MUNDGERUCH - Wahrnehmungsstörung bei psychischen Erkrankungen


Diplomarbeit, 2007

25 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Einleitung

3 Klassifikation und Ätiologie einer Halitosis
3.1 Echte Halitosis
3.1.1 Physiologische Halitosis
3.1.2 Pathologische Halitosis
3.1.2.1 Intraoral
3.1.2.2 Extraoral
3.2 Body Image
3.3 Psychische Halitosis
3.3.1 Imaginäre Halitosis
3.3.1.1 Pseudohalitosis
3.3.1.2 Halitophobie
3.3.2 Psychosomatische Halitosis
3.3.3 Empfehlungen zur Behandlung einer psychischen Halitosis

4 Diskussion

5 Schlussfolgerung

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Vorwort

Aus Gründen der Übersichtlichkeit spreche ich ausschließlich in männlichem Kasus, selbstverständlich sind beide Geschlechter gemeint.

Die mit einem * gekennzeichneten Begriffe sind im Anhang erklärt.

Meine Danksagung gilt meinem Referenten Prof. Dr. med. dent. Andreas Filippi (Klinik für zahnärztliche Chirurgie, Radiologie, Mund- und Kieferheilkunde, Universität Basel), Dr. Beat Schmitt (Dozent am feusi-Ausbildungszentrum Bern, Leiter Reha-Techniker/in FAS- MED) und nicht zuletzt meinen Eltern für die Anregung zur Themenwahl, die Ermögli- chung meiner Ausbildung und ihre liebevolle Unterstützung in allen Lebenslagen.

2 Einleitung

Ursprünglich wählte ich „Ursachen und Behandlung von Halitosis“ als Thema. Nach an- fänglicher Literatur-Recherche ergab sich jedoch das - noch im Wesentlichen unerschlossene - Phänomen der psychischen Halitosis. Es zeigte sich, dass diese Materie sehr komplex ist und noch einige Kontroversen aufwirft, was mein Interesse weckte. Ferner wurde die echte Halitosis bereits in einer feusi-Diplomarbeit (Miescher u. Leuppi, 2004) abgehandelt, weshalb Kapitel 3 nur einen kurzen Überblick darstellt.

Meine Recherche erfolgte über Suchmaschinen für Fachliteratur (pubmed, scirus, Black- well Synergy, journalsonline.tandf.co.uk und Medline) nach den Begriffen "halitophobia", "pseudohalitosis", "psychological halitosis", "psychosomatic halitosis", "fear of halitosis", "anxiety of halitosis", "delusional halitosis", "suspected halitosis" und "olfactory reference syndrome".

Nach Recherche und Angebot von Literatur zu urteilen, ist die psychische Halitosis generell zu wenig publik. Während die Diagnose Halitophobie wenigen Zahnärzten noch relativ bekannt ist, sind Ursachen und Hintergrundwissen meist mangelhaft. Selbst Psychologen kennen nur die psychischen Syndrome mit olfaktorischen* Halluzinationen, die Hali- tophobie ist jedoch weitgehend unbeachtet.[28]

Ziel meiner Arbeit ist, die psychische Halitosis als Krankheit geläufig und respektiert zu machen und einen Zugang zum Patienten sowie Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wobei die Hintergründe der Entstehung beleuchtet und diskutiert werden. Dies soll helfen, die weitreichende Unkenntnis und den progressiven Misstand zwischen wirtschaftlichen Interessen des Arztes und dem Anliegen des Wohlbefindens des Patien- ten zu vermindern und die wenigen professionellen Anlaufstellen zu vermehren.[28]

Diesbezüglich stelle ich folgende Kernfragen:

1) Korrelation von imaginärer Halitosis mit psychischen Syndromen oder einzelne Pa- thologie?
2) Welche Therapierichtlinien sind bei der psychischen Halitosis adäquat?

3 Klassifikation und Ätiologie einer Halitosis

Definition: „Halitosis ist eine allgemeine Bezeichnung für unangenehmen Geruch, der durch physiologische und pathologische Gründe aus oralen oder systemischen Quellen entsteht. Die hauptsächlich zugrunde liegende Ursache für das Vorkommen dieses Zustands bei verschiedenen Individuen steht normalerweise im Zusammenhang mit einem spezifischen Ursprung.“[23]

3.1 Echte Halitosis (Kapitel in Anlehnung an [30],[43])

In der Fachliteratur werden synonym zum Begriff Halitosis (extraorale Ursache, Geruch durch Mund und Nase) auch „Foetor ex ore“ (intraorale Ursache, Geruch nur durch Mund nicht durch Nase), „bad breath“, „oral malodour“,[18],[37] „offensive breath“[25],[50] oder „breath odor”[36] verwendet.

