Der Aufbau des V. Kapitels der Nikomachischen Ethik des Aristoteles (nach Bien):
A. allgemeine oder gesetzliche Gerechtigkeit: Sie ist die ganze und vollkommene Tugend, umfasst alle Einzeltugenden und besteht in der Befolgung der Gesetze.
1. Sie Gerechtigkeit, insofern sie auf einen anderen Menschen bezogen ist
2. Sie Tugend schlechthin, sofern ohne diesen Zusatz (1.)
B. Teilgerechtigkeit: Einzeltugend neben der anderen (A). Gegenstandsbereich: die Güter, von denen äußeres Glück & Unglück abhängen & in Bezug auf die es ein Mehr-Haben-Wollen (Pleonexie) gibt.
Maßstab: Proportionalität
1. Austeilende Gerechtigkeit:
Maßstab: diskrete oder geometische Proportionalität, Verteilung nach Anspruch, Würde und Berechtigung
2. Ausgleichende Gerechtigkeit:
Maßstab: arithmetische Proportionalität
a. austauschende Gerechtigkeit in freiwilligen Vertragsbeziehungen
b. wiederherstellende & korrektive Gerechtigkeit, die Ungleichheiten bei unfreiwilligen Vertrags-/Verkehrsbeziehungen (heimlichen oder gewaltsamen) ausgleicht. Der Richter ist hier der „Mann der Mitte“ zwischen Gewinn & Verlust.
C. Sonderformen:
1. Das Recht der Wiedervergeltung nach dem Maßstab der einfachen Gleichheit („Gleiches für Gleiches“), das Aristoteles ablehnt
2. Billigkeit: Korrektur des geschriebenen Rechts.
Inhaltsverzeichnis
Aufbau des V. Kapitels (nach Bien)
1. Kapitel:
2. Kapitel:
3. Kapitel:
4. Kapitel:
5. Kapitel:
6. Kapitel:
7. Kapitel:
8. Kapitel:
9. Kapitel:
10. Kapitel:
11. Kapitel:
12. Kapitel:
13. Kapitel:
14. Kapitel:
15. Kapitel:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Gerechtigkeit im fünften Buch der Nikomachischen Ethik von Aristoteles. Das primäre Ziel besteht darin, die verschiedenen Formen der Gerechtigkeit sowie ihre systematische Bedeutung innerhalb der aristotelischen Ethik zu erschließen und die Unterscheidungen zwischen allgemeiner und besonderer Gerechtigkeit herauszuarbeiten.
- Differenzierung zwischen gesetzlicher Gerechtigkeit und Teilgerechtigkeit.
- Analyse der distributiven (austeilenden) und kommutativen (ausgleichenden) Gerechtigkeit.
- Untersuchung der Rolle der Proportionalität und der richterlichen Funktion.
- Erörterung des Naturrechts und der Bedeutung der Billigkeit als Korrektur des geschriebenen Rechts.
Auszug aus dem Buch
3. Kapitel:
Alles Gesetzliche ist also „in einer gewissen Weisegerecht“ (204, b1 13). Die Gesetzgebung bestimmt, was gesetzlich ist und was gesetzlich ist, ist gerecht.
Die Gesetze zielen auf das was für 1.) alle gemeinsam, 2.) die Besten oder 3.) den Regierenden nützlich ist, und zwar Sinne der Tugend oder in einem anderen Sinne. Im Sinne der Tugend ist gerecht, was in der staatlichen Gemeinschaft die Glückseligkeit hervorbringt und festigt.
„Diese Gerechtigkeit ist die vollkommene Tugend, aber nicht schlechthin, sonder im Hinblick auf den anderen Menschen.“ (205,b1 26). Sie ist vollkommen, weil ihr Besitzer sie anderen gegenüber anwenden kann und nicht nur für sich. Diese Gerechtigkeit ist die ganze Tugend, nicht nur ein Teil. (Sofern sie sich anderen gegenüber betätigt, ist sie Gerechtigkeit, sofern sie ein bestimmtes Verhalten schlechthin ist, ist sie die Tugend.)
