Optimierung der Ausrichtung eines strategischen Geschäftsfeldes auf Basis einer Potentialanalyse für den Markt von Biogasanlagen in Deutschland


Diplomarbeit, 2006
86 Seiten, Note: 2

Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

II Abkürzungsverzeichnis

III Abbildungsverzeichnis

IV Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Abgrenzung des Themas
1.2 Ziel und Vorgehensweise der Analyse

2 Marktpotentialanalyse zum Biogasanlagenbestand in Deutschland
2.1 Ausgangssituation/Marktüberblick
2.2 Grundlagen
2.2.1 Begriffserklärungen/Definitionen
2.2.2 Marktforschung als Instrument zur Datenerhebung
2.2.2.1 Ziele und Aufgaben der Marktforschung
2.2.2.2 Planung und Durchführung einer Marktforschungserhebung
2.2.2.3 Auswahl eines geeigneten Marktforschungsinstrumentes
2.3 Vorgehensweise bei der Befragung/Analyse
2.3.1 Allgemein
2.3.2 Beschreibung des Fragebogens
2.3.3 Durchführung der Untersuchung
2.4 Befragungsergebnisse
2.4.1 Aufbereitung der Daten
2.4.2 Auswertung der Daten
2.4.2.1 Anlagenbestand und Entwicklung gesamt
2.4.2.2 Anlagenbestand und Entwicklung nach BImSchG
2.4.2.3 Anlagenbestand und Entwicklung nach Baurecht
2.5 Reflexion

3 Kritische Schlussanalyse und Fazit

V Literaturverzeichnis

VI Anhang

II Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anlagenbestand Biogasanlagen nach Leistungsklassen

Abbildung 2: Installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen nach Leistungsklassen

Abbildung 3: Durchschnittliche installierte elektrische Leistung in den Bundesländern

Abbildung 4: Der Ablauf einer Marktforschungserhebung

Abbildung 5: Vorgehensweise bei der Auswertung

Abbildung 6: Anlagenverteilung in Deutschland

Abbildung 7: Anteil an der installierten elektrischen Leistung

Abbildung 8: Durchschnittliche Anlagenleistung in kWel

Abbildung 9: Stand und Entwicklung des Anlagenbestandes

Abbildung 10: Entwicklung Anlagenbestand der Bundesländer bis 2007

Abbildung 11: Anteil am Anlagenbestand nach BImSchG in Prozent

Abbildung 13: Durchschnittliche Anlagenleistung nach BImSchG in kWel

Abbildung 14: Entwicklung Anlagenbestand nach BImSchG bis 2007

Abbildung 15: Anteil am Anlagenbestand nach Baurecht

Abbildung 16: Anteil an der installierten elektrischen Leistung nach Baurecht 31 Abbildung 17: Durchschnittliche Anlagenleistung nach Baurecht in kWel

IV Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht der Merkmale zur Feststellung des Genehmigungsverfahrens

Tabelle 2: Eingabemaske zum Fragebogen

1 Einleitung

1.1 Abgrenzung des Themas

Das Thema „Erneuerbare Energien“, darunter speziell die „Bioenergie“[1] - die energetische Nutzung von Biomasse - steht im Hinblick auf die nachhaltige Ener­gieversorgung im Rahmen des Klima-, Natur- und Umweltschutzes im Fokus der Öffentlichkeit.

Der Markt für „Bioenergie“, insbesondere der Energieträger Biogas wird immer bedeutender. Durch den verstärkten Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen (Nawaro)[2] zur Erzeugung von Wärme, Strom und Gas (auch: Einspeisung des aufbereiteten Gases in das Erdgasnetz), ist in diesem Bereich noch erhebliches Potential vorhanden. Seit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes[3] (EEG) ist ein großer Zuwachs bei den Investitionen in diese Form der Energieer­zeugung, besonders bei den Landwirten, zu verzeichnen.

Auf Basis dieser Ausgangssituation besteht die Aufgabe darin, zu überprüfen, wie die heutige sowie die zukünftige Marktsituation aussieht bzw. aussehen könnte und welche Anforderungen sich daraus für die Wirtschaft ergeben.

Ob sich der Markt für Biogasanlagen so entwickelt wie von vielen Branchenex­perten vorhergesagt, ist ebenfalls Bestandteil dieser Untersuchung.

1.2 Ziel und Vorgehensweise der Analyse

Ziel dieser Arbeit ist die Klärung der Frage: „Wie groß ist das Marktpotential für Biogasanlagen in Deutschland?“. Um einer Lösung dieser Frage näher zu kom­men wird in Kap. 2 eine Marktpotentialanalyse durchgeführt. Dabei wird zunächst ein Überblick über die aktuelle Entwicklung des Marktes für Biogasanlagen ge­geben. Wichtige Grundlagen und Begriffe werden im Anschluss erläutert, um danach die Vorgehensweise bei der Analyse und den erstellten Fragebogen vor­zustellen. Anschließend werden die Befragungsergebnisse aufbereitet und aus­gewertet.

Auf Basis dieser Analysen endet die Arbeit mit einer kritischen Schlussanalyse.

2 Marktpotentialanalyse zum Biogasanlagenbestand in Deutschland

2.1 Ausgangssituation/Marktüberblick

Der Markt für Biogasanlagen kann bis heute eine kontinuierliche Zunahme ver­zeichnen. Ausschlaggebend dafür waren das Marktanreizprogramm[4] (MAP) des Bundesumweltministeriums, das Inkrafttreten sowie die Novellierung des EEG, das Förderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau[5] (KfW) und verschiede­ne Förderprogramme der BL. Das MAP fördert Anlagen mit einer Leistung bis 70 kWel. Größere Anlagen werden häufig durch die regionalen Förderprogramme oder durch die KfW gefördert. Das EEG dient als Anreizprogramm zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien an der gesamten Stromversorgung in Deutschland und soll den Bau von Energieversorgungsanlagen vorantreiben. Dieses soll durch eine geregelte Abnahme und die Vergütung des Stroms aus Bioenergieanlagen geschehen.[6]

Bis 2005 hat sich die Anlagenzahl von 850 (1999) auf ca. 2.700 Anlagen (s. Abb. 1) verdreifacht. Außerdem gingen in 2005 mehr als 600 Anlagen in Betrieb, was auf eine positive Wirkung des EEG schließen lässt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anlagenbestand Biogasanlagen nach Leistungsklassen

(Quelle: BMU, 2. Zwischenbericht, Stand 12/2005, S. 24; Eigene Erstellung)