Halitosis (von „Halitus“, lat. Hauch, Atem, Ausdünstung, Geruch) ist in der Geschichte der Medizin seit langem bekannt. Mundgeruch ist ein gesellschaftliches und gesundheitli- ches Problem mit weitreichenden Konsequenzen für das Leben des Betroffenen. Dessen ungeachtet erschienen zu diesem Thema lediglich ein Buch im 19. Jahrhundert (Howe) und zwei Bücher im 20. Jahrhundert (Rosenberg, 1995 und van Steenberghe und Rosenberg, 1996). Erst jetzt im 21. Jahrhundert zeigt sich größeres Interesse an dieser Thematik, Bücher mehren sich (z.B. Filippi, 2006), die Anzahl von Studien expandiert. Auch in Spezialsprechstunden für Mundgeruch wird ein deutlicher Anstieg von Neupatien- ten registriert.[9]

In den meisten Ländern ist die Prävalenz schlecht dokumentiert. Bei Erwachsenen in Industrieländern beträgt sie etwa 50% ohne Geschlechtsdominanz, bei der älteren Bevölkerung ist sie sogar noch höher.[18],[49] Das Vorkommen ist abhängig von Faktoren wie z.B. medizinische Aufklärung und Versorgung, gesellschaftliche Stellung und Schulbildung. Überdies ist die objektive Einschätzung diffizil, da der Schweregrad remittierend und rezidivierend ist, was die Prävalenz verfälschen kann.[13],[29]

Die Ätiologie ist vielfältig. Sie liegt bei 85%[6]-92,7%[38] im Mundbereich, bei 5-8% im Hals- Nasen-Ohren-Bereich[5] und bei 5% ist sie systemisch bedingt. Bereits 1933 erkannte Grapp die Bedeutsamkeit des dorsalen Zungenbelags hinsichtlich der Entstehung.[6]

Generell sollte zuerst eine Untersuchung durch den Zahnarzt oder die Dentalhygienikerin erfolgen, da intraorale Ursachen die häufigste Prävalenz darstellen. Erst wenn keine orale Ätiologie besteht, ist eine Überweisung an einen HNO-Spezialisten oder Internisten indi- ziert.[5]

Organoleptische* Messungen sind sehr einfach und sinnvoll, um den Schweregrad zu diagnostizieren und den Behandlungserfolg zu kontrollieren.[5]

Als Initialtherapie empfiehlt sich die Instruktion häuslicher Mundhygiene inklusive Zungenreinigung, da dorsaler Zungenbelag die häufigste Ursache ist.[5]

3.1.1 Physiologische Halitosis

Circa 500 Bakterienspezies im Oropharynx-Bereich sind bekannt. Sie verstoffwechseln viele verschiedene Nährstoffe, welche aus der Nahrungsaufnahme, dem Speichel oder dem Sulkusfluid stammen.[25] Die oralen Gewebe erneuern sich sehr schnell mit einem Turn-over von 6-12 Tagen. Die abgestorbenen epithelialen Zellen werden durch Bakteri- en metabolisiert (Eiweißzersetzung), dabei werden Aminosäuren aufgelöst, welche auch im Speichel vorkommen.

Aus Schwefelaminosäuren (z.B. Cystein, Cystin, Methionin) entstehen flüchtige Schwefel- aminosäuren (volatile sulfur compounds, kurz VSC*) wie Schwefelwasserstoff, Methylmercaptan und Dimethylsulfid.[11],[25] Durch Decarboxylierung (Kohlendioxidabspaltung aus Carbonsäure) anderer Aminosäuren wie Ornithin und Lysin entstehen Diamine (Putrescin, Cadaverin). Abbauprodukte von Fettsäuren wie Indol, Skatol, Buttersäure und Valeriansäure sind ebenso übelriechend.

