Die nationalsozialistische Propaganda bediente sich der Geschichte als einer Wissenschaft zur Rechtfertigung ihrer Weltanschauung. Die Rolle der griechischen Antike und Spartas insbesondere sind Gegenstand dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I VERFREMDETE ANTIKE – SPARTA ZWISCHEN ALTERTUMSWISSENSCHAFT UND NS-IDEOLOGIE
1. Geschichtsschreibung im Nationalsozialismus
2. Sparta im Geschichtsbild der Ideologen des Nationalsozialismus
2.1 Hitler
2.1.1 Die Antike als „Idealzeit“
2.1.2 Das Germanentum bei Hitler
2.1.3 Die griechische Antike als Rassengeschichte
2.2 Griechen und Germanen - Alfred Rosenberg und Heinrich Himmler
2.3 Der Spartanische Bauernstaat – Walther Darré
II DAS NATIONALSOZIALISTISCHE SPARTA IM KOLLEKTIVEN GESCHICHTSBEWUSSTSEIN
1. Sparta im NS-Geschichtsunterricht
2. Sparta in der Publizistik der NS-Zeit
3. Sparta in der nationalsozialistischen Propaganda
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Instrumentalisierung des antiken Sparta als politisch-ideologische Metapher während der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei wird analysiert, wie die nationalsozialistische Ideologie und die gleichgeschaltete Altertumswissenschaft das Bild von Sparta verzerrten, um es als propagandistisches Vehikel für Rasse- und Kriegsideale zu nutzen und militärische Katastrophen, insbesondere den Untergang in Stalingrad, ideologisch zu überhöhen.
- Die Korruption der Altertumswissenschaft im NS-Regime
- Sparta als Projektionsfläche für das nationalsozialistische Rasseverständnis
- Der Einfluss von NS-Ideologen wie Hitler, Rosenberg, Himmler und Darré auf das Geschichtsbild
- Die pädagogische Funktionalisierung des Spartabildes im Schulunterricht
- Die propagandistische Gleichsetzung von Sparta und Stalingrad
Auszug aus dem Buch
3. Sparta in der nationalsozialistischen Propaganda
Nach allem, was wir bisher über die vielfältige Verwendung antiker Geschichte und vornehmlich der Spartas als politisch-ideologische Metapher gehört haben, soll nun etwas ausführlicher ein besonders eindrückliches Beispiel propagandistischer Analogisierung dargestellt werden: Die Thermopylen-Rede Görings zum Fall des Kessels von Stalingrad. Gehalten wurde die unsägliche Rede am 30.1.1943, anlässlich des zehnten Jahrestages der Machtergreifung. Sie wurde auf allen auf allen deutschen Rundfunksendern ausgestrahlt, in Schulen, Lazaretten, Fabriken, privat und an der Front gehört. Zu diesem Zeitpunkt dauerten die Kämpfe in Stalingrad nurmehr an, weil Hitler den eingekesselten, unterversorgten Truppen, die kaum mehr über Munition, geschweige denn Lebensmittel verfügten, die Kapitulation untersagt hatte.
Görings Nacherzählung erfüllt im Hinblick auf die Ereignisse in Stalingrad eine Funktion, die ALBERTZ wie folgt beschreibt: „Das Exempel der Schlacht an den Thermopylen informiert, legitimiert und überhöht in einem.“ Es tut das insofern sehr geschickt als Göring etwa den Informationsgehalt: Stalingrad ist gefallen, die 6. Armee aufgerieben, nur indirekt zu formulieren braucht. Den Schock, den die Nachricht trotzdem für die Soldaten in Stalingrad wie in der Heimat bedeutet, denen die Katastrophe zur Gewissheit wird, geben verschiedene Augenzeugenberichte wieder. Der Redner konzentriert sich in der Formulierung seiner Nachricht derweil darauf, der verheerenden militärischen Niederlage den Anschein einer außerordentlichen Heldentat zu geben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Spartarezeption anhand des Spielfilms "300" und Darlegung der Forschungsabsicht zur NS-Vergangenheit.
I VERFREMDETE ANTIKE – SPARTA ZWISCHEN ALTERTUMSWISSENSCHAFT UND NS-IDEOLOGIE: Analyse der Vereinnahmung der Altertumswissenschaft durch den Nationalsozialismus und der ideologischen Verklärung Spartas durch zentrale NS-Ideologen.
II DAS NATIONALSOZIALISTISCHE SPARTA IM KOLLEKTIVEN GESCHICHTSBEWUSSTSEIN: Untersuchung der Verbreitung des verzerrten Spartabildes durch den Schulunterricht, populäre Publizistik und propagandistische Propaganda, insbesondere im Kontext von Stalingrad.
Fazit: Zusammenfassende Feststellung der systematischen Instrumentalisierung antiker Geschichte als Vehikel für NS-Ideologie und Kriegspropaganda.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Sparta, Altertumswissenschaft, Rasseideologie, Geschichtsbild, Propagandistisches Instrument, Stalingrad, Thermopylen, Ideologie, Kriegerideal, Erziehung, Antisemitismus, Kollektives Geschichtsbewusstsein, Mythos, Politische Metapher.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der instrumentellen Nutzung des antiken Sparta als politisches und ideologisches Symbol während der Zeit des Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themenfelder umfassen die Rolle der akademischen Altertumswissenschaft, die Ansichten nationalsozialistischer Ideologen, die schulische Indoktrination sowie die Nutzung antiker Mythen in der Kriegspropaganda.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Sparta als "Idealzeit" für die NS-Ideologie umgedeutet wurde, um völkische Ziele und den Opfergang im Zweiten Weltkrieg zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine induktive Analyse von Veröffentlichungen der Altertumswissenschaft, Lehrplänen, NS-Propagandareden und populären Texten der Epoche, um ein systematisches Muster der Geschichtsumdeutung offenzulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert zum einen die theoretische Fundierung des Spartabildes durch NS-Ideologen (Hitler, Rosenberg, Himmler, Darré) und zum anderen dessen praktische Anwendung in Schule, Publizistik und Propaganda.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Nationalsozialismus, Spartarezeption, Rasseideologie, Stalingrad, Altertumswissenschaft und Propagandistische Instrumentalisierung.
Warum wurde ausgerechnet Sparta für die NS-Propaganda ausgewählt?
Sparta galt als Modell einer rassisch homogenen, wehrhaften und "totalitären" Gesellschaft, deren antike Traditionen ideal zur Konstruktion des nationalsozialistischen Herrenmenschen-Mythos passten.
Welche Rolle spielte die Thermopylen-Rede von Göring für die Argumentation des Autors?
Die Rede dient als zentrales Fallbeispiel, um zu demonstrieren, wie eine militärische Niederlage (Stalingrad) bewusst durch den Rückgriff auf das antike Thermopylen-Epos als heldenhafter Opfergang verklärt wurde.
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- André Weikard (Author), 2007, Verklärte Vergangenheit - Sparta als politische Metapher im Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186417