Bei der Entwicklung der installierten Anlagenleistung ist ein vergleichbarer Trend zu verzeichnen. Mit der Zunahme der Anlagenzahl stieg auch die Anlagenleis­tung. Bis 2004 lag der jährliche Zuwachs noch zwischen 30 bis 55 MWei, 2005 waren es schon 250 MWei. Dieses bedeutet einen Anstieg gegenüber dem Vor­jahr von 70,0 %. Folglich betrug die installierte Leistung Ende 2005 insgesamt 665 MWel. Diese Entwicklung ist das Ergebnis des vermehrten Zubaus von Anla­gen mit einer Leistung von über 500 kWe!. In Abb. 2 wird diese Zunahme sichtbar, auch in Bezug auf die Unterteilung der Anlagen Leistungsklassen. Die Differen­zierung der Leistung ergibt sich durch Abschätzungen der Marktentwicklungen. Bei den Anlagen im niedrigeren Leistungsbereich, von unter 70 kWel, stagniert die Zunahme.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Installierte elektrische Leistung der Biogasanlagen nach Leistungs­klassen

(Quelle: BMU, 2. Zwischenbericht, Stand 12/2005, S. 24; Eigene Erstellung)

Angesichts dieser Entwicklungen ist es nicht verwunderlich, dass der Branchen­umsatz im Anlagenbau im Jahr 2005 450 Mio. EUR betrug und 8.000 Menschen in diesem Bereich beschäftigt waren. Für die nächsten fünf Jahre wird das Bran­chenwachstum auf 40,0 % geschätzt. Diese Entwicklung ist nicht nur auf den hohen technischen Standard in Deutschland zurückzuführen, sondern liegt mit­unter in dem enormen Potential, das die Biogasbranche hat. Außerdem ist dieser Bereich ein neues wichtiges Standbein für die Landwirtschaft, mit der Folge, dass die Landwirte durch die so erwirtschafteten Zusatzeinnahmen nicht so abhängig von den Agrarpreisen sind. Ferner sind Biogasanlagen auch im Bereich der Ab­fallverwertung in Ballungsgebieten sehr gut einsetzbar, denn mittels Kraft­Wärme-Kopplung kann eine gute Wärmenutzung erfolgen.[8]

Bei der regionalen Verteilung der Biogasanlagen zeigt sich, dass es in Bayern aufgrund der Tradition von Familienbetrieben die meisten Biogasanlagen gibt, gefolgt von Niedersachsen und Baden-Württemberg. In der Leistung gibt es auf­grund der unterschiedlichen Agrarstrukturen ein Nord-Süd Gefälle (s. Abb. 3). In den nord- und östlichen BL sind vermehrt Anlagen mit hoher Leistung in Betrieb, wohingegen in den südlichen Ländern, wie z.B. Bayern, die elektrische Leistung der Anlagen eher niedrig ist.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Durchschnittliche installierte elektrische Leistung in den Bundeslän­dern

(Quelle: BMU, 2. Zwischenbericht, Stand 12/2005, S. 25; Eigene Erstellung)

Die vorgestellten Entwicklungen und Zahlen basieren, wie im 2. Zwischenbericht des „Monitoring zur Wirkung des novellierten EEG auf die Entwicklung der Stro­merzeugung aus Biomasse“, im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), erwähnt, auf Auskünften des Fach­verbandes für Biogas e. V., des Institutes für Energetik und Umwelt (IE) Leipzig

und auf Angaben der Mitgliedsfirmen, den Länderministerien (wie z.B. Sachsen, Thüringen, usw.) und weiteren Schätzungen. Aufgrund dieser Unsicherheit soll die unter Kap. 2.3 und 2.4 durchgeführte Analyse Erkenntnisse darüber liefern, inwieweit die oben aufgeführten Zahlen mit dem aktuellen Stand (Juni 2006) übereinstimmen.

2.2 Grundlagen

2.2.1 Begriffserklärungen/Definitionen

Die Marktpotentialanalyse, auch Marktanalyse genannt, ist ein Instrument zur Durchführung der Umfeldanalyse. Im Speziellen wird sie für die Untersuchung des Marktes und des eigenen Marketingumfeldes eingesetzt. Ziel ist es, attraktive Geschäftschancen zu entdecken - Bereich Bioenergie - und Bedrohungen aus dem Umfeld auszuweichen. Dazu müssen Stärken und Schwächen analysiert und Marketingaktionen durchgeführt werden.[10] Damit diese Geschäftschancen überhaupt entdeckt werden können, muss das Management des Unternehmens den relevanten Markt erst identifizieren, um die wirkenden Marktkräfte zu verste­hen. Daraus können dann Möglichkeiten zur Gewinnmaximierung ergründet wer­den. Folglich sollen durch eine klare Positionierung im Markt und der regelmäßi­gen Beobachtung der Wettbewerber Vorteile erschlossen werden.[11] Die Entscheidung, eine Marktanalyse durchzuführen, beruht auf strategischen Entscheidungen wie z.B. dem Eintritt in neue Marktsegmente oder neue Regio­nen. Dabei soll die Analyse Fragen zur regionalen Verteilung, zum Marktvolu­men, zur Marktsegmentierung und zur Entwicklung des Marktes beantworten.[12] Regionale Verteilung bedeutet, den Markt abzugrenzen. Ein Markt kann sachlich, räumlich, zeitlich oder persönlich abgegrenzt werden. Sachlich bedeutet, nach der Branche abzugrenzen; räumlich, nach Regionen. Eine zeitliche Abgrenzung kann je nach Jahreszeit oder Saison erfolgen und eine persönliche Abgrenzung beinhaltet die Eingrenzung des Marktes auf bestimmte Abnehmergruppen.[13] Die Größe des Marktes bestimmt sich durch das Marktvolumen, das die tatsäch­liche Absatzmenge bzw. den Umsatz einer Branche in einem Markt abbildet. In diesem Zusammenhang ist eine weitere Kennzahl zu nennen: der Marktanteil. Er bestimmt sich aus dem Absatzvolumen des Unternehmens, geteilt durch das Marktvolumen.[14]

Zur Marktsegmentierung lässt sich die Aussage treffen, dass Märkte sich in be­stimmte Segmente einteilen lassen. Diese sind bestimmte Kundengruppen, die unterschiedlich auf Instrumente des Marketings reagieren. Die Personen inner­halb eines Marktsegmentes unterscheiden sich von den Merkmalen anderer Segmente sehr deutlich, weil sie mindestens in einem Merkmal mit denen ihres Segmentes übereinstimmen (z.B. Alter, Einkommen). Das Ziel der Marktsegmen­tierung ist es, homogene Kundengruppen zu identifizieren, um leichter eine Ver­haltensprognose im Hinblick auf die geplanten Absatzmaßnahmen treffen zu können.[15]