Neben diesem vielfältigen Nahrungsangebot für Mikroorganismen sind auch folgende Faktoren für unangenehme Gerüche verantwortlich:

- Nahrungsmittel (z.B. Knoblauch, Zwiebeln und Kaffee) und Suchtmittel (z.B. Alko- hol, Tabak, Betäubungsmittel, Amphetamine),
- verminderter Speichelfluss, mangelnde Selbstreinigung über Nacht und Debris*- Rückstände (morgendliche Halitosis),[11]
- Food impaction,
- Plaqueakkumulation (bei unzureichender Mund- oder Prothesenpflege, systemi-
schen Erkrankungen mit Mundatmung (Down-Syndrom) oder schwer durchführbarer Mundhygiene (verschachtelte Zahnstellung, iatrogene Restaurationsränder, manuelle Beeinträchtigung)),
- Zungenbelag (Abb. 1) (Akkumulation von Nahrungsresten, welche sich auf reten- tiver Zungenoberfläche mit abgeschilferten Epithelzellen, Blutbestandteilen und Bakterien vermischen).[25]

Abb. 1: Zungenbelag

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Dr. Rainer Seemann, Oberarzt f. Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Charité Zentrum Berlin; rainer.seemann@charite.de)

Physiologische Halitosis ist therapierbar durch Mundhygiene mit Zungenreinigung, bal-laststoff- und faserreiche Ernährung (minimiert den Zungenbelag), Absetzen des Drogenkonsums sowie Umstellung auf Nasenatmung.

3.1.2 Pathologische Halitosis

Saccharolytische Mikroorganismen wie Streptokokken metabolisieren Kohlenhydrate, a- saccharolytische verstoffwechseln Aminosäuren (z.B. Porphyromonas gingivalis, Trepo- nema Spezies), andere metabolisieren beide (z.B. Prevotella intermedia, Fusobacterium nucleatum).

Anaerobe, gramnegative Mikroorganismen in der Plaque, im Zungenbelag und im Spei- chel sind die Hauptverursacher der Halitosis.[25],[36] Sie geben proteolytische (protein- oder peptidabbaufähige) Enzyme direkt oder durch die Aktivierung von polymorphkernigen Leukozyten frei.

Bei extraoralen Erkrankungen liegen andere Mechanismen zugrunde und erzeugen somit andere übelriechende Verbindungen.

3.1.2.1 Intraoral

Auch hier gibt es eine Vielzahl möglicher Ursachen, welche der Übersicht halber in Stichpunkten dargestellt sind:

- Zungenbelag: Der physiologische Zungenbelag ist die Hauptursache für Mundgeruch (41%)[18] und tritt bei folgenden Pathologien vermehrt auf:

--furred tongue/Pelzzunge: Weißer bis - besonders bei Rauchern - brauner Belag, generalisiert oder partiell, vor allem mittig anterior. Hypertrophie und Hyperplasie der papillae filiformis, da die Desquamationsgeschwindigkeit vermindert ist. Abgeschilfertes Debris* und Plaque sammeln sich zwischen den verlängerten Papillen. Die - außer Halitosis bedingende - asymptomatische Pelzzunge tritt auf bei Rauchen, Mundatmung, schlechter Mundhygiene, diätetischer Ernährung ohne Ballaststoffe,[2] Dehydration oder Fieber und ist behandelbar wie der physiologische Zungenbelag (Rauchstopp, Nasenatmung, Zungenreinigung, Mundhygiene, ballaststoff- und faserreiche Ernährung, Trinken und Fiebersenkung).

--lingua villosa (nigra)/(schwarze) Haarzunge: Weißlicher oder dunkelgrüner bis schwarzer, haariger Belag, vor allem mittig anterior. Hyperplasie und Hyperkeratose der papillae filiformis. Färbung entsteht durch exogene Einflüsse (Nahrung, chemische Reize) und Bakterien, die sich zwischen den vergrößerten Papillen ansammeln. Letzte- re produzieren bei ihrem Metabolismus Porphyrine, schwarze Pigmente. Die Haarzun- ge kann Halitosis, abnormen Geschmack und Übelkeit aufgrund der verlängerten Pa- pillen erzeugen.

Die Ätiologie ist wahrscheinlich eine Veränderung der Mundhöhlenflora durch Rauchen, Antibiotikatherapie (Penicillin, Tetrazyklin), Niacinmangel und Lebererkrankung. Zudem kann die Langzeitverwendung von Antazida (Magensäurehemmer) und oxidierenden Mundspüllösungen (z.B Chlorhexidin) eine Haarzunge hervorrufen, ebenso wie die chronische Einnahme von Pepto-Bismol (Magen-Bismut, gegen Magenunstimmigkeiten). Männer sind häufiger betroffen.

Ein Rückgang erfolgt durch Behandlung der Ursache, verbunden mit Zungenreinigung mit 1%-2% Wasserstoffperoxid. Ein Stopp der Antibiose nach vorgeschriebener Einnahmezeit lässt die Mundflora regenerieren, d.h. das Vorkommen der pigment- produzierenden MO verringert sich.

