen von www.dailymail.com/static/specialsections/lookingback/Ibo211.htm. Der aktuelle Stand dieser Seite ist 1999.

[22] Ebda.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Ursachen und Folgen von Katastrophen am Beispiel von Buffalo Creek
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Soziologie - Katastrophenforschungsstelle)
Veranstaltung
Einführung in die Katastrophensoziologie
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V18632
ISBN (eBook)
9783638229326
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ursachen, Folgen, Katastrophen, Beispiel, Buffalo, Creek, Einführung, Katastrophensoziologie
Arbeit zitieren
Melanie Kaacksteen (Autor), 2003, Ursachen und Folgen von Katastrophen am Beispiel von Buffalo Creek, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18632

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