Merkantilismus und Adam Smith

Merkantilismus, Adam Smiths Theorien und der moderne Kapitalismus, betrachtet unter dem Gesichtspunkt der Rolle des Staates in der jeweiligen Gesellschaftsform


Hausarbeit, 1994
29 Seiten, Note: 0

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

I. Der Merkantilismus
1. Einstieg
2. Beispiele verschiedenartiger Entwicklungen
3. Die jeweiligen hervorragenden Situationen dieser beispielhaften Länder
4. Der Nährboden für den Merkantilismus
5. Wirtschafts- und Herrschaftssysteme im 17. und 18. Jhrh.

II. Einordnung des Merkantilismus in die gesamtkapitalistische Entwicklung
1. Die geschichtliche Einordnung
2. Merkantilismus und Kapitalakkumulation
3. Zusammenfassung

III. Adam Smiths wirtschallspolitisches Leitbild: Das System der natürlichen Freiheit
1. Die Begründung des „einfachen Systems"
2. Verwirklichung dieses Systems durch Aufhebung aller merkantilistischen Begünstigungen und Beschränkungen
2.1. Konkurrenzbestimmungen
2.2. Begünstigungen und Beschränkungen
3. Die verbleibenden Aufgaben des Staates

IV. Der Staat in der modernen „kapitalistischen" Gesellschaft
1. Rolle und Funktion des Staates in der modernen „kapitalistischen" Gesellschaft
2. Stimmen von Kritikern and Befürwortern des Kapitalismus
3. Zu den Meinungen

Anhang

1. Anhang Merkantilismus Ein Katalog staatlicher Maßnahmen

2. Anhang zu Adam Smith

Biographische Daten zu Adam Smith

Merkantilismus und Adam Smith

Merkantilismus, Adam Smiths Theorien und der moderne Kapitalismus, betrachtet unter dem Gesichtspunkt der Rolle des Staates in der jeweiligen Gesellschaftsform.

Vorgelegt von: Thomas Bippes

Abgabetermin: 11. April 1994

Vorwort

Die Arbeit „Merkantilismus und Adam Smith" betrachtet den Merkantilismus, Adam Smiths Theorien und den modernen Kapitalismus. Nach Einstieg in die jeweilige Gesellschaftssituation wird nach dem Gesichtspunkt der Rolle des Staates in der jeweiligen Gesellschaftsform vorgegangen. Dadurch wurde versucht, eben aus diesem Sichtwinkel heraus, die drei Eigenarten dieser drei Typen herauszukristallisieren.

Die Arbeit hat somit einen dreigeteilten Aufbau. Chronologisch wird vorgegangen. Zuerst der Merkantilismus. Nach einem kurzen Einstieg in diese Gesellschaftsform werden Eigenarten und Entwicklungen des Merkantilismus an drei beispielhaften Ländern dargestellt. England, Frankreich und das Deutsche Reich.

Anschließend wurde versucht, den Merkantilismus, primär mit Hilfe der Darstellung der davon abhängigen staatlichen Aktivität, in die gesamtkapitalistische Entwicklung miteinzubeziehen. Danach Smiths „invisible hand" and seine Vorstellungen von staatlichen Aufgaben.

Als Soll-Ist-Vergleich soll die Schilderung der Situation im modernen „Kapitalismus" dienen. Auch wird aufgezeigt, dass sich der Entwicklungsprozess längst nicht am Ende befindet.

I. Der Merkantilismus

1.Einstieg

Der „Merkantilismus“ bezeichnet die Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik des Frühkapitalismus. Um die Zeit des Merkantilismus einzugrenzen, wäre vor ihm eine ökonomische Situation, die sich auf Grundbesitz und Grundzins stützt, recht lose durch Handel verbunden ist und sich auf die primären Lebensbedürfnisse konzentriert. Nach dem Merkantilismus wäre da eine Zeit wachsenden Handelns, zunehmender Geldwirtschaft and durch differenzierte Arbeitsteilung gekennzeichnete National- und Territorialstaaten.