--lingua plicata (Faltenzunge): Lange, tiefe und mittige Furchung des Zungenrückens mit unregelmäßigen, seitlich zum Zungenrand auslaufenden Spalten. In den tieferen Anteilen der Furchen sind keine Papillen vorhanden und Debris* kann sich sammeln. Mikroorganismen vermehren sich und können eine Glossitis verursachen. Zudem kann durch die bakterielle Verstoffwechselung des Debris* Halitosis entstehen. Häufigste Alterserscheinung der Zunge (Prävalenz ca. 5-11,4%), auch in Verbindung mit Down Syndrom, Akromegalie, Sjögren-Syndrom, Psoriasis, lingua geographica und Melkersson-Rosenthal-Syndrom.

Behandlung durch Zungenreinigung nach Nahrungsaufnahme und abends, um die Furchen sauber zu halten und Halitosis und Glossitis vorzubeugen. Hat der Patient Schmerzen, kann ein Oberflächenanästhetikum helfen.[2]

- Gingivitis: Diese ist Ätiologie des Mundgeruchs in 31%[18] der Fälle, da hierbei Plaque metabolisiert wird. Die Prävalenz liegt bei über 90%.

- Parodontitis: In 28%[18] entsteht Mundgeruch durch die erhöhte Taschentiefe, welche ein anaerobes Milieu mit niedrigem pH-Wert begünstigt und die Decarboxylierung von Aminosäuren aktiviert. Die VSC*-Konzentration nimmt zu, wodurch die Entstehung einer Parodontitis begünstigt wird. Die VSCs* erhöhen die Permeabilität des Epithels, somit können bakterielle Metabolite in das subepitheliale Gewebe des Parodonts ein- dringen. Diese aktivieren die Interleukin-1-Produktion und stören die Wundheilung.

- kariöse Läsionen: Durch die mürbe Oberfläche wird Food impaction begünstigt,[42] während der Zersetzungsprozess des Zahnschmelzes weniger zum Geruch beiträgt.

- eröffnete Pulpa: Die Geruchsentstehung resultiert aus der Nekrose der Pulpa oder aus Pus im Kanal.

- abheilende Wunden: Das Koagel ist bedeckt mit Speichelglykoproteinen und abge- schilferten Zellen. Dies ermöglicht den Abbau von Proteinen und Peptiden sowie Fäulnis, vor allem bei infizierten Wunden.

- Pericoronitis/Dentitio difficilis/Gingivahyperplasie/Pseudotaschen: Mikroorganismen und Debris* retinieren subgingival, durch das anaerobe Milieu wird eine Zersetzung verursacht, welche häufig mit Pus einhergeht.

- Periimplantitis: Durch Plaqueakkumulation auf rau gewordener Implantatoberfläche (z.B. durch Scaling) hervorgerufen. Es treten tiefe periimplantäre Taschen und Kno- chenverlust auf.

- rezidivierende Ulzerationen: Bei dieser Autoimmunerkrankung von 1-2 Wochen Dau- er ist die komplette Mukosa betroffen. Die schwere Form mit großen, tiefen Ulzeratio- nen kann Halitosis verursachen.

- herpetische Gingivitis: Darunter versteht man das Vorkommen von Ulzerationen und gerötetem Zahnfleisch, welches häufig einen rezidivierenden Charakter hat.

- nekrotisierende ulzerierende Gingivitis/Parodontitis: Tritt bei geschwächter Immun- abwehr auf (Stress, HIV-Infektion).

- Tumor: Karzinome verursachen Halitosis.[42]

- Xerostomie: Bei wenig Salivation* erhöht sich die Plaqueakkumulation, sowie die VSC*-Freisetzung. Die Mundtrockenheit kann nach Strahlentherapie, als Nebenwir- kung von zahlreichen Medikamenten oder in Folge von Krankheiten, welche die Spei- chelsekretion stören, auftreten.

- Piercing: Die am häufigsten auftretenden Komplikationen dieser Modeerscheinung sind Halitosis, Parodontitis, Zahnfrakturen, Glossitis und Abszesse.[40]

3.1.2.2 Extraoral

Über die extraoralen Ursachen soll eine kurze Übersicht durch folgende Tabelle gegeben werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Beispiele für extraorale Ursachen von Halitosis[30],[37],[43]

3.2 Body Image

(Kapitel angelehnt an [6],[23])

Definition: „ ... ‚Body Images’ sind kulturell durch Beziehungen mit anderen Menschen bestimmt Das ‚Body Image’-System ist dynamisch, interaktiv und so dicht zusammengeschlossen, dass weder ‚Body Image’ noch soziale Beziehungen Priorität ... gegenüber dem anderen haben.“[23]

Gerüche sind seit Jahrhunderten mit sozialen und kulturellen Werten belegt. Geruch sagt aus, wer man ist, und vermittelt zwischenmenschliche Aktivität sowie Erinnerungen und Gefühle.