Bisherige Aussagen befassen sich mit der Ist-Situation auf dem Markt, dagegen sind Angaben über die zukünftige Entwicklung des Marktes richtungsweisende Möglichkeiten für die Entwicklung des Unternehmens.[16] Im Zusammenhang da­mit verwendet man den Begriff Marktpotential, das sich aus der Marktgröße und dem Marktwachstum bestimmt. Dabei gibt die Marktgröße Auskunft darüber, wie groß das gegenwärtige Umsatzpotential ist, das der Markt bietet. Das Markt­wachstum gewährt Informationen „...darüber, mit welchen Wachstumsraten zu rechnen ist und in welcher Phase des Marktzyklusses sich ein Produkt oder eine Branche gegenwärtig und künftig bewegt.“[17]

Um die oben genannten Daten zu gewinnen, müssen sie erhoben werden. Hier­bei kann sich das Unternehmen an verschiedenen Methoden der Marktfor­schung, wie in Kap. 2.2.2.2 näher erläutert wird, bedienen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, abzuwägen, ob es sinnvoll ist, eine eigene Datenerhebung durchzufüh­ren, oder vorhandene Analysen zu beschaffen, um sie dann im Hinblick auf das eigene Unternehmen auszuwerten.[18]

2.2.2 Marktforschung als Instrument zur Datenerhebung

2.2.2.1 Ziele und Aufgaben der Marktforschung

Allgemeine Ziele der Marktforschung sind z.B. die schnelle Reaktion auf Verän­derungen des Marktes, das Erkennen von neuen Trends und die entsprechende Reaktion darauf oder das Testen von Produkten vor Produktneueinführungen, um vorab zu sehen, ob das Produkt ankommt oder nicht. In der Literatur wird der Begriff Marktforschung folgendermaßen definiert: „Marktforschung ist die Funkti­on, die den Konsumenten, Kunden und die Öffentlichkeit durch Informationen mit dem Anbieter verbindet - Informationen, die benutzt werden

- zur Identifizierung von Marketing-Chancen und -Problemen,
- zur Entwicklung, Modifizierung und Überprüfung von Marketing­Maßnahmen,
- zur Überprüfung des Marketing-Erfolges und
- zur Verbesserung des Verständnisses des Marketing-Prozesses.“[19]

Um diese Informationen zu bekommen gehört es zu den Aufgaben der Marktfor­schung, den Informationsbedarf für eine bestimmte Maßnahme zu definieren, Methoden für die Datensammlung zu entwickeln, die Datenerhebung zu planen und durchzuführen, um dann die Ergebnisse auszuwerten und zu präsentieren und anschließend Handlungsempfehlungen auszusprechen.[20]

2.2.2.2 Planung und Durchführung einer Marktforschungserhebung

In Abb. 4 ist der typische Ablauf einer Marktforschungsuntersuchung dargestellt. Dabei wird deutlich, dass die einzelnen Schritte aufeinander aufbauen und sehr stark voneinander abhängen. Aufgrund dessen können Fehler, wenn sie in einer frühen Phase passieren, schlecht bzw. gar nicht mehr ausgeglichen werden.[21]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Der Ablauf einer Marktforschungserhebung

(Quelle: Vgl. Kotler u. a., 1999, S.239; Eigene Erstellung)

In der ersten Phase (1) müssen die Aufgabe und ihre Ziele eindeutig formuliert werden, um nicht in eine falsche Richtung zu gelangen oder unrelevante Informa­tionen zu sammeln. Dabei müssen Marketing-Manager und Marktforschungsab­teilung oder -Institut sehr eng zusammenarbeiten, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Wenn die Aufgabe eindeutig und sorgfältig definiert ist, müssen die Untersuchungsziele der Erhebung klar festgelegt werden. Im An­ schluss daran kann dann die Art der Untersuchung ausgemacht werden, die in drei Typen unterschieden werden kann: explorative, deskriptive und kausale. Eine explorative Untersuchung beinhaltet die Entdeckung von Ursachen für Prob­leme oder Zusammenhänge. Dieses ist eine erste grobe Erhebung, auf deren Basis weitere Untersuchungen eingeleitet werden können. Bei der deskriptiven Untersuchung handelt es sich um eine Beschreibung von Zusammenhängen, z.B. Markenpräferenzen, Marktpotential, usw. Ziel der Kausal-Untersuchungen ist die Ursachenforschung.[22]

Im nächsten Schritt (2) ist es wichtig, einen Plan dafür zu erstellen, wie die benö­tigten Informationen zu beschaffen sind. Dabei ist von großer Bedeutung, zu ent­scheiden, welches Untersuchungsdesign - also Primär- oder Sekundärdaten oder besser ein Mix aus beidem, verwendet werden soll. Des Weiteren müssen der zu untersuchende Personenkreis und die Datenerhebungsmethode und -form fest­gelegt werden.[23]

Primär- und Sekundärforschung unterscheiden sich dadurch, dass bei der Pri­märforschung die Daten neu erhoben werden müssen. Im Gegensatz dazu greift die Sekundärforschung auf vorhandene, Daten, z.B. in der Vergangenheit erstell­te interne (z.B. Umsatzahlen, Kundendienstberichte, usw.) oder externe Analysen (z.B. amtliche Statistiken, Erhebungen von Verbänden oder Informationen aus dem Internet), zurück. Folglich ist die Beschaffung und Verwendung von Sekun­därdaten schneller und kostengünstiger. Deshalb wird bei jedem Marktfor­schungsprojekt erst einmal versucht, die Daten über diesen Weg zu beschaffen. Gelingt dies nicht oder existieren keine brauchbaren Daten für die Lösung des Problems, kommt die Primärforschung zum Einsatz. Neben den bereits genann­ten Vorteilen hat die Sekundärforschung aber auch ihre Nachteile; deshalb müs­sen die vorhanden Daten nach den Kriterien Relevanz, Genauigkeit, Aktualität und Unparteilichkeit überprüft werden.[24] Entscheidet sich das Unternehmen, eine Primärdatenerhebung durchzuführen, müssen weitere Entscheidungen getroffen werden. Diese sind im Einzelnen: An welchen Personenkreis richtet sich die Er­hebung und welche Methode soll zur Erhebung verwendet werden. Beim Perso­nenkreis wird unterschieden, ob die Daten durch Vollerhebung - die Befragung aller infrage kommenden Personen - oder durch eine Stichprobenerhebung - ein repräsentativer Teil der Gesamtheit - erfolgen soll. Bei den Erhebungsmethoden stehen die Beobachtung, die Befragung, das Experiment und die Panelforschung zur Auswahl. Im Folgenden werden diese vier Methoden näher beschrieben:[25]

(1) Beobachtung

Beobachtet werden können Personen, Situationen und Verhaltensweisen. In die­sem Zusammenhang ist auch der Beobachtungszeitraum von großer Bedeutung. Um eine Beobachtung durchzuführen, kann sich verschiedener Vorgehenswei­sen bedient werden. Es gibt die standardisierte und die nicht-standardisierte Be­obachtung, die teilnehmende und die nicht-teilnehmende Beobachtung, die offe­ne und die getarnte Beobachtung, sowie die Feld- und Laborbeobachtung.