Zusammenfassung der Kapitel
Aufbau des V. Kapitels (nach Bien): Diese Übersicht skutriert die systematische Einteilung der Gerechtigkeit in allgemeine, Teilgerechtigkeit sowie Sonderformen.
1. Kapitel: Identifizierung der Handlungsarten, die unter die Kategorie der Gerechtigkeit fallen.
2. Kapitel: Definition der Begriffe „ungerecht“ und „gerecht“ durch Abgrenzung von Gesetzmäßigkeit und Gleichheit.
3. Kapitel: Darstellung der gesetzlichen Gerechtigkeit als Ausdruck der vollkommenen Tugend im sozialen Kontext.
4. Kapitel: Unterscheidung zwischen allgemeiner Ungerechtigkeit und speziellen, auf Gewinn ausgerichteten Formen.
5. Kapitel: Klassifikation in partikulare Gerechtigkeit sowie die Unterscheidung zwischen Verteilung und vertraglichem Verkehr.
6. Kapitel: Analyse des Gerechten als „Mitte“ und der mathematischen Proportionalität bei der Zuteilung.
7. Kapitel: Untersuchung der Verteilungsgerechtigkeit sowie der richterlichen Korrektur bei privatem Unrecht.
8. Kapitel: Erörterung der Wiedervergeltung und der Rolle des Geldes als Maßstab für den gemeinschaftlichen Tausch.
9. Kapitel: Gerechtes Handeln als Mitte zwischen dem Tun von Unrecht und dem Erleiden von Unrecht.
10. Kapitel: Definition des Naturrechts und Abgrenzung zwischen dem veränderlichen gesetzlichen und dem natürlichen Recht.
11. Kapitel: Untersuchung der Frage, ob Unrecht freiwillig erlitten werden kann.
12. Kapitel: (Platzhalter für Kapitel 12 im Original).
13. Kapitel: (Platzhalter für Kapitel 13 im Original).
14. Kapitel: Erklärung der Billigkeit als Korrektiv für allgemein formulierte Gesetze.
15. Kapitel: Klärung der Unmöglichkeit, sich selbst freiwillig Unrecht zuzufügen.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Nikomachische Ethik, Gerechtigkeit, Gesetz, Tugend, Proportionalität, Teilgerechtigkeit, Naturrecht, Billigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Ausgleichsgerechtigkeit, Pleonexie, Tausch, Wiedervergeltung, Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich der Analyse der Gerechtigkeitslehre des Aristoteles, wie sie im fünften Kapitel seines Werkes „Nikomachische Ethik“ entfaltet wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Unterteilung der Gerechtigkeit in allgemeine und partikulare Formen, dem Konzept der Mitte sowie der Unterscheidung zwischen natürlichen und gesetzlichen Rechtsnormen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die strukturierte Aufarbeitung der aristotelischen Definitionen von Gerechtigkeit und deren Anwendung in verschiedenen sozialen und rechtlichen Kontexten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die auf den Übersetzungen von Olof Gigon sowie ergänzenden Sekundärwerken wie denen von Günther Bien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich entlang der Kapitel des fünften Buches der Nikomachischen Ethik und expliziert die mathematischen Proportionen des Gerechten sowie die verschiedenen Arten der Schädigung und deren rechtliche Bewertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Aristoteles, Gerechtigkeit, Tugend, Proportionalität, Billigkeit, Naturrecht und die ethische Unterscheidung zwischen gesetzlichem und partikularem Recht.
Wie definiert Aristoteles die "Mitte" im Kontext der Gerechtigkeit?
Aristoteles sieht das Gerechte als das mathematische Mittel, das weder in Übermaß noch in Mangel verfällt, wobei er zwischen geometrischer und arithmetischer Proportionalität unterscheidet.
Was ist die Funktion der Billigkeit laut Aristoteles?
Die Billigkeit dient als Korrektiv, da Gesetze naturgemäß allgemein gehalten sind und in speziellen Einzelfällen zu Härten führen können, die durch die Billigkeit als „besseres Recht“ ausgeglichen werden.
- Quote paper
- Thomas Schröder (Author), 2003, Gerechtigkeit bei Aristoteles. Zur Frage der Gerechtigkeit in der Nikomachischen Ethik, 5. Kapitel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18648