Die Erfahrung eines Geruches ist intim, „äußerst persönlich“ und emotional bewertet, also „subjektiv“.[6] Der Geruch eines anderen wird oft nicht so sehr real wahrgenommen, sondern ist vielmehr ein Phänomen des Mögens oder Nichtmögens. So hinterlässt ein Duft einen angenehmen Eindruck bis hin zur Sympathie oder sexueller Erregbarkeit - unangenehmer Geruch hingegen schafft Antipathie, Distanz und kann Gefahr signalisie- ren (z.B. eine Dysfunktion der körperlichen, emotionalen oder mentalen Gesundheit). Letzteres trifft auch auf Mundgeruch zu. Er ist ein energetischer und einwirkender Aspekt des „Body Image“, welches neben der privaten Seite auch eine sehr öffentliche wider- spiegelt. Reklame steigert unser Bewusstsein und sensibilisiert unsere Sinne auf diese Thematik,[6] bei leicht beeinflussbaren Personen können „ungerechtfertigte Sorgen“ dies- bezüglich entstehen.[35]

Unser Eigenbild und damit der Grad des Selbstvertrauens in der Gesellschaft wird beein- flusst durch unsere Wahrnehmung und unsere Interpretation der Wahrnehmung von uns durch andere. Eng verbunden damit sind „Gedanken und Gefühle über den Körper, wel- che nicht unbedingt kongruent mit der physischen Realität sind“[6] (z.B. Anorexia nervo- sa). Körper- und Selbstbild und soziale Beziehungen greifen ineinander, wirken aufeinan- der ein und und haben starken wechselseitigen Einfluss[6]: Luft wird beim Sprechen ausge- stoßen, sie wirkt auf die ständige Selbstpräsentation und somit auch auf die gesellschaft- liche Akzeptanz. Wie eine Person ihren Atem wahrnimmt, beherrscht ihre Gefühle, ihr Selbstvertrauen[6] und ebenso, wie andere auf sie reagieren werden.

Wenn einmal Mundgeruch erfahren wird oder gedacht wird, dass er existiert, sind Selbst- bewusstsein und „Body Image“ angegriffen, welches zu Unsicherheit in sozialen Situatio- nen und zu einer geänderten Wahrnehmung der Umwelt[6] führt. Das heißt, die Betroffe- nen sind ausschließlich mit ihrem eigenen Atem beschäftigt[50] - ohne zu merken, dass auch andere Personen Mundgeruch haben - wobei das Ausmaß der Beeinflussung je nach Persönlichkeit und Charakterstärke sehr stark variiert. Bei manchen ist dieser Angriff so gravierend, dass sie sich ihr Leben lang darum sorgen, obwohl sie nur einmal darauf an- gesprochen wurden.[35]

Der Betroffene wird Taktiken benutzen, um Nähe zu Mitmenschen zu vermeiden Lochner 03,[34],[45],[50] obwohl dies zusammen mit der gesellschaftlichen Übermittlung des ‚Body Image’ Bindungen dezimiert. Die Folge ist Rückzug und Isolation.[6],[20],[21]

Mundgeruch-Patienten benötigen eine holistische (ganzheitliche) Diagnose und eine individuell darauf abgestimmte Therapie, da Halitosis - ob real oder eingebildet - das persönliche, berufliche und soziale Leben deutlich stören[7],[11],[29],[38],[50] und in extremen Fällen sogar Selbstmordgedanken mitbegründen kann.[6],[28],[49] In einer Studie waren soziale Einwirkungen der Hauptgrund, warum Patienten Hilfe gesucht haben.[23]

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
MUNDGERUCH - Wahrnehmungsstörung bei psychischen Erkrankungen
Note
1
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V186512
ISBN (eBook)
9783656994893
ISBN (Buch)
9783656994930
Dateigröße
1206 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mundgeruch, wahrnehmungsstörung, erkrankungen
Arbeit zitieren
Regine Bahrs (Autor), 2007, MUNDGERUCH - Wahrnehmungsstörung bei psychischen Erkrankungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186512

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