Die standardisierte Beobachtung wird im Vorfeld exakt geplant, wogegen die nicht-standardisierte vom Beobachter spontan verändert werden kann. An der teilnehmenden bzw. nicht-teilnehmenden Beobachtung nimmt der Beobachter entweder aktiv teil oder beobachtet passiv. In einer offenen Beobachtung wird das Verhalten der Versuchsperson wissentlich aufgezeichnet und in einer getarn­ten, ist das Gegenteil der Fall. Die Feldbeobachtung bezeichnet die Beobachtung in neutraler, öffentlicher oder gewohnter Umgebung. Wie der Begriff „Labor“ vermittelt, wird diese Form der Beobachtung, im Labor, also in einem speziell präpariertem Raum, durchgeführt.[26]

(2) Befragung

Die Befragung ist die häufigste Art der Datenerhebung, denn sie ist flexibel ge­staltbar, verfügt über einen breiten Anwendungsbereich und benötigt nur einen begrenzten Aufwand.[27] Hierbei ist zwischen den Befragungstypen - persönliche, schriftliche, telefonische und Online-Befragung (Internet, E-Mail) - zu unterschei­den. Die persönliche Befragung, auch Face-to-Face Interview genannt, ist eine Methode, bei der die zu interviewende Person in ihrer Wohnung, am Arbeitsplatz oder an Orten, wie Einkaufszentren, Messen usw., direkt mit Hilfe eines Frage­bogens, befragt wird. Diese Methode verfügt über eine Reihe von Vorteilen, wie z.B. die gute Qualität der erhobenen Daten, die Einbeziehung und Vorstellung von Produkten oder Materialien und die Hilfestellung durch den Interviewer bei komplexen Fragestellungen. Allerdings ist sie die aufwändigste und kosteninten­sivste der in diesem Kap. genannten Methoden und es besteht die Gefahr, dass sich der Auskunftsgebende vom Interviewer beeinflussen lässt.

Bei der schriftlichen Befragung wird der Auskunftsperson der Fragebogen in der Regel per Post zugesendet; er kann aber auch persönlich verteilt werden.[28] Mit Hilfe dieser Methode sind häufig nur geringe Rücklaufquoten zu verzeichnen. Deshalb ist es wichtig, den Befragten Anreize zu geben, den Fragebogen zu be­antworten. Dazu ist es unverzichtbar, ein Begleitschreiben beizulegen, in dem wichtige Details zur Befragung erläutert werden. Außerdem werden die Teilneh­mer häufig durch das Versprechen von Preisen oder die Gewinnspiel-Teilnahme, zur Rücksendung angeregt.[29] Vorteile der schriftlichen Befragung sind ihre kos­tengünstige Durchführbarkeit, die Erreichbarkeit von räumlich weiter entfernten Personen, die Möglichkeit, dass der Empfänger nach freier Zeiteinteilung antwor­ten kann und keine Beeinflussung durch den Interviewer stattfindet.[30] Nachteile sind die bereits genannten geringen Rücklaufquoten, die Zeitaufwendigkeit, - insbesondere bei Nachfassaktionen[31] - und die geringe Gewährleistung, dass auch wirklich nur die zu befragende Person antwortet.[32]

Im Rahmen der telefonischen Befragung beantwortet die Auskunftsperson die Fragen direkt am Telefon. Meistens werden die Fragen von einem Computerbild­schirm abgelesen, so dass die Antworten sofort eingegeben und ausgewertet werden können. Ein wesentlicher Vorteil dieser Datenerhebungsart ist die hohe Repräsentativität, begünstigt durch eine hohe Telefondichte. Fast jeder Haushalt verfügt heute über ein Telefon, und fast jede Person auch schon über ein Handy. Darüber hinaus ist die telefonische Befragung eine sehr schnelle und kosten­günstige Alternative zur Datenerhebung. Einzige Nachteile sind, dass nur eine kurze Befragung möglich ist, keine komplexen Fragestellungen möglich sind und kein Anschauungsmaterial verwendet werden kann.

Durch die Zunahme der Internetnutzung hat sich die Online-Befragung immer mehr durchgesetzt; allerdings ist sie nur auf computerinteressierte Zielgruppen (Gruppen, die Zugang zum Internet haben) beschränkt. Dabei gibt es zwei For­men der Datenerhebung: entweder per Fragebogen, der auf einem Server ge­speichert ist und mit oder ohne vorherige individuelle Ankündigung ausgefüllt wird, oder per Fragebogen der durch E-Mail an die Auskunftsperson versendet, beantwortet und wieder zurückgesendet wird.[33] Letztere ist die einfachste Varian­te der internetbasierten Befragung, da sie auf dem Prinzip der schriftlichen und persönlichen Befragung basiert.[34] Vorteile dieser Methode sind Kosten- und Zeit­ersparnisse, sowie eine gute Qualität der Daten. Lediglich in der Repräsentativi­tät der gewonnen Daten ist ein Nachteil zu sehen.[35]

Bei der Entwicklung eines Fragebogen sollten einige Regeln beachtet werden, damit auch eine gewisse Antwortwahrscheinlichkeit gegeben ist. Zum Beispiel sollte der „fertige“ Fragebogen vor der Versendung auf jeden Fall getestet wer­den, denn nur so können Fehler noch revidiert werden. Auch auf eine fehlerfreie Rechtschreibung sollte geachtet werden.

