Fremdwährungskredite haben seit der Devisenliberalisierung, die diese Finanzierungsform auch Privaten zugänglich machte, enorm an Bedeutung gewonnen und weisen einen bedeutenden Anteil am gesamten Kreditvolumen in Österreich auf. Ziel dieser Arbeit ist es, eine Kreditaufnahme in EUR einer Kreditaufnahme in fremder Währung vergleichend gegenüberzustellen. Nach einer Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen werden die Entwicklung und die Struktur der Fremdwährungskredite in Österreich und im Vergleich zu anderen Staaten der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion aufgezeigt. Anschließend wird der Fremdwährungskredit mit all seinen Merkmalen ausführlich dargestellt. Dies ist notwendig, um in einem nächsten Schritt die Chancen und Risiken, die aus einer Kreditaufnahme in fremder Währung entstehen, ableiten zu können. Für diese Risiken werden verschiedene Absicherungsmöglichkeiten vorgestellt und kritisch beurteilt. Aufbauend auf diesen theoretischen Grundlagen zeigt ein Rückblick auf die letzten Jahrzehnte anhand von berechneten Vergleichswerten, wie sich die Finanzierungsform des Fremdwährungskredits in den Währungen EUR, CHF, JPY und USD entwickelte. Dabei wird jede Finanzierungsalternative, mit all ihren Einflussparametern, separat berechnet und beurteilt. Neben drei unterschiedlichen Abzinsungsfaktoren zur Barwertermittlung werden auch die Varianten mit und ohne Tilgungsträger dargestellt. Weitere Ausführungen berücksichtigen ein unbeschränktes Prolongationsrecht des Kreditnehmers und fördern neue Anschauungen auf Kreditnehmer- sowie auf Kreditgeberseite. Die Ausführungen gipfeln in einem Modell zur Entscheidung über Fremdwährungskredite.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Forschungsfrage und Zielsetzung
1.3. Gang der Argumentation
2. Rahmenbedingungen
2.1. Entwicklung des Fremdwährungskredits
2.2. Situation in Österreich
2.2.1. Kundenstruktur und Profil der Fremdwährungskreditnehmer
2.2.1.1. Kundenstruktur
2.2.1.2. Profil des Fremdwährungskreditnehmers
2.2.2. Entwicklung des Kreditvolumens
2.2.3. Marktanteile der österreichischen Banken
2.2.4. Das österreichische Steuerrecht
2.2.4.1. Außerbetrieblicher Bereich
2.2.4.2. Betrieblicher Bereich
2.2.4.3. Ausblick
2.3. Situation in den anderen europäischen Staaten
2.3.1. Österreich im EWWU-Vergleich
2.3.2. Entwicklung und Lage in Deutschland
2.4. Erklärungsansätze für die österreichische Sonderstellung
2.4.1. Grenzgänger zur Schweiz
2.4.2. Nachfrageseitige Gründe – Zinsvorteil
2.4.3. Herdenverhalten
2.4.4. Angebotsseitige Gründe
2.4.4.1. Die Finanzdienstleister allgemein
2.4.4.2. Versicherungsvermittlung
2.4.4.3. Kreditvermittlung
2.4.4.4. Banken als Innovatoren
2.4.5. Zusammenfassung
3. Der Fremdwährungskredit
3.1. Einordnung des Fremdwährungskredits in die Finanzierungsformen
3.2. Variationen des Fremdwährungskredits
3.2.1. Festzinsdarlehen
3.2.2. Roll-Over-Vereinbarung
3.3. Ansparprodukte
3.3.1. Versicherungen
3.3.2. Investmentfonds
3.4. Fremdwährungen
3.4.1. Die drei Währungspaare
3.4.2. Arten der Notierung
3.4.3. Determinanten des Währungskurses
3.4.4. Wechselspiel zwischen Zinsen und Wechselkursen
3.4.4.1. Kaufkraftparitätentheorie
3.4.4.2. Die Zinsparitätentheorie
3.4.5. Exkurs: Wechselkurssysteme – ein Rückblick
3.4.6. Währungswechsel/Konvertierung
3.4.7. Gebühren und Spesen
3.5. Zinssatzbildung
4. Chancen und Risiken
4.1. Zinsrisiko
4.2. Wechselkursrisiko
4.3. Tilgungsträgerrisiko
4.4. Informationsrisiko
4.5. Entscheidungsrisiko
4.6. Exkurs: Risiken auf Bankenseite
5. Absicherungsmöglichkeiten
5.1. Kassa- und Termingeschäfte
5.2. Wechselkursabsicherungsinstrumente
5.2.1. Devisentermingeschäft
5.2.2. Devisenoption
5.2.3. Währungsswap/Cross Currency Swap
5.3. Zinsabsicherungsinstrumente
5.3.1. Zinsoption
5.3.1.1. Zinscap
5.3.1.2. Zinsfloor
5.3.1.3. Zinscollar
5.3.2. Zinsswap/interest rate swap
5.4. Fazit
6. Beurteilung des Fremdwährungskredits
