Im wissenschaftlichen Diskurs wird das Portfolio nicht immer eindeutig definiert, deshalb wird im Rahmen dieser Arbeit versucht, das Portfolio-Konzept genauer zu konkretisieren. Dazu werden verschiedene Formen dieses Instruments aufgezeigt, Rahmenbedingungen verdeutlicht und Bedingungen für den sinnvollen Einsatz des Portfolios in der Schule aufgeführt.
Am Beispiel der Erprobung des Portfolios in Südtirol werden Erfahrungswerte sichtbar, die ein Jahr nach einer flächendeckenden, gesetzlichen Verordnung aufgetreten sind.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT
1. EINLEITUNG
1.1 Zielsetzung der Arbeit
1.2 Inhalt der Arbeit
1.3 Schwerpunktsetzung
2. PROBLEMATIK DER LEISTUNGSBEURTEILUNG
2.1 Historische Entwicklung der Leistungsbeurteilung
2.2 Definition Leistung und Leistungsmessung
2.3 Derzeitige Problematik der Leistungsbeurteilung
2.4 Möglichkeiten und Grenzen der Leistungsbeurteilung
2.5 Formen der effektiven Leistungsbeurteilung
3. KONKRETISIERUNG DER PORTFOLIO-ARBEIT
3.1 Definiton des Portfolio-Begriffs
3.2 Europäisches Sprachenportfolio
3.3 Rahmenbedingungen für die Arbeit mit dem Portfolio
3.4 Bedingungen eines sinnvollen Einsatzes des Portfolios in der Schule
4. KRITISCHE DISKUSSION AM BEISPIEL SÜDTIROL
4.1 Standortbeschreibung Südtirol
4.2 Schul- und Bildungssystem in Italien
4.3 Reformen
4.4 Portfolio der Kompetenzen
5. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
5.1 Aufbau der Fragebögen
5.2 Qualitative Teile der Fragebögen
5.3 Semi-strukturierte Interviews
5.4 Stichprobe/Untersuchungsgruppe der Fragebögen
5.5 Datenaufbereitung
5.5.1 Quantitative Datenaufbereitung
5.5.2 Qualitative Datenaufbereitung
5.5.3 Quantitative Analyse
5.5.4 Qualitative Analyse
5.6 Zusammenfassung
5.7 Interpretation der Daten
6. FAZIT
NACHWORT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit das Portfolio als alternatives Instrument zur traditionellen Leistungsbeurteilung in der Schule dienen kann. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, unter welchen spezifischen Bedingungen ein sinnvoller Einsatz des Portfolios möglich ist, wobei insbesondere die Erfahrungen mit der Einführung des "Portfolios der Kompetenzen" in Südtirol kritisch reflektiert werden.
- Problematisierung der traditionellen, ziffernbasierten Leistungsbewertung
- Konkretisierung des Portfolio-Begriffs und dessen verschiedene Typen
- Analyse der Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Portfolio-Arbeit
- Untersuchung der "top-down"-Einführung des Portfolios in Südtirol
- Empirische Erhebung der Vor- und Nachteile aus Sicht der Lehrerschaft
Auszug aus dem Buch
2.1 Historische Entwicklung der Leistungsbeurteilung
„Eine Reform der Leistungsbewertung ist überfällig“ schreibt Winter 2004. Es müsse eine Demokratisierung im Sinne einer mehrseitigen Teilhabe an der Beurteilung erfolgen, damit der Unterricht nicht ausschließlich dazu tendiere, eine Grundlage für Noten zu erhalten (vgl. Winter, 2004, S.35). Ebenso wird die Selektionsfunktion der Noten diskutiert. Hierzu zitiert Winter von Saldern (1997, S.55), der insbesondere die für Deutschland typische, frühe Selektion in verschiedene Ausbildungsgänge kritisiert.
Betrachtet man jedoch die historische Entwicklung der Leistungsbeurteilung, so fällt auf, dass die Leistungsbewertung durch Ziffernnoten im Zeitalter der Aufklärung als „Emanzipation des Bürgertums, d.h. als Gleichheitsprinzip und Angriff auf die Vorrechte des Adels“ (Lenzen, 1989, S.983-987) diente. Sie bedeutete demnach eine Bildungsmöglichkeit für alle, unbeachtet der Herkunft, indem die Bildungsberechtigung erstmals abhängig von der eigenen Leistung wurde.