Es gibt geschlossene und offene Fragestellungen, die angewendet werden kön­nen. Geschlossene Fragen geben feste Antwortmöglichkeiten vor, wie z.B. Ja / Nein-Fragen, Alternativfragen, Skalierungsfragen oder Rangfragen. Bei Al­ternativfragen kann aus mehreren Antworten die zutreffende ausgewählt werden und Skalierungsfragen ermöglichen die Angabe des Grades der Zustimmung (stimme voll zu bis stimme gar nicht zu). Bei Rangfragen sollen vorgegebene Antworten in eine Reihenfolge gebracht werden. Im Gegensatz dazu kann auf offene Fragen „frei“ geantwortet werden, so dass die Antworten wörtlich notiert werden müssen. In der Praxis werden meistens geschlossene Fragen verwendet, da sie sich leichter auswerten lassen und vergleichbarer sind.[36]

(3) Experiment

Diese Erhebungsmethode basiert auf einem Versuch, bei dem die Auswirkungen von Marketingvariablen unter kontrollierten Bedingungen getestet werden. Es wird versucht, die Wirkung von Marketinginstrumenten zu messen. Beispiele hier­für sind der Produkt- oder der Markttest.[37]

Es wird verzichtet, im Einzelnen auf diese Testverfahren einzugehen, da sie kei­nen Bestandteil dieser Arbeit darstellen, sondern nur der Vollständigkeit halber aufgeführt wurden.

(4) Panel

Bei der Panelforschung werden Gruppen von Personen oder Organisationen in regelmäßigen Abständen zu einem Untersuchungsgegenstand befragt. Ange­wendet wird diese Methode z.B., um Absatzentwicklungen von einem Produkt im Zeitablauf zu beobachten. Gerade für die Konsumgüterbranche ist die Panelfor­schung sehr wichtig, denn Informationen können schnell und kostengünstig ge­wonnen werden. Die häufigsten Panelarten sind das Handels- und das Verbrau­cherpanel. Wie der Name schon sagt, werden beim Handelspanel regelmäßig Erhebungen von Daten in Geschäften durchgeführt, wogegen beim Verbrauer­panel die Daten beim Endverbraucher erhoben werden.[38]

Nach der Festlegung der Erhebungsmethode wird fortgefahren mit der (3) Durch­führung der Untersuchung. In dieser Phase müssen die Daten gesammelt, bear­beitet und analysiert werden. Dieser Teil der Datenbeschaffung ist am kosten- und zeitintensivsten und außerdem sehr anfällig für Fehler. Deshalb ist es wich­tig, dass die Personen (Mitarbeiter oder eine Agentur), die die Daten sammeln, sehr sorgfältig arbeiten. Nach der Datenerhebung müssen die gewonnen Daten analysiert werden.[39] Als erstes müssen die Fragebogen auf Genauigkeit und Vollständigkeit geprüft werden, um anschließend mit Hilfe des Computers aus­gewertet werden zu können. Dieses geschieht in der Regel durch den Einsatz mathematischer und statistischer Methoden. Die meistens sehr großen Mengen an Daten werden dabei verdichtet und Kennzahlen errechnet.[40]

In der letzten Phase der Untersuchung (4) erfolgt die Interpretation und Bericht­erstattung. Nun müssen die Ergebnisse interpretiert werden, um Schlussfolge­rungen zu ziehen sowie Handlungsempfehlungen auszusprechen. Die Wesentli­chen Bestandteile eines Abschlußberichtes sind eine kurze Zusammenfassung von Problemdefinition und Untersuchungszielen, die Erläuterung der Untersu­chungsmethode, die Darstellung der Untersuchungsergebnisse und Schlussfol­gerungen und Empfehlungen.[41]

2.2.2.3 Auswahl eines geeigneten Marktforschungsinstrumentes

Um die in Kap. 1.2 genannte Frage zu beantworten, ist die Marktanalyse, wie bereits in Kap. 2.2.1 beschrieben, ein sehr gut geeignetes Instrument zur Durch- führung dieser Untersuchung. Denn erst durch die genaue Identifikation des Marktes können sich daraus Schlussfolgerungen ergeben.

Die Aufgabe dieser Marktpotentialanalyse ist es (wie schon ansatzweise in Kap. 1.2 erwähnt wurde), eine Aussage darüber zu treffen, wie der Markt für Biogas­anlagen heute und in Zukunft aussieht. Anhand dieser Aufgabenstellung ist das Ziel dieser Marktanalyse, das Potential für Biogasanlagen in Deutschland, regio­nal unterteilt nach Bundesländern (BL), zu ermitteln. Anhand dieser Zielvorstel­lung ist es sinnvoll, eine deskriptive Untersuchung durchzuführen.

Im nächsten Schritt erfolgt dann die Beschaffung der Daten. Anhand der im vor­herigen Abschnitt genannten Aufgabe ist es notwendig, eine Primärdatenerhe­bung durchzuführen, um relevante Daten zu erhalten. Eine Sekundärdatenerhe­bung kann lediglich zur Ergänzung der gewonnen Daten von Nutzen sein. Da die Datenerhebung, insbesondere die Primärdatenerhebung, ein sehr wichtiger Teil der Untersuchung ist, ist es notwendig, in diesem Zusammenhang zu überprüfen, ob es schon einmal eine Erhebung in der vorgesehenen Form gegeben hat bzw. ob schon Daten in einer Datenbank oder ähnlichem vorliegen.

Der nächste Schritt der Untersuchung besteht dann darin, den zu befragenden Personenkreis abzugrenzen. Da es darum geht, den Gesamtbestand der Bio­gasanlagen zu ermitteln, ist es sinnvoll, dass alle in Frage kommenden Personen /Behörden aus den jeweiligen BL befragt werden. Die am besten geeigneteste Erhebungsmethode für dieses Vorhaben ist die Online-Befragung unter Verwen­dung eines Fragebogens. Da für die Datenerhebung nur ein kurzer Zeitraum zur Verfügung steht und keine bzw. nur geringe Mittel vorhanden sind, ist es erforderlich, schnell und kostengünstig an die gewünschten Informationen zu gelangen.

Folglich wird der Fragebogen per E-Mail an alle Auskunftspersonen versendet. Mit Hilfe von Nachfassaktionen soll eine hohe Rücklaufquote gewährleistet wer­den.

2.3 Vorgehensweise bei der Befragung/Analyse

2.3.1 Allgemein

Um diese Analyse durchzuführen, müssen also im Vorfeld Primärdaten beschafft werden. Zunächst ist allerdings noch die Frage zu beantworten (wie in Kap.

2.2.2.3 bereits erwähnt), ob es schon einmal eine Erhebung in der vorgesehenen

Form gegeben hat bzw. ob schon Daten in einer Datenbank oder ähnlichem vor­liegen. Dazu wurde bei verschiedenen Verbänden/Instituten (Fachverband Bio­gas, Wuppertal Institut und IE Leipzig) angefragt, mit dem Ergebnis, dass so eine Erhebung in diesem Ausmaß noch nicht durchgeführt worden ist. Folglich konnte die Analyse wie geplant durchgeführt werden.