6.1. Erste Schritte zur Barwertermittlung
6.1.1. Ermittlung der Zinssätze
6.1.2. Devisenmittelkurse der fremden Kreditwährungen
6.1.3. Diskontierungssätze zur Ermittlung der Barwerte
6.2. Gesamtbelastungsvergleich mit Zehnjahreslaufzeiten von 1986 bis 2007
6.2.1. Darstellung des Gesamtbelastungsvergleichs
6.2.2. Analyse der Ergebnisse
6.2.2.1. Analyse des Vergleichs EUR/CHF
6.2.2.2. Analyse des Vergleichs EUR/JPY
6.2.2.3. Analyse des Vergleichs EUR/USD
6.2.3. Funktionalität des Tilgungsträgers
6.2.3.1. Ermittlung der Ansparraten
6.2.3.2. Ermittlung des Barwerts inklusive Tilgungsträger
6.2.4. Analyse der Veränderung des Obligos anhand ausgewählter Beispiele
7. Zusammenfassende Betrachtung
Zielsetzung und Forschungsgegenstand
Die Arbeit untersucht, welche Finanzierungswährung bei einer zehnjährigen Laufzeit in Österreich in den vergangenen zwei Jahrzehnten die geringste Gesamtkreditbelastung erzielt hat. Dabei werden die Rahmenbedingungen, Chancen, Risiken sowie Absicherungsmöglichkeiten von Fremdwährungskrediten analysiert, um eine fundierte Vergleichsgrundlage zwischen Kreditaufnahmen in Euro und in Fremdwährungen zu schaffen.
- Historische Entwicklung und Verbreitung von Fremdwährungskrediten in Österreich.
- Analyse der Zinsvorteile und Währungsrisiken (CHF, JPY, USD gegenüber dem Euro).
- Funktionsweise und Bedeutung von Tilgungsträgern zur Risiko- und Kapitalverwaltung.
- Methodische Bewertung der Gesamtbelastung durch Barwertrechnungen und Szenarioanalysen.
- Kritische Beleuchtung von Vertriebsstrukturen und Beratungsrisiken im Kreditsektor.
Auszug aus dem Buch
1.1. Problemstellung
Anfang der Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts wurde im Zuge einer Gesetzesänderung einer neuen Finanzierungsform in Österreich, dem Fremdwährungskredit, zum Durchbruch verholfen. Diese Finanzierungsform zählt trotz ihrer Risiken zum „Liebkind“ der Österreicher und verbreitete sich mit einer bis dahin nie gesehenen Geschwindigkeit, was Österreich zu einer Sonderstellung in Europa verhalf. Die Popularität könnte daran liegen, dass die Risiken, wegen des langen Zeithorizonts der Finanzierung, bis heute kaum schlagend wurden.
Der hohe Stellenwert, der Fremdwährungskredite in Österreich, machte die „Währungshüter“ hellhörig. So wurde 2003 eine Studie der Österreichischen Nationalbank (OeNB) über die „Struktur und Risiken von Fremdwährungskrediten in Österreich“ präsentiert, die dem Finanzierungsprodukt ein insgesamt schlechtes Zeugnis ausstellte. Die diesbezüglich anberaumte Pressekonferenz nutzte die damalige Vizegouverneurin der OeNB, Frau Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell, um ihrer Abneigung gegen Fremdwährungskredite Luft zu machen: „Wir wollen kein Neugeschäft mit Yen und Franken und anderen fremden Währungen mehr, da stecken enorme Risken drinnen.“ „…wir überlegen uns Maßnahmen mit den Banken und wollen in den kommenden Wochen auch ein stärkeres Bewusstsein in der Öffentlichkeit schaffen. Es geht darum, dass keine weiteren Fremdwährungskredite vergeben werden.“ Allerdings führten weder die Studie noch die kritischen Aussagen der OeNB zu einem Ende des Booms der Fremdwährungskredite. Im Gegenteil: Aufgrund günstiger Wechselkurse erreichte der Anteil der Finanzierungen in fremder Währung kurze Zeit später neue Rekordmarken von knapp 20 % (rund 50 Milliarden EUR) am inländischen Gesamtkreditvolumen. Anfang 2007, sollten die risikofreudigen Kreditnehmer Recht bekommen. Die beliebtesten Kreditwährungen entwickelten sich in den letzten Jahren zu ihren Gunsten und die Zinsvorteile zum EUR blieben fast unverändert. Durch diese Konstellation haben sich zahlreiche Österreicher seit 1999 insgesamt zwölf Milliarden EUR für Haus- und Wohnbaufinanzierung erspart.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert die Problemstellung und Forschungsfrage, grenzt die untersuchten Währungen ein und erläutert den Argumentationsgang.
2. Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel beschreibt die rechtliche und historische Entwicklung der Fremdwährungskredite in Österreich sowie deren Besonderheiten im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.
3. Der Fremdwährungskredit: Hier werden die verschiedenen Finanzierungsformen, Kreditvarianten, Ansparprodukte und die Grundlagen der Zins- und Währungsnotierung detailliert erklärt.
4. Chancen und Risiken: Es erfolgt eine Analyse der zentralen Risikofaktoren wie Zins- und Wechselkursänderungen sowie die Bedeutung von Informations- und Entscheidungsrisiken für den Kreditnehmer.
5. Absicherungsmöglichkeiten: Dieses Kapitel präsentiert derivative Instrumente wie Termingeschäfte, Optionen und Swaps zur Risikominderung und stellt deren Vor- und Nachteile gegenüber.
6. Beurteilung des Fremdwährungskredits: Der Hauptteil bietet einen detaillierten historischen Barwertvergleich verschiedener Finanzierungswährungen über zwei Jahrzehnte hinweg.
7. Zusammenfassende Betrachtung: Abschließend werden die Ergebnisse interpretiert und ein Modell für die Entscheidungsfindung über Fremdwährungskredite zusammenfassend dargestellt.
Schlüsselwörter
Fremdwährungskredit, Währungsrisiko, Zinssatzrisiko, Finanzierung, Tilgungsträger, Barwertvergleich, Österreich, Wechselkurs, Euro, Zinsparitätentheorie, Devisenoption, Zinsswap, Bankenmarkt, Finanzdienstleister, Ansparprodukt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen fundierten Vergleich der finanziellen Gesamtbelastung von Fremdwährungskrediten in Österreich über die letzten zwei Jahrzehnte in den wichtigsten Kreditwährungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der historischen Entwicklung stehen die Risikoeinschätzung, die steuerlichen Rahmenbedingungen, die Rolle der Kreditvermittler und die verschiedenen Absicherungsinstrumente im Fokus.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Finanzierungswährung bei einer zehnjährigen Laufzeit in den letzten zwei Jahrzehnten in Österreich die geringste Gesamtkreditbelastung für den Kreditnehmer erreichte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse erfolgt durch einen historischen Vergleich von Barwerten der Gesamtbelastung (Zinsen und Kapital) unter Einbeziehung realer Marktdaten für 13 Finanzierungsperioden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Rahmenbedingungen, die Darstellung von Chancen und Risiken, Absicherungsmöglichkeiten sowie eine umfangreiche quantitative Auswertung historischer Daten.
Welche Währungen stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Der Vergleich fokussiert sich auf Finanzierungen in Euro, Schweizer Franken (CHF), Japanischem Yen (JPY) und US-Dollar (USD).
Welche Rolle spielt der Tilgungsträger bei Fremdwährungskrediten?
Der Tilgungsträger ist ein Ansparprodukt, das zur Rückzahlung des endfälligen Kapitals dient; die Arbeit bewertet dessen Funktionalität und die damit verbundenen Wertentwicklungsrisiken.
Welche Rolle spielen Kreditvermittler in der Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die Rolle externer Vermittler bei der Verbreitung von Fremdwährungskrediten und untersucht deren Provisionseffekte auf die Effektivverzinsung für den Kunden.
- Arbeit zitieren
- Markus Bläuel (Autor:in), 2007, Ein Vergleich der Gesamtbelastung von Fremdwährungskrediten der letzten beiden Jahrzehnte in den vier wichtigsten Kreditwährungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186436