Lenzen (1989) zitiert hierzu Klafki, indem er schreibt, dass durch die „Legitimierung bestehender Ungleichheit (bei gleichzeitiger rechtlicher Gleichheit)“ die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen hervorgehoben werde. Solzbacher und Freitag betonen, dass die Benotung durch Ziffern sowohl eine Zugangsberechtigung als auch eine Qualitätssicherung beinhaltete und von daher fortschrittlich war (vgl. 2001, S.23ff). Dies bedeutet, dass es für den Einzelnen erstmals möglich wurde, anhand seiner eigenen Leistung, seines Bemühens, Recht auf eine höhere Bildung zu erlangen. Somit wich die ständische Selektion einer Zugangsberechtigung zur Bildung, die aufgrund der individuellen Leistung möglich wurde. Die Einführung der Benotung von schulischer Leistung verstärkte demnach die Chancengleichheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Arbeit führt in das Thema Portfolio als alternative Leistungsbeurteilung ein und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Untersuchung im Kontext der Südtiroler Erprobung.
2. PROBLEMATIK DER LEISTUNGSBEURTEILUNG: Dieses Kapitel diskutiert die historische Entwicklung der Ziffernnoten und die damit verbundenen Probleme, wie mangelnde Messgenauigkeit und die vorherrschende Selektionsfunktion.
3. KONKRETISIERUNG DER PORTFOLIO-ARBEIT: Hier wird der Portfolio-Begriff definiert, verschiedene Typen (wie Prozess- oder Produktmappen) unterschieden und die Rahmenbedingungen für einen schulpraktischen Einsatz dargelegt.
4. KRITISCHE DISKUSSION AM BEISPIEL SÜDTIROL: Der Fokus liegt auf der Implementierung des "Portfolios der Kompetenzen" in Südtirol, wobei die dortigen Bildungsreformen und die Rolle des Portfolios als Orientierungsinstrument analysiert werden.
5. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse einer quantitativen und qualitativen Studie zu den Erfahrungen von Lehrkräften mit dem Portfolio nach einem Jahr Erprobung.
6. FAZIT: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und es wird erörtert, unter welchen Bedingungen das Portfolio eine sinnvolle Ergänzung zur Leistungsbeurteilung darstellen kann.
Schlüsselwörter
Portfolio, Leistungsbeurteilung, Kompetenzentwicklung, formative Bewertung, Südtirol, Moratti-Reform, Schulentwicklung, Selbstreflexion, Individuelle Förderung, Lernprozess, Schulleistungsstudien, Lehrerrolle, Bildungsreform, Handlungskompetenz, Evaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Einsatz von Portfolios als Instrument zur Leistungsbeurteilung im schulischen Kontext und diskutiert dessen Sinnhaftigkeit, Chancen und Grenzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Kritik an der herkömmlichen Notengebung, die theoretische Fundierung des Portfolio-Konzepts sowie dessen praktische Erprobung im Rahmen einer staatlich verordneten Reform.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis von Literatur und einer eigenen empirischen Untersuchung zu klären, unter welchen Bedingungen das Portfolio ein sinnvolles Instrument zur Unterstützung individueller Lernprozesse sein kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine Kombination aus quantitativer Fragebogenerhebung und qualitativen, semi-strukturierten Interviews bei Lehrkräften in Südtirol durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Problematik der Leistungsbewertung, der Definition verschiedener Portfolio-Arten, der Vorstellung des Südtiroler Schulsystems sowie der Auswertung der empirischen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Portfolio-Arbeit, Leistungsbeurteilung, formative Bewertung, Kompetenzorientierung, Schulentwicklung und die spezifische Situation in Südtirol.
Warum spielt die Moratti-Reform in dieser Arbeit eine so große Rolle?
Die Reform stellt den rechtlichen Rahmen dar, durch den das "Portfolio der Kompetenzen" in Südtirol verpflichtend eingeführt wurde, was die Grundlage für die Untersuchung der "top-down"-Implementierung bildet.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin bezüglich der Akzeptanz bei Lehrern?
Die Empirie zeigt, dass viele Lehrkräfte das Portfolio eher ungern nutzen und als zusätzliche Arbeitsbelastung empfinden, was maßgeblich auf mangelnde klare Richtlinien und Ressourcen bei der Einführung zurückzuführen ist.
- Arbeit zitieren
- Sarah Laros (Autor:in), 2007, Bedingungen eines sinnvollen Einsatzes des Portfolios in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186435