Zur Beschaffung der Primärdaten werden im ersten Schritt die Empfänger der Fragebogen ermittelt. Dazu wurde bei den Ministerien der einzelnen BL telefo­nisch angefragt, wer über Angaben zum Biogasanlagenbestand verfügt und wel­che Ämter für die Genehmigung von Biogasanlagen zuständig sind. Hierbei ist anzumerken, dass für die Genehmigung verschiedene Behörden zuständig sind. Die Zuständigkeiten richten sich danach, ob eine Anlage nach der 4. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) des Bun­des-Immissionsschutzgesetzes[42] (BImSchG) genehmigungspflichtig ist oder nicht; wenn nicht, dann ist sie nach Baurecht (s. Tab. 1) zu genehmigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 : Übersicht der Merkmale zur Feststellung des Genehmigungsverfahrens

(Quelle: BImSchG, 4. BimSchV; Eigene Erstellung)

Da die Zuständigkeiten auf Bundesebene nicht einheitlich geregelt sind, mussten die zuständigen Behörden für jedes BL separat ermittelt werden. Generell ist festzustellen, dass baurechtliche Anlagen meistens durch die Kreisverwaltungs­behörden und BImSchG-Anlagen, entweder von den Gewerbeaufsichtsämtern, den staatlichen Umweltämtern oder den Regierungen genehmigt werden.

Von großer Bedeutung sind Anlagen mit einer Leistung von über 500 kWe!, dies entspricht etwa einer Feuerungswärmeleistung (FWL) von ca. 1.500 kW. Damit sind diese Anlagen BImSchG-pflichtig. Deshalb soll bei der Befragung die Priori­tät auf diese Anlagen gelegt werden. Da einige Behörden aber sowohl Aussagen zu BImSchG und baurechtlichen Anlagen geben können, werden im Fragebogen beide Alternativen abgefragt. Die Auswertung der Ergebnisse für BImSchG- pflichtige und baurechtliche Anlagen wird im Einzelnen in Kap. 2.4.2 vorgenom­men.

Außerdem müssen weitere Kriterien für den Fragebogen festgelegt werden. Da­mit sich ein aussagekräftiges Bild über den Biogasmarkt gemacht werden kann, ist es wichtig, Daten über den aktuellen Bestand und der sich in Genehmigung oder Planung befindenden Anlagen zu gewinnen. Zusätzlich ist es auch von Be­deutung, wie die Behörden die Entwicklung bis 2020 einschätzen. Außerdem wird die installierte elektrische Leistung abgefragt, um somit BImSchG-pflichtige und nicht-pflichtige Anlagen zu unterscheiden. In diesem Zusammenhang ist es von Bedeutung, Angaben zum Motorentyp zu erhalten. Dadurch könnten Trends deutlich werden, oder es könnte überprüft werden, ob die Annahme stimmt, dass kleinere Anlagen unter 250 kWe häufig mit Zündstrahlmotoren betrieben werden. In diesem Zusammenhang muss zusätzlich die Art der Einsatzstoffe, um zu ü­berprüfen, welcher Anlagentyp in Deutschland vorherrschend ist, abgefragt wer­den.

2.3.2 Beschreibung des Fragebogens

Wie bereits in Kap. 2.2.1 beschrieben, soll der Fragebogen (s. Anhang A) ver­wendet werden, um sowohl Angaben zu bundesimmissionsschutzrechtlichen aber auch zu baurechtlichen Anlagen zu machen. Deshalb gibt es die Möglich­keit, eine Unterscheidung vorzunehmen und für jeden Fall einen eigenen Frage­bogen auszufüllen. Um den Bearbeitungsaufwand seitens der Behörden zu redu­zieren und einen erhöhten Rücklauf der Fragebogen zu gewährleisten, wird auf eine Abfrage von anderen Betriebsparametern, wie in Kap. 2.3.1 aufgezählt, ver­zichtet.

Auf Grundlage der im vorigen Kap. genannten Kriterien müssen die Struktur so­wie die Inhalte und die Zielsetzung des Fragebogens festgelegt werden. Die Struktur soll einfach sein, um auf einen Blick erkennen zu können, worauf es an­kommt. Außerdem sollen die Fragen leicht verständlich sein, um Rückfragen möglichst zu vermeiden. Deshalb wurde ein einseitiger Fragebogen erstellt, der folgende Fragestellungen beinhaltet:

1. Anzahl der genehmigten und sich in Betrieb befindenden Anlagen und de­ren durchschnittliche elektrische Leistung?[43]
2. Anzahl der sich in der Genehmigungsphase[44] befindenden Anlagen und deren durchschnittliche elektrische Leistung?
3. Anzahl der sich zurzeit in Planung[45] befindenden Anlagen und deren durchschnittliche elektrische Leistung?
4. Prognose zukünftiger Anlagenbestand bis 2020?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Eingabemaske zum Fragebogen

(Quelle: Eigene Erstellung)

Unter jeder dieser Fragen befindet sich dieselbe Tabelle (s. Tab. 2), in der die Gesamtanzahl der Anlagen eingetragen wird; unterteilt nach Gas-Otto- oder Zündstrahlmotor und nach Kofermente-[46] oder Nawaro-Anlagen[47]. Die durch­schnittliche elektrische Leistung der Anlagen soll ebenfalls angegeben werden. Unter Punkt (5) ist Platz für Anmerkungen gelassen.

2.3.3 Durchführung der Untersuchung

Nachdem die zuständigen Behörden für die Befragung feststanden, wurden die jeweiligen Ansprechpartner ermittelt. Dieses erfolgte ebenfalls durch eine telefo­nische Kontaktaufnahme. Außer der Befragung der Ansprechpartner für alle BL, wurden für Bayern (BY) und Niedersachsen (NI) zusätzlich die Landkreise be­fragt, da die Regierungsbehörden keine aussagekräftigen Daten zur Verfügung stellen konnten. Für Nordrhein-Westfalen (NW) und Schleswig-Holstein (SH) wurden zusätzlich noch die staatlichen Umweltämter befragt, um nähere Anga­ben zu den BImSchG-pflichtigen Anlagen zu bekommen.