Dem erstarkenden frühkapitalistischen Bürgertum ging es sowohl um die Beseitigung der feudalen Gewalten, wie auch um die Stärkung der Staaten, da die Interessen der Bürger, als Träger des wirtschaftlichen Fortschritts, zwangsläufig in die Staatsinteressen einmünden. So gelangte, je nach den nationalen Gegebenheiten eines Staates, das Bürgertum in unterschiedlichem Ausmaß zu wirtschaftlicher und politischer Geltung.

Unter nationalen Gegebenheiten wären die Stellung des Bürgertums im absolutistischen Staatsgefüge, der Rang, den es einnimmt und den Einfluss des es ausübt, zu verstehen. Diese nationalen Gegebenheiten bildeten die Startblöcke für diese Entwicklung.1

2. Beispiele dieser verschiedenartiger Entwicklungen

In England, wo die Wirtschaftseinheit schon weithin vorgegeben2 war, bildeten der Seehandel und die Kolonisierung die entscheidenden Felder des staatswirtschaftlichen Handelns. Dem gegenüber blieb der Staat in Lenkung und Regulierung der Binnenwirtschaft zurückhaltender. Die britische Entwicklung ist wohl durch die Politik des Staates beeinflusst, aber nicht durch den Staat hervorgerufen.

Im absolutistischen Frankreich entfaltete die Staatsverwaltung ungleich mehr Unternehmungsgeist in der Binnenorganisation, vor allem bei der Begründung und Förderung der königlichen und privilegierten Manufakturgüter zur Herstellung von ausführbaren Luxusgütern.

Im Deutschen Reich fehlte es für eine Art Reichsmerkantilismus an einem hinreichend großen Nationalstaat. Hier setzten die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges den Territorialstaaten einen Handlungsrahmen. Unter staatlicher Wirtschaftspolitik verstand man zu dieser Zeit in hohem Maße Wiederaufbautätigkeit.

Da in den einzelnen deutschen Staaten kaum eine wirksame Außenhandelspolitik getrieben werden konnte, stand unter den Zielen der Merkantilisten (J.J. Becher, Ph. W. v. Hornig, W. v. Schröder, J. H. G. V. Justi, J. v. Sonnenfels, V. v. Seckendorff) die Zahlungsbilanz. Diese jedoch war viel geringer als beispielsweise in England.

Die deutschen Ratgeber der Fürsten hatten die ganze Staatsgewalt im Auge und richten sich besonders nach der fürstliche Finanzbedarf (Kameralismus).3 Um die ständig wachsenden Aufgaben des Staates finanzieren zu können, genügten die alten Abgabesysteme nicht mehr. Die Steigerung des Geldbedarfs setzte aber die pflegliche Behandlung der Besteuerten voraus, woraus sich eine Förderung derjenigen Wirtschaftsbereiche ergab, die in besonderem Ausmaß wohlstandsmehrend sein sollten. Dazu gehörten der Handel und das Gewerbe.

3. Die jeweilige Situationen dieser beispielhaften Länder

Die englische Situation ist hier die wohl maßgebende.4 Der Absolutismus hat sich in England ganz durchgesetzt. Einerseits verselbständigte sich der Adel und konnte erst nach mühseligen Kämpfen „domestiziert“ werden, anderseits erlangte das Bürgertum nur langsam politisches Gewicht und Bedeutung. In Frankreich wurde Jean-Baptiste Colberts Politik, die auf Staatsbefehl Manufakturen schuf und von Staats wegen kapitalistischen Unternehmergeist zu wecken suchte, für die künftige wirtschaftliche Entwicklung eher zum Hindernis. Trotz der weitgehenden nationalen Vereinheitlichung der Wirtschafts- und Finanzpolitik und der Erhebung der vorher an die Stadt gebundenen Gewerbetätigkeit zur nationalen Industrie.

Die strenge Regulierung und Kontrolle der Industrie, die Verfestigung und Ausdehnung des unter staatliche Aufsicht gestellten Zunftwesens hemmten nicht nur die eigentliche Triebkraft der für die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaftsform und des neuen Wirtschaftsstils ausschlaggebend gewordenen privaten Form der ökonomischen Initiative, sondern lenkte durch die zünftig - minutiöse Regelung des Produktionsablaufs und durch den Zwang zu hoch stehender Qualitätsproduktion und Produktionsmethodik die Industrie in eine Richtung, die eher die mittelalterliche Idee der Qualität hochhielt und nochmals festigte, als den Weg der neuen Kräfte zur Massenproduktion und -konsumption freilegte oder anbahnte.