Nachdem alle Ansprechpartner ermittelt waren, wurde mit dem Entwurf des Be­gleitschreibens für den Fragebogen begonnen. Aufgrund der unterschiedlichen Empfänger wurden verschiedene Schreiben aufgesetzt, die aber inhaltlich keine großen Unterschiede aufwiesen. Diese Schreiben wurden dann mit dem Frage­bogen zusammen per E-Mail versendet. Insgesamt wurden von Anfang bis Mitte Mai ungefähr 150 Fragebogen verschickt. In der nachfolgenden Zeit wurden die eingehenden Fragebogen gesammelt und die Daten in die EDV übertragen.

In Bezug auf die Antworten konnte festgestellt werden, dass sie einerseits sofort, andererseits aber sehr schleppend zurückkamen. Darum wurden die Behörden, von denen nach ca. drei bis vier Wochen noch keine Antwort eingetroffen war, erneut kontaktiert. Die Nachfassaktion erfolgte per Telefon, um eine weitere Ver­zögerung zu vermeiden. Insgesamt hat sich die Sammlung der Daten über einen Zeitraum von drei Monaten hingezogen. Deshalb sind die erhobenen Daten nicht auf einen Stichtag bezogen, sondern beruhen auf dem jeweiligen Kenntnisstand der Personen oder des EDV-Systems, die für die Beantwortung des Fragebo­gens verantwortlich sind. Daher wurde festgelegt, dass es sich bei den erhobe­nen Daten um den Halbjahresstand von 2006 handelt.

Die durchschnittliche Dauer bis zum Erhalt einer Rückantwort belief sich auf ca. 30 Tage. Insgesamt beantworteten 98 % der befragten Personen den Frage­bogen, von denen 86 % einen ausgefüllten Fragebogen zurücksendeten und 12 % per Telefon Auskunft gaben.

2.4 Befragungsergebnisse

2.4.1 Aufbereitung der Daten

Aufgrund der teilweise nicht einheitlichen Ausfüllweise der Behörden, mussten die Daten angepasst werden, d.h. vereinheitlicht werden (s. dazu Abb. 5). Einige Behörden haben wegen Zeit- oder Informationsmangel nicht alle 12 Felder des Fragebogens ausgefüllt, sondern sich nur auf die Anzahl und Leistung der Anla­gen beschränkt; teilweise wurde sogar nur die Anzahl der Anlagen angegeben. Bei den Behörden, die per Telefon Auskunft gegeben haben, war eine detaillierte Abfrage des Fragebogens nicht möglich: laut Angabe der Ansprechpartner wäre es zu aufwendig gewesen, sich alle Informationen zu beschaffen. Diese Schwie­rigkeit besteht deshalb, weil nicht von allen Behörden eine Datei geführt wird, in der alle Biogasanlagen erfasst werden, sondern in vielen Fällen die Überwa­chung dieser Daten nach der Zuständigkeit erfolgt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Vorgehensweise bei der Auswertung

(Quelle: Eigene Erstellung)

Deshalb und anhand der in Kap. 2.3.2 genannten Fragestellungen war es not­wendig, eine geeignete Methode zur Auswertung zu entwickeln, um die abgefragten Daten zusammenzufassen und übersichtlich darzustellen. Da es kein standardisiertes Verfahren gibt, um diese Daten auszuwerten, wurden sie mit Hilfe eines Tabellenkalkulationsprogramms ausgewertet. Hierzu wurden die Tabellen so aufbereitet, dass eine Abfrage der relevanten Daten gewährleistet werden konnte. Dort, wo keine Anlagenleistung angegeben war, wurde auf eine Schätzung verzichtet, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. In diesem Zu­sammenhang wurde der Durchschnitt der Anlagenleistung so ermittelt, dass die Summe der gesamten Leistung durch die Anzahl der Anlagen, abzüglich der An­lagenanzahl ohne Leistungsangabe, geteilt wurde. In einigen Fällen wurde statt der elektrischen Leistung die FWL angegeben. Da die elektrische Leistung in etwa 35 % der FWL entspricht, wurden diese Angaben mit dem Faktor 0,35 mul­tipliziert, um somit einen vergleichbaren Wert zu erhalten.

Bei den Anlagen, die sich in Genehmigung befinden, ist davon auszugehen, dass sie bis Ende des Jahres 2006 in Betrieb sein werden. Im Hinblick auf die Angabe der sich in Planung befindenden Anlagen besteht die Schwierigkeit darin, dass nicht gewährleistet ist, ob alle Anlagen auch tatsächlich genehmigt und gebaut werden. Deshalb ist die Angabe dieser Zahlen als „Kann-Wert“ zu sehen.

Bei den zusätzlich abgefragten Parametern, wie die Anlagenart und des Motoren­typs, lässt sich feststellen, dass keine eindeutigen und aussagekräftigen Daten gewonnen werden konnten. Es kann lediglich ein Trend angegeben werden, wel­cher Anlagentyp bzw. Motorentyp vorherrscht.

Im folgenden Unterkapitel wird Bezug auf die vom IE Leipzig erhobenen Daten (Stand: 12/2005), wie bereits in Kap. 2.1 verwendet, genommen, um die erhalte­nen Angaben einem direkten Vergleich zu unterziehen.

2.4.2 Auswertung der Daten

2.4.2.1 Anlagenbestand und Entwicklung gesamt

Aufgrund der in Kap. 2.1 geschilderten Marktsituation bezüglich des Bestandes an Biogasanlagen in Deutschland von Dezember 2005 - der hauptsächlich auf Schätzungen und Aussagen einiger Verbände, Branchenexperten und einigen Genehmigungsbehörden beruht - lässt sich feststellen, dass es bei den erhobe­nen Daten Veränderungen gibt. Waren Ende 2005 ca. 2.700 Anlagen in Betrieb, so sind es, aufgrund der durchgeführten Befragung, im Juni des Folgejahres be­reits 2.924 Anlagen. Die gesamte installierte Leistung beträgt aufgrund der erho­benen Daten derzeit 768,4 MWe!, im Gegensatz zu 665,0 MWei noch vor einem halben Jahr. Die durchschnittliche Anlagenleistung beträgt nun 297,0 kWe!, vor­her lag sie bei 250 kWe!. Dadurch wird die Aussage begründet, dass es vermehrt einen Zubau von größeren Anlagen gibt (s. Anhang B/Tab. B1).

Für 77,0 % der Anlagen liegen Angaben vor, um welchen Anlagentyp es sich handelt. In Deutschland gibt es überwiegend Nawaro-Anlagen (78,9 %). Da nur bei knapp 60,0 % der Anlagen Informationen zum Motorentyp vorliegen, ist eine aussagekräftige Angabe des Verhältnisses fraglich. Die Zahlen deuten an, dass ein etwa gleiches Verhältnis zwischen Gas-Otto- zu Zündstrahlmotor besteht.

Regionale Verteilung

Bei der regionalen Verteilung der Anlagen ergibt sich, dass BY derzeit den größ­ten Bestand an Biogasanlagen, mit 1.312 Anlagen, hat (s. Abb. 6). Somit stehen knapp 45 % der gesamten Biogasanlagen in BY. An zweiter Stelle liegt NI mit 501 (17,1 %) Anlagen, also erheblich weniger als in Bayern. Dahinter folgt Ba­den-Württemberg (BW) mit 408 (13,9 %) Anlagen. Bis auf NW (6,7 %) haben die übrigen BL jeweils einen Anteil von weniger als 5,0 % am gesamten Biogasanla­genbestand. Klare Verlierer sind hierbei die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg (BE, HB, HH), da hier kaum Potential vorhanden ist um Biogasanlagen zu errichten.

[...]


[1] Bezeichnet die (Gewinnung von Energie) aus festen, flüssigen oder gasförmigen organischen Stoffen.

[2] Land- und forstwirtschaftlich erzeugte Produkte, wie z.B. Holz, Raps oder Stroh, die nicht in den Nahrungsbereich gelangen.

[3] Siehe EEG, Fassung Juli 2004.

[4] Siehe MAP.

[5] Siehe KfW Förderbedingungen.

[6] Siehe EEG, Fassung Juli 2004.

[7] BMU, 2. Zwischenbericht 2/2006, S. 22.

[8] Fachverband Biogas, Fakten Biogas 3/2006, S. 2f.

[9] BMU, 2. Zwischenbericht, 2/2006, S. 25f.

[10] Vgl. P. Kotler/F. Bliemel, 1999, S.132.

[11] Vgl. M. Venzin/C. Rasner/V. Mahnke, 2003, S. 64.

[12] Vgl. K.M. Kohlöffel, 2000, S. 130f.

[13] Vgl. R. Kalka/A. Mäßen, 2006, S. 17f.

[14] Vgl. O. Schneck, 2003, S. 676ff.

[15] Vgl. R. Kalka/A. Mäßen, 2006, S. 18.

[16] Vgl. K. M. Kohlöffel, 2000, S. 131f.

[17] F. X. Bea/J. Haas, 2001, S. 92f.

[18] Vgl. K.M. Kohlöffel, 2000, S. 130ff.

[19] P. Benett, 1988, S. 115 (zitiert nach A. Kuß, 2004, S. 2).

[20] Vgl. A. Kuß, 2004, S. 2; P. Kotler/F. Bliemel, 1999, S. 238.

[21] Vgl. A. Kuß, 2004, S. 12.

[22] Vgl. P. Kotler/F. Bliemel, 1999, S. 239ff; A. Kuß, 2004, S. 13ff.

[23] Vgl. G. Uhe, 2002, S. 138; A. Kuß, 2004, S. 15.

[24] Vgl. G. Uhe, 2002, S. 94f; A. Kuß, 2004, S. 35ff.

[25] Vgl. G. Uhe, 2002, S. 97.

[26] Vgl. A. Kuß, 2004, S. 116ff.

[27] Ebd. S. 52.

[28] Vgl. A. Kuß, 2004, S. 95ff.

[29] Vgl. A. Kuß, 2004, S. 99; G. Uhe, 2002, S. 105.

[30] Vgl. R. Nieschlag/E. Dischtl, 2002, S.449f.

[31] Marketingmaßnahme, bei der bereits schon einmal angesprochene Kontakte ein zweites Mal angesprochen werden. Entweder soll das Angebot (hier der Fragebogen) noch einmal in Erinne­rung gebracht werden, oder es sollen die Gründe für ein Nichtreagieren ermittelt werden.

[32] Vgl. A. Kuß, 2004, S. 99f; G. Uhe, 2002, S. 105f.

[33] Vgl. A. Kuß, 2004, S. 96 u. 103.

[34] Vgl. R. Nieschlag/E. Dischtl, .2002, S.563f.

[35] Vgl. A. Kuß, 2004, S. 104f; G. Uhe, 2002, S. 109.

[36] Vgl. G. Uhe, 2002, S. 110ff.

[37] Vgl. G. Uhe, 2002, S. 114f.

[38] Vgl. G. Uhe, 2002, S. 116ff; S. Broda, 2002, S. 63.

[39] Vgl. P. Kotler/F. Bliemel, 1999, S. 249.

[40] Vgl. P. Kotler/F. Bliemel, 1999, S. 249; A. Kuß, 2004, S. 17.

[41] Vgl. P. Kotler/F. Bliemel, 1999, S. 249; A. Kuß, 2004, S. 17.

[42] Siehe Bundes-Immissionsschutzgesetz.

[43] Die Anzahl der bereits genehmigten, sich aber noch im Bau befindenden Anlagen, wird auch an dieser Stelle der Tabelle miteingetragen.

[44] Die Anlagen befinden sich im Genehmigungsverfahren.

[45] Es wurden Planungsgespräche geführt, oder die Absicht erklärt eine Anlage in naher Zukunft zu

bauen; Es kann aber auch sein, dass diese Anlagen gar nicht gebaut werden.

[46] Anlagen zur Verarbeitung von gewerblichen Abfällen und Gülle.

[47] Anlagen zur Verarbeitung von ausschließlich nachwachsenden Rohstoffen und Anlagen zur Verarbeitung von nachwachsenden Rohstoffen und Gülle, denn häufig setzen Anlagen zusätz­lich Gülle ein um das Substrat flüssig zu halten.

Ende der Leseprobe aus 86 Seiten

Details

Titel
Optimierung der Ausrichtung eines strategischen Geschäftsfeldes auf Basis einer Potentialanalyse für den Markt von Biogasanlagen in Deutschland
Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Emden
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
86
Katalognummer
V186393
ISBN (eBook)
9783656998167
ISBN (Buch)
9783869431550
Dateigröße
3850 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Aufgrund eines Sperrvermerkes der Arbeit, wird nur der Teil der „Potentialanalyse für den Markt von Biogasanlagen in Deutschland“ zur Verfügung gestellt.
Schlagworte
optimierung, ausrichtung, geschäftsfeldes, basis, potentialanalyse, markt, biogasanlagen, deutschland
Arbeit zitieren
Caroline Wermeling (Autor), 2006, Optimierung der Ausrichtung eines strategischen Geschäftsfeldes auf Basis einer Potentialanalyse für den Markt von Biogasanlagen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186393

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