Nun noch die Entwicklung im Deutschen Reich: Nachdem schon im 16. Jahrhundert keine einheitliche Politik mehr zustande gekommen war, dezentralisierte sich im 17. Jahrhundert Wirtschaft und Staat in einem Ausmaß, wie sonst nirgendwo in Europa.

Allein das Interesse des Landesherrn stand im Vordergrund. Das bedeutete jedoch keineswegs die Aufhebung der internen Zollschranken und Intensivierung des Verkehrs, sondern vor allem die Sorge um die Vermehrung abgabenpflichtiger Untertanen, die sich wegen der schon seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im Niedergang befindlicher Wirtschaft und vor allem durch die verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges verringert hatten.

Die Kameralwissenschaft stand mit nur wenigen Ausnahmen obenan, trotz vieler Anregungen von außen, die jedoch im Deutschen Reich wenig fruchtbar wurden.

4. Der Nährboden für den Merkantilismus

Der Merkantilismus war also dort am erfolgreichsten, wo er sich am wenigsten auf mittelalterliche Institutionen stützte. Eine Nationalisierung seiner Zielsetzung war für die Entfaltung eines modernen Bürgertums vonnöten (beispielsweise ein starkes Königtum).5 Vereinheitlichungen waren zum Beispiel:

- Nationale Vereinheitlichung der Rechtsgebung,
- Nationale Vereinheitlichung der Rechtsausübung,
- Nationale Vereinheitlichung der Gewahrleistung der Rechtssicherheit.

Es liegt wohl auf der Hand, dass England hierbei klare Vorteile aufweisen konnte. Nicht allein durch die nationale Gewerbeauffassung, dem Arbeitsgesetz (1563), usw.6

Als Folge der schon im Spätmittelalter einsetzenden Konsolidierung des Königtums entstand recht früh eine nationale Wirtschaftseinheit ohne Zollschranken, mit einheitlicher Gesetzgebung und homogenen Bedingungen. Die Insellage, mit der Entdeckung der Seewege (mit der Gründung der „Privilegierten Ostindischen Handelskompanie" (1600))7, beginnt die Rivalität mit den Niederlanden.

Diese wirtschaftliche Entwicklung ließ sowohl dem Bürgertum als auch den Adeligen Raum und Möglichkeit zur ökonomischen Betätigung. Hierin liegt wohl die Ursache für die spezifische englische Form des beginnenden industriellen Aufschwungs, des rasch wachsenden Seehandels und der Kolonisierung. Dies wurde mit der Hilfe des Staates, aber nicht durch den Staat in die Wege geleitet.

Der Merkantilismus bedeutet aus dem Sichtwinkel Englands heraus eine Verdichtung und Beschleunigung des frühkapitalistischen Prozesses mit Unterstützung des Staates. Auf diese Liberalität, gerade in Gewerbe und Industrie ist der frühe Aufschwung der englischen Industriellen Revolution zurückzuführen.8

5. Wirtschafts- and Herrschaftssysteme im 17. und 18. Jhrh.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Brockhaus Enzyklopädie, 17. Auflage; F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1971, Seite 426.

2 Vgl. Ebenda, Seite 427.

3 „Kameralismus“ ist die Bezeichnung für die deutsche Form des europäischen Merkantilismus.

4 Vgl. Brockhaus Enzyklopädie, Seite 427.

5 Vgl. Beckerath, Erwin V. (1956), Seite 311.

6 Vgl. ebenda, Seite 311.

7 Vgl. ebenda, Seite 311.

8 Vgl. ebenda, Seite 311.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Merkantilismus und Adam Smith
Untertitel
Merkantilismus, Adam Smiths Theorien und der moderne Kapitalismus, betrachtet unter dem Gesichtspunkt der Rolle des Staates in der jeweiligen Gesellschaftsform
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
0
Autor
Jahr
1994
Seiten
29
Katalognummer
V186460
ISBN (eBook)
9783869436883
ISBN (Buch)
9783867469524
Dateigröße
1523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
merkantilismus, adam, smith
Arbeit zitieren
Thomas Martin Bippes (Autor), 1994, Merkantilismus und Adam Smith